Dienstag, 14. April 2026

14.4.2026: Waldbad auf Diät: Hilden startet mit halber Kraft, aber vollem Chlorgefühl in die Saison

Es gibt in Hilden derzeit genau zwei Arten von Menschen: diejenigen, die beim Anblick von blauem Wasser sofort an Sommer, Pommes und Freibadpominenz denken, und diejenigen, die rote Absperrungen sehen und innerlich schon wieder „typisch“ murmeln. Im Hildener Waldbad treffen gerade beide Gefühlslagen charmant aufeinander. Das Wasser ist bereits da, frisch, blau und derart verführerisch, dass man am liebsten im Vorbeigehen Badehose und Würde abwerfen und direkt losschwimmen würde. Leider funkt die Realität dazwischen – in Form von Absperrungen, Renovierungsarbeiten und einem Fachkräftemangel, der inzwischen offenbar sogar dem Freibad die Laune verdirbt.

Am 11. Mai soll die Saison losgehen, was erstmal nach einer guten Nachricht klingt. Endlich wieder Freibad, endlich wieder das kollektive Gefühl, dass 19 Grad Außentemperatur völlig ausreichen, um so zu tun, als sei man in Rimini. Doch bevor der erste elegante Kopfsprung die Wasseroberfläche küsst und der erste Vater in Badeschlappen seine Familie militärisch Richtung Liegewiese kommandiert, wird im Waldbad noch ordentlich gewerkelt. Petar Dimovski verfugt frisch gelegte Fliesen, und allein dieses Wort – „verfugen“ – klingt schon so, als würde hier mit größter deutscher Gründlichkeit der Sommer zusammengebaut. Zweieinhalb Monate dauert die „Auswinterung“ des Freibads, was ungefähr so romantisch klingt wie Frühjahrsputz im Kühlhaus, aber offenbar nötig ist, damit später alle wieder mit nassen Füßen über perfekt instand gesetzte Flächen tapsen können.

Das Problem ist nur: Ein schönes Bad allein reicht nicht, wenn niemand da ist, der aufpasst, dass Kevin nicht mit einer Arschbombe aus drei Metern den halben Beckenrand flutet. Es fehlt an Personal, und zwar nicht zu knapp. Rettungsschwimmer und Fachkräfte werden händeringend gesucht. Man stellt sich dieses „händeringend“ automatisch sehr dramatisch vor: irgendwo am Beckenrand steht jemand mit Trillerpfeife, blickt gen Himmel und ruft: „Gibt es denn niemanden mehr, der Bronze, Silber und Autorität besitzt?“ Offenbar ist genau das die Lage. Das Waldbad muss deshalb mit verkürzten Öffnungszeiten in die Saison starten. Der Sommer in Hilden wird also ein bisschen wie ein guter Serienstart mit zu wenigen Folgen: viel Vorfreude, schönes Setting, aber man hätte gern etwas mehr davon.

Trotzdem sollte man die Sache positiv sehen. Erstens: Das Sprungbecken ist schon fertig, was beweist, dass in Hilden zumindest theoretisch bald wieder Menschen sehr mutig wirken können, bevor sie beim Eintritt ins Wasser alle Eleganz verlieren. Zweitens: Das Bad öffnet überhaupt. In Zeiten, in denen man bei jeder Nachricht aus Infrastruktur und öffentlichem Leben mit einem leichten Zucken reagiert, ist das schon fast Grund zum Feiern. Und drittens: Vielleicht führt der Personalmangel ja zu ganz neuen Freibad-Disziplinen. „Synchronisiertes Früherschließen“ etwa. Oder „100 Meter Kraulen, bevor der Laden wieder zumacht“.

Das Hildener Waldbad bleibt damit ein wunderbares Symbol für den deutschen Sommer 2026: alles ist grundsätzlich da – Wasser, Fliesen, Hoffnung –, aber irgendwo fehlt noch Personal, Zeit oder beides. Doch genau das macht Freibäder ja so liebenswert. Sie sind nie perfekt, aber immer ein Versprechen. Auf Chlor in den Haaren, Pommes in der Pappschale und dieses ganz besondere Gefühl, dass ein freier Nachmittag im Freibad immer ein kleines bisschen nach Ferien schmeckt. Hilden muss sich also noch ein wenig gedulden. Aber wenn die Saison dann losgeht, werden die ersten Bahnen vermutlich mit einer Mischung aus Freude, Triumph und leichter Genervtheit geschwommen. Also eigentlich ganz normal.

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