Es gibt Nachrichten, die klingen in Hilden ungefähr so realistisch wie ein Einhorn auf dem Wochenmarkt: **Die Baustelle an der Hochdahler Straße ist fertig. Vorzeitig.** Ja, richtig gelesen. Nicht “fast fertig”, nicht “wir sind in einem sehr guten Prozess”, nicht “die Restarbeiten dauern nur noch bis… 2039”, sondern: **fertig**. Seit September 2024 hatten Pendler und Anwohner dort das tägliche Ritual: losfahren, bremsen, seufzen, im Stau über das eigene Leben nachdenken, wieder anfahren, wieder bremsen – und irgendwann ankommen, als hätte man nebenbei noch ein Fernstudium in Geduld abgeschlossen.
Die Hochdahler Straße ist ja nicht irgendein Sträßchen, auf dem man mal kurz einen Kinderwagen schiebt und dabei freundlich “Morgen!” sagt. Sie ist eine dieser lebenswichtigen Hildener Schlagadern Richtung A46 und A3 – also die Straße, auf der sich morgens das komplette Umland trifft, um gemeinsam zu üben, wie man in Schrittgeschwindigkeit den Radioverkehrsservice auswendig lernt. Und nun soll plötzlich “freie Fahrt” herrschen. **Freie Fahrt!** In Deutschland! Im Februar! Das ist ungefähr die Kombination, bei der selbst Navigationsgeräte kurz nervös lachen.
Die Stadtwerke Hilden geben sich dabei bemerkenswert bodenständig. Kein Konfetti, keine Blaskapelle, kein feierlicher Moment, in dem ein Bürgermeister mit goldener Schaufel ein letztes Stück Schotter streichelt. Stattdessen ganz rheinisch-pragmatisch: Sabine Müller, Sprecherin der Stadtwerke, sagt sinngemäß: Wir hatten sogar Winterpuffer eingeplant – aber den brauchten wir nicht. **Winterpuffer nicht benötigt** ist übrigens auch ein Satz, der normalerweise nur in Märchen vorkommt, gleich nach “und dann war die Bahn pünktlich”.
Was war überhaupt los? Leitungsrohre für den Netzausbau, abschnittweise verlegt. Eine sogenannte Wanderbaustelle – also diese mobile Lebensform, die man morgens auf Höhe “da, wo gestern noch frei war” antrifft und die sich offenbar von Hupe, Warnbake und dem leisen Weinen gestresster Autofahrer ernährt. Und jetzt ist sie weg. Einfach so. Die Baken sind verschwunden, die Schilder stehen nicht mehr wie moderne Kunst am Straßenrand, und man fährt plötzlich durch, ohne vorher dreimal die Spur zu wechseln und innerlich Abschied von der Kupplung zu nehmen.
Natürlich wird Hilden damit kurzzeitig in einen Zustand kollektiver Verunsicherung fallen. Man kennt das: Wenn etwas jahrelang (gefühlt) gesperrt ist, wird die Baustelle Teil der eigenen Orientierung. “Wo wohnst du?” – “Hinter dem zweiten Baustellenkegel links, kurz vor dem Stau.” Und wenn das weg ist, muss man wieder echte Landmarken benutzen. Bäume. Häuser. Himmel. Das ist ungewohnt.
Aber gut: Freie Fahrt ist freie Fahrt. Und vielleicht, nur vielleicht, darf man sich für einen winzigen Moment vorstellen, wie es ist, morgens über die Hochdahler Straße zu gleiten, ohne Stop-and-Go, ohne Baustellenampel, ohne das Gefühl, man würde auf einer Teststrecke für Stoßdämpfer-Forschung fahren. Einfach rollen. Wie im Werbespot. Nur mit mehr Thermosbecher.
Also: Herzlichen Glückwunsch, Hochdahler Straße. Du hast es geschafft. Und an alle, die jetzt reflexartig nach der nächsten Umleitung suchen: Keine Sorge. In NRW geht nichts wirklich verloren. Es verlagert sich nur.
Samstag, 28. Februar 2026
28.2.2026: Freie Fahrt auf der Hochdahler Straße: Hilden erlebt das achte Weltwunder (mit Asphalt)
Freitag, 27. Februar 2026
27.2.2026: Hilden im Frühlingsmodus: Wenn die Sonne rauskommt, weiß hier keiner mehr, wie man „Jacke“ schreibt
Kaum kitzeln ein paar warme Sonnenstrahlen das Gesicht und zack – Hilden verhält sich, als hätte jemand auf „Sommerferien“ gedrückt. Blauer Himmel, angenehme Temperaturen, und oben drüber ziehen Kraniche in Formation, als wollten sie uns mitteilen: „So Leute, wir sind wieder da – macht schon mal die Terrassenmöbel klar.“ Und Hilden macht genau das, nur eben mit der typischen Geschwindigkeit: erst Sonnenbrille, dann Kaffee, dann Eis, dann die große philosophische Frage des Tages: „Ist das noch Februar oder schon ein Trick?“
Denn seien wir ehrlich: Wenn in Hilden die Sonne scheint, passiert etwas Magisches. Plötzlich sind Menschen draußen, die man sonst nur von vagen Erzählungen kennt. Im Stadtpark wird geboult, als stünde ein internationales Turnier an – vier Herren auf der Bahn, konzentriert, ernst, vermutlich mit internen Regeln, die seit 1987 nicht mehr geändert wurden. Zwei Mütter gehen ohne Jacke los, was in NRW meteorologisch ungefähr die Stufe „Mutprobe“ ist. Und irgendwo rollt ein Radfahrer los zur ersten Tour des Jahres, mit dem festen Versprechen an sich selbst: „Wenn ich das mache, darf ich danach einen großen Eisbecher.“ Belohnungssysteme funktionieren eben auch bei Erwachsenen – nur mit mehr Sahne.
Währenddessen erwacht die Außengastronomie wie ein Bär aus dem Winterschlaf, nur dass der Bär hier „Pepo’s am Alten Markt“ heißt. Michail und Pascal Peponis freuen sich, dass die Saison wieder losgeht – und man kann sich das bildlich vorstellen: Stühle raus, Tische raus, die erste Bestellung wird aufgenommen, als wäre es eine Zeremonie. In Hilden ist der Moment, in dem jemand „Ein Kaffee draußen, bitte“ sagt, praktisch der offizielle Frühlingsanfang. Nicht Krokusse, nicht Kalender, nicht Tagundnachtgleiche – **der erste Kaffee auf dem Alten Markt**. Danach ist alles erlaubt: Tulpensträuße als Farbklecks, Primeln für den Balkon und dieses leicht überdrehte Gefühl, dass man eigentlich gar keinen Urlaub mehr braucht, weil Fachwerk plus Reformationskirche schon ziemlich nach Postkarte aussieht.
Und dann sind da noch die Kraniche. Große Schwärme, lange Reihen, diese typische Spitze am Himmel – wie ein lebendiger Pfeil, der auf „bessere Zeiten“ zeigt. Sie ziehen so majestätisch über Hilden, dass man kurz vergisst, dass unten in der Innenstadt Menschen stehen, die gleichzeitig „Wie schön!“ und „Hoffentlich bleibt das so!“ sagen, als könnten sie das Wetter durch gemeinsames Hoffen festnageln.
Der Wetterdienst macht das Drama aber direkt perfekt: Donnerstag soll noch mal „Sonne satt“ liefern, bis zu neun Stunden – also genug Zeit, um alle Jahresvorsätze von „mehr rausgehen“ in einem Tag zu erledigen. Freitag wird mit 19 Grad und ein paar Sonnenstunden auch noch mal freundlich, und dann, pünktlich zum Wochenende, könnte der Regen zurückkommen. Natürlich. NRW wäre sonst irritierend untypisch. Deshalb lautet die offizielle Hildener Strategie: **Jetzt sofort genießen**, alles auf einmal: Stadtpark, Mittelstraße, Eis, Kaffee, Fahrrad, Sonnenbank am Wegesrand – und wenn’s geht noch schnell ein Foto vom Himmel, weil man später wieder beweisen muss, dass das wirklich passiert ist.
Kurz gesagt: Hilden strahlt. Die Sonne strahlt. Die Kraniche strahlen vermutlich innerlich. Und irgendwo hängt eine Jacke traurig im Flur und fragt sich, ob sie dieses Jahr überhaupt noch gebraucht wird.
Donnerstag, 26. Februar 2026
26.2.2026: Seed & Greet: Wo in Hilden sogar Baupläne einen Ladestopp brauchen
Im Gewerbegebiet Giesenheide tut sich was – und zwar nicht dieses „Da steht jetzt seit drei Monaten ein Bagger und keiner weiß warum“, sondern richtig sichtbar. Wer aktuell in den Seed & Greet-Ladepark am Hildener Kreuz einbiegt, wird rechts begrüßt von einem neuen grauen Kasten. So ein Ding, das aussieht, als hätte es ein sehr pflichtbewusster Toaster mit einem Parkscheinautomaten geschafft, gemeinsam erwachsen zu werden. Dazu: viel freie Fläche. Auf Deutsch heißt das: Hier wird bald wieder fleißig Strom in Autos gekippt.
Denn es kommt – Trommelwirbel, aber bitte elektrisch – ein weiterer Anbieter für Schnellladeinfrastruktur dazu. Name? Noch geheim. Vielleicht ist es auch einfach „Firma X“, die personifizierte Überraschungstüte der Energiewende. Fest steht: Die Baugenehmigung ist da, und in diesem Jahr sollen etwa acht weitere Ladeplätze entstehen. Acht! Das ist in Deutschland gefühlt schon die Größenordnung „Wir bauen einen Flughafen“, nur mit weniger Talkshows und deutlich mehr Hoffnung.
Und dann ist da noch das neue Gebäude. Also: das neue neue Gebäude. Denn der alte Bauantrag war zwar schon genehmigt, aber Unternehmer Roland Schüren hat entschieden, dass man Pläne auch mal laden, aktualisieren und dann mit etwas weniger Watt weiterfahren kann. „Abgespeckte Version“ nennt er das – was in der Baubranche meist bedeutet: Die Renderings bleiben hübsch, aber innen wird aus dem Wellnessbereich ein Flur mit gutem Willen. Gründe? Höhere Zinsen, weniger Fördergeld. Kurz: Das Geld hat plötzlich selbst einen Ladestand von 12 Prozent und sagt: „Heute nicht.“
Schüren bringt es herrlich unromantisch auf den Punkt: Zaubern könne man nicht, Neubau sei gerade in Deutschland ungefähr so häufig wie ein pünktlicher Handwerker mit gratis Upgrade. Trotzdem: Das Gebäude soll weiterhin Richtung Kreisverkehr entstehen. Und immerhin bleibt das Herzstück: Seed & Greet bekommt neue Räume für Backwaren und Snacks – etwa viermal so groß wie bisher. Viermal! Das ist kein Ausbau, das ist ein Croissant-Quartett. Dazu soll eine kleine Backstube kommen. Endlich eine Vision, die wirklich aufgeht: Während draußen Akkus schnell laden, geht drinnen der Teig. Nachhaltigkeit kann so einfach sein, wenn sie nach Zimt riecht.
Zusätzlich plant Schüren Büros ein – vermutlich, damit irgendwo jemand sitzen kann, der professionell „Wir sind gleich soweit“ sagt, wenn wieder eine Lieferung irgendwo zwischen „Ist raus“ und „War nie da“ festhängt. Baustart? Dieses Jahr angepeilt, spätestens nächstes. Klassischer deutscher Optimismus: „Heute oder irgendwann, aber definitiv vor dem Hitzetod des Universums.“
Spannend ist auch: Die Erweiterung bedeutet keine Abkehr von Tesla. Man stellt sich einfach breiter auf. Schließlich ist das Kreuz Hilden eines der am stärksten befahrenen Autobahnkreuze Deutschlands – ein Ort, an dem eigentlich alles vorbeikommt: Pendler, Fernfahrer, Familien mit „Wir müssen JETZT!“ auf der Rückbank und Menschen, die sich seit 40 Kilometern fragen, ob sie den Blinker noch anhaben. Klar, dass so ein Standort für Ladeanbieter attraktiv ist. Wenn Deutschland mal irgendwo Tempo macht, dann im Vorbeifahren.
Aktuell ist neben Tesla schon Fastned vertreten, außerdem gibt’s 40 AC-Ladeplätze und sogar vier Schukosteckdosen für Twizy & Co. – das ist die liebevolle Ecke für Fahrzeuge, die beim Schnellladen eher sagen: „Ich hätte gern einen Kamillentee und dann schauen wir mal.“ Und Nio hat eine Power Swap Station, also eine Akku-Wechselstation. Das ist die Formel-1-Variante des Ladens: hereinkommen, Akku raus, Akku rein, weiterfahren, als hätte man gerade eine neue Lebensentscheidung getroffen.
Und jetzt wird’s menschlich, rheinisch und ein bisschen feuilletonistisch: Roland Schüren ist Tesla-Enthusiast der ersten Stunde – aber sein Verhältnis zu Elon Musk ist inzwischen… sagen wir: geladen. Unmut und Unverständnis seien groß, und „alle Elon-Devotionalien“ seien entsorgt oder im Keller verstaut. Das ist ein Satz, der so klingt, als hätte jemand die Fanbase mit dem Besen zusammengekehrt und beschlossen: „Du kommst jetzt in die Weihnachtskisten. Zu den Lichterketten, die auch manchmal flackern.“
Trotzdem bleibt er Fan der Produkte, und die Auslastung der Tesla-Schnelllader in Hilden sei weiterhin hoch. Tesla sei Marktführer beim Schnellladen in Deutschland, sagt Schüren – und reagiert auch schneller beim Preis als andere. Die Preise hätten sich nach unten entwickelt, und das sei gut so. Man merkt: Hier spricht jemand, der nicht nur Strom verkauft, sondern auch ein bisschen den Glauben daran, dass Dinge in Deutschland doch günstiger werden können – wenn man lange genug wartet und zwischendurch einen Muffin isst.
Unterm Strich passiert in Hilden also das, was man sich überall wünscht: Es wird erweitert, aber realistisch. Es wird gebaut, aber nicht mit Fantasie-Milliarden. Es gibt mehr Ladeplätze, mehr Snacks, mehr Backstube – und weniger Elon im Wohnzimmer. Der Ladepark fährt weiter auf Zukunft, nur eben mit „abgespecktem“ Akku. Und ganz ehrlich: Wenn am Ende der Kaffee heiß ist, der Strom fließt und der Kreisverkehr noch steht, sind wir in NRW schon verdammt nah dran am Happy End.
Mittwoch, 25. Februar 2026
25.2.2026: Hilden im Streikmodus: Wenn der Bus “gleich” kommt, aber Verdi “jetzt” sagt
Hilden hat ja so seine festen Rituale: Einmal im Jahr fragt man sich, ob der Itterlauf wirklich jedes Mal so überraschend nass sein muss, und regelmäßig steht man an der Haltestelle und übt sich in rheinischer Gelassenheit. Und genau diese Gelassenheit wird jetzt wieder auf die Probe gestellt – denn Verdi hat beschlossen, dem kommunalen Nahverkehr ein kleines (okay: ganztägiges) Päuschen zu verordnen. Freitag und Samstag, also am **27. und 28. Februar 2026**, wird gestreikt. Nicht nur ein bisschen “Wir machen mal früher Feierabend”, sondern schön von **Betriebsbeginn am Freitag bis Betriebsende am Samstag**. Das ist quasi der “All-you-can-streik”-Tarif.
Betroffen ist nicht nur die Rheinbahn, sondern auch das ganze Ensemble, das man sonst eher unter “Ach, die gehören auch dazu?” einsortiert: Stadtwerke Solingen (Sparte Mobil), Stadtwerke Remscheid und die Bahnen der Stadt Monheim. Ein NRW-weites Warnstreik-Buffet, bei dem Hilden natürlich nicht fehlen darf – wir sind schließlich immer dabei, wenn irgendwo Verkehr ist. Oder eben keiner.
Das Pikante: Erst Anfang Februar gab’s schon Streik, damals mit Notfahrplan und Fremdunternehmen auf einzelnen Linien. Man konnte also live erleben, wie es sich anfühlt, wenn der ÖPNV “im Improvisations-Theater” gastiert: gleiche Haltestellen, neue Besetzung, und das Timing wirkt wie von einer sehr künstlerischen Uhr. Jetzt wird nachgelegt. Und zwar, weil in der ersten Verhandlungsrunde mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband NRW offenbar das passiert ist, was man sonst nur aus sehr schlechten Date-Erzählungen kennt: **Die Arbeitgeber kamen – aber ohne Angebot.** Man kann sich das bildlich vorstellen: Verdi sitzt geschniegelt am Tisch, fragt freundlich “Und, was bringst du so mit?”, und gegenüber kommt ein Schulterzucken, das so laut ist, dass es fast schon als Gegenvorschlag zählt.
Worum geht’s? Nicht um goldene Lenkräder, sondern um Dinge, die in einem Job mit Schichtdienst ungefähr so exotisch wirken wie Schlaf: **Entlastung.** Verdi fordert unter anderem die **Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 39 auf 37 Stunden bei vollem Lohnausgleich**, verlässliche **Ruhezeiten zwischen den Schichten** und **höhere Zuschläge für Sonntagsarbeit**. Also im Grunde: weniger “Dauerlauf”, mehr “Luftholen”. Und wer schon mal an einem Sonntag im Bus saß und dachte “Respekt, dass hier überhaupt jemand fährt”, versteht zumindest den Teil mit den Zuschlägen ziemlich schnell.
Besonders charmant (im Sinne von: leicht beunruhigend) ist die Begründung, die Verdi gleich mitliefert: Der Personalmangel im ÖPNV sei gravierend, und bis 2035 erreichen **70 Prozent der Fahrerinnen und Fahrer** das Rentenalter. Das ist keine Zahl, das ist eine Ansage. Das ist wie: “Wir hätten da demnächst eine kleine Lücke – so ungefähr busgroß.” Und dann erklärt Verdi sinngemäß: Personal gewinnt man nicht mit Überlastung, sondern mit guten Arbeitsbedingungen. Verrückte Idee, ich weiß. Fast so verrückt wie der Gedanke, dass ein Nahverkehr ohne Menschen, die fahren, warten, reparieren oder den Betrieb organisieren, irgendwie… na ja… nicht so richtig fährt.
Was heißt das jetzt für Hilden? Erstmal: Wer Freitagmorgen geschniegelt zur Haltestelle spaziert, könnte dort eine neue Sportart entdecken: **Haltestellen-Standweitsprung über den inneren Schweinehund** – direkt in Richtung Fahrrad, Fahrgemeinschaft oder Fußweg. Immerhin: Laut Verdi sollen **S-Bahnen und Regionalzüge der Deutschen Bahn nicht betroffen** sein. Das ist die gute Nachricht, die man sich wie ein kleines Pflaster auf die Stirn klebt, während man versucht, den Weg zum nächsten Bahnhof in “nur zehn Minuten” schönzureden.
Und weil Streik heutzutage nicht nur Arbeitskampf, sondern auch Event ist, sind begleitend **betriebsnahe Streikposten** auf den Betriebshöfen geplant. Man könnte sagen: Das ist die “Live-Performance” zum Thema Tarifrunde – mit echtem Personal, echter Wut und ohne Popcornverkauf (vermutlich).
