Sonntag, 20. September 2026

20.9.2026: 2,57 Euro – oder: Wenn Tanken in Hilden zum Strategiespiel wird

Ich gehöre inzwischen zu den Menschen, die vor dem Tanken erst aufs Handy schauen. Nicht wegen einer Nachricht, sondern wegen der Spritpreise. An der Jet-Tankstelle an der Düsseldorfer Straße sprang Diesel am Donnerstag um 12 Uhr innerhalb weniger Minuten von 2,34 auf 2,57 Euro, Benzin von 2,31 auf 2,49 Euro. Wer um 11.58 Uhr tankte, durfte sich kurz wie ein erfolgreicher Börsenhändler fühlen. Wer um 12.02 Uhr kam, hatte den Einstieg verpasst.

Dass die Preise nur einmal am Tag um 12 Uhr erhöht werden dürfen, hat sich herumgesprochen. Danach sei die Tankstelle „wie leergefegt“, berichtet eine Mitarbeiterin. Früher richtete sich der Tagesablauf nach Arbeitszeit, Mittagspause und Feierabend. Heute gibt es einen weiteren Termin: 11.55 Uhr – schnell noch tanken.

Dass sich der Ärger über die Preise teilweise gegen die Tankstellenmitarbeiter richtet, ist allerdings daneben. Sie legen die Preise nicht fest. Der Verantwortliche für 2,57 Euro Diesel steht jedenfalls nicht hinter der Kasse und verkauft Kaffee und Schokoriegel.

Für viele Hildener ist Tanken inzwischen zum Strategiespiel geworden. Besonders für diejenigen, die beruflich auf ihre Fahrzeuge angewiesen sind. Der Fliesenleger und Kreishandwerksmeister Thomas Grünendahl hat fünf davon im Einsatz. Seine Mitarbeiter vergleichen die Preise per App, und wenn es günstig wird, werden die Lieferwagen vollgemacht. Grünendahl fährt sogar sonntagabends mit allen Autos zur Tankstelle.

Früher traf man sich sonntagabends vielleicht auf ein Bier. Heute trifft sich der Hildener Fuhrpark an der Zapfsäule.

Dahinter steckt handfeste Kalkulation. Grünendahl hat seine Kilometerpauschale bereits auf 60 Cent erhöht, kann aber ebenso wie ein Hildener Abschleppunternehmer nicht sämtliche Mehrkosten weitergeben. Bei einem befragten Taxifahrer verschlingt der Kraftstoff inzwischen rund 15 statt normalerweise zehn Prozent des Umsatzes. Da wird aus jedem Cent an der Preistafel schnell eine betriebswirtschaftliche Größe.

Natürlich wird auch über politische Antworten diskutiert: Tankrabatt, Neun-Euro-Ticket, Übergewinnsteuer. Darüber lässt sich streiten. Die Wirkung der hohen Preise ist einfacher zu erkennen – an der Zapfsäule und anschließend auf dem Konto.

Einfach vollmachen, wenn die Nadel Richtung Reserve geht, war gestern. Heute braucht man App, Uhrzeit und ein bisschen Nervenstärke.

In Hilden tankt man nicht mehr einfach. Man beobachtet den Kurs – und hofft, rechtzeitig gekauft zu haben.

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