Es gibt ja so Orte, die versprechen dir sofortige Entspannung: ein See, ein Schwimmbad, irgendwo plätschert es, irgendwo schreit ein Kind „Maaaamaaa, der ist gemein!“, und irgendwo sitzt jemand mit Pommes in der Sonne und hat das Leben verstanden. Und dann gibt es den Parkplatz davor. Der Parkplatz ist nämlich nicht Entspannung. Der Parkplatz ist das Bewerbungsgespräch fürs Naherholungsgebiet: „Guten Tag, was können Sie?“ – „Ich kann stehen.“ – „Sehr gut, das kostet dann aber auch.“
Am Unterbacher See war das früher so eine Art romantischer Kompromiss zwischen Mensch und Schranke: erste Stunde frei, ab der zweiten zwei Euro fürs Tagesticket. Das klang nach: „Komm, geh ruhig eine Runde, atme durch, du bist willkommen.“ Und irgendwo im Hintergrund stand schon der Satz in Stein gemeißelt, den man in Deutschland auf jedes Parkscheinautomaten-Display drucken könnte: Wenn man die Parkgebühr einmal hat, ist es eine wunderbare Sache, an der Preisschraube zu drehen. Tja. Preisschraube gedreht. Seit dem 1. Januar sind’s vier Euro ab der zweiten Stunde. Vier Euro! Das ist der Moment, in dem dein Spaziergang plötzlich nicht mehr nach Wald riecht, sondern nach Excel-Tabelle.
Natürlich gibt es dafür Gründe, und die sind sogar vernünftig: Investitionsstau, Pflege, Grün zurückschneiden, Schlaglöcher, Beschilderung – kurz: Dinge, die niemand sieht, wenn sie funktionieren, aber jeder fotografiert, wenn sie nicht funktionieren. „Das kostet Geld“, heißt es. Stimmt. Und trotzdem fühlt es sich für viele an, als würde man beim Eintritt in die Naherholung eine kleine Luxusschranke überwinden müssen. Besonders, wenn man fürs Rund-um-den-See-Programm mindestens 75 Minuten braucht und dann nach dem Zurückkommen feststellt: Du bist jetzt offiziell zu lange glücklich gewesen.
Die Reaktion? Deutschlandtypisch herrlich: Empörung, Unterschriften, Petition. „Faire Parkgebühren am Unterbacher See“ – das klingt so, als könnte man dem Parkplatz jetzt endlich mal beibringen, dass er nicht der eigentliche Hauptdarsteller ist. Fast 1200 Unterschriften, und irgendwo da draußen sitzt jemand, der wahrscheinlich nur mal kurz „eine Runde drehen“ wollte und jetzt in einer Bewegung gelandet ist. Naherholung als gesellschaftliches Großprojekt. Wenn das so weitergeht, gibt’s demnächst Diskussionsabende im Klappstuhlkreis: „Parkschein und Demokratie – wer parkt hier eigentlich wen?“
Und während am See die Parkgebühr wächst wie ein ambitionierter Liguster, schaut man sich natürlich um: Wie ist das denn bei uns in Hilden, Haan und Umgebung? Spoiler: Es gibt noch Oasen der Hoffnung. Das Hildorado zum Beispiel – du kannst da parken, und wenn du wirklich schwimmen gehst (also nicht nur aus Versehen die Rutsche fotografierst und wieder fährst), wird dein Ticket freigeschaltet und du kommst gratis raus. Das ist wie ein kleines Vertrauensmodell: „Beweise, dass du Wasser gesehen hast, dann lassen wir dich ziehen.“ Ich stelle mir das vor wie im Märchen: Wer wirklich gebadet hat, darf ohne Tribut das Land verlassen.
Auch das Waldbad Hilden ist so ein sympathischer Ort: Parkplätze kostenfrei, aber begrenzt. Das ist die klassische Freibad-Philosophie: Geld nehmen wir nicht, aber du musst kämpfen. Entweder gegen die Parkplatzknappheit oder gegen den inneren Schweinehund, der dir zuflüstert: „Fahr doch nochmal im Kreis, vielleicht tut sich was.“ Und das Bad sagt ganz lieb: Kommt am besten mit Fahrrad oder ÖPNV. Übersetzung: „Wenn ihr alle mit dem Auto kommt, wird’s hier ein Waldbad mit Waldparkplatz-Survival.“
In Haan wird’s dann urbaner: Hallenbad, komfortable Parkmöglichkeiten in der Tiefgarage – und Tiefgaragen sind ja die Orte, an denen deine Orientierung stirbt, aber wenigstens geregelt. Bis 20 Minuten 50 Cent, bis 40 Minuten 1 Euro, bis eine Stunde 1,50 – jede weitere Stunde wieder 1,50, Tageskarte 8 Euro. Acht Euro! Da überlegst du dir beim Bahnenziehen plötzlich ganz genau, ob du wirklich noch „zum Auslockern“ zehn Minuten im Whirlpool brauchst oder ob das nicht auch Zuhause im Badezimmer geht, mit dem Duschkopf auf Massagestrahl und einer sehr optimistischen Fantasie.
Ganz anders das Vabali Spa: Pauschal 1,50 Euro fürs Parken, egal wie lange du bleibst. Das ist die Wellness-Version von: „Leg dich hin, vergiss die Zeit, wir machen das schon.“ Ich finde das konsequent. Wer schon freiwillig Entspannung bucht, sollte nicht zusätzlich auf dem Parkplatz die Pulsuhr kalibrieren müssen.
Im Badehaus Benrath wird’s dann wieder sehr deutsch und sehr fair: Parken kostet nach Zeit, aber wenn du die Quittung vorlegst, bekommst du einen Teil beim Eintritt zurück – maximal 1 Euro. Das ist ein bisschen wie: „Wir nehmen’s dir ab, aber nicht komplett, du sollst ja auch was lernen.“ Erziehung durch Teilerstattung. Man geht als besserer Mensch raus. Oder zumindest als Mensch mit einem Beleg, den man nicht verlieren darf, weil sonst aus dem Badetag ein Rechenfehler wird.
Und dann gibt’s die Helden der Übersicht: Neanderbad kostenfrei. Heidebad Solingen – ausgewiesene Parkplätze gratis. Stadtbad Langenfeld – großer Parkplatz gratis, nur bei Sommerwetter manchmal voll. Mona Mare Monheim – kostenfrei. Das sind die Orte, an denen du beim Aussteigen kurz innehältst und denkst: „Moment… niemand will Geld von mir? Ist das… erlaubt?“ Und dann gehst du schnell rein, bevor es jemand merkt.
Unterm Strich zeigt sich: Parken rund ums Schwimmen ist inzwischen ein eigenes Freizeitprogramm. Mal gratis mit Freischaltung, mal gratis mit „viel Glück“, mal Tiefgarage mit Stundentarif und Tageskarte, mal Pauschal-Entspannung, mal See mit Preisschraube und Petition. Und irgendwie passt das: Wasser fließt, Preise steigen, und der Mensch sucht weiterhin verzweifelt nach dem Ort, an dem er einfach nur planschen kann, ohne dass sein Auto in der Zwischenzeit eine kleine Mieteinnahme wird.
Vielleicht ist das die moderne Definition von Naherholung: Du fährst hin, parkst, zahlst oder nicht, regst dich kurz auf oder freust dich kurz, und dann gehst du schwimmen, um wieder runterzukommen. Ein perfekter Kreislauf. Fast so rund wie eine Seerunde – nur eben mit Schranke.
Freitag, 20. Februar 2026
20.2.2026: Mit dem Auto ins Wasser: Wenn der Parkplatz mehr schluckt als du
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