In Hilden gibt es wieder diese ganz besondere Sorte Lokalnachricht, bei der man sich denkt: Natürlich. Natürlich dauert in Deutschland selbst das Wiederaufhängen eines Leuchtschilds länger als seine Reparatur. Aber immerhin: Es gibt Fortschritte. Das legendäre Schild mit dem Slogan „Hilden – was liegt näher…“ ist restauriert und glänzt nun schneller als erwartet in neuem alten Ruhm. Das allein ist schon fast eine kleine Sensation, denn normalerweise kennt man solche Projekte eher unter dem Arbeitstitel „Wird geprüft“ oder „Ist Gegenstand weiterer Abstimmungen“.
Während Stadt und Politik noch darüber nachdenken, wie Hilden sich künftig selbst bewerben möchte und welcher neue Slogan denn nun gleichzeitig modern, identitätsstiftend und möglichst nicht peinlich sein soll, hat der Stadtmarketing e.V. einfach gemacht. Nicht zu verwechseln mit dem Stadtmarketing-Citymanagement im Rathaus, was in sich schon wieder so herrlich deutsch ist, dass man fast ein zweites Leuchtschild bräuchte mit der Aufschrift: „Achtung, es gibt mehrere Zuständigkeiten.“ Jedenfalls wurde die kaputte Anlage auf eigene Kosten repariert, und zwar nicht irgendwann, sondern schneller als geplant. In Hilden ist das ungefähr die kommunalpolitische Version eines Formel-1-Boxenstopps.
Nun ist das Schild also fertig, aber natürlich noch nicht wieder aufgehängt. Denn bevor in Deutschland etwas leuchten darf, müssen erst noch Anschlagpunkte geprüft, Seile kontrolliert, vertragliche Regelungen geklärt und entstehende Kosten besprochen werden. Mit anderen Worten: Die eigentliche Reparatur war der leichte Teil. Die wahre Herausforderung ist, wie immer, das organisatorische Ballett aus Sicherheitsprüfung, Abstimmung und Zuständigkeitsgymnastik. Man kann sich direkt vorstellen, wie irgendwo ein Ordner mit dem Titel „Leuchtschild Mittelstraße – Aufhängung“ angelegt wurde, in dem jetzt ganz feierlich Menschen E-Mails schreiben, damit ein Schild wieder da hängt, wo es früher schon einmal hing.
Besonders charmant ist dabei, dass der Slogan selbst offiziell schon als veraltet und nicht mehr zeitgemäß gilt. Das Schild ist also im Grunde eine leuchtende Übergangslösung mit Nostalgiefaktor. Es darf noch einmal strahlen, bis der Stadt ein neuer Werbespruch einfällt. Hilden gönnt sich damit gewissermaßen ein sentimentales Best-of seiner Eigenwerbung. Frei nach dem Motto: Der Claim mag alt sein, aber solange wir keinen besseren haben, darf er noch einmal an die frische Luft. Das ist ein bisschen so, als würde man den Pullover aus den 90ern nochmal tragen, weil man noch nicht weiß, was man stattdessen anziehen soll.
Und weil ein leuchtender Slogan allein noch keine Innenstadt aufhübscht, will der Stadtmarketing e.V. von Ende April bis Ende Oktober auch noch Blumenampeln aufhängen. Hilden setzt also 2026 auf die große Kombination aus Licht und Geranie. Das ist keine Stadtverschönerung mehr, das ist fast schon ein Moodboard. Man bekommt direkt das Bild einer Fußgängerzone, die sagen will: „Ja, wir hatten harte Jahre, aber schaut mal – wir blühen wieder auf. Und wir können sogar wieder leuchten.“
Überhaupt steckt in dieser Nachricht etwas wunderbar Tröstliches. Während andernorts große Visionen verkündet und dann vergessen werden, arbeitet man sich in Hilden ganz pragmatisch an den echten Symbolen der Stadtidentität ab: ein altes Leuchtschild, sichere Seile, geklärte Kosten, Blumenampeln für die warme Jahreszeit. Das hat nichts von Glamour, aber sehr viel von ehrlicher Innenstadtromantik. Und vielleicht ist genau das die wahre Botschaft: Nicht jeder Fortschritt kommt mit Pomp und Pathos daher. Manchmal beginnt er einfach damit, dass ein alter Slogan geschniegelt wird und die Stadt hofft, ihn bald wieder irgendwo dranhängen zu dürfen.
Es gibt also tatsächlich Lichtblicke für die Hildener Fußgängerzone. Im wörtlichen Sinne sogar. Jetzt muss nur noch geklärt werden, wer was wann wie befestigt, bezahlt und vertraglich absichert. Dann könnte das gute Stück schon bald wieder über der Mittelstraße hängen und allen zurufen: „Hilden – was liegt näher…“ Die ehrliche Antwort lautet derzeit vermutlich: eine Sicherheitsprüfung.
Freitag, 3. April 2026
3.4.2026: Hilden hängt an alten Slogans – und bald auch wieder an der Mittelstraße
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