In Hilden ist es wieder so weit: Das Stadtradeln steht vor der Tür, und plötzlich klingt die Stadt, als hätte jemand gleichzeitig eine Klimakonferenz, ein Sportfest und den Titelwettbewerb für die besten Vereinsnamen eröffnet. Schon jetzt haben sich 116 Menschen in 26 Teams angemeldet, was einerseits solide klingt und andererseits auch ein bisschen nach „Da geht noch was, Hilden!“ riecht. Die Stadt hofft jedenfalls auf mehr Beteiligung, schließlich sollen vom 17. Mai bis 6. Juni nicht nur Reifen rollen, sondern am besten auch gleich die guten Vorsätze der gesamten Bürgerschaft.
Besonders schön ist, dass in Hilden offenbar niemand einfach nur Rad fährt. Nein, hier wird mit Haltung gestrampelt. Mit dabei sind Schulen, Feuerwehr, Kirchen, DLRG, Unternehmen, Stadtverwaltung und sogar Teile des Stadtrats. Allein das klingt schon nach einer sehr deutschen Version der Tour de France, nur mit mehr Warnwesten, Excel-Tabellen und wahrscheinlich jemandem, der fragt, ob für die Strecke auch ein Protokoll geführt wird. Die stärkste Gruppe heißt bislang „Evangelisches Hilden radelt mit“, was sympathisch bodenständig ist. Andere Teams greifen sprachlich allerdings deutlich beherzter ins Lenkrad: „Kettenquäler“, „Kilometerfresser“ und mein persönlicher Favorit „Pedal Sakral“. Spätestens bei diesem Namen ist klar: In Hilden wird nicht einfach Rad gefahren, hier wird missioniert – notfalls auf zwei Rädern.
Das Prinzip hinter dem Stadtradeln ist schnell erklärt: weniger Auto, mehr Fahrrad, weniger CO2, mehr Wadenkrampf. Jeder geradelte Kilometer zählt, und am Ende wird zusammengerechnet, wie viel Klimaschaden man der Welt diesmal erspart hat. Bürgermeister Claus Pommer bringt das erwartungsgemäß staatsmännisch auf den Punkt und verweist auf Gesundheit, Teamgeist und eine lebenswerte Zukunft. Das klingt vernünftig, ist aber auch die höfliche Umschreibung dafür, dass man ruhig mal das Auto stehen lassen und herausfinden könnte, ob die Strecke zum Bäcker tatsächlich nicht ausschließlich mit vier Rädern zu bewältigen ist.
Im vergangenen Jahr kamen bereits rund 150.000 Kilometer zusammen. Das ist eine Zahl, bei der man kurz schluckt und sich fragt, ob Hilden heimlich schon eine eigene Radnation ist. Diesen Erfolg will man jetzt übertreffen. Der Ehrgeiz ist also da, und Ehrgeiz ist beim Stadtradeln bekanntlich eine gefährliche Sache. Erst fährt man ein bisschen fürs Klima, dann schaut man heimlich aufs Kilometerkonto des Nachbarteams, und plötzlich wird der spontane Umweg über Erkrath zur persönlichen Charakterfrage. Irgendwo wird mit Sicherheit schon jetzt jemand überlegen, ob man den Weg zum Briefkasten korrekt als Trainingsrunde dokumentieren kann.
Wer mitmachen will, kann sich online registrieren oder den Vorjahresaccount nutzen, was sehr komfortabel ist, weil man sich so direkt wieder in den freundlichen Wettbewerb um Ruhm, Ehre und vermutlich leicht verspannte Oberschenkel stürzen kann. Außerdem lädt der Bürgermeister zu einer Feierabendtour ein. Das klingt herrlich harmlos, ist aber erfahrungsgemäß genau die Art Veranstaltung, bei der man am Anfang noch plaudernd losfährt und sich zwanzig Minuten später fragt, warum alle plötzlich so sportlich gucken.
Unterm Strich bleibt: Hilden meint es ernst mit dem Radeln, aber zum Glück nicht humorlos. Wer Städte an ihrer Fantasie misst, ist bei Teamnamen wie „Pedal Sakral“ ohnehin in guten Händen. Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass sich bis zum Start noch ein paar weitere Teams anmelden. Vorschläge hätte ich genug: „Die Speichen des Zorns“, „Tour de Amtsschimmel“ oder „Gangschaltung ins Glück“. Hilden, übernehmen Sie.
Donnerstag, 16. April 2026
16.4.2026: Hilden tritt in die Pedale – und das offenbar mit göttlichem Beistand
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