Dienstag, 18. August 2026

18.8.2026: Vom Fleischwerk zum Unternehmerpark – oder: Wenn Hilden 30 Millionen Euro neu sortiert

Als Ende Februar das Werk von Vion am Westring seine Tore schloss, endete ein weiteres Kapitel Hildener Industriegeschichte. 160 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz, die riesigen Hallen standen plötzlich leer und viele fragten sich, was aus dem Gelände werden würde. In Hilden kennt man solche Momente inzwischen fast schon. Kaum verschwindet ein traditionsreicher Betrieb, beginnt schon die Diskussion über die Zukunft des Grundstücks. Diesmal ging es allerdings erstaunlich schnell.

Schon in den nächsten Tagen sollen die Abrissbagger anrollen. Das ehemalige Fleischwerk wird vollständig verschwinden. Wo jahrzehntelang Fleisch zerlegt wurde, soll bis Ende 2027 ein moderner Unternehmerpark entstehen. Rund 30 Millionen Euro will der neue Eigentümer Rheingrund investieren – eine Summe, bei der man unweigerlich kurz nachrechnet, wie viele Kugeln Eis man dafür am Gut Holterhof kaufen könnte.

Ganz unbekannt ist der Investor in Hilden übrigens nicht. Bereits mit dem „Hildener Tor“ an der Gerresheimer Straße hat das Unternehmen gezeigt, dass es auf moderne Gewerbeparks setzt. Offenbar hat man Gefallen an unserer Stadt gefunden. Das ist eigentlich eine gute Nachricht. Während wir Hildener gerne über Baustellen, Verkehr und fehlende Parkplätze schimpfen, gibt es offensichtlich Investoren, die sagen: „Hier investieren wir gerne noch einmal 30 Millionen Euro.“

Die alten Gebäude haben allerdings keine Zukunft mehr. Nach Aussage des Investors sind die Hallen komplett auf die Bedürfnisse des früheren Fleischbetriebs zugeschnitten und technisch längst nicht mehr zeitgemäß. Wer einmal versucht hat, aus einer Metzgerei ein modernes Büro zu machen, wird das vermutlich nachvollziehen können. Also kommt alles weg. Immerhin soll das Material recycelt und soweit möglich wiederverwendet werden. Heute wird eben selbst ein Abriss nachhaltig organisiert.

Geplant ist eine große Halle mit mehreren flexibel nutzbaren Einheiten. Der Investor betont ausdrücklich, dass daraus kein reiner Logistikstandort werden soll. Vielmehr spricht er von einem Unternehmerpark, in dem sich unterschiedliche Firmen ansiedeln können – vom produzierenden Gewerbe bis zu anderen gewerblichen Nutzern. Einige Hildener Unternehmen hätten bereits Interesse signalisiert.

Natürlich gibt es trotzdem Kritik. Die Bürgeraktion/Piraten befürchtet, dass auf dem Gelände künftig deutlich weniger Arbeitsplätze entstehen als früher. Ganz von der Hand zu weisen ist dieser Einwand nicht. Moderne Gewerbehallen beeindrucken oft durch ihre Größe, weniger jedoch durch die Zahl der Menschen, die darin arbeiten. Wo früher Hunderte Beschäftigte tätig waren, übernehmen heute häufig Maschinen, Fördertechnik und automatisierte Prozesse einen Teil der Arbeit. Das ist wirtschaftlich sinnvoll, fühlt sich aber für eine Stadt manchmal nach einem merkwürdigen Tauschgeschäft an: mehr Quadratmeter, weniger Menschen.

Die Stadt selbst kann daran wenig ändern. Sie kann weder vorschreiben, wie viele Arbeitsplätze entstehen müssen, noch entscheiden, welche Unternehmen später einziehen. Das ist einer dieser Fälle, in denen Kommunalpolitik zwar viele Wünsche haben darf, aber am Ende nur begrenzte Möglichkeiten besitzt.

Trotzdem überwiegt für mich zunächst der positive Eindruck. Lieber entsteht auf einer bereits vorhandenen Industriefläche etwas Neues, als dass dort jahrelang verlassene Hallen vor sich hin rosten. Hilden hat nun wirklich keinen Überfluss an Gewerbeflächen. Wenn ein Investor bereit ist, viel Geld in einen bestehenden Standort zu stecken, spricht das durchaus für unsere Stadt.

Spannend wird allerdings erst die zweite Halbzeit dieses Projekts. Der Abriss ist vergleichsweise einfach. Interessant wird, welche Unternehmen tatsächlich einziehen, wie viele Arbeitsplätze entstehen und ob der Unternehmerpark dem Namen auch gerecht wird. Denn schöne Visualisierungen können viele. Entscheidend ist, was am Ende hinter den neuen Fassaden passiert.

Bis dahin heißt es Abschied nehmen von einem Stück Hildener Industriegeschichte. Aus Metzgerei wurde einst ein großer Fleischbetrieb, daraus wurde Vion, und nun wird daraus ein moderner Unternehmerpark. Städte verändern sich eben ständig. Manchmal leise, manchmal mit viel Staub – und manchmal mit Abrissbaggern, die schon in den nächsten Tagen anrollen. Hoffen wir, dass am Ende nicht nur neue Hallen entstehen, sondern auch neue Perspektiven für den Wirtschaftsstandort Hilden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen