Samstag, 17. Januar 2026

17.1.2026: Wenn Schüler auf Shoppingtour gehen – Aldi Hilden wird zum Pausen-Abenteuerland

Hilden, einst eine beschauliche Stadt mit netten Reihenhäusern, Kreisverkehren und einer durchschnittlichen Dichte an Bäckereien – hat jetzt ihr eigenes Bermuda-Dreieck: den Aldi an der Gerresheimer Straße. Dort verschwinden regelmäßig Croissants, Gummibärchen und der letzte Rest Geduld von wartenden Rentnern. Der Grund: Schüler. Hunderte. Jeden Mittag. Ein Schwarm pubertierender Snack-Sammler auf der Jagd nach dem günstigsten Zuckerschock der Region.

Was wie eine harmlose Snack-Odyssee klingt, geriet zuletzt außer Kontrolle. Laut Schulleitern der benachbarten Schulen – der Wilhelmine-Fliedner-Gesamtschule und dem Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium (kurz: „Bonni“, für Freunde von Abkürzungen und Alliterationen) – kam es zu einem „Vorfall“. Nein, kein Überfall mit Einkaufswagen als Ramböcken, aber immerhin genug Durcheinander, um Eltern mit Rundbriefen zu beglücken – dem wahrscheinlich einzigen Papier, das Schüler NICHT freiwillig aus Aldi tragen.

Während man in Hilden munkelte, es sei zu einem Schüler-Aufstand mit Gummibärchen-Katapulten und Energydrink-Regen gekommen, gab sich Aldi-Süd tiefenentspannt. „Alles im Rahmen“, heißt es aus der Zentrale, vermutlich beim zweiten Kaffee des Tages. In der Unternehmenssprache klingt das ungefähr wie: „Ja, ein paar Chipstüten lagen quer, aber wir haben schon schlimmeres gesehen – zum Beispiel Rabatt-Tage bei Nutella.“

Die Schulen reagierten pflichtbewusst pädagogisch korrekt: Briefe, Gespräche, disziplinarische Maßnahmen im Wiederholungsfall – die volle Erziehungsdröhnung. Sozialstunden und Schulverweise schweben wie dunkle Wolken über den Aldi-Gängern der Klassenstufen 7 bis 13. Aber immerhin dürfen die Jugendlichen das Schulgelände in Pausen verlassen, solange sie sich draußen benehmen wie – na ja, wie Menschen, die nicht bei Aldi randalieren.

Ein Vater – vermutlich jemand, der morgens um 6 Uhr mit Thermoskanne pendelt – zeigte sich zwar überrascht vom Vorfall, aber nicht von der Tatsache, dass sein Kind lieber zu Aldi geht als zu den Schul-Automaten nebenan. Die nämlich sind teuer, energydrinkverseucht und haben ungefähr die kulinarische Bandbreite eines Parkplatz-Kiosks in der Sahara. „Aldi ist billiger“, sagt er. Und das dürfte in Teenager-Logik etwa gleichbedeutend sein mit „Aldi ist heiliger Boden“.

Dass andere Kunden das tägliche Schüler-Flashmob-Festival nicht ganz so charmant finden, ist nachvollziehbar. Da steht man nichtsahnend in der Kassenschlange mit einem Päckchen Kaffefilter und wird plötzlich von 73 Schülern mit Doppeldöner, Club Mate und einer offenen Bluetooth-Box umzingelt. Für einige ist das wie ein Live-Konzert mit Körperkontakt – nur ohne Ticket und mit sehr viel Axe-Deo in der Luft.

Aber seien wir ehrlich: Das ist nicht neu. Schon 2015 titelte die Lokalzeitung: „Wenn die Schüler den Discounter stürmen“. Es ist also eher eine lieb gewonnene Hildener Tradition. Andere Städte haben Denkmäler, Hilden hat den Pausen-Aldi.

Fazit: Die Kombination aus jugendlicher Energie, günstigen Preisen und einem Discounter in Schulnähe ist hochexplosiv – und offenbar wieder mal losgegangen. Aber keine Sorge: Die Schulen schreiben Briefe, Aldi bleibt cool, und die Schüler haben gelernt, dass es bei Chaos keine Treuepunkte gibt. Bis zum nächsten Snack-Ansturm.

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