Mittwoch, 19. August 2026

19.8.2026: Wenn die Feuerwehr selbst abgeschleppt werden muss

Es gibt Tage, an denen läuft es einfach nicht. Und offenbar gilt das nicht nur für uns normale Autofahrer, sondern gelegentlich sogar für die Feuerwehr. Ausgerechnet die Hildener Drehleiter, also jenes Fahrzeug, das normalerweise dann ausrückt, wenn andere dringend Hilfe brauchen, benötigte am Dienstagmorgen selbst Unterstützung. Bei der täglichen Routinekontrolle bemerkten die Feuerwehrleute nämlich, dass sich ihr Fahrzeug irgendwie anders anhörte als sonst. Das ist bei einer Feuerwehr wahrscheinlich ähnlich wie beim eigenen Auto: Man kennt jedes Klappern, jedes Brummen und irgendwann auch jene Geräusche, bei denen man lieber nicht einfach das Radio lauter dreht. Die Hildener Feuerwehrleute schauten jedenfalls genauer hin und entdeckten eine Undichtigkeit an der Bremsanlage. Keine besonders erfreuliche Diagnose, zumal Hilden genau eine Drehleiter besitzt.

Zunächst rückten Mitarbeiter der Werkstatt des Zentralen Bauhofs an. Werkzeug und Ersatzteile wurden organisiert, doch der Patient zeigte sich widerspenstig. Die Undichtigkeit wurde größer, Druckluft konnte nicht mehr aufgebaut werden und irgendwann saß die Bremse so fest, dass die Drehleiter weder vor noch zurück wollte. Feuerwehrchef Hans-Peter Kremer beschrieb die Situation treffend: Das Auto stand mit voll angezogenen Bremsen auf dem Hof. Damit hatte Hilden plötzlich vermutlich das bestgesicherte Feuerwehrfahrzeug Nordrhein-Westfalens – nur leider eines, das bei einem Einsatz ungefähr so mobil gewesen wäre wie die Stadthalle.

Eine Fahrt zur Werkstatt schied damit naturgemäß aus. Also musste das passieren, was man bei einer Feuerwehrdrehleiter nicht unbedingt jeden Tag sieht: Ein Abschleppwagen wurde gerufen. Und zwar nicht irgendeiner, sondern natürlich ein Spezialfahrzeug für Lastwagen. Nachdem die festsitzenden Bremsen mechanisch gelöst worden waren, kam die Hildener Drehleiter an den Haken und wurde in eine Fachwerkstatt nach Haan gebracht. Das dazugehörige Foto dürfte jedenfalls zu den ungewöhnlicheren Motiven aus dem Hildener Feuerwehralltag gehören. Normalerweise sieht man die Drehleiter schließlich mit Blaulicht durch die Stadt fahren und nicht hinter einem Abschleppwagen herrollen.

Ganz ohne Drehleiter steht Hilden im Ernstfall trotzdem nicht da. Dafür gibt es ein Notfallkonzept mit den Nachbarstädten. Wird im Hildener Süden eine Drehleiter benötigt, wird automatisch die Feuerwehr aus Langenfeld mit alarmiert, im Norden übernimmt Haan diese Aufgabe. Das ist beruhigend und zeigt gleichzeitig, wie wichtig die Zusammenarbeit der Feuerwehren über Stadtgrenzen hinweg ist. Ein Brand hält sich schließlich nur selten an kommunale Zuständigkeiten.

Feuerwehrchef Kremer ist zudem optimistisch, dass der unfreiwillige Werkstattaufenthalt nur von kurzer Dauer sein wird. Die benötigten Ersatzteile wurden bereits bestellt und möglicherweise kann die Drehleiter schon am Mittwoch wieder zurück nach Hilden kommen. Dann dürfte sie hoffentlich wieder das tun, wofür sie eigentlich angeschafft wurde: anderen helfen.

Und irgendwie hat die Geschichte sogar etwas Beruhigendes. Der Defekt wurde nicht während einer Einsatzfahrt entdeckt, sondern bei der täglichen Kontrolle. Genau dafür gibt es solche Kontrollen schließlich. Lieber steht eine Drehleiter einen Tag mit angezogener Bremse auf dem Feuerwehrhof, als dass die Bremse ausgerechnet dann Probleme macht, wenn jede Sekunde zählt.

Ein bisschen schmunzeln darf man trotzdem. Denn wann kann man schon einmal sagen: Heute musste in Hilden die Feuerwehr gerettet werden?

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