Am Ende bleibt Hilden wieder das, was es immer ist: ein Ort, an dem man sich durchwurschtelt, ein bisschen meckert, ein bisschen lacht und irgendwo zwischen “Verständnis” und “Warum ausgerechnet wenn ich zum Arzt muss?” pendelt. Vielleicht ist das ja die eigentliche Botschaft: Der Nahverkehr ist nicht nur Bus und Bahn – er ist ein Gemeinschaftsprojekt. Und wenn die, die ihn am Laufen halten sollen, sagen “So geht’s nicht weiter”, dann ist das unerquicklich – aber eben auch ziemlich logisch.
Also: Plan B rauslegen, Schuhe bereithalten, Fahrradlicht checken. Und falls jemand fragt, warum du zu spät bist: Sag einfach, du hättest versucht, dich auf den Fahrplan zu verlassen. Das versteht in Hilden jeder.
Dienstag, 24. Februar 2026
24.2.2026: Wenn der Bus dich fragt, wie er künftig fahren soll
Es gibt Nachrichten, die klingen erst mal so, als hätte sie ein sehr pflichtbewusster Aktenordner geschrieben – und dann merkt man plötzlich: Moment, das betrifft ja mein echtes Leben. Genau so eine ist die Sache mit dem neuen Nahverkehrsplan im Kreis Mettmann. Der ÖPNV soll „weiterentwickelt“ werden, und diesmal heißt das nicht nur: „Wir haben das Wort *Mobilitätswende* in ein PDF gedruckt“, sondern: Bürgerinnen und Bürger aus Hilden, Haan und dem ganzen Kreis dürfen wirklich mitreden. Ja, richtig gelesen: Du, ich, die Person, die morgens um 07:12 Uhr mit einem Blick, der zwischen Hoffnung und Resignation pendelt, an der Haltestelle steht – wir alle dürfen sagen, was uns am Busverkehr nervt, fehlt oder träumen lässt.
Das Ganze läuft über eine Onlinebeteiligung auf einer interaktiven Karte. Das ist im Grunde wie Google Maps, nur mit dem Feature „Hier wäre ein Bus nett“. Man kann Hinweise und Anregungen eintragen – wahrscheinlich sowas wie: „Bitte eine Verbindung, die nicht nur existiert, wenn Merkur rückläufig ist“ oder „Diese Haltestelle könnte mehr sein als ein schiefer Pfosten und ein Schild, das aussieht, als hätte es seit 1998 niemand mehr angefasst“. Wer schon mal versucht hat, in der App herauszufinden, ob der Bus *wirklich* kommt oder nur *philosophisch* existiert, wird sich freuen: Jetzt ist die Zeit, das freundlich, aber bestimmt zu thematisieren.
Mitmachen kann man bis einschließlich 31. März. Das ist dieses herrliche Zeitfenster, in dem man sich vornimmt, „morgen“ etwas einzutragen – und dann am 31. März um 23:48 Uhr panisch die Karte öffnet, während man sich denkt: *Wenn ich jetzt nichts sage, fährt der Bus 2028 immer noch nur jeden zweiten Dienstag.* Denn ja: Der Nahverkehrsplan soll 2028 fertig werden. 2028! Das ist ungefähr die Zeitspanne, in der andere Menschen ein Tiny House bauen, ein Studium abschließen und nebenbei noch lernen, Sauerteig am Leben zu halten. Beim ÖPNV heißt das: Wir denken gründlich nach. Sehr gründlich. Auf „ich zieh erst mal eine Jacke an“-Niveau gründlich. Aber fair: So ein Plan legt auch fest, welche Linien es gibt, wie oft sie fahren, wann, wie Umstiege funktionieren und wie barrierefrei das System wird. Also quasi die Frage, ob man mobil ist – oder nur sportlich im Sprint auf den Anschluss.
Die Beiträge aus der Karte werden gesichtet, bewertet und mit anderen Anregungen verglichen. Das klingt ein bisschen wie ein großes Casting: „Und jetzt bitte alle Wünsche einmal vortanzen. Danke. Wir melden uns.“ Danach werden Schwerpunkte abgeleitet und, wenn möglich, zu Maßnahmen weiterentwickelt. Dieses „wenn möglich“ ist der Satz, der in Deutschland immer mit einem milden Lächeln ausgesprochen wird, während im Hintergrund ein Taschenrechner leise weint. Denn natürlich spielen auch Wirtschaftlichkeit und finanzielle Spielräume eine Rolle. Übersetzt heißt das: „Ja, wir hätten auch gern überall alle fünf Minuten einen Bus mit beheizten Sitzen und kostenloser Suppenstation, aber…“
Trotzdem: Es ist selten, dass Verwaltung und Alltag so direkt Händchen halten dürfen. Und ganz ehrlich – wenn wir schon jahrelang an Haltestellen über das Universum, die Zeit und die Unzuverlässigkeit von Fahrplänen philosophieren, können wir auch einmal offiziell sagen: „Hier drückt der Schuh. Und zwar der mit der durchgelaufenen Sohle.“ Vielleicht wird am Ende nicht jeder Wunsch erfüllt, aber jede Rückmeldung ist ein kleiner Zettel am Kühlschrank der Planung: *Denk an die Menschen, nicht nur an die Tabellen.*
Also: Wer in Hilden, Haan oder sonstwo im Kreis Mettmann unterwegs ist und sich schon mal dachte „Das geht doch besser“, darf jetzt genau das eintragen – auf der Karte, mit Gefühl, mit Fakten, mit einem Hauch Humor, wenn’s hilft. Und wer weiß: Vielleicht fährt der Bus 2028 nicht nur – sondern sogar so, wie wir es brauchen. Und falls nicht, haben wir es wenigstens schriftlich versucht. Das ist im Rheinland ja auch schon fast Tradition.
Sonntag, 22. Februar 2026
22.2.2026: Wer räumt eigentlich das Granulat wieder weg? (Oder: Die Steinzeit kehrt zurück)
Es gibt Dinge, die kommen im Winter ganz selbstverständlich mit ins Haus: nasse Jacken, klamme Socken, diese eine Mütze, die nach drei Minuten aussieht wie ein zerknülltes Pausenbrot. Und dann gibt es Granulat. Dieses unscheinbare, hartnütige „Ich war nur kurz draußen“-Souvenir, das sich nicht einfach an die Garderobe hängt, sondern direkt den Weg in die Wohnung sucht – bevorzugt in Rudelbildung und mit Vorliebe für Parkett.
Dabei fing alles so vernünftig an. Die Stadt hat in den vergangenen Wochen großzügig gestreut, um uns alle vor dem großen Winterklassiker „Ausrutschen, elegant rudern, würdevoll fallen“ zu bewahren. Haltestellen, Bahnhofsbereich, viel begangene Wege – überall lag dieses kleine Sicherheitsversprechen aus Steinchen, das uns signalisierte: Heute nicht, Knochenbruch, heute nicht.
Jetzt ist die Frostperiode vorbei. Die Eiszeit hat sich verabschiedet, Schnee und Glätte sind nur noch eine ferne Erinnerung, und wir könnten uns eigentlich wieder entspannt dem Frühjahrsprogramm widmen: Fenster auf, Sonne rein, gute Laune an. Wäre da nicht das Granulat. Es ist geblieben. Wie ein Besuch, der nach dem letzten Kaffee sagt: „Ach, ich bleib noch ein bisschen sitzen“, und dann drei Wochen später anfängt, deine Pflanzen zu gießen.
Denn diese kleinen Körner haben Talente. Sie setzen sich in Schuhsohlen fest, als hätten sie dort einen Mietvertrag. Man tritt einmal kurz an der Haltestelle auf und zack – hat man eine mobile Kiesgrube dabei. Und wer nicht aufpasst, verteilt das Zeug über Hausflur, Teppich und Wohnzimmer, bis es klingt, als würde man in der Wohnung eine sehr kleine Baustelle betreiben. Besonders fies: empfindliche Böden wie Parkett reagieren auf die scharfkantigen Steinchen ungefähr so begeistert wie ein Smartphone auf einen Badewannen-Ausflug.
Und jetzt die Frage, die in Hilden offenbar gerade viele beschäftigt: Wer räumt das eigentlich weg?
Die Stadt lässt sinngemäß wissen: Das Granulat könne „noch eine Zeit lang liegen bleiben“. Es verschwinde nicht automatisch, sondern werde durch Regen, Wind und den täglichen Fußgängerverkehr nach und nach… nun ja… „verteilt“. Das ist eine herrlich beruhigende Formulierung, die klingt, als würde sich das Problem irgendwann von selbst lösen – so wie ein Puzzle, das sich nachts heimlich zusammensetzt. In der Praxis bedeutet „verteilt“ allerdings meistens: Es ist überall. Auch da, wo es vorher nicht war. Vor allem da.
Gleichzeitig heißt es, das Entfernen sei grundsätzlich Teil der regulären Reinigungspflicht. Und da wird’s richtig spannend, denn laut Straßenreinigungssatzung sind oft die angrenzenden Grundstückseigentümer zuständig – also die Anlieger. Mit anderen Worten: Sobald keine Glättegefahr mehr besteht, darf man nicht nur innerlich den Frühling begrüßen, sondern auch äußerlich den Besen.
Das Problem: Besonders auffällig liegt das Granulat gerade auf Flächen, die für viele erst mal nach „öffentlich“ aussehen – Bushaltestellen, Bürgersteige an Schulen, Bereiche, bei denen man instinktiv denkt: „Da kommt bestimmt gleich jemand mit so einer großen Kehrmaschine und macht zack-zack.“ Doch auch hier der Hinweis: Häufig seien diese Bereiche Teil der regulären Gehwegreinigung und damit in der Zuständigkeit der jeweiligen Anlieger. Und ob und wann die Stadt selbst tätig wird, hänge vom Standort und den geltenden Zuständigkeiten ab.
Das ist ungefähr so klar wie die Bedienungsanleitung eines neuen Druckers. Für Bürgerinnen und Bürger ist kaum nachvollziehbar, wer konkret handeln muss und wann. Und genau da entsteht diese besondere Mischung aus Ratlosigkeit und leichtem Ärger, die man sonst nur kennt, wenn man versucht, einen Karton zusammenzufalten, der „leicht zu öffnen“ sein soll.
