Mittwoch, 22. April 2026

22.4.2026: Hilden spart nicht, Hilden schmückt sich lieber

Es gibt kommunalpolitische Debatten, bei denen man sofort merkt: Hier geht es um die großen Fragen des Lebens. Frieden, Freiheit, Fernwärme – und natürlich den Weihnachtsmarkt. In Hilden hat sich der Stadtrat jetzt mit einer besonders festlichen Form der Haushaltsdisziplin beschäftigt: der Idee, beim Stadtmarketing zu sparen. Die SPD dachte offenbar, man könne bei der Stadtwerbung vielleicht hier und da ein paar Euro finden, die nicht sofort mit Lichterketten, Bühnenprogramm oder Glühweinromantik verknotet sind. Der Rat sah das anders und lehnte den Antrag recht deutlich ab. Man könnte auch sagen: Der Sparvorschlag wurde so gründlich wegdekoriert wie ein Tannenbaum am ersten Advent.

Bürgermeister Claus Pommer machte klar, dass Stadtmarketing in Hilden kein luxuriöser Nebenbei-Spaß ist, sondern eher eine Art emotionales Zuschussgeschäft mit Lämpchen. Besonders Bürgerfestival, Weihnachtsmarkt und Stadtschmuck seien die dicken Brocken im Etat. Und kostendeckend sei das alles sowieso nicht. Das ist im Grunde auch beruhigend, denn niemand möchte in einer Welt leben, in der ein Bürgerfestival plötzlich mit der Effizienz eines Logistikzentrums organisiert wird. Ein Fest, das Gewinn macht, klingt ohnehin eher nach Flughafen-Gebühr als nach guter Laune.

Besonders charmant wird die Sache beim Blick auf die Zahlen. Der Weihnachtsmarkt kostet 45.000 Euro, bringt aber nur 25.000 Euro ein. Anders gesagt: Jeder Schluck festliche Stimmung wird mit kommunaler Hingabe mitfinanziert. Das Bürgerfestival schlägt mit 27.000 Euro zu Buche und spielt gerade mal 5700 Euro ein – ein Verhältnis, bei dem jeder Kassenwart kurz stumm gegen die Wand schaut. Und dann noch Stadtschmuck und Winterlicht für 43.500 Euro. Allein dieser Posten klingt schon so, als hätte sich die Stadt gesagt: Wenn wir schon sparen müssen, dann bitte nicht am Funkeln. Insgesamt kostete das Stadtmarketing 2025 also 161.100 Euro, während nur 56.700 Euro hereinkamen. Betriebswirtschaftlich ist das schwierig, atmosphärisch aber offenbar ein Volltreffer.

Die eigentliche Pointe an der Debatte ist ja, dass alle irgendwie recht haben. Die SPD schaut auf die Zahlen und denkt: Vielleicht sollten wir nicht jeden Euro in Girlanden verwandeln. Der Bürgermeister schaut auf die Realität und sagt sinngemäß: Versucht mal heute ein öffentliches Event zu organisieren, ohne dass Sicherheitsauflagen, Logistik und Organisation aus jedem Bratwurststand eine halbe Verwaltungsreform machen. Und die Grünen erinnern daran, dass eine Stadt eben nicht nur aus Asphalt, Aktenordnern und Parkscheiben besteht, sondern auch aus sogenannten weichen Standortfaktoren. Ein herrlicher Begriff übrigens, der klingt, als könne man ihn mit zwei Kissen und einem Lavendeltee lösen. Gemeint ist aber: Menschen und Unternehmen ziehen lieber dorthin, wo es nicht nur Steuern und Satzungen gibt, sondern auch Licht, Leben und gelegentlich einen Weihnachtsmarkt mit Reibekuchen.

Besonders schön war der nostalgische Einwurf aus der FDP, dass es früher mal einen ehrenamtlich organisierten Weihnachtsmarkt gab, in den „nicht eine Mark der Stadt geflossen ist“. Das ist der Moment, in dem sich ganz Deutschland kollektiv nach einer Zeit zurücksehnt, in der Märkte offenbar einfach aus ein paar Holzbüdchen, einem Verlängerungskabel und dem guten Willen von Onkel Dieter bestanden. Der Bürgermeister konterte jedoch trocken, dass es damals eben ganz andere Sicherheitsauflagen gegeben habe. Übersetzt heißt das: Früher reichte es, wenn jemand einen Schal umhatte und „passt schon“ sagte. Heute braucht man vermutlich für den Aufbau eines Tannenbaums einen Lageplan, ein Sicherheitskonzept und drei unterschriebene Zuständigkeiten.

So bleibt am Ende der Eindruck, dass Hilden vorerst nicht den Rotstift, sondern eher die Lichterkette in der Hand behält. Die Stadt zahlt drauf, ja, aber offenbar mit Überzeugung. Denn zwischen nüchterner Haushaltslogik und kommunaler Lebensfreude gewinnt in diesem Fall die Erkenntnis, dass ein Ort ohne Feste, ohne Schmuck und ohne ein bisschen geförderte Gemütlichkeit zwar günstiger wäre – aber eben auch deutlich trostloser. Und ganz ehrlich: Wenn schon Subventionsgeschäft, dann doch bitte eines mit Weihnachtsmarkt, Winterlicht und Bürgerfestival. Es gibt schlechtere Arten, Geld auszugeben, als für eine Stadt, die nicht nur funktioniert, sondern sich auch mal hübsch macht.

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