Hilden kann im Moment wirklich nicht behaupten, dass nichts los wäre. Die Straßen werden saniert, Tempo 30 wird politisch hin- und hergewendet, der Hoxbach bekommt Starkregenhilfe, die A59 macht Pendlern Sorgen, und irgendwo wandert eine Nebellanze durch die Mittelstraße. Aber mitten in all diesen sehr erwachsenen Themen gibt es jetzt eine Nachricht, die deutlich leichter, bunter und fröhlicher klingt: Hilden hat sein Kinderprinzenpaar für die Session 2026/2027.
Prinzessin Finja Sophie Sroka und Prinz Till Klausgrete übernehmen die närrische Regentschaft. Unterstützt werden sie von Hofdame Mare Vukas Sibalic und Adjutant Max Meschede. Damit steht das junge Quartett fest, das Hilden durch den Kinderkarneval führen wird. Und auch wenn die Session erst in gut vier Monaten beginnt, ist schon jetzt klar: Diese vier bringen genug Energie mit, um im Alten Ratssaal vermutlich sogar die Lufttemperatur noch einmal anzuheben.
Die Proklamation fand im Bürgerhaus statt, im Alten Ratssaal, der mit Familien, Großeltern, Freunden und Karnevalisten bis auf den letzten Platz gefüllt war. Es war heiß, voll und aufgeregt – also im Grunde eine perfekte Generalprobe für den Hildener Karneval. Denn Karneval ist selten kühl, leer und sachlich. Karneval braucht Nähe, Applaus, ein bisschen Chaos und Menschen, die mit großen Augen merken: Jetzt geht es wirklich los.
Der stellvertretende Bürgermeister Peter Groß proklamierte die jungen Tollitäten und sprach davon, dass das Kinderprinzenpaar und sein Hof für rheinische und Hildener Werte stehen. Das klingt erst einmal feierlich, ist aber tatsächlich wichtig. Denn Karneval lebt nicht nur von Kostümen, Kamelle und Musik. Er lebt davon, dass Kinder früh erleben: Man darf auftreten, man darf lachen, man darf sich etwas trauen, man darf Teil einer Gemeinschaft sein. Und ja, man darf auch Orden sammeln.
Besonders Prinz Till hat dafür offenbar schon eine klare Strategie. Sein Vater ist seit 20 Jahren bei den Hildener Musketieren, Till selbst ist bereits passives Mitglied. Karneval ist ihm also nicht völlig fremd. Sein Ziel für die Session ist bemerkenswert konkret: Am Ende möchte er mehr Orden gesammelt haben als sein Vater. Das ist sportlich. Andere Kinder wollen vielleicht ein neues Fahrrad, ein Haustier oder mehr Bildschirmzeit. Till will Orden. Man merkt: Hier wächst jemand mit närrischem Ehrgeiz heran.
Sein Motto lautet selbstbewusst: „Wir rocken Karneval!“ Das ist kein vorsichtiges „Wir schauen mal, wie es läuft“. Das ist eine Ansage. Hilden darf sich also auf eine Session einstellen, in der der Kinderprinz nicht verwaltet, sondern rockt. Und wer Till zuhört, ahnt: Mut bringt er mit. Ein Kinderprinz müsse vor allem mutig sein, sagt er. Besonders beim Vorlesen auf der großen Bühne und beim Verteilen der Orden. Aufgeregt sei er selbst nicht, eher seine Eltern. Das ist eine sehr souveräne Rollenverteilung.
Prinzessin Finja wiederum bringt tänzerische Erfahrung mit. Sie tanzt bei den CCH-Flöhen in der Garde und freut sich besonders auf die kommenden Auftritte. Das Prinzessinnenkleid und das Diadem haben es ihr angetan. Beides lässt sie sich wie eine Prinzessin fühlen. Ein royales Vorbild braucht sie dafür nicht. Finja will ihre Rolle auf ihre eigene Weise ausfüllen. Das ist sympathisch. Hilden bekommt also keine Kopie irgendeiner Märchenprinzessin, sondern eine eigene, tanzende, selbstbewusste Karnevalsprinzessin.
Dass sie das Tanzen auch im Alltag liebt und mit ihrem kleinen Bruder Finn übt, passt wunderbar. Karneval beginnt eben nicht erst auf der Bühne. Er beginnt im Kinderzimmer, im Training, beim Kostümprobieren, beim heimlichen Üben von Bewegungen und bei der Vorfreude auf den Moment, wenn Musik läuft und alle hinschauen. Für Finja dürfte diese Session eine Zeit werden, die man nicht so schnell vergisst.
Auch Hofdame Mare ist karnevalistisch erfahren. Sie hat sich in diesem Jahr einen Traum erfüllt und wurde bei den CCH-Flöhen Tanzmariechen. Das allein zeigt schon, dass sie nicht nur schmückendes Beiwerk im Hofstaat ist, sondern mit eigener Begeisterung dabei ist. Mare war es auch, die Adjutant Max in das karnevalistische Treiben hineinschnuppern ließ. Die beiden gehen in dieselbe Klasse, und offenbar war ihre Überzeugungskraft erfolgreich.
Max hatte bislang vor allem Erfahrung im Kamelle-Sammeln. Das ist allerdings keine schlechte Grundlage. Wer Karneval zunächst aus der Perspektive der Süßigkeiten erlebt, versteht bereits einen wichtigen Teil der Sache. Nun ist er richtig dabei. Vom Kamelle-Sammler zum Adjutanten – das ist eine klassische Hildener Aufstiegsgeschichte mit Konfetti.
