Sommerferien haben für Schüler ja etwas wunderbar Einfaches: Schultasche in die Ecke, Wecker aus, sechs Wochen möglichst wenig darüber nachdenken, dass es so etwas wie Mathematik, Hausaufgaben und Montagmorgen überhaupt gibt. Für Hildens Schulen und Kitas sieht die Sache etwas anders aus. Sobald Kinder, Lehrer und Erzieherinnen verschwunden sind, beginnt dort nämlich eine ganz andere Form des Unterrichts: Maler, Elektriker, Bodenleger und Handwerker übernehmen die Gebäude. Und in diesem Sommer hat die Stadt ihnen eine ziemlich lange Hausaufgabenliste mitgegeben. Gut 200.000 Euro werden investiert, damit nach den Ferien zumindest an einigen Stellen frische Farbe an der Wand hängt, das Licht wieder zuverlässig leuchtet und Feuchtigkeit dort bleibt, wo sie hingehört – nämlich möglichst außerhalb des Gebäudes.
Am Helmholtz-Gymnasium werden rund 30.000 Euro investiert. Sekretariat, Schulleitungsbüro und Vorflur werden umgestaltet, im Keller müssen Brandschotten verbessert, alte Leitungen entfernt und die Netzwerkinfrastruktur erweitert werden. Das klingt nicht unbedingt nach der Art von Ferienprogramm, für die man morgens freiwillig früh aufsteht, ist aber vermutlich nachhaltiger als drei Wochen Mallorca. Immerhin dürfte die Schulleitung nach den Ferien in frisch renovierten Räumen sitzen. Ob dadurch auch unangenehme Zeugnisgespräche angenehmer werden, ist allerdings nicht Bestandteil der Baumaßnahme.
Auch die Wilhelm-Busch-Schule an der Richrather Straße bekommt für rund 20.000 Euro eine kleine Schönheitskur. Malerarbeiten im Alt- und Neubau, Putzarbeiten und punktuell neue Böden stehen auf dem Programm. Die Grundschule am Kalstert erhält für 15.000 Euro ebenfalls Farbe und Lack im Treppenhaus, dazu Elektroarbeiten. Weniger erfreulich ist dort der Grund für einen weiteren Teil der Arbeiten: Einbruchsschäden im Verwaltungsbereich müssen beseitigt werden. Ähnlich sieht es bei der Kita Kunterbunt an der Lortzingstraße aus. Dort hatten sich Unbekannte im April gewaltsam Zutritt verschafft. Rund 2.000 Euro kostet es nun, die Hinterlassenschaften dieser ausgesprochen unerwünschten Besucher wieder zu beseitigen. Man könnte das Geld sicherlich schöner für Kinder ausgeben.
An der Astrid-Lindgren-Schule wird für etwa 10.000 Euro an der Hochspielebene gearbeitet und die Elektrik angefasst, bei der Wilhelm-Busch-Schule Zur Verlach kostet ein ähnlicher Umbau rund 5.000 Euro. Die Marie-Colinet-Schule und die Turnhallen am Holterhöfchen bekommen für etwa 8.000 Euro Arbeiten an Farbe, Boden und Dach spendiert. Es sind viele kleinere Maßnahmen, die einzeln wenig spektakulär klingen, in der Summe aber zeigen, was der Unterhalt öffentlicher Gebäude bedeutet. Ein bisschen Farbe hier, ein neuer Boden dort, eine Sicherheitsbeleuchtung an anderer Stelle – und schon hat der Taschenrechner wieder ordentlich zu tun.
Der unangefochtene Sommerferien-Sanierungsmeister 2026 steht allerdings an der Schulstraße. Die Kita Arche verschlingt mit rund 100.000 Euro gleich die Hälfte des gesamten Budgets. Und „verschlingt“ ist hier beinahe das passende Wort, denn das Problem steckt in den Wänden. Der Gebäudekomplex stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert, Teile des Ziegelmauerwerks liegen im Erdreich und genau dort hat sich erhebliche Feuchtigkeit breitgemacht. Betroffen sind unter anderem der große Bewegungsraum samt Sanitärbereich, ein Heizungsraum und sogar das Büro der Kitaleitung. Wer bei „Arche“ bislang automatisch an sehr viel Wasser gedacht hat, bekommt hier leider eine etwas zu passende moderne Interpretation des Namens.