Natürlich: Sicherheit im Winter ist wichtig. Niemand wünscht sich eine Stadt voller unfreiwilliger Eislauf-Kürprogramme. Aber wenn das Eis weg ist, wäre es schon charmant, wenn auch die Hinterlassenschaften der Eiszeit nicht mehr monatelang als städtische Dauerdekoration liegen bleiben. Eine klare, transparente Regelung – am besten in einer Sprache, die nicht nach „Interpretationsspielraum“ klingt – würde helfen. Denn wenn Zuständigkeiten so formuliert sind, dass sich im Zweifel niemand eindeutig verantwortlich fühlt, bleibt am Ende vor allem eines zurück: Granulat. Und das Gefühl, dass Hilden heimlich zum Freilichtmuseum der Kieselsteine wird.
Bis dahin gilt: Schuhe ausklopfen, Fußmatte ernst nehmen, Besen bereithalten – und beim nächsten Spaziergang einfach mal freundlich zurückgrüßen, wenn es unter den Sohlen knirscht. Es könnte sein, dass das Granulat dich längst als Familienmitglied betrachtet.
Samstag, 21. Februar 2026
21.2.2026: Hilden hebt ab: Wenn zwei Sportvereine „Ja“ sagen (und 5000 Mitglieder schon mal das Konfetti zählen)
In Hilden passiert gerade das, was sonst nur in romantischen Komödien oder bei besonders ambitionierten Vereinsfesten vorkommt: Zwei Schwergewichte der Itterstadt – der TuS Hilden und die Hildener AT (HAT) – schauen sich tief in die Augen, räuspern sich kurz und sagen sinngemäß: „Du… wollen wir das wirklich zusammen durchziehen?“ Zehn Monate Projektarbeit später ist die Antwort überraschend oft: „Ja, wir haben mehr gemeinsam, als wir dachten.“ Und jetzt wird’s ernst: finale Fusionsphase. Das klingt ein bisschen nach „Endgegner“, ist aber vermutlich eher „Level 10: Satzungsrecht und Gefühle“.
Die Ausgangslage ist schon filmreif: Im April letzten Jahres haben die Mitglieder beider Vereine ihren Vorständen offiziell den Auftrag gegeben, über eine mögliche Fusion zu sprechen. Nicht so ein unverbindliches „Wir müssen mal einen Kaffee trinken“, sondern richtig mit Mandat, Protokoll und dem unausgesprochenen Vereinsmotto: „Wenn wir das machen, dann ordentlich.“ Das Ziel: ein Großverein mit rund 5000 Mitgliedern. Der TuS bringt 1450 Sportbegeisterte mit, die HAT 3700 – zusammen also eine Größenordnung, bei der man in Hilden vermutlich schon beim Bäcker einen eigenen Warteschlangenmanager braucht.
Und weil Tradition im Sportverein ungefähr so wichtig ist wie Tape im Erste-Hilfe-Kasten, werden auch die Lebensläufe der beiden Kandidaten nicht versteckt, sondern stolz auf den Tisch gelegt: Der TuS, gegründet 1896, wird gerade 130 Jahre alt – praktisch ein Verein im besten Alter, der immer noch locker aus dem Stand den Spagat zwischen „damals“ und „jetzt“ hinbekommt. Die HAT ist sogar noch ein bisschen älter und bringt 162 Jahre Sportgeschichte mit – da hat man schon so manchen Modetrend und vermutlich auch einige Frisurenkrisen im Turnen überlebt. Beide haben also genug Vergangenheit, um beim Vereinsabend Anekdoten bis nach Mitternacht zu liefern.
Der Grund für das Ganze ist dabei erstaunlich unromantisch und genau deshalb so nachvollziehbar: Größe ist attraktiv. Für Übungsleiter, für Sponsoren, fürs Standing in der Stadt. Frei nach dem Prinzip „Je größer der Verein, desto eher ruft jemand zurück.“ TuS-Chef Michael Wegmann bringt es auf die Formel „Je größer, desto interessanter“, und HAT-Vorsitzender Sven Reuter sieht vor allem das Potenzial, Hilden sportlich wieder ein Stückchen mehr auf die Landkarte zu setzen. Eine Fusion wäre also nicht nur eine neue Satzung, sondern auch eine Art sportpolitischer Verstärker: mehr Gewicht, mehr Sichtbarkeit, mehr „Hallo, wir sind auch noch da!“.
Jetzt kommt der Teil, den man von außen gerne unterschätzt: Fusion ist nicht nur Excel, sondern auch Emotion. Zehn Monate lang haben Projektgruppen Vereinsstrukturen, Sportangebote, Finanzen, Ehrenamt und wahrscheinlich auch die große Frage „Wie nennen wir das Kind eigentlich?“ durchgekaut. Das Ergebnis: gemeinsame Werte, ähnliche Ziele, viel Wille, den Sport in Hilden „zukunftssicher, vielfältig und attraktiv“ zu machen. Wenn zwei Vereine nach zehn Monaten Workshops nicht komplett entnervt auseinanderlaufen, ist das im Grunde schon ein olympisches Zeichen.
Inzwischen haben beim TuS Vorstand und Abteilungsleiter grünes Licht gegeben, bei der HAT hat das Präsidium einstimmig zugestimmt. Das ist der Moment, in dem man merkt: Das ist kein loses Gedankenspiel mehr, das ist die Sorte Plan, bei der irgendwann jemand wirklich einen Vertrag ausdruckt. Genau da sind sie jetzt: Satzungsrechtliche Fragen werden geprüft, der Landessportbund berät, und irgendwann wird ein Fusionsvertrag geschrieben. Wer bei „satzungsrechtliche Fragen“ schon gähnt, hat noch nie erlebt, wie leidenschaftlich Menschen über Formulierungen wie „Der Vorstand besteht aus…“ diskutieren können. Vereinsrecht ist die Bundesliga des Detailstreits, nur mit mehr Kaffee und weniger Pyrotechnik.
Auch organisatorisch ist das Ganze spannend: Die HAT hat ein ehrenamtliches Präsidium und dazu drei hauptamtliche Vorstandsmitglieder – klingt ein bisschen nach „Wir haben einen Maschinenraum und eine Brücke“. Beim TuS arbeitet der Vorstand ehrenamtlich – klassisch, bodenständig, viel Herzblut. Wenn diese Systeme zusammenfinden, entsteht entweder ein wunderbar effizientes Hybridmodell oder der erste Verein, der gleichzeitig „Bitte füllt das Formular aus“ und „Ach, komm, wir regeln das schnell so“ in seine DNA schreibt. Wobei: In Wahrheit werden sie das natürlich sauber zusammenführen. Hoffentlich. Also… vermutlich. Also: mit Projektgruppe.
Damit niemand später sagt „Davon hab ich ja gar nichts gewusst!“, gibt’s am 20. März eine gemeinsame Informationsveranstaltung. Der Termin ist praktisch das große Vereins-Äquivalent zum Familienrat, bei dem alle Fragen auf den Tisch dürfen: Sorgen, Nöte, Befürchtungen – und natürlich Ideen. Denn am Ende entscheiden nicht Vorstände, sondern Mitglieder, und zwar in einer separaten Mitgliederversammlung, die noch geplant wird. Man spürt förmlich, wie im Hintergrund bereits Stühle gezählt, Mikrofone getestet und die klassische Frage vorbereitet wird: „Kann man das vielleicht auch so machen, dass…?“ (Spoiler: Man kann. Irgendwie. Mit Arbeitskreis.)
Parallel läuft schon die leise, aber entscheidende Arbeit: Vorstandsmitglieder und Abteilungsleiter bringen Volleyballer, Schwimmer, Leichtathleten und Turner zusammen – eine Art sportliche Kennenlernparty, nur ohne peinliche Namensschilder, dafür mit sehr ernsten Gesprächen über Ziele, Ambitionen und die Frage, ob man künftig beim Sommerfest dieselbe Wurstbude teilt. Und weil Transparenz heutzutage das Zauberwort ist, betonen beide Vereine den „transparenten Dialog“ als Kernbestandteil des Prozesses. Übersetzt heißt das: Bitte sprecht mit uns, bevor ihr euch im Flurfunk eine eigene Netflix-Serie daraus macht.
Wenn alles gut läuft, beginnt am 1. Juli 2026 eine neue sportliche Ära in Hilden. Das ist ein Satz, der nach Feuerwerk klingt – aber in Vereinen bedeutet er vor allem: neue Logos, neue Abläufe, neue Zuständigkeiten, neue E-Mail-Verteiler und mindestens drei Menschen, die nachts um halb zwei denken: „Wo war nochmal diese Datei mit der Beitragsordnung?“ Gleichzeitig ist es aber auch eine echte Chance: mehr Schlagkraft, breiteres Angebot, bessere Möglichkeiten für Ehrenamt und Hauptamt, und vielleicht sogar ein Verein, der groß genug ist, um gleichzeitig Tradition zu leben und modern zu wirken, ohne dass jemand „Früher war alles besser“ ruft – na gut, das wird trotzdem jemand rufen. Aber dann eben in einem Verein mit 5000 Leuten, und das Echo ist entsprechend beeindruckend.
Und irgendwo zwischen all dem steht als Symbolbild die Tanzformation IndepenDance – passend, denn genau darum geht’s: unabhängig bleiben, aber gemeinsam stärker werden. Zwei Vereine, zwei Geschichten, ein möglicher neuer Name, der vermutlich noch nicht verraten wird, weil sonst sofort 47 Vorschläge und 48 Gegenargumente eintreffen. Doch egal, wie das Kind am Ende heißt: Wenn TuS und HAT wirklich fusionieren, wird das nicht nur ein Zusammenschluss – das wird ein Hildener Heimspiel mit Ansage.
