Freitag, 29. Mai 2026

29.5.2026: Nachspielzeit für die Nachtruhe: Public Viewing im Kreis Mettmann

Die Fußball-WM 2026 steht vor der Tür, und im Kreis Mettmann herrscht eine Stimmung, die man irgendwo zwischen „Sommermärchen“ und „Wecker stellen fürs Achtelfinale“ einordnen kann. Früher war Public Viewing einfach: Trikot an, Nachbarn einsammeln, ab zur Leinwand, spätestens nach der Nationalhymne war irgendwer heiser. Dieses Jahr allerdings hat der Spielplan offenbar beschlossen, die Fans nicht nur sportlich, sondern auch schlaftechnisch herauszufordern. Anstoßzeiten um 22 Uhr oder womöglich mitten in der Nacht sind eben nichts für Menschen, die am nächsten Morgen wieder so tun müssen, als seien sie funktionierende Mitglieder der Gesellschaft.

In Ratingen zeigt man sich tapfer und stellt wieder den Marktplatz in den Dienst des runden Leders. Dort werden die deutschen Gruppenspiele gezeigt, und falls die Mannschaft weiterkommt, darf der Marktplatz möglicherweise bis zum Finale am 19. Juli weiterzittern. Das ist konsequent: Wenn schon Schlafmangel, dann bitte mit Bratwurst, Gemeinschaftsgefühl und der realistischen Chance, dass jemand beim Elfmeterschießen seinen Getränkebecher zerdrückt.

Heiligenhaus geht die Sache etwas gemütlicher an. Unter freiem Himmel liegen keine klassischen Public-Viewing-Anträge vor, aber im Kultur- und Freizeitzentrum „Der Club“ sollen die Deutschland-Spiele laufen. Dort ist bei 199 Personen Schluss, was praktisch ist: Mehr Menschen passen vermutlich ohnehin nicht in einen Raum, wenn alle gleichzeitig erklären, warum der Bundestrainer endlich auf sie hören sollte. Auch das Bürgerhaus Dorfkirche Isenbügel möchte seinen Veranstaltungsraum wieder zur Fußball-Arena machen. Bei gutem Wetter sogar draußen unter dem Vordach – ein Ort, der vermutlich wie geschaffen ist für Menschen, die Fußball lieben, aber Regenwolken misstrauen.

In Velbert wird ebenfalls geplant, allerdings mit einem Hauch von „mal sehen, ob Deutschland überhaupt so lange mitmacht“. Public Viewing soll es bei der Sonnenwendfeier in Tönisheide und beim Tropical Beats Festival geben. Das klingt nach einer Mischung aus Fußball, Sommer, Musik und organisatorischem Optimismus. Allerdings sind die Veranstaltungen grundsätzlich nur bis Mitternacht genehmigt. Sollte also ein Spiel später beginnen, könnte die Leinwand schwarz bleiben – was je nach Turnierverlauf vielleicht sogar die nervenschonendere Variante ist.

Mettmann setzt auf Bürgervereine. In Metzkausen soll das Spiel gegen die Elfenbeinküste auf dem Parkplatz vor dem Vereinsheim gezeigt werden, während Obschwarzbach gleich alle drei Gruppenspiele im Bürgerhaus anbietet. Einlass jeweils eine Stunde vor Anpfiff – genug Zeit also, um sich einen Platz zu sichern, taktische Fehlentscheidungen vorab zu besprechen und innerlich schon einmal auf „Wir müssen mehr über die Flügel kommen“ umzuschalten.

In Wülfrath möchte die Leiterrunde der Kirchengemeinde St. Maximin bei allen deutschen Spielen zum gemeinsamen Schauen einladen. Noch fehlt allerdings die endgültige Genehmigung, weil späte Spiele, Sonntage und Wochentage eine Kombination ergeben, bei der jede Lärmschutzverordnung nervös mit dem Textmarker wedelt. Man kann es verstehen: Jubel um 23.47 Uhr klingt für Fans nach Emotion, für schlafende Anwohner aber eher nach „Wer hat da gerade den Rasenmäher mit Vuvuzela verwechselt?“

Und Hilden? Hilden macht es auf seine ganz eigene Art. Während es in der Stadthalle anders als 2024 kein Public Viewing geben wird, fällt das erste Deutschland-Spiel am 14. Juni mitten ins Schützenfest der St. Seb. Schützenbruderschaft. Also wird auf dem Alten Markt gemeinsam geschaut. Das ist vermutlich die rheinischste Lösung überhaupt: Wenn die WM schon spät kommt, dann bitte wenigstens mit Schützenfestkulisse. Der VfB Hilden dagegen verzichtet in diesem Jahr bewusst auf ein eigenes Public Viewing, vor allem wegen der späten Anstoßzeiten und der schwer kalkulierbaren Besucherzahlen. Schließlich ist es eine Sache, um 22 Uhr noch „Deutschland vor!“ zu rufen, und eine andere, um 2.18 Uhr morgens zu überlegen, ob man noch nach Hause geht oder direkt zur Arbeit.

So zeigt sich im Kreis Mettmann: Die WM 2026 wird nicht nur ein Turnier der Nationen, sondern auch ein Belastungstest für Koffein, Nachbarschaftsfrieden und die Frage, wie viel Fußballbegeisterung in eine mitteleuropäische Schlafroutine passt. Public Viewing gibt es weiterhin – nur eben dosierter, vorsichtiger und mit deutlich mehr Blick auf die Uhr. Früher hieß es: „Wir sehen uns auf dem Platz.“ 2026 heißt es eher: „Wir sehen uns auf dem Platz – aber bitte nur, wenn der Anpfiff noch vor der Tiefschlafphase liegt.“ 

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