Es gibt Nachrichten, bei denen man als Autofahrer kurz innehält, tief durchatmet und sich fragt, ob das Navigationsgerät eigentlich auch psychologische Betreuung anbietet. Die nächste dieser Nachrichten ist da: Ab Freitag, 2. Oktober, wird die A59 zwischen Monheim und dem Autobahndreieck Düsseldorf-Süd in Fahrtrichtung Düsseldorf komplett gesperrt. Acht Monate soll die Sanierung dauern. Acht Monate. Das ist ungefähr lang genug, um eine Fremdsprache zu lernen, einen Hundewelpen großzuziehen oder sämtliche Schleichwege zwischen Hilden, Langenfeld und Düsseldorf persönlich kennenzulernen.
Die eigentlichen Arbeiten beginnen am 5. Oktober. Danach wird die Fahrbahn saniert, nachdem zuvor bereits die Gegenrichtung Richtung Leverkusen an der Reihe war. Man könnte also sagen: Die A59 wird Stück für Stück schöner. Für diejenigen, die sie täglich brauchen, fühlt sich dieser Schönheitsschlaf allerdings eher nach Vollnarkose an.
Die offizielle Umleitung führt über A542, A3 und A46. Das klingt auf der Karte erstaunlich übersichtlich. Man fährt einfach ein bisschen außen herum. Wer allerdings regelmäßig auf diesen Autobahnen unterwegs ist, weiß, dass „ein bisschen außen herum“ in der Hauptverkehrszeit schnell eine sehr philosophische Zeitangabe werden kann. Deshalb werden zusätzlich 14 Bedarfsampeln aufgestellt, elf davon von Straßen.NRW und drei von der Autobahn GmbH. Vierzehn Ampeln nur für den Ausnahmezustand – das zeigt schon, dass niemand ernsthaft damit rechnet, dass sich der Verkehr einfach höflich auf die Umleitung verteilt und dort geräuschlos verschwindet.
Für Hilden ist das Ganze besonders interessant, weil wir mit solchen Situationen inzwischen fast schon Erfahrung haben. Bedarfsampeln gehören bei größeren Verkehrseingriffen mittlerweile zum Stadtbild wie die Mittelstraße und die Frage, wo eigentlich gerade Tempo 30 gilt. Die mobilen Signalanlagen sollen den zusätzlichen Verkehr auf den Ausweichstrecken möglichst vernünftig lenken. „Möglichst“ ist dabei vermutlich das entscheidende Wort.
Zusätzlich gibt es Stauwarnanlagen. Autofahrer sollen bereits frühzeitig erfahren, dass es weiter vorne ungemütlich wird. Das ist grundsätzlich eine gute Idee. Man weiß dann immerhin rechtzeitig, dass man zu spät kommen wird. Ob das die Situation verbessert, ist eine andere Frage, aber Vorbereitung ist bekanntlich alles. Wer künftig auf A59, A542, A3 oder A1 unterwegs ist, bekommt also möglicherweise schon weit vor Hilden den freundlichen Hinweis, dass der Verkehr irgendwo in der Region beschlossen hat, sich nicht mehr zu bewegen.
Damit das Ganze nicht zu einfach wird, gibt es parallel noch weitere Baustellen. Die Knipprather Straße in Langenfeld ist wegen eines Brückenneubaus ohnehin gesperrt. Im September soll zudem die A59 Richtung Leverkusen für etwa eine Woche nur einspurig befahrbar sein, weil mobile Schutzwände ausgetauscht werden. Man bekommt langsam den Eindruck, dass derzeit sämtliche Verkehrswege zwischen Köln und Düsseldorf in einer großen gemeinsamen WhatsApp-Gruppe sind und sich abgesprochen haben, gleichzeitig renoviert zu werden.
Der eigentliche Höhepunkt ist allerdings die Kombination mit der Bahn. Auch die S-Bahn-Strecke der Linien S6 und S68 zwischen Düsseldorf und Köln ist zeitweise gesperrt. Wer also angesichts der Autobahnsperrung denkt: „Dann fahre ich eben Bahn“, erhält von der Infrastruktur ein freundliches „Nette Idee“. Bis Anfang Dezember gibt es dort ebenfalls erhebliche Einschränkungen. Autofahrer und Bahnpendler erleben damit eine seltene Form völliger Gleichberechtigung: Niemand soll sich benachteiligt fühlen.
Natürlich gab es deshalb Forderungen, die A59-Sanierung zu verschieben. Die Autobahn GmbH sagt jedoch, dass dies wegen des schlechten Zustands der Betonplatten nicht möglich sei. Das ist verständlich. Wenn eine Autobahn dringend saniert werden muss, kann man sie nicht einfach weitere Jahre kaputtfahren, nur weil der Zeitpunkt gerade ausgesprochen ungünstig ist. Andererseits fragt man sich schon, ob es bei Infrastrukturprojekten irgendeine geheime Regel gibt, nach der möglichst viele Baustellen gleichzeitig stattfinden müssen.
Auch eine andere Idee wurde geprüft: Man hätte auf der bereits sanierten Gegenfahrbahn zwei Spuren Richtung Düsseldorf führen können. Das hätte zumindest eine komplette Sperrung verhindert. Allerdings hätten dafür sämtliche Anschlussstellen zwischen Monheim-Süd und Düsseldorf-Süd geschlossen werden müssen. Außerdem hätte es Probleme für Rettungsdienste gegeben. Also bleibt auch diese Lösung im Ordner „Klang zunächst besser als sie war“.
Was bedeutet das für uns in Hilden? Vor allem: Geduld. Viel Geduld. Die Ausweichverkehre werden sich nicht ausschließlich brav über die Autobahnen bewegen. Ein Teil wird selbstverständlich versuchen, durch die Städte abzukürzen. Navigationssysteme sind schließlich hervorragende Geräte, die Autofahrer zuverlässig auf dieselbe vermeintliche Geheimroute schicken. Wenn Google Maps morgens plötzlich behauptet, die schnellste Verbindung nach Düsseldorf führe über eine Straße, die man seit zwanzig Jahren kennt und noch nie freiwillig benutzt hat, kann man davon ausgehen, dass dort bereits 500 andere dieselbe Idee hatten.
Positiv betrachtet: Irgendwann ist die A59 saniert. Dann haben wir eine erneuerte Autobahn, bessere Fahrbahnen und vermutlich für einige Zeit Ruhe. Der Weg dahin wird nur ein wenig anstrengend.
Oder genauer gesagt: rund acht Monate.
Bis dahin bekommt der Satz „Ich fahre mal eben nach Düsseldorf“ ab Oktober wieder eine ganz neue humoristische Qualität.
Samstag, 29. August 2026
29.8.2026: Acht Monate A59-Sperrung – Hilden bekommt wieder das große Umleitungsabenteuer
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen