Es gibt Veranstaltungen, die tauchen irgendwann auf, verschwinden nach zwei Ausgaben wieder und hinterlassen höchstens ein paar Plakate im Keller. Und dann gibt es den Hildener Büchermarkt. Seit 20 Jahren hält sich „Fas(s)t alles aus Papier!“ inzwischen in der Mittelstraße – und allein der Name ist schon so herrlich aus der Zeit gefallen, dass man ihn eigentlich unter Denkmalschutz stellen müsste. Angefangen hat alles im September 2006, damals mit Unterstützung des Stadtmarketings. Offenbar war die Idee so gut, dass schon im November desselben Jahres die zweite Ausgabe folgte. Seitdem gehört der Markt fest zum Hildener Veranstaltungskalender und hat längst seine Stammgäste gefunden – auf beiden Seiten der Stände.
Am kommenden Wochenende, 29. und 30. August, wird wieder aufgebaut. Und wie immer geht es natürlich nicht nur um Bücher. Das wäre auch viel zu einfach. Es gibt Kinder- und Jugendliteratur, Romane, Klassiker, Fachbücher, Briefmarken, Kupferstiche, Sammelobjekte und sogar Wandschmuck. Wer also morgens mit dem festen Vorsatz in die Mittelstraße geht, nur ein gebrauchtes Buch für fünf Euro zu kaufen, könnte am Nachmittag mit drei Romanen, einem historischen Stadtplan, zwei Briefmarkenalben und einem gerahmten Kupferstich nach Hause kommen. So funktionieren Märkte nun einmal. Man findet nie das, was man gesucht hat – aber erstaunlich viel, von dem man vorher gar nicht wusste, dass man es unbedingt braucht.
Besonders sympathisch finde ich, dass viele Händler seit zwei Jahrzehnten dabei sind. Das ist echte Treue. Andere Branchen wechseln in diesem Zeitraum drei Geschäftsmodelle, fünf Logos und mindestens einmal den Firmennamen. Auf dem Hildener Büchermarkt steht dagegen offenbar immer noch jemand hinter seinem Stand und sagt: „Den Goethe hatte ich letztes Jahr schon dabei.“ Gerade das macht den Reiz aus. Man kennt sich, man kommt ins Gespräch, man stöbert, man diskutiert über Preise und am Ende geht doch wieder ein Buch mit, obwohl zu Hause eigentlich schon kein Regalplatz mehr frei ist.
Überhaupt hat so ein Büchermarkt etwas angenehm Unmodernes. Kein Algorithmus empfiehlt mir, was ich als Nächstes lesen soll. Niemand fragt nach meiner Mailadresse. Es gibt keine personalisierte Werbung und kein „Kunden, die dieses Buch gekauft haben, interessierten sich auch für …“. Man nimmt einfach ein Buch in die Hand, blättert darin, liest den Klappentext und entscheidet selbst. Revolutionär.
Und dann ist da natürlich noch das Papier. Während uns seit Jahren erzählt wird, alles müsse digital werden, hält sich in Hilden ein Markt seit 20 Jahren mit genau dem Gegenteil. Bücher, Briefmarken, Kupferstiche – alles Dinge, die man tatsächlich anfassen kann. Vielleicht ist gerade das der Grund für den Erfolg. Ein E-Book kann praktisch sein, aber es riecht nach nichts. Eine digitale Briefmarke kann funktionieren, aber niemand legt sie stolz in ein Album. Und ein PDF hängt sich nur sehr schwer dekorativ an die Wohnzimmerwand.
Der Büchermarkt passt deshalb erstaunlich gut nach Hilden. Unsere Innenstadt lebt von Veranstaltungen, die Menschen zum Bummeln bringen. Mal gibt es Wein, mal Streetfood, mal Autos, mal Weihnachtsbuden – und an diesem Wochenende eben Papier. Das wirkt fast schon beruhigend. Zwischen all den Events, bei denen irgendwo Musik läuft, etwas gegrillt wird oder ein Cocktail ausgeschenkt wird, steht der Büchermarkt für die ruhigere Variante. Wobei „ruhig“ relativ ist. Wer schon einmal zwei Sammler erlebt hat, die sich gleichzeitig für dasselbe seltene Stück interessieren, weiß, dass auch zwischen Bücherkisten Wettbewerb entstehen kann.
Samstag ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Genug Zeit also, um einmal durch die Mittelstraße zu schlendern und zu schauen, was sich finden lässt. Wahrscheinlich wird auch diesmal wieder jemand nach Hause gehen und sich fragen, warum er eigentlich noch einen weiteren Bildband, Roman oder alten Stadtplan gekauft hat.
Die Antwort ist einfach: weil er da lag.
Und weil Hilden seit 20 Jahren beweist, dass „fast alles aus Papier“ offenbar ziemlich langlebig sein kann.
Mittwoch, 26. August 2026
26.8.2026: 20 Jahre Büchermarkt – Hilden kann eben doch Papier
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