Samstag, 12. September 2026

12.9.2026: Hilden bekommt einen Stempel – oder: Wenn die Walder Straße plötzlich auf Briefmarke macht

Ich gebe zu: An der Walder Straße 5 bin ich schon oft vorbeigekommen. Dass die dortige Fabrikantenvilla einmal so viel Aufmerksamkeit von mir bekommen würde, hätte ich nicht gedacht. Jetzt landet sie sogar auf einem Sonderstempel – und plötzlich schaut man doch etwas genauer hin.

Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 13. September, geben die Briefmarkenfreunde Hilden wieder einen eigenen Sonderstempel heraus. Das diesjährige Motto lautet „Netzwerke und Infrastruktur, historische Bauten, die uns bewegen und verbinden“. Klingt zunächst ein bisschen nach Stadtentwicklungsausschuss, bekommt in Hilden aber ein durchaus schönes Gesicht: Auf dem Stempel ist die denkmalgeschützte Fabrikantenvilla an der Walder Straße 5 zu sehen.

Das Gebäude wurde um 1860/70 im neoklassizistischen Stil errichtet, dahinter liegen die alten Fabrikationshallen. Die Briefmarkenfreunde bezeichnen die eigenwillige Bauweise als für Hilden und darüber hinaus ungewöhnlich und einmalig. Und genau dafür ist so ein Sonderstempel eigentlich eine wunderbare Sache: Plötzlich schaut man auf ein Haus, an dem man vielleicht schon hundertmal vorbeigefahren ist, ein bisschen genauer.

Das ist ohnehin eine Hildener Spezialität. Wir können jahrelang an einem Gebäude vorbeikommen, ohne uns größere Gedanken darüber zu machen. Aber sobald jemand sagt: „Das steht unter Denkmalschutz“, wird gebremst. Dann betrachtet man die Fassade und denkt: Ach, tatsächlich. Interessant. Und wenn das Gebäude anschließend noch auf einem Sonderstempel landet, ist endgültig klar: Das muss wichtig sein.

Am 13. September kann man den Stempel zwischen 10 und 15 Uhr am Bürgerhaus an der Mittelstraße 41 bekommen. Dort halten die Briefmarkenfreunde auch Briefmarken und passende Belege bereit. Ein Festumschlag kostet 2,50 Euro, eine Infokarte einen Euro, das komplette Set drei Euro. In Zeiten, in denen man für drei Euro in manchen Innenstädten kaum noch einen Kaffee bekommt, ist ein kleines Stück Hildener Stadtgeschichte also vergleichsweise preiswert zu haben.

Natürlich muss man dafür ein gewisses Verhältnis zu Briefmarken haben. Für viele Menschen unter 30 dürfte die Frage „Hast du eine Briefmarke?“ inzwischen ungefähr so exotisch klingen wie „Wo steht eigentlich dein Faxgerät?“. Aber genau deshalb gefällt mir die Aktion. Denn Briefmarken und Sonderstempel sind kleine Zeitkapseln. Sie erzählen, was einer Stadt zu einem bestimmten Zeitpunkt wichtig war – Gebäude, Ereignisse, Jubiläen oder Menschen – und bewahren es auf einem erstaunlich kleinen Stück Papier.

Und diesmal schafft es eben eine Hildener Fabrikantenvilla darauf.

Vielleicht sollte man am Sonntag tatsächlich einmal beim Bürgerhaus vorbeischauen. Nicht unbedingt, weil jetzt jeder von uns seine Briefmarkensammlung vom Dachboden holen und mit der Pinzette neu sortieren muss. Sondern weil hinter diesem kleinen Stempel eine schöne Idee steckt: auf ein Stück Hildener Geschichte aufmerksam zu machen, das im Alltag leicht übersehen wird.

Das Internet vergisst angeblich nichts. Ob das wirklich stimmt, werden wir irgendwann sehen.
Ein ordentlich abgestempelter Brief aus Hilden hat jedenfalls schon mal ziemlich gute Chancen.

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