Freitag, 20. Februar 2026
20.2.2026: Mit dem Auto ins Wasser: Wenn der Parkplatz mehr schluckt als du
Es gibt ja so Orte, die versprechen dir sofortige Entspannung: ein See, ein Schwimmbad, irgendwo plätschert es, irgendwo schreit ein Kind „Maaaamaaa, der ist gemein!“, und irgendwo sitzt jemand mit Pommes in der Sonne und hat das Leben verstanden. Und dann gibt es den Parkplatz davor. Der Parkplatz ist nämlich nicht Entspannung. Der Parkplatz ist das Bewerbungsgespräch fürs Naherholungsgebiet: „Guten Tag, was können Sie?“ – „Ich kann stehen.“ – „Sehr gut, das kostet dann aber auch.“
Am Unterbacher See war das früher so eine Art romantischer Kompromiss zwischen Mensch und Schranke: erste Stunde frei, ab der zweiten zwei Euro fürs Tagesticket. Das klang nach: „Komm, geh ruhig eine Runde, atme durch, du bist willkommen.“ Und irgendwo im Hintergrund stand schon der Satz in Stein gemeißelt, den man in Deutschland auf jedes Parkscheinautomaten-Display drucken könnte: Wenn man die Parkgebühr einmal hat, ist es eine wunderbare Sache, an der Preisschraube zu drehen. Tja. Preisschraube gedreht. Seit dem 1. Januar sind’s vier Euro ab der zweiten Stunde. Vier Euro! Das ist der Moment, in dem dein Spaziergang plötzlich nicht mehr nach Wald riecht, sondern nach Excel-Tabelle.
Natürlich gibt es dafür Gründe, und die sind sogar vernünftig: Investitionsstau, Pflege, Grün zurückschneiden, Schlaglöcher, Beschilderung – kurz: Dinge, die niemand sieht, wenn sie funktionieren, aber jeder fotografiert, wenn sie nicht funktionieren. „Das kostet Geld“, heißt es. Stimmt. Und trotzdem fühlt es sich für viele an, als würde man beim Eintritt in die Naherholung eine kleine Luxusschranke überwinden müssen. Besonders, wenn man fürs Rund-um-den-See-Programm mindestens 75 Minuten braucht und dann nach dem Zurückkommen feststellt: Du bist jetzt offiziell zu lange glücklich gewesen.
Die Reaktion? Deutschlandtypisch herrlich: Empörung, Unterschriften, Petition. „Faire Parkgebühren am Unterbacher See“ – das klingt so, als könnte man dem Parkplatz jetzt endlich mal beibringen, dass er nicht der eigentliche Hauptdarsteller ist. Fast 1200 Unterschriften, und irgendwo da draußen sitzt jemand, der wahrscheinlich nur mal kurz „eine Runde drehen“ wollte und jetzt in einer Bewegung gelandet ist. Naherholung als gesellschaftliches Großprojekt. Wenn das so weitergeht, gibt’s demnächst Diskussionsabende im Klappstuhlkreis: „Parkschein und Demokratie – wer parkt hier eigentlich wen?“
Und während am See die Parkgebühr wächst wie ein ambitionierter Liguster, schaut man sich natürlich um: Wie ist das denn bei uns in Hilden, Haan und Umgebung? Spoiler: Es gibt noch Oasen der Hoffnung. Das Hildorado zum Beispiel – du kannst da parken, und wenn du wirklich schwimmen gehst (also nicht nur aus Versehen die Rutsche fotografierst und wieder fährst), wird dein Ticket freigeschaltet und du kommst gratis raus. Das ist wie ein kleines Vertrauensmodell: „Beweise, dass du Wasser gesehen hast, dann lassen wir dich ziehen.“ Ich stelle mir das vor wie im Märchen: Wer wirklich gebadet hat, darf ohne Tribut das Land verlassen.
Auch das Waldbad Hilden ist so ein sympathischer Ort: Parkplätze kostenfrei, aber begrenzt. Das ist die klassische Freibad-Philosophie: Geld nehmen wir nicht, aber du musst kämpfen. Entweder gegen die Parkplatzknappheit oder gegen den inneren Schweinehund, der dir zuflüstert: „Fahr doch nochmal im Kreis, vielleicht tut sich was.“ Und das Bad sagt ganz lieb: Kommt am besten mit Fahrrad oder ÖPNV. Übersetzung: „Wenn ihr alle mit dem Auto kommt, wird’s hier ein Waldbad mit Waldparkplatz-Survival.“
In Haan wird’s dann urbaner: Hallenbad, komfortable Parkmöglichkeiten in der Tiefgarage – und Tiefgaragen sind ja die Orte, an denen deine Orientierung stirbt, aber wenigstens geregelt. Bis 20 Minuten 50 Cent, bis 40 Minuten 1 Euro, bis eine Stunde 1,50 – jede weitere Stunde wieder 1,50, Tageskarte 8 Euro. Acht Euro! Da überlegst du dir beim Bahnenziehen plötzlich ganz genau, ob du wirklich noch „zum Auslockern“ zehn Minuten im Whirlpool brauchst oder ob das nicht auch Zuhause im Badezimmer geht, mit dem Duschkopf auf Massagestrahl und einer sehr optimistischen Fantasie.
Ganz anders das Vabali Spa: Pauschal 1,50 Euro fürs Parken, egal wie lange du bleibst. Das ist die Wellness-Version von: „Leg dich hin, vergiss die Zeit, wir machen das schon.“ Ich finde das konsequent. Wer schon freiwillig Entspannung bucht, sollte nicht zusätzlich auf dem Parkplatz die Pulsuhr kalibrieren müssen.
Im Badehaus Benrath wird’s dann wieder sehr deutsch und sehr fair: Parken kostet nach Zeit, aber wenn du die Quittung vorlegst, bekommst du einen Teil beim Eintritt zurück – maximal 1 Euro. Das ist ein bisschen wie: „Wir nehmen’s dir ab, aber nicht komplett, du sollst ja auch was lernen.“ Erziehung durch Teilerstattung. Man geht als besserer Mensch raus. Oder zumindest als Mensch mit einem Beleg, den man nicht verlieren darf, weil sonst aus dem Badetag ein Rechenfehler wird.
Und dann gibt’s die Helden der Übersicht: Neanderbad kostenfrei. Heidebad Solingen – ausgewiesene Parkplätze gratis. Stadtbad Langenfeld – großer Parkplatz gratis, nur bei Sommerwetter manchmal voll. Mona Mare Monheim – kostenfrei. Das sind die Orte, an denen du beim Aussteigen kurz innehältst und denkst: „Moment… niemand will Geld von mir? Ist das… erlaubt?“ Und dann gehst du schnell rein, bevor es jemand merkt.
Unterm Strich zeigt sich: Parken rund ums Schwimmen ist inzwischen ein eigenes Freizeitprogramm. Mal gratis mit Freischaltung, mal gratis mit „viel Glück“, mal Tiefgarage mit Stundentarif und Tageskarte, mal Pauschal-Entspannung, mal See mit Preisschraube und Petition. Und irgendwie passt das: Wasser fließt, Preise steigen, und der Mensch sucht weiterhin verzweifelt nach dem Ort, an dem er einfach nur planschen kann, ohne dass sein Auto in der Zwischenzeit eine kleine Mieteinnahme wird.
Vielleicht ist das die moderne Definition von Naherholung: Du fährst hin, parkst, zahlst oder nicht, regst dich kurz auf oder freust dich kurz, und dann gehst du schwimmen, um wieder runterzukommen. Ein perfekter Kreislauf. Fast so rund wie eine Seerunde – nur eben mit Schranke.
Donnerstag, 19. Februar 2026
19.2.2026: Große Ostereiersuche im Stadtpark: Wenn der Osterhase Schichtdienst hat
Es gibt ja Städte, die machen zu Ostern ein bisschen Deko ans Rathaus, stellen drei Tulpen auf und nennen das dann „Frühlingszauber“. Und dann gibt es Hilden. Hilden sagt: „Wir machen das ordentlich.“ Am Ostermontag, dem **6. April**, wird im Stadtpark nämlich wieder die **große Ostereiersuche** veranstaltet – und zwar nicht irgendwie, sondern **zum dritten Mal**. Das klingt schon fast nach einer Tradition mit Zertifikat, Stempel und einem kleinen Verwaltungsakt, der irgendwo leise applaudiert.
Eingeladen sind **Kinder bis 6 Jahre** – also genau das Alter, in dem man Ostern noch für eine seriöse Angelegenheit hält und nicht für „Schokolade im Gebüsch, naja“. Und weil Hilden nicht kleckert, sondern nestet, stehen gleich zwei Promis bereit: **Bürgermeister Claus Pommer** höchstpersönlich und – Trommelwirbel – **der Osterhase**. Ich finde ja, das ist eine wunderbare Kombination: Der Bürgermeister für die feierliche Ansprache („Wir füllen den Park mit Kinderlachen!“) und der Hase fürs operative Geschäft („Ich hab da hinten noch ein Ei in die Hecke gedrückt, viel Glück!“).
Damit das Ganze nicht im klassischen „Alle gleichzeitig losrennen, Eltern filmen, Kind verschwindet im Rhododendron“-Modus endet, wird in **drei Zeitfenstern** gesucht. Der Osterhase arbeitet also quasi mit **Terminplan**:
* **11:00 – 12:00 Uhr**
* **12:30 – 13:30 Uhr**
* **14:00 – 15:00 Uhr**
Man sieht ihn schon förmlich mit Klemmbrett und Pausenbrot: „So, Kindergruppe 1 war sehr motiviert, Gruppe 2 hatte gute Nest-Dichte, Gruppe 3 bitte nicht alle gleichzeitig ins Gebüsch, danke.“ Und in jedem Zeitraum gibt’s nicht nur viele Eier und Nester, sondern auch **jeweils ein goldenes Ei**. Ein goldenes Ei! Das ist die Art von Objekt, bei dem Kinder sofort eine Mischung aus Schatzjäger, Detektiv und professionellem Gebüschscanner werden. Man kann praktisch zusehen, wie sich die Augen auf „Eiersuche: Expert Level“ umstellen.
