Es gibt Nachrichten, die wirken auf den ersten Blick selbstverständlich und entfalten ihre eigentliche Wirkung erst beim zweiten Lesen. So ging es mir mit der Warnung der Hildener Feuerwehr vor der aktuellen Waldbrandgefahr. Im Kreis Mettmann gilt inzwischen Waldbrandstufe 4, die zweithöchste Warnstufe. Das klingt zunächst nach einer nüchternen Information. Bis Feuerwehrchef Hans-Peter Kremer den Satz sagt, der bei mir hängen geblieben ist: „Ich bekomme die Krise, wenn jemand eine Kippe aus dem Auto wirft.“ Ehrlich gesagt: Ich inzwischen auch.
Früher war eine weggeworfene Zigarettenkippe einfach nur eine Unsitte. Heute kann sie im schlimmsten Fall der Anfang eines Flächenbrandes sein. Verrückt, wie sich die Wahrnehmung verändert. Während wir früher bei Sonnenschein sofort an Freibad, Grillabend oder Biergarten gedacht haben, überlegen wir heute zuerst, ob der Wald überhaupt noch genügend Feuchtigkeit hat. Willkommen im Sommer 2026.
Die Ranger im Kreis sind derzeit unterwegs und stellen Warnschilder auf. Rund fünfzig Stück sollen es werden. Das finde ich grundsätzlich gut, auch wenn ich mich frage, ob sich derjenige, der trotz Trockenheit unbedingt grillen möchte, wirklich von einem Schild überzeugen lässt. Wer bei Waldbrandstufe 4 auf die Idee kommt, zwischen zwei Kiefern gemütlich die Kohlen anzuheizen, wird vermutlich auch an einem roten Warnschild vorbeigehen und denken: „Ach, das gilt bestimmt nur für die anderen.“
Dabei sind die Regeln eigentlich kinderleicht. Nicht rauchen. Kein offenes Feuer. Nicht auf trockenem Gras parken. Die Feuerwehrzufahrten freihalten. Mehr verlangt niemand. Eigentlich müsste das selbstverständlich sein. Eigentlich.
Besonders die Geschichte mit den Zigarettenkippen beschäftigt mich. Ich habe ohnehin nie verstanden, warum manche Autofahrer ihr Fenster offenbar ausschließlich öffnen, um ihre Kippe auf die Straße zu schnippen. Offenbar gibt es Menschen, die glauben, der Straßenrand sei der größte Aschenbecher Deutschlands. Das war schon immer rücksichtslos. In diesem Sommer ist es zusätzlich brandgefährlich. Ein kleiner glimmender Stummel reicht unter Umständen aus, um trockenes Gras oder ein Stoppelfeld in Brand zu setzen. Aus einer Gedankenlosigkeit kann innerhalb weniger Minuten ein Großeinsatz werden.
Dabei sind Wald- und Feldbrände alles andere als einfach zu bekämpfen. Wind, trockene Vegetation und unwegsames Gelände sorgen dafür, dass sich Flammen rasend schnell ausbreiten. Die Feuerwehr übt solche Einsätze nicht, weil sie besonders spektakulär aussehen, sondern weil sie weiß, wie schwierig sie im Ernstfall sind. Interessant fand ich übrigens den Hinweis, dass die größte Waldbrandgefahr gar nicht zwingend im Hochsommer besteht, sondern häufig schon im Frühjahr. Wieder etwas gelernt. Die Natur hält sich eben nicht an unseren Kalender.
Parallel gilt im Kreis Mettmann weiterhin das Verbot, Wasser aus Bächen, Seen oder Teichen zu entnehmen. Verständlich. Wasser ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Und genau da musste ich schmunzeln. Vor wenigen Tagen haben wir noch darüber diskutiert, warum der Stadthallenteich komplett leergepumpt wurde, damit die Fontänen wieder funktionieren. Jetzt wird überall zum Wassersparen aufgerufen. Kommunalpolitik ist manchmal wirklich eine Disziplin für sich. Einerseits soll möglichst jeder Tropfen erhalten bleiben, andererseits muss Wasser eingesetzt werden, damit andere Dinge nicht kaputtgehen. Ganz einfach ist das alles offenbar nicht.
Währenddessen kämpfen manche Nachbarn immer noch verbissen um den Titel des grünsten Rasens der Straße und lassen ihre Sprenger laufen, als ginge es um die Qualifikation für die Bundesliga der Vorgärten. Dabei wird der Rasen irgendwann wieder grün. Ein abgebrannter Wald dagegen braucht Jahrzehnte, um sich zu erholen.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieses Sommers. Wir müssen gar keine Helden sein. Niemand erwartet Großtaten. Es reicht schon, ein bisschen mitzudenken. Die Zigarette gehört in den Aschenbecher und nicht aus dem Autofenster. Das Auto gehört auf Asphalt und nicht auf eine ausgetrocknete Wiese. Wer Rauch entdeckt, ruft lieber einmal zu viel die 112 als einmal zu wenig. Und vielleicht verschieben wir den romantischen Lagerfeuerabend einfach auf einen Herbsttag, an dem die Natur wieder durchatmen kann.
Eigentlich wünsche ich der Hildener Feuerwehr für den Rest des Sommers nichts anderes als möglichst viel Langeweile. Sie dürfte sich gerne über Einsätze beschweren, die gar nicht erst stattfinden. Dann können wir uns stattdessen wieder den wirklich wichtigen Hildener Themen widmen: dem VfB 03 in der Regionalliga, dem neuen Eisautomaten auf Gut Holterhof oder der Frage, wann die berühmte Leuchtreklame „Hilden, was liegt näher“ endlich wieder an der Mittelstraße hängt.
Bis dahin gilt: Behaltet die Kippe einfach bei euch. Hans-Peter Kremer bekommt dann keine Krise, der Wald bleibt stehen – und wir alle kommen hoffentlich ohne die Schlagzeile aus, die niemand lesen möchte.
Donnerstag, 13. August 2026
13.8.2026: Waldbrandstufe 4 – oder: Warum Hilden jetzt lieber die Kippe behält
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