Es ist wieder so weit: Hilden macht ernst mit dem Klimaschutz, ölt gedanklich schon mal die Fahrradkette und ruft zum „Stadtradeln 2026“ auf. Vom 17. Mai bis zum 6. Juni darf wieder kräftig gestrampelt, geschwitzt und mit leicht stolzgeschwellter Brust auf den Kilometerzähler geschielt werden. Gemeinsam mit den neun Nachbarkommunen aus dem Kreis Mettmann zeigt die Stadt, dass man für eine bessere Umwelt nicht immer gleich einen Wald pflanzen muss – manchmal reicht es schon, den Autoschlüssel beleidigt in die Schublade zu werfen und stattdessen aufs Rad zu steigen.
Das Schöne dabei: Mitmachen kann praktisch jeder, der in Hilden lebt, arbeitet, zur Schule geht oder irgendwo Mitglied ist – also ungefähr alle außer vielleicht der Goldfisch im Wohnzimmer. Die Teilnahmebedingungen sind herrlich überschaubar: Man braucht ein Fahrrad und sollte sich anmelden. Das ist schon alles. Keine Alpenüberquerung, kein Eignungstest, kein Motivationsseminar mit PowerPoint. Einfach bei „Hilden im Kreis Mettmann“ einloggen, Team aussuchen oder selbst eins gründen und dann losradeln, als gäbe es an jeder Ecke Gratis-Eis.
Besonders charmant ist ja die Sache mit den Teams. Man kann sich einem bestehenden Team anschließen oder mit Kollegium, Freundeskreis oder Familie eine eigene Mannschaft gründen. Endlich ein Anlass, bei dem man Oma, den Nachbarn und den Kollegen aus dem Controlling in eine Gruppe werfen kann, ohne dass es gleich awkward wird. Und plötzlich entstehen ganz neue Dynamiken: Menschen, die sonst schon bei drei Treppenstufen „sportlich genug für heute“ murmeln, diskutieren auf einmal ernsthaft über Reifenluftdruck, Sattelhöhe und die Frage, ob der Weg zum Bäcker wirklich nicht auch als Training zählt. Natürlich zählt er. Jeder Kilometer zählt. Selbst der zum Kiosk. Vor allem der zum Kiosk.
Die Stadt Hilden wirbt völlig zu Recht damit, dass Radfahren gut für Gesundheit, Motivation und Umwelt ist. Ein echter Dreierpack also – quasi das Überraschungsei für Erwachsene, nur ohne Schokolade und mit mehr Muskelkater. Bürgermeister Claus Pommer formuliert es diplomatisch und motivierend, aber im Kern läuft es auf Folgendes hinaus: Wer öfter aufs Fahrrad steigt, tut sich selbst etwas Gutes, der Stadt auch, und nebenbei freut sich vermutlich sogar das schlechte Gewissen, das sich sonst immer meldet, wenn man für zwei Kilometer das Auto startet. In Hilden sind viele Wege ja nur zwei bis drei Kilometer lang. Das ist keine Distanz, das ist eine freundliche Einladung vom Universum, endlich mal wieder in die Pedale zu treten statt im Stau auf den Rückspiegel des Vordermanns zu starren.
Und dann diese Zahlen: 26 Quadratkilometer Stadtfläche, über 100 Kilometer Radverkehrsnetz. Das ist im Grunde Hildens charmante Art zu sagen: „Ausreden sind heute leider ausverkauft.“ Die Bedingungen sind hervorragend, der Aufruf ist da, die Anmeldung ist einfach – jetzt fehlt eigentlich nur noch der Moment, in dem man das Fahrrad aus dem Keller holt und feststellt, dass es dort seit letztem Sommer mehr Spinnweben gesammelt hat als Kilometer. Aber auch dafür ist Stadtradeln da: als freundlicher Tritt in die Motivation, ganz ohne unfreundlich zu wirken.
Wer ganz technikaffin ist, trägt seine Kilometer online oder per App ein. Und weil wir in modernen Zeiten leben, werden die erfassten Daten sogar anonymisiert und von der Technischen Universität Dresden wissenschaftlich ausgewertet. Das heißt: Während man gemütlich oder weniger gemütlich durch Hilden radelt, wird im Hintergrund auch noch geforscht. Man fährt also nicht nur fürs Klima, sondern irgendwie auch ein kleines bisschen für die Wissenschaft. Da fühlt sich selbst der Weg zum Supermarkt plötzlich verdächtig bedeutend an.
Am Ende ist „Stadtradeln“ genau die Art von Aktion, die zeigt, dass Klimaschutz nicht immer nach Verzicht klingen muss. Man kann dabei frische Luft schnappen, sich bewegen, Mitstreiter finden und ganz nebenbei die Stadt ein Stück lebenswerter machen. Und mal ehrlich: Es hat doch auch etwas herrlich Befriedigendes, an parkenden Autos vorbeizuradeln und innerlich zu denken: Heute läuft’s. Oder besser gesagt: Heute rollt’s.
Mittwoch, 8. April 2026
8.4.2026: Hilden tritt in die Pedale – und der innere Schweinehund rennt keuchend hinterher
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