Der Bürgermeister sagt, es sei eine tolle Gelegenheit, gemeinsam Zeit zu verbringen und den Park mit fröhlichem Kinderlachen zu füllen. Das ist wirklich schön – und zugleich die diplomatische Umschreibung für: „Es wird laut, es wird wuselig, und irgendwo wird jemand sehr überzeugt rufen: *ICH HAB WAS!!!*“
Wichtig ist allerdings: **Ohne Anmeldung läuft nichts.** Wirklich nichts. Nicht mal ein kleines Probeeierschauen. Die **Teilnehmendenzahl ist begrenzt**, und deshalb ist die **vorherige Anmeldung zwingend erforderlich**. Los geht’s **ab Montag, 16. Februar**, online über die Ostereiersuche-Seite der Stadt. Dort wählt man auch den gewünschten Zeitraum aus, und wenn ein Zeitraum voll ist, ist er voll – Hilden ist an der Stelle überraschend hasenharte Realität: **Keine Anmeldung, keine Teilnahme.** Wer spontan mit „Wir gucken mal“ kommt, guckt dann eben – aber eher den Stadtpark von außen an.
Unterstützt wird das Ganze von Sponsoren, die sich sehr passend lesen: **Selgros**, **Geflügelhof Engel** und der **Snackpoint im Stadtpark**. Ich mag diese Zusammenstellung sehr, weil sie klingt wie die perfekte Dreifaltigkeit für Familien-Events: Versorgung, gute Laune und irgendwo mindestens ein Snack, der in Sekunden verschwindet.
Unterm Strich: Hilden macht Ostern so, wie man es sich als Kind wünscht – mit echter Suche, echten Nestern, echter Aufregung und einem goldenen Ei, das vermutlich für exakt 3,7 Sekunden „unfassbar“ ist, bevor jemand ruft: „Mama! Foto!“. Und ganz ehrlich: Wenn ein Stadtpark an einem Ostermontag voller kleiner Osterhasen ist, dann ist das vielleicht die beste Art von Stadtmarketing, die es gibt.
Dienstag, 17. Februar 2026
17.2.2026: Itter Itter Helau – und wer hat bitte den Himmel auf „Duschgel“ gestellt?
Hilden hat es wieder getan. Rosenmontag, die City geschniegelt, gebügelt und in Kostüme geworfen – und dann macht das Wetter diesen klassischen Move: erst so tun, als sei es nur ein bisschen „rheinische Frische“, und ab 13.30 Uhr plötzlich auf „Dauerregen Deluxe“ umschalten. Man konnte förmlich hören, wie irgendwo ein Wolkenbeauftragter kichernd den Regler nach rechts schiebt. Und mitten drin zwei Jecken, die die einzig logische Frage stellen: „Hast du das schlechte Wetter bestellt?“ – „Nein, ich nicht, du?“ Am Ende ist klar: In Hilden wird nicht nur Kamelle gesucht, sondern auch der Verantwortliche. Fahndung läuft. Vermutlich versteckt er sich unter der Brücke zwischen Lindenplatz und Hagelkreuz, weil da eh alle standen, die trocken bleiben wollten – wie in einem sehr fröhlichen, sehr bunten Survivalkurs.
Denn wenn man in Hilden etwas kann, dann ist es „trotzdem“. Trotzdem Regen. Trotzdem Wind. Trotzdem Frisuren, die nach fünf Minuten aussehen wie „vorher/nachher“-Fotos aus einer Shampoowerbung, nur in umgekehrt. Trotzdem 10.000, 12.000, gefühlt 11.998 Menschen (plus zwei, die den Wetter-Account sperren wollten), die sich nicht abhalten lassen, den Zoch zu gucken. 50 Startnummern, 18 Festwagen – und ungefähr 18.000 Regenponchos, die plötzlich in allen Farben des Karnevals leuchten, als hätte jemand einen Einhorn-Schirmständer explodieren lassen.
Und dann, pünktlich um 14.11 Uhr – als hätte der Himmel kurz auf die Uhr geguckt und gesagt: „Okay, Tradition ist Tradition“ – setzt sich der Zug vom Lindenplatz aus in Bewegung Richtung Mittelstraße, Ziel Fritz-Gressard-Platz. Und was passiert kurz danach? Der Regen lässt nach. Natürlich. Das ist dieses meteorologische Prinzip: Wenn alle einmal komplett durch sind, darf’s kurz freundlich werden, damit die Kostüme zur Geltung kommen und man nicht nur „nasser Panda mit Hut“ erkennt, sondern wirklich Eisbär, Cowboy, Rentier, Batman-Harlekin und „Michael Jackson, aber mit Zombies vorne und hinten“ – ein Outfit, das man auch erstmal technisch stabil hinbekommen muss, während man im Regen Moonwalkt. „Moonwalk in the Rain“ ist übrigens ein Satz, den man nur in Hilden so selbstverständlich sagen kann, ohne dass jemand fragt, ob das eine neue Sportart ist.
Apropos stabil: Besonders stabil wirkten diesmal die kreativen Schutzmaßnahmen. Regenschirme, Wohneingänge, selbstgebaute Zelte – und Wagen mit Dach galten plötzlich als Luxus wie First Class im Jecken-Express. Doppelt nützlich waren Schirme sowieso: oben Regen, unten Kamelle. Und während die Musikgruppen trommeln, als wollten sie die Wolken wegmassieren, gibt’s Samba im Hildener Regenwetter – brasilianische Klänge, rheinische Nässe, perfekte Fusion: „Copacabana trifft Hagelkreuz“.
Inhaltlich war der Zug auch wieder sehr Hilden: städtische Musikschule dabei, DRK mit 125-jährigem Jubiläum (Respekt – die haben vermutlich schon Rosenmontage erlebt, da war Regen noch mit Kohle befeuert), Stadtwerke mit einem riesigen Sonnenwagen – was eine fantastische Form von passiv-aggressiver Wetter-Kommunikation ist: „Wenn du schon nicht scheinst, dann fahren wir dich halt spazieren.“ Dazu Gruppen aus Unterbach, ein Caterer-Wagen, der Frischgemüse thematisiert (nichts schreit Karneval so wie… Vitamine im Konfettiregen), und als krönender Abschluss: das Prinzenpaar Prinz Hildanus Peter III und Prinzessin Hildania Silvia I, strahlend gegen den Regen, als hätten sie eine eingebaute LED-Laune. Und weil Hilden es ernst meint mit dem „Alle sind jeck“: Kinderprinzenpaar (Lotta und Malte) und Inklusionsprinzenpaar (Anna und Jannik) mit eigenen Wagen. Das ist nicht nur schön – das ist Rosenmontag, wie er sein soll: laut, bunt, herzlich und ein bisschen verrückt.
Die wichtigste wissenschaftliche Erkenntnis des Tages kam allerdings aus der Kamelle-Forschung: Besonders beliebt waren Chips, Süßigkeiten und Popcorn. Popcorn! Das ist genial, weil man beim Fangen automatisch dieses Kino-Feeling hat: „Heute im Programm: Der Zoch – Teil 2026, mit starker Regen-Action und dramatischen Poncho-Momenten.“ Und laut CCH gingen pro Wagen etwa 700 bis 800 Kilo Wurfmasse raus. Das ist keine Menge, das ist ein logistisches Konzept. Da wird nicht geworfen, da wird verteilt – in Form von fliegenden Karamell-Riegeln und Doppel-Keksen, die jeden Diätplan kurz in den Winterschlaf schicken.
Ganz oben am Bürgerhaus stand Bürgermeister Claus Pommer und hatte die beste Aussicht – entmachtet an Altweiber, aber offensichtlich weiterhin balkonberechtigt. Das ist auch so ein rheinisches Ding: Man nimmt dir die Macht, aber nicht den Schlüssel zum besten Platz. Von dort regnete es nicht nur himmlisch, sondern auch amtlich: Kamelle runter, Moderation dazu – und zwischendurch stand der als Gottheit kostümierte Bürgermeister sogar in der Sonne. Ein Bild, das man sich einrahmen möchte: Krone, silberne Lockenpracht, Wetter macht kurz Frieden, und unten denken alle: „Okay, vielleicht hat er doch noch Einfluss.“
Spoiler: es währte nicht ewig. Gegen Ende waren wieder die im Vorteil, die aufs alltagsnahe Kostüm gesetzt hatten – Achim und Bine als regendichte Jungboomer in neongelben E-Bike-Jacken. Das ist nicht nur Kostüm, das ist ein Statement: „Wir sind bereit, wir sind sichtbar, und wir könnten notfalls auch noch schnell zum Baumarkt fahren.“ Achim mit Seppelhut, Bine mit vom Wind zerzaustem Haar und dem Satz, der den Tag perfekt zusammenfasst: „Die Scheibenwischer für die Brille hab ich auch vergessen.“ Da fühlte sich jeder Brillenträger kurz gesehen – und ein bisschen blind.
Und dann diese Szene, die man bitte jedes Jahr genau so wieder aufbauen sollte: die Currywurst-Truppe vor der Goldquelle. Seit 25 Jahren, immer Rosenmontag, immer dieselbe Stelle – früher Kohle, heute Gasgrill, sonst alles gleich. Das ist gelebte Tradition, ein Denkmal aus Senf und Standhaftigkeit. „Möchtest du ’ne Wurst?“ ist in dem Moment keine Frage, sondern ein rheinischer Friedensvertrag. Ein paar Schritte weiter ein selbstgezimmertes Piratenschiff, das Seifenblasen und Nebel ausstößt. Auf die Frage „Ist das seetauglich?“ kommt die einzig richtige Antwort: „Wenn man genug getrunken hat: Ja.“ Nautik nach rheinischer Methode.
