In Hilden steht eine große Veränderung bevor, und nein, diesmal geht es nicht um neue Poller, Baustellen oder die Frage, warum man ausgerechnet dann keinen Parkplatz findet, wenn man nur „ganz kurz“ Brötchen holen will. Es geht ums Gas. Genauer gesagt: um die Umstellung von L-Gas auf H-Gas. Klingt erst einmal wie eine neue Diätformel aus dem Internet, ist aber tatsächlich eine ziemlich handfeste technische Angelegenheit.
Bisher kam in Hilden L-Gas aus den Niederlanden durch die Leitungen. Das „L“ steht dabei nicht für „lässig“, „leise“ oder „läuft schon irgendwie“, sondern für „Low Calorific“, also einen geringeren Energiegehalt. H-Gas wiederum steht für „High Calorific“ und hat entsprechend mehr Energie in der Leitung. Man könnte also sagen: Hilden steigt von der gemütlichen Gaskanne auf den kräftigeren Energiedrink um. Nur hoffentlich ohne Herzrasen beim Heizkessel.
Der Grund für die Umstellung ist nicht, dass irgendjemand bei den Stadtwerken morgens aufgewacht ist und dachte: „Ach, heute bringen wir mal 11.200 Haushalte ein bisschen durcheinander.“ Vielmehr liefern die Niederlande künftig kein L-Gas mehr nach Deutschland. Die Förderfelder dort sind nach und nach erschöpft, und ab dem 1. Oktober 2029 ist endgültig Schluss mit dem niederländischen L-Gas. Damit Hilden nicht irgendwann kollektiv im Wollpullover unter der kalten Dusche steht, wird rechtzeitig umgestellt.
Betroffen sind in Hilden rund 14.500 Erdgasgeräte in Haushalten und Unternehmen. Also Heizungen, Warmwasseranlagen und all die technischen Kästen, die meistens irgendwo im Keller hängen und so lange ignoriert werden, bis sie komische Geräusche machen. Damit diese Geräte künftig mit H-Gas klarkommen, müssen sie zunächst erfasst und später angepasst werden. Das passiert nicht per Zauberspruch, sondern durch Monteurinnen und Monteure, die im Auftrag der Stadtwerke unterwegs sein werden.
Jeder betroffene Haushalt bekommt mindestens zweimal Besuch. Beim ersten Termin wird geschaut, was da eigentlich im Keller, Hauswirtschaftsraum oder in der Abstellkammer vor sich hin arbeitet. Gerätetyp, Hersteller und wichtige Daten werden aufgenommen. Beim zweiten Termin wird das Gerät technisch angepasst, zum Beispiel durch den Austausch von Gasdüsen. Das klingt nach Feinarbeit, und genau das ist es auch. Man sollte also nicht selbst mit Schraubenzieher und YouTube-Tutorial loslegen. Der Satz „Ich hab da mal was am Gasgerät probiert“ gehört nämlich zu den Sätzen, bei denen Fachleute sehr schnell sehr blass werden.
Die gute Nachricht: Die Arbeiten sind für die Gasnutzer kostenlos. Niemand muss vor Ort bezahlen, niemand bekommt dafür eine Rechnung, und niemand sollte einem angeblichen Monteur Bargeld in die Hand drücken, nur weil dieser besonders überzeugend „Ich bin vom Gas“ sagt. Die Stadtwerke kündigen alle Termine rechtzeitig per Post an und geben auch Sicherheitshinweise, damit man echte Monteure von falschen unterscheiden kann. In Zeiten, in denen schon Paketboten, Glasfaserberater und angebliche Gewinnspielbeauftragte an der Tür klingeln, ist das durchaus beruhigend.
Los geht es voraussichtlich im Januar 2027 mit der Erhebung der Geräte. Ab Februar 2028 beginnt dann die technische Anpassung. Der große Schalttermin für Hilden ist für den 27. Juni 2028 vorgesehen. Das ist gewissermaßen der Tag, an dem Hilden offiziell auf H-Gas umsteigt. Kein Feiertag, kein Schützenumzug, vermutlich auch kein Feuerwerk, aber technisch betrachtet ein ziemlich bedeutender Moment.
Bis dahin heißt es: Briefe der Stadtwerke lesen, Termine im Blick behalten und dem Heizgerät gelegentlich freundlich zunicken. Es hat schließlich auch Gefühle. Oder zumindest eine Seriennummer. Und wer weiß: Vielleicht wird die Gasumstellung am Ende eines dieser seltenen Großprojekte, bei denen alles funktioniert, niemand panisch wird und Hilden einfach weiter warm duscht. Das wäre doch mal richtig heiß.
Sonntag, 26. April 2026
26.4.2026: Hilden gibt Gas – aber bald mit mehr Wumms
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