Nun werden die betroffenen Wände fachgerecht abgedichtet und anschließend getrocknet. Bautrockner laufen dafür Tag und Nacht. Danach sollen die Räume, soweit erforderlich, renoviert werden. Das Ziel klingt erfreulich unspektakulär: Die Kita soll ihre Räume anschließend wieder dauerhaft und uneingeschränkt nutzen können. Gerade bei solchen Maßnahmen merkt man allerdings, wie schnell bei älteren öffentlichen Gebäuden erhebliche Summen zusammenkommen. Für 100.000 Euro bekommt die Arche schließlich keinen neuen Anbau, keinen spektakulären Abenteuerspielplatz und auch keine goldenen Wasserhähne. Man bekommt im Wesentlichen trockene Wände. Aber manchmal sind trockene Wände eben ziemlich luxuriös.
Etwas gemütlicher dürfte es künftig in der Kita Mäusenest werden. Dort investiert die Stadt rund 15.000 Euro in neue dimmbare LED-Beleuchtung, Malerarbeiten und Maßnahmen für eine bessere Raumakustik. Dimmbare Beleuchtung in einer Kita klingt übrigens nach einer ausgezeichneten Idee. Wer schon einmal einen Raum voller aufgedrehter Kinder erlebt hat, weiß allerdings, dass man für eine wirklich beruhigende Atmosphäre vermutlich nicht nur das Licht dimmen müsste. Trotzdem: besseres Licht und bessere Akustik sind sicherlich zwei Investitionen, über die sich Kinder und Beschäftigte gleichermaßen freuen können.
Und dann gibt es noch all die Arbeiten, die kaum jemand bemerkt, solange alles funktioniert. Elektroanlagen in mehreren Kitas werden geprüft, Sicherheitsbeleuchtungen erneuert, Brandmeldeanlagen kontrolliert oder neu installiert und elektronische Türbeschläge eingebaut. Auch die fest installierten und beweglichen Sportgeräte in den Hildener Hallen wurden überprüft. Notwendige Reparaturen sollen ebenfalls während der Ferien erledigt werden. Das ist die unsichtbare Seite kommunaler Gebäudewirtschaft: Wenn nach den Ferien das Licht angeht, die Tür aufgeht, der Basketballkorb hängen bleibt und im Ernstfall die Brandmeldeanlage funktioniert, denkt vermutlich niemand daran, dass während der Sommerferien jemand dafür gesorgt hat.
Natürlich kann man bei 200.000 Euro fragen, ob das viel oder wenig ist. Verteilt auf die zahlreichen Schulen, Kitas und Sportstätten der Stadt relativiert sich die Summe allerdings ziemlich schnell. Allein die feuchte Arche beansprucht die Hälfte davon. Und vieles, was jetzt gemacht wird, ist eben keine luxuriöse Verschönerung, sondern notwendiger Gebäudeunterhalt. Schulen und Kitas werden jeden Tag intensiv genutzt. Da werden Türen geöffnet und geschlossen, Böden strapaziert, Wände malträtiert und technische Anlagen beansprucht. Gebäude altern eben auch dann, wenn gerade niemand Geburtstag feiert.
Während also viele Hildener Kinder ihre Ferien genießen, herrscht in ihren Schulen und Kitas Hochbetrieb. Nur eben ohne Mathearbeit, Morgenkreis und Pausenklingel. Stattdessen wird gestrichen, gebohrt, getrocknet, geprüft und verkabelt. Und wenn nach den Sommerferien alle wiederkommen, werden die meisten Veränderungen wahrscheinlich kaum auffallen. Genau das ist vermutlich das größte Kompliment für die Handwerker: Die Kinder kommen zurück, das Licht funktioniert, die Wand ist trocken, der Boden heil – und spätestens nach zwei Tagen sieht alles wieder so aus, als wären niemals Ferien gewesen.
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