Es ist wieder so weit: Die Hochdahler Straße in Hilden geht in die nächste Bau-Runde – oder wie die Stadtwerke es nennen würden: der Abschnittstanz der Leitungsverlegung. Seit dem Jahr 2024 schleicht die Baustelle abschnittsweise durch das Stadtbild, als würde sie eine Schnitzeljagd gegen den Verkehrsfluss veranstalten. Aktuell liegt der Fokus auf dem Streckenabschnitt zwischen Beethovenstraße und „Am Jägersteig“ – eine Strecke, die Autofahrende mittlerweile vermutlich im Schlaf rückwärts fahren könnten.
Wer in den vergangenen Tagen in einem dieser eleganten Rückstauschlangen-Formationen gestanden hat, weiß: Das ist keine einfache Baustelle, das ist ein Geduldsepos. Die Baustellenampel – in mittlerweile vier Phasen gegliedert – zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn man die Ampelphasen nicht auf Verkehr, sondern auf die innere Reife des Fahrers abstimmt. Manche warten dort so lange, dass sie anfangen, Podcasts rückwärts zu hören oder meditativ auf das rhythmische Blinken des Baustellenlichts starren.
Die Stadtwerke geben sich indes betont entspannt. Alles im grünen Bereich, Rückstaulänge laut Baustellenbeauftragten „nicht unangemessen“. Klar, was sind schon drei Kilometer Stillstand gegen das große Ziel: neue Leitungen, Netzausbau, Fortschritt! Wahrscheinlich denkt man in Hilden längst über Baustellenführungen mit Audio-Guide nach. „Links sehen Sie den legendären Abschnitt von Januar 2026 – bekannt für seine besonders inspirierenden Rotphasen.“
Apropos Inspiration: Einige Anwohner beobachten mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Abenteuerlust, dass Autofahrer trotz der Sperrung weiterhin vom Jägersteig auf die Hochdahler Straße abbiegen – vermutlich im Glauben, das Baustellenchaos sei nur ein Paralleluniversum und nicht wirklich Teil ihrer Realität. Vielleicht ist das Ganze aber auch nur ein soziales Experiment. „Wie verhalten sich Menschen, wenn sie vier Wochen lang immer wieder denselben Bagger sehen?“ Die Antwort: Sie fahren trotzdem. Immer. Wieder.
Also liebe Hildenerinnen und Hildener: Nutzt die Zeit im Stau, atmet tief durch, lasst euch von der Baustelle in den Zen-Modus schaukeln. Wer braucht schon einen Wellnessurlaub, wenn man auf der Hochdahler Straße mit Baustellen-Ambiente, hupendem Verkehrschor und blinkenden Ampeln das volle Entspannungsprogramm hat? In vier Wochen ist alles vorbei. Vielleicht. Eventuell. Ganz sicher. Hoffentlich.
Sonntag, 18. Januar 2026
18.1.2026: Baustellen-Yoga auf der Hochdahler Straße: Der Stau als neues Achtsamkeitstraining
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