Am Ende bleibt: Hilden kann Wetter. Nicht im Sinne von „es ist gut“, sondern im Sinne von „es ist da – und wir feiern trotzdem“. Der Rosenmontagszug 2026 war nass, laut, kreativ und voller Sonne im Herzen, wenn schon nicht am Himmel. Und irgendwo läuft immer noch die Suche nach der Person, die den Regen bestellt hat. Ich tippe ja auf jemanden, der heimlich „Schottland-Wetter“ im Kostümfundus gefunden hat und dachte: „Passt schon.“ Itter Itter Helau!
Montag, 16. Februar 2026
16.2.2026: Rosenmontag in Hilden: Regen? Egal. Hauptsache, die Chips fliegen!
Hilden ist seit Altweiber fest in Narrenhand – und wer glaubt, dass ein bisschen Wasser von oben daran irgendetwas ändert, hat offensichtlich noch nie gesehen, wie entschlossen ein Hildener Jeck Richtung Mittelstraße watschelt, wenn irgendwo „Kamelle!“ in der Luft liegt. Rosenmontag 2026 steht vor der Tür, und während die Wettervorhersage schon mal vorsorglich den Regenmantel aus dem Schrank zieht, ziehen die Hildener einfach den Glitzer drüber. Prioritäten müssen schließlich sitzen.
Los geht’s um 14.11 Uhr – weil Karneval ohne eine Uhrzeit, die klingt wie ein geheimer Freimaurer-Code, einfach nur ein Umzug wäre. Start ist am Lindenplatz, dann wird sich in bester Tradition über Richrather Straße, Südstraße, Kolpingstraße und Kirchhofstraße Richtung Mittelstraße geschlängelt, bis am Fritz-Gressard-Platz der jecke Akku leergefeiert ist. Dazwischen wartet das Bürgerhaus, wo Bürgermeister Claus Pommer vom Balkon aus den Laden zusammenhält: moderieren, begrüßen, Kamelle regnen lassen – quasi die Dreifaltigkeit des Rosenmontags. Und wichtig für alle, die am Ende gern noch etwas „für später“ in der Jackentasche finden: Ab dem Penny-Markt ist Kamelle-Wurfstopp. Nicht, weil plötzlich Vernunft einkehrt, sondern weil man einen reibungslosen Ablauf will. Karneval kann Ordnung, wenn er muss. Widerwillig, aber er kann.
Apropos Wurfmaterial: Dieses Jahr wird’s kulinarisch ambitioniert. Früher waren es Bonbons, heute sind es Chips, Popcorn, Karamellriegel und Doppelkekse – Hilden wirft quasi den Inhalt eines gut sortierten Kiosks in die Menge. Und weil man im Rheinland nichts halb macht, rechnet man pro Wagen mit ungefähr 700 bis 800 Kilo Wurfmasse. Das ist kein Umzug, das ist eine fliegende Snack-Offensive. Wer danach noch hungrig ist, hat entweder zu weit hinten gestanden oder hat aus Versehen konsequent „Nein danke“ gesagt.
Mitmachen wollen dieses Mal 50 Startnummern, darunter 18 Festwagen. Zuschauerzahlen? Im letzten Jahr sprach man von 18.000 bis 20.000 – perfektes Wetter hilft eben. Dieses Jahr hilft vermutlich: Trotz Regen kommen. Und wer jetzt denkt „Och nö, Regen…“, dem sei gesagt: Der Zugleiter Michael Kewersun hat bereits die meteorologische Geheimwaffe parat. Sein Plan, um das Wetter kurzfristig zu drehen, ist herrlich rheinisch-pragmatisch: brav die Teller aufessen. Das ist keine Wetterstrategie, das ist ein Lebensgefühl. Und falls es nicht klappt, hat man wenigstens aufgegessen.
Natürlich gibt’s auch Sicherheit – und zwar so, dass man merkt: Karneval ist Spaß, aber nicht kopflos. Ab 12 Uhr sind Fahrzeugbarrieren vorgesehen, die Stadt wird dann gesperrt, und „ein paar Hundert Leute“ sind im Einsatz: Feuerwehr, Ordnungsamt, Polizei, Rotes Kreuz – die komplette Truppe, damit wir alle sorgenlos schunkeln können. Details verrät man nicht, was im Karnevalskontext übrigens sehr gut passt: Ein bisschen Geheimnis muss sein. Sonst könnte man ja auch gleich eine PowerPoint draus machen.
Schön ist auch: Es gibt wieder einen VIP-Bereich für Menschen mit Behinderung – auf Höhe der Sparkasse in der Mittelstraße, ab 12.30 Uhr für rund 50 Personen plus Begleitung. Das ist echte Inklusion und genau die Sorte Karneval, bei der man merkt: Jecksein heißt auch, aneinander zu denken – und nicht nur an die nächste Tüte Popcorn, die einem gleich aus drei Metern Entfernung elegant ins Gesicht segelt.
Neuigkeiten? Die „üblichen Verdächtigen“ sind zwar wieder dabei (Karneval ohne Stammgäste wäre wie Kölsch ohne Glas), aber es gibt frische Gesichter: Eine Gruppe des Deutschen Roten Kreuzes ist anlässlich des 125. Geburtstags dabei, außerdem feiert eine Fußgruppe der MVZ Hildental von der Mittelstraße ihr Debüt. Und das Inklusionsprinzenpaar fährt dieses Jahr mit neu dekoriertem Wagen – inklusive „Familie Feuerstein“-Optik. Willkommen in Hilden, wo man nicht nur jeck ist, sondern im Zweifel auch ein bisschen steinzeitlich stylisch.
Und wo steht man am besten? Wenn du Luft zum Atmen willst: eher vorne, Richrather Straße oder Südstraße – da sind die Werfer allerdings oft noch im „Warm-up-Modus“, sprich: Die Kamelle fliegen, aber eher mit angezogener Handbremse. Der erste richtige Party-Hotspot ist das Hagelkreuz, dann wird’s kurz entspannter, bevor ab Polizeiwache Kirchhofstraße die Stimmung wieder anzieht und an der Gabelung ihren Höhepunkt erreicht – und zwar so nachhaltig, dass es bis zum Ende der Mittelstraße durchzieht. Wer es strategisch mag, macht das jecke „Doppelschauen“: erst Südstraße, dann flott über Schulstraße zur Mittelstraße und den Zug am Ende nochmal mitnehmen. Das ist wie ein Konzert mit Zugabe – nur dass die Zugabe Kekse wirft.
Einschränkungen gibt’s natürlich auch: Straßen- und Busverkehr werden am 16. Februar von 12 bis voraussichtlich 18 Uhr großräumig umgeleitet, Sperrbereich, Halteverbote, Abschleppen – die Klassiker. Wer nach 12 Uhr noch wegfahren will, stellt sein Auto besser vorher raus, sonst hat es am Ende ein Solo-Abenteuer mit dem Ordnungsamt.
Und weil Rosenmontag in Hilden nicht einfach „Ende“ kennt: After-Zoch-Party! Ab 15 Uhr Open Air am Alten Markt. Also: erst Kamelle fangen, dann weiterfeiern. Regen hin oder her – notfalls tanzt man sich eben trocken. In Hilden gilt schließlich die alte Karnevalsregel: Das Wetter kommt und geht. Der Zoch kommt auf jeden Fall.
Samstag, 14. Februar 2026
14.2.2026: Der Wolf, der auszog, um Hilden das Fürchten (und Facebook) zu lehren
Es war ein ganz normaler Sonntag im Februar. Die Menschen in Hilden, Baumberg und Düsseldorf-Süd taten das, was man sonntags eben so tut: spazieren gehen, Hunde ausführen, Brötchen holen, auf Facebook diskutieren. Und dann kam er. Lautlos. Buschig. Ungepflegt. Nein, nicht der Nachbar im Jogginganzug – ein Wolf.
Genauer gesagt: *vermutlich* ein Wolf. Vielleicht auch ein Wolfshund. Oder ein sehr ambitionierter Schäferhund mit Identitätskrise. Doch für Jamain Metzmacher aus Baumberg war die Sache klar: „Das ist doch kein Hund!“ Und wenn ein Mann mit Belgischem Schäferhund sagt, das ist kein Hund, dann ist das in etwa so belastbar wie ein TÜV-Stempel – nur mit mehr Fell.
Der Vierbeiner trabte am Hellerhofweg entlang, bog lässig in Richtung Paul-Löbe-Straße ab und verschwand offenbar Richtung Urdenbacher Kämpe. Ganz normaler Sonntagsspaziergang also – nur eben ohne Leine und mit leichtem Wildtier-Vibe. Metzmacher zückte sein Handy, machte ein Foto und tat, was man im 21. Jahrhundert bei Wolfsbegegnungen eben tut: Er informierte die Polizei und Facebook. In dieser Reihenfolge.
Die Polizei rückte aus, fand – Überraschung – keinen Wolf mehr und stellte fest: Es gibt keine belastbaren Hinweise. Außer natürlich das Foto. Und die Facebook-Kommentare. Und die weiteren Sichtungen. Aber belastbar ist ja bekanntlich nur, was eine DNA-Analyse von Kot, Haaren oder Speichel bestätigt. Willkommen im Jahr 2026, wo selbst ein Wolf erst einmal seine Proben einreichen muss.
Auch in Hilden-West soll das Tier gesichtet worden sein, ebenso in Düsseldorf-Reisholz – stilecht in der Morgendämmerung vor einer Tiefgarage. Man möchte fast meinen, der Wolf habe sich gedacht: „Wenn schon Großstadt, dann bitte mit urbanem Flair.“ Vielleicht hat er kurz überlegt, ein Parkticket zu ziehen.
