Sonntag, 31. Mai 2026

31.5.2026: Hildener Bürgerfestival: Wenn die Profiband plötzlich mitfeiert

In Hilden wird wieder Bürgerfestival gefeiert, und eigentlich klingt das erst einmal nach einer sehr friedlichen Angelegenheit: Hildener Gruppen, Hildener Kultur, Hildener Publikum, Hildener Bühne – vermutlich sogar mit Hildener Wetter, das sich zwischen „ganz nett“ und „wir stellen vorsichtshalber doch mal einen Pavillon auf“ einpendelt. Doch nun ist Bewegung in die Sache gekommen. Denn beim Bürgerfestival am Wochenende des 11. und 12. Juli soll am Samstagabend auf Wunsch von Bürgermeister Claus Pommer eine professionelle Band auftreten. Und zwar nicht irgendein spontaner Zusammenschluss von Nachbarn mit Cajón, Blockflöte und großem Selbstvertrauen, sondern eine externe Profiband. Zack, da war sie, die kommunalpolitische Bassdrum. 

Die SPD fragt nun, ob das noch zum Charakter des Bürgerfestivals passt. Schließlich soll dieses Fest traditionell eine Bühne für Hildener Bürgerinnen, Bürger und Kulturschaffende sein. Man könnte sagen: Das Bürgerfestival ist eigentlich der Ort, an dem lokale Talente glänzen dürfen, ohne dass von außen jemand mit Nebelmaschine, Tourbus und Gagenvorstellung auf den Alten Markt rollt. Die Sozialdemokraten möchten deshalb wissen, ob der Auftritt einer externen Band nicht eine Art musikalischer Fremdkörper ist – oder zumindest ein sehr gut bezahlter Gast auf einer Party, zu der ursprünglich die Nachbarschaft eingeladen war.

Das Rathaus wiederum sieht die Sache entspannter. Die Idee sei, mit dem erweiterten Angebot auch neue Festivalbesucher zu erreichen. Übersetzt heißt das ungefähr: Vielleicht kommt ja jemand, der bislang dachte, Bürgerfestival sei nur etwas für Menschen, die Klappstühle besitzen und jeden Programmpunkt persönlich kennen. Dass Nicht-Hildener auch Gage verlangen, nimmt man dabei in Kauf. Eine bemerkenswerte Erkenntnis: Profimusiker leben offenbar nicht ausschließlich von Applaus, Dankesworten und einem Getränkebon für die Pause.

Insgesamt sollen Gagen in Höhe von 4175 Euro gezahlt werden, gedeckt durch die vorhandenen Haushaltsmittel. Nun ist Geld in der Kommunalpolitik bekanntlich nie einfach nur Geld. Es ist immer auch ein Signal, ein Prüfstein, ein Reizwort und gelegentlich ein Grund, warum in Ausschüssen Menschen sehr langsam ihre Brille absetzen. SPD-Ratsmitglied Steffen Kirchhoff hält die Ausgabe angesichts der angespannten Haushaltslage für problematisch. Zumal es ja auch Hildener Bands gebe, die man hätte engagieren können. Und tatsächlich: Wer ein Fest der lokalen Kultur veranstaltet, könnte auf die Idee kommen, erst einmal lokal zu suchen. So wie man beim Bäcker nebenan Brötchen kauft und nicht extra einen Croissant-Experten aus Lyon einfliegen lässt.

Andererseits hat auch die Rathaus-Logik ihren Reiz. Ein Bürgerfestival darf natürlich wachsen, sich verändern und vielleicht auch mal neue Besucher anlocken. Die spannende Frage ist nur: Wie viel „neu“ verträgt ein Fest, bevor die alte Idee darunter ein bisschen ins Schwitzen gerät? Eine externe Profiband kann ein Höhepunkt sein. Sie kann aber auch wirken wie der entfernte Cousin, der auf der Familienfeier plötzlich die Musikanlage übernimmt und sagt: „Ich hab da mal was vorbereitet.“

Am Ende bleibt Hilden also eine Frage, die größer ist als zwei Stunden Musik am Samstagabend: Wem gehört die Bühne beim Bürgerfestival? Den lokalen Gruppen, die das Fest mit Leben füllen? Einer Stadt, die mehr Publikum erreichen will? Oder allen zusammen, sofern niemand beim Soundcheck die kommunale Harmonie übersteuert?

Vielleicht wird der Auftritt ja ein voller Erfolg. Vielleicht tanzt der Alte Markt, die SPD wippt heimlich mit dem Fuß, und am Ende sagt jemand: „War doch gar nicht so schlimm.“ Vielleicht steht aber auch irgendwo ein Hildener Musiker mit Gitarre und denkt: „Für 4175 Euro hätte ich sogar noch die Zugabe selbst moderiert.“

Sicher ist nur: Das Bürgerfestival hat schon vor dem ersten Akkord seinen ersten großen Programmpunkt geliefert. Nicht auf der Bühne, sondern in der Debatte. Und das ist irgendwie auch sehr Hilden: Erst wird diskutiert, dann gefeiert – und zwischendurch fragt jemand ganz sachlich, ob dafür eigentlich Haushaltsmittel vorgesehen sind.

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