Montag, 19. Januar 2026

19.1.2026: Leerstandslust statt Ladenfrust: Willkommen im Hildener Immobilien-Mikado

In Hilden weht ein frischer Wind – allerdings nicht durch geöffnete Ladentüren, sondern durch leerstehende Schaufenster. Wer dieser Tage durch die Mittelstraße schlendert, hat gute Chancen, sich auf einer Art Stadtführung der besonderen Art wiederzufinden: „Hier stand mal Deko. Da war mal Pasta. Und dort hinten, da konnte man für einen Euro das halbe Inventar eines Wohnzimmers kaufen.“ Manch ein Ladenlokal ist inzwischen so lange leer, dass selbst die Spinnenweben einen Gewerbeschein beantragt haben.

Früher war alles einfacher, sagen die Makler – und meinen damit nicht nur die Mieter. Da reichte ein bisschen Farbe an der Wand, ein Schaufensteraufsteller und der Zauber der Worte „in guter Lage“ – schwupps, war das Ding vermietet. Heute reicht selbst eine Schaufensterfront von acht Metern und ein Laden in 1a-Lage nicht mehr aus, um jemandem das Herz zu erwärmen. „Da ist noch gar kein Estrich drin“, wird zum Argument auf Augenhöhe mit „Die Energie der Immobilie fühlt sich nicht richtig an“ – was Makler Max Schäfer sicher in sein nächstes Exposé aufnimmt.

Der Hildener Einzelhandel steht vor der ultimativen Challenge: dem Casting für „Germany’s Next Top-Mieter“. Die Anforderungen sind dabei inzwischen strenger als bei der Auswahl fürs Dschungelcamp: nachhaltig soll er sein, solide, mit innerer Balance, am besten keine plötzlichen Döner-Gelüste oder Ambitionen Richtung Barber-Shop. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ein holländischer Fritten-Pionier an einer Stufe scheitert? Aber so ist das eben, wenn der Zugang zum Kunden wortwörtlich ins Stolpern gerät.

Derweil basteln Eigentümer, Makler und Stadtverwaltung an kreativen Lösungen – von Mietpreisverhandlungen bis hin zu Studien über „vitale Innenstädte“. (Spoiler: Vital ist gerade nur der Leerstand.) Die Wirtschaftsförderung bleibt tapfer und optimistisch. Man kann sich bildlich vorstellen, wie sie in einem leeren Ladenlokal sitzt, zwischen Kartons voller Hoffnung, und murmelt: „Das wird schon wieder.“

Immerhin: Es bewegt sich was. Zum Beispiel der Ein-Euro-Shop – raus aus dem Rathaus-Center. Wer glaubt, dass das niemand bemerkt hat, irrt. Eigentümer Manfred Kluth sieht sich mit einem neuen Bewerber-Spektrum konfrontiert, das irgendwo zwischen halbgar und völlig ungenießbar schwankt. Wer dachte, Dönerläden wären ein sicheres Investment, merkt schnell: in Hilden ist selbst der Fleischspieß ein schwieriger Verhandlungspartner.

Und dann wäre da noch die Preisfrage. 12 bis 40 Euro pro Quadratmeter, sagt der Mietspiegel. Realistisch? Nur, wenn man in Monopoly lebt. Viele Vermieter kalkulieren weiterhin mit Umsätzen aus dem Jahr 2015, während die Kundschaft inzwischen lieber spart, statt Deko-Krims zu shoppen. Wer die Innenausstattung selbst bestimmen darf, fragt sich inzwischen vor allem: „Was kostet ein Schild mit der Aufschrift ‚Zu vermieten‘ in Goldbuchstaben?“

Vielleicht ist es ja auch Zeit für neue Konzepte. Wie wäre es mit einem Pop-up-Museum für gescheiterte Geschäftsideen? Oder einer Erlebnisführung durch die „Lost Shops of Hilden“ – inklusive Taschenlampe und Gänsehaut-Atmosphäre? Die Stadt wird kreativ werden müssen, denn die Realität hat das Drehbuch schon längst geschrieben – nur leider kein Happy End... noch nicht.

Denn wenn Hilden eines hat, dann ist es Potenzial – und ziemlich viel freie Verkaufsfläche, um es irgendwann auch mal wieder zu zeigen. Bis dahin bleibt uns die Hoffnung, dass zumindest der nächste Burger-Laden etwas länger durchhält als eine Tiefkühlpizza im Backofen.

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