Besonders schön ist die Frage, was die Kinder ändern würden, wenn sie wirklich einmal im Rathaus regieren dürften. Finja würde dafür sorgen, dass alle Kinder einfach machen können, was sie wollen. Das ist aus Kindersicht konsequent und vermutlich der Albtraum jeder Verwaltung. Man stelle sich vor: ein Tag lang freie Kinderherrschaft im Rathaus. Keine Ausschüsse, keine Vorlagen, keine Parkraumkonzepte. Stattdessen Eis, Musik, Tanzen und vielleicht ein allgemeines Verbot von Hausaufgaben.
Till denkt politisch etwas gezielter: An Karneval gäbe es für alle frei. Das ist ein Vorschlag, der wahrscheinlich spontan breite Zustimmung finden würde – nicht nur bei Kindern. Man darf vermuten, dass dieser Antrag im Stadtrat mehr Applaus bekäme als manche Verkehrsvorlage. „Karneval frei für alle“ hat zumindest eine Klarheit, die viele kommunalpolitische Beschlüsse nicht immer erreichen.
Während der Session werden Finja, Till, Mare und Max Schulbesuche absolvieren und an vielen karnevalistischen Veranstaltungen teilnehmen. Das klingt nach Spaß, ist aber auch ein straffes Programm. Wer Kinderprinzenpaar ist, trägt nicht nur Krone und Orden, sondern auch Termine. Auftritte, Fotos, Reden, Fahrten, Begrüßungen, Applaus, Kostüme – das alles gehört dazu. Für Kinder ist das aufregend, für Eltern wahrscheinlich logistisch ähnlich anspruchsvoll wie eine kleine Tournee.
Unterstützung gibt es von der Hildener Narrenakademie. Das ist gut, denn junge Tollitäten brauchen Begleitung. Karneval sieht von außen leicht aus, hat aber seine eigenen Regeln, Abläufe und Traditionen. Wer wann spricht, wer welchen Orden bekommt, wann man winkt, wo man steht und wie man bei der dritten Veranstaltung des Tages noch lächelt – all das will gelernt sein.
Dabei geht es nicht nur um Brauchtumspflege. Es geht auch um Selbstvertrauen. Wer als Kind auf einer Bühne steht, einen Saal begrüßt, Orden verteilt oder vor Menschen spricht, lernt etwas fürs Leben. Vielleicht sogar mehr als in mancher Unterrichtsstunde. Karneval ist in diesem Sinne eine sehr rheinische Schule für Mut, Gemeinschaft und Lampenfieberbewältigung.
Und Hilden kann froh sein, dass es Kinder gibt, die Lust darauf haben. In vielen Vereinen wird Nachwuchs gesucht. Ob DRK, Sportverein, Musik, Brauchtum oder Karneval – überall stellt sich die Frage, wer weitermacht. Wenn ein Kinderprinzenpaar mit so viel Vorfreude antritt, ist das deshalb mehr als eine nette Meldung. Es ist ein Zeichen, dass der Hildener Karneval Zukunft hat.
Natürlich ist Karneval nicht jedermanns Sache. Es gibt Menschen, die bei „Helau“ innerlich den Rückzug antreten. Aber selbst die sollten anerkennen: Kinderkarneval hat etwas Unschuldiges und Verbindendes. Hier geht es nicht um große Reden oder Sitzungsmarathon, sondern um Freude, Kostüme, Musik, Tanz und das Gefühl, für eine Weile etwas Besonderes zu sein.
Finja und Till wirken jedenfalls bereit. Sie bringen Tanz, Mut, Ordenambition und klare Rathausideen mit. Mare bringt Tanzmariechen-Erfahrung und Begeisterung mit. Max bringt frische Neugier und Kamelle-Kompetenz mit. Zusammen ist das ein Hofstaat, der Hilden gut durch die kommende Session bringen dürfte.
Und vielleicht ist genau das die schönste Nachricht: Während Erwachsene über Tempo 30, Autobahnen, Versiegelung und Zuständigkeiten streiten, übernehmen Kinder für ein paar Monate die närrische Perspektive. Sie sagen nicht: „Wir prüfen das.“ Sie sagen: „Wir rocken Karneval.“
Das ist deutlich kürzer, verständlicher und wahrscheinlich auch stimmungsvoller.
Hilden bekommt also ein Kinderprinzenpaar mit Haltung, Herz und Humor. Prinzessin Finja tanzt sich in die Session, Prinz Till sammelt Orden mit sportlichem Ehrgeiz, Hofdame Mare freut sich auf Kinderkarneval, und Adjutant Max ist jetzt endgültig mittendrin statt nur am Straßenrand mit Kamellebeutel.
Die Session kann kommen.
Und falls Finja und Till wirklich einmal im Rathaus regieren dürfen, sollte man vorsichtshalber schon jetzt prüfen, ob an Karneval alle frei bekommen.
Nur zur Sicherheit. Hilden hat schließlich Erfahrung mit überraschenden Beschlüssen.
Montag, 20. Juli 2026
20.7.2026: Hilden bekommt kleine Tollitäten – oder: Wenn Finja und Till den Karneval rocken
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