Januar in Hilden. Draußen ist es grau, der Glühwein von Weihnachten noch halb verdaulich, und was findet man im Briefkasten? Einen lieben Gruß vom Amt für Finanzservice! Kein Gutscheinheft, keine Einladung zum Neujahrsempfang – nein, es sind die Gebührenbescheide. Für Abfall, für Straßenreinigung, für Winterdienst – quasi die große Drei der städtischen Servicefreuden. Wer sich auf einen kuscheligen Jahresstart ohne Papierkram gefreut hat, wird enttäuscht: Willkommen im Verwaltungstango mit Anschreiben, Gebührenverzeichnis und dem charmanten Hinweis, dass Müllmarken von 2024 auch 2026 noch was gelten. Nachhaltigkeit à la Hilden.
Doch nicht alles ist so klar geregelt wie die Frage, ob Bio- oder Restmülltonne (Spoiler: kommt drauf an, ob's riecht). Die Grundsteuerbescheide zum Beispiel bleiben dieses Jahr erstmal *in der Schublade*. Wegen „unklarer rechtlicher Lage“, wie es so schön heißt. Und während ganz Deutschland darüber diskutiert, ob die neue Grundsteuer überhaupt verfassungskonform ist, sagt Hilden: „Dann halt nicht.“ Wer schon fleißig vorausgezahlt hat, bekommt das Geld sogar zurück – was, seien wir ehrlich, bei städtischen Behörden etwa so oft passiert wie Schneefall im August.
Für echte Kommunikation mit dem Amt braucht man allerdings gutes Timing. Telefonisch erreichbar ist man dienstags von 14 bis 16 Uhr – also exakt während der Zeit, in der der Durchschnitts-Hildener entweder arbeitet oder in der Warteschlange beim Bäcker steht. Wer lieber hingeht, kann das dienstags vormittags oder donnerstags nachmittags tun. Also genau dann, wenn das Ordnungsamt garantiert das Auto abschleppt, weil man in der Eile auf dem Behindertenparkplatz stand. Und sollte man außerhalb dieser Öffnungszeiten ein Anliegen haben, wird das „so schnell wie möglich bearbeitet“. Also irgendwann zwischen Aschermittwoch und Sankt-Nimmerleins-Tag.
Besonders spannend wird es, wenn man seine Mülltonne tauschen will. Das geht nämlich nicht einfach so am Wertstoffhof – nein, dafür kommt jemand vom *Zentralen Bauhof* persönlich vorbei. Man stelle sich das romantische Bild vor: ein städtischer Mitarbeiter, der im Morgengrauen die neue Biotonne wie einen Schatz über den Gartenzaun hebt, während man im Bademantel anerkennend nickt.
Für alles Weitere gibt’s Formulare online. SEPA-Mandate, Tonnen-Anpassungen, das volle Programm. Nur faxen darf man auch noch. Ja, richtig gelesen. Fax. 2026. In einer Welt mit KI, Marsmissionen und Toastern, die sich mit dem WLAN verbinden, setzt Hilden weiterhin auf piepsende Papiermaschinen aus den 90ern. Irgendwo in einem Amtszimmer steht wahrscheinlich noch ein Nadeldrucker und druckt Gebührenerinnerungen auf Endlospapier mit diesen lustigen Lochrändern.
Kurzum: Das neue Jahr beginnt in Hilden so, wie es sich für eine Stadt mit gut organisierter Bürokratie gehört – mit Gebühren, Fragen, Faxnummern und einem Hauch Nostalgie. Nur die Grundsteuer? Die macht dieses Jahr blau. Wahrscheinlich wartet sie noch auf ihren eigenen Gebührenbescheid.
Mittwoch, 14. Januar 2026
14.1.2026: Post vom Amt – oder: Wie Hilden versucht, den Humor in der Mülltonne zu versenken
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