Sonntag, 12. April 2026

12.4.2026: Hilden rennt – aber die Bahn macht schlapp

In Hilden gibt es eine Laufbahn, die schon vieles gesehen hat: ehrgeizige Sportabzeichen-Aspiranten, fliegende Hildanuslauf-Schuhe, Schulklassen in unterschiedlichen Motivationszuständen und wahrscheinlich auch so manchen Menschen, der sich beim ersten Sprint fest vorgenommen hat, ab sofort „wieder regelmäßig was zu machen“. Die Tartanbahn am Bandsbusch ist also nicht irgendein roter Kreis mit Linien, sondern ein echtes Arbeitstier des Hildener Sports. Genau das ist nun allerdings auch ihr Problem: Wer jahrzehntelang zuverlässig für alle da ist, sieht irgendwann eben nicht mehr taufrisch aus. Und so hat die Stadt jetzt offiziell festgestellt, was vermutlich jeder geübte Blick längst ahnte: Die Bahn ist stark beschädigt, die Entwässerung unzureichend und normgerecht ist das Ganze auch nicht mehr. Anders gesagt: Selbst die Laufbahn hätte inzwischen wohl gute Gründe, sich mal krankzumelden.

Dabei begann alles einst mit einem kleinen sportästhetischen Traum. Der frühere Sportdezernent Reinhard Gatzke stellte sich für das Stadion am Bandsbusch eine blaue Laufbahn vor, inspiriert vom Berliner Olympiastadion. Man merkt: Auch in der Kommunalpolitik gibt es gelegentlich Momente, in denen das Herz kurz vor dem Taschenrechner gewinnt. Am Ende setzte sich dann aber doch die sachliche Lösung durch, was sehr deutsch ist und in diesem Fall wohl auch günstiger. So wurde die Bezirkssportanlage zum sportlichen Mittelpunkt in Hilden, unter anderem als Leistungsstützpunkt der LG Hilden. Heute steht weniger die Farbe im Mittelpunkt als vielmehr die Tatsache, dass die Bahn inzwischen so deutlich in die Jahre gekommen ist, dass man fast erwarten könnte, sie erzählt beim Vorbeilaufen von früher.

Genutzt wird sie jedenfalls reichlich. Schul- und Vereinssport, Leichtathletik-Wettbewerbe, Sportfeste der Förderschulen, Hildanuslauf, Sportabzeichen und sogar das „Laufen unter Flutlicht“ – diese Bahn ist im Grunde die Mehrzweckhalle unter den Freiluftanlagen. Dazu kommen noch Bürgerinnen und Bürger, die sie einfach fürs informelle Sporttreiben nutzen. Allein dieses Wort ist wunderbar. Informelles Sporttreiben klingt ein bisschen so, als würde man geschniegelt mit Stoppuhr und Clipboard erscheinen, meint aber im Grunde: Menschen laufen dort einfach, weil sie Lust haben, fitter zu sein oder sich nach dem dritten Stück Kuchen kurz selbst beeindrucken möchten.

Nun soll also 2027 die komplette Erneuerung kommen. Und komplett heißt hier wirklich komplett: Belag, Einfassungen, Barrieren und eine normgerechte Entwässerung. Die Bahn bekommt damit gewissermaßen keine Schönheitskur, sondern eine Rundum-Verjüngung, wie man sie sonst nur von Prominenten oder Altbauküchen kennt. Veranschlagt werden dafür rund 1,5 Millionen Euro. Das ist die Art Summe, bei der man als normaler Mensch kurz innehält und denkt, dass man für deutlich weniger Geld schon sehr viele Sportschuhe kaufen könnte. Aber gut, die halten dann auch keine ganze Stadt aus.

Ursprünglich sollte in einem Aufwasch auch noch das angrenzende Kleinspielfeld saniert werden, für rund 316.000 Euro. Doch nun soll der Rat erst einmal nur über die Tartanbahn entscheiden. Auch das wirkt vertraut: Wenn es ernst wird, muss man Prioritäten setzen. Erst die Laufbahn, dann der Rest. Ausschreibung im zweiten Quartal 2026, Umsetzung im ersten Halbjahr 2027 – wetterabhängig natürlich, denn selbst bei bester Planung bleibt der deutsche Baukalender in einer komplizierten Beziehung zum Himmel.

Immerhin bleibt die Anlage in diesem Jahr durchgehend nutzbar. Das ist die gute Nachricht für alle, die weiterhin Runden drehen, Punkte fürs Sportabzeichen sammeln oder beim Hildanuslauf nicht nur mitlaufen, sondern auch ankommen möchten. Und vielleicht gibt es ja sogar Fördergeld. Die Sanierung wurde für das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ gemeldet, bei dem der Bund sich mit bis zu 45 Prozent beteiligen kann. Der Rest bleibt bei der Kommune, was in etwa der finanzpolitischen Version von „Wir helfen gern, aber ganz allein machen wir’s auch nicht“ entspricht.

Am Ende ist diese Geschichte eigentlich sehr Hilden: eine viel genutzte Sportanlage, eine marode Bahn, ein millionenschweres Sanierungsprojekt und die Hoffnung, dass am Schluss wieder alles rund läuft – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Tartanbahn am Bandsbusch bekommt also bald ihre zweite Luft. Und das ist auch gut so. Denn wenn in einer Stadt schon alle immer wieder zum Laufen motiviert werden, sollte wenigstens der Untergrund nicht aussehen, als hätte er selbst gerade keine Kraft mehr.

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