Die Experten sind sich derweil relativ einig: Wenn es ein Wolf war, dann vermutlich ein junger Wanderwolf. Von den Eltern vor die Tür gesetzt, auf Partnersuche, auf der Suche nach einem eigenen Rudel – oder wenigstens nach einem ruhigen Waldstück ohne Hundekot-Reizüberflutung. Man fühlt ein bisschen mit ihm. Jung, orientierungslos, viel zu viel Input, überall Menschen mit Smartphones.
Die Schafhalter rund um die Urdenbacher Kämpe blieben bislang verschont. Keine gerissenen Tiere, keine nächtlichen Dramen. Elektro- und Drahtzäune scheinen gewirkt zu haben – oder der Wolf hatte einfach keinen Appetit auf rheinische Küche. Ein Experte merkte sogar an, Konflikte mit schlecht erzogenen Hunden seien hier deutlich häufiger. Das muss man sich mal vorstellen: Der Wolf kommt durch, benimmt sich, frisst nichts – und der Ruf des Problemtiers bleibt trotzdem.
Die Jäger sehen das naturgemäß etwas differenzierter. Der Wolf an sich sei nicht das Problem, heißt es, sondern das Bejagungsverbot. Zu viele Wölfe könnten die Artenvielfalt beeinträchtigen. In Hilden selbst dürfte allerdings eher die Parkplatzsituation die größere Bedrohung für die Biodiversität darstellen – aber das ist ein anderes Thema.
Am Ende bleibt vor allem eines: ein Sonntag, der es in sich hatte. Mehrere Anrufe bei der Polizei – ausgelöst durch einen einzigen Facebook-Post. Ein Tier, das wahrscheinlich einfach nur durchziehen wollte. Und eine Region, die für ein paar Stunden das Gefühl hatte, Teil einer Naturdokumentation zu sein – mit dem Titel: „Der Wolf im Ballungsraum – zwischen Tiefgarage und Paul-Löbe-Straße“.
Ob es wirklich ein Wolf war? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Sicher ist nur: Wenn er wirklich auf Partnersuche war, hat er jetzt zumindest eins gefunden – maximale Aufmerksamkeit. Und irgendwo da draußen streift er nun weiter, leicht genervt vom rheinischen Trubel, auf der Suche nach einem Ort, an dem ihn niemand fotografiert.
Außer vielleicht wieder jemand mit einem sehr gut informierten Belgischen Schäferhund.
Freitag, 13. Februar 2026
13.2.2026: Fünf Kandidaten, ein Rathaus und ganz viel Wahlkampfgefühl
Hilden ist bewölkt, sieben Grad kalt und politisch so aufgeheizt wie die Kaffeemaschine im Rathaus kurz vor der Mittagspause. Es ist Kommunalwahlzeit, und wie es sich für eine ordentliche Itterstadt gehört, stehen gleich fünf Bewerber Schlange, um Bürgermeister zu werden. Fünf! Das ist kein Wahlkampf mehr, das ist schon fast ein Casting-Format – leider ohne Jury und mit deutlich weniger Glitzer.
Da wäre zunächst der Amtsinhaber, der Mann, der das Bürgermeisterbüro bereits kennt wie andere ihren eigenen Kühlschrank. Familienvater, Verwaltungsjurist, Wahlsieger ohne Stichwahl – ein bisschen der Typ „ruhige Hand am Steuer“, nur dass das Auto hier eine Stadt ist und die Straße voller Schlaglöcher. Er tritt nur als Bürgermeister an, nicht auf Listen, nicht in Bezirken – quasi der Solokünstler unter den Kandidaten.
Ganz anders der politische Frühstarter aus den Reihen der SPD: seit Jugendtagen engagiert, im Stadtrat längst heimisch und gefühlt in mehr Ausschüssen unterwegs als andere Menschen in Fitnessstudios. Wenn Engagement Kalorien verbrennen würde, wäre er längst Leistungssportler. Kochen und Reisen mag er auch – beides gute Voraussetzungen, denn im Rathaus braucht man Nerven wie ein Drei-Gänge-Menü und Fernweh nach Feierabend.
Der FDP-Kandidat bringt Unternehmergeist und jahrzehntelange politische Erfahrung mit, inklusive Bürgermeister-Stellvertreter-Vergangenheit und Listenplatz eins – sicher ist sicher. Mediengestalter, Druckerei-Geschäftsführer, Kreistagsfraktionschef: Wenn Multitasking eine olympische Disziplin wäre, hätte er zumindest gute Chancen auf die Qualifikation.
Dann meldet sich die Bürgeraktion zu Wort, mit einem Kandidaten, der politisch schon dabei war, als andere noch Wahlplakate mit Tapetenkleister für Zauberei hielten. 71 Jahre Lebenserfahrung, selbstständig, verheiratet und früher lange CDU – das ist kein Quereinsteiger, das ist ein politischer Langstreckenläufer mit Ortskenntnis.
Und schließlich der Pirat, der beweist, dass Politik auch mit Saxofon geht. Berliner Herkunft, Hildener Wahlheimat, Digitalisierung im Herzen und Musik im Gepäck. Wer sonst kann von sich sagen, Bürgermeister werden zu wollen und gleichzeitig eine Jazz-Session moderieren zu können? Wenn nichts anderes, dann bringt er zumindest neuen Sound in den Wahlkampf.
Unterm Strich heißt das: Hilden hat die Wahl. Fünf Kandidaten, fünf Lebensläufe, fünf Arten, den Chefsessel im Rathaus zu füllen. Bleibt nur die Frage, wer am Ende den Schlüssel bekommt – und wer danach erst mal tief durchatmet, wenn das Wetter immer noch bewölkt ist.
Donnerstag, 12. Februar 2026
12.2.2026: Wenn Kamelle Gold wert sind – Karneval in Hilden zwischen Schunkeln, Sparen und Süßwaren-Strategie
Karneval in Hilden war ja schon immer die fünfte Jahreszeit, aber 2026 fühlt sie sich ein bisschen wie die Zeit der großen Entbehrungen an – zumindest, wenn man unter einem Karnevalswagen steht und hofft, dass einem eine Tafel Schokolade ins offene Jeckenlächeln segelt. Früher, so hört man es an jeder zweiten Theke, sei mehr geflogen, höher, weiter, süßer. Heute gilt: gleiches Budget, weniger Wurfmaterial, dafür aber mit deutlich höherem emotionalem Wert. Kamelle sind quasi die neue Kryptowährung – selten, begehrt und manchmal Anlass für kleine Rangeleien am Straßenrand.
Trotzdem lässt sich Hilden die Laune nicht verderben. Rund 15 Wagen werfen immer noch mehrere Tonnen Süßigkeiten unters Volk, auch wenn jede einzelne Waffel inzwischen innerlich mit Applaus verabschiedet wird. Wer eine doppelte Portion erwischt, hat entweder sehr viel Glück oder sehr schnelle Hände. Und während auf den Wagen gerechnet, kalkuliert und vermutlich auch leise geweint wird, schunkelt unten das Volk, als wäre alles wie immer – denn Karneval ist schließlich Kopfsache.
Los geht der ganze Spaß traditionell an Altweiber mit dem Sturm auf das Bürgerhaus, bei dem sich Bürgermeister, Rathauspfeifen und die legendäre Waldkaserne heldenhaft, aber erfahrungsgemäß erfolglos, gegen die geballte Macht der drei Prinzenpaare stemmen. Spätestens wenn der Rathausschlüssel fällt, ist klar: Ab jetzt regieren Kostüme, Konfetti und der kollektive Ausnahmezustand. Danach verteilt sich die Jeckenschar strategisch klug – einige Richtung Waldkaserne, andere direkt zur Party in der Stadthalle Hilden, wo spätestens ab dem zweiten Lied niemand mehr weiß, wie spät es ist, aber alle wissen, dass es richtig ist.
Der Karnevalsfreitag zeigt dann Herz und Humor zugleich, wenn bei der Inklusionsparty wirklich alle gemeinsam feiern, tanzen und singen, während am Nelkensamstag die Innenstadt beweist, dass man auch vor der Sparkasse hervorragend schunkeln kann. Und wenn am Sonntag kurz durchgeatmet wird, bevor anderswo der Familienzug zieht, bleibt nur noch eine entscheidende Frage offen: Wie kommt man eigentlich nachts nach Hause? Die Antwort liefert zuverlässig die Rheinbahn, die mit Zusatzfahrten dafür sorgt, dass auch der letzte Jeck sicher – oder zumindest näherungsweise – wieder im eigenen Bett landet.
Am Ende bleibt festzuhalten: Auch wenn die Süßigkeiten teurer sind und die Kamelle gefühlt kleiner werden, der Karneval in Hilden ist unbezahlbar. Denn Lachen kostet nichts, Schunkeln verbrennt Kalorien und ein einziger gefangener Schokoriegel kann für einen kurzen Moment das Gefühl geben, den Rosenmontag gewonnen zu haben. Und darauf ein dreifach kräftiges: Helau!
Dienstag, 10. Februar 2026
10.2.2026: Mehr Wumms, weniger Blümchentapete – wie die Stadthalle Hilden sich neu erfindet
Manchmal merkt man erst beim zweiten Hinsehen, dass etwas dringend eine Frischzellenkur braucht. Bei der Stadthalle in Hilden reichte dafür offenbar schon ein Blick auf altrosa-graue Vorhänge, florale Tapeten und eine Gastronomie-Ästhetik irgendwo zwischen „Der Preis ist heiß“ und Klassenfahrt 1993. Kurz gesagt: Der gute alte „Theatergarten“ war optisch reif fürs Museum, funktional seit 20 Jahren im Tiefschlaf und emotional nur noch für Nostalgiker mit Pfeifenraucher-Gedächtnis interessant. Doch damit soll jetzt Schluss sein, denn Hildens größte Location will nicht nur älter, sondern vor allem lauter, bunter und selbstbewusster werden.
Während die Stadthalle langsam auf ihren 50. Geburtstag im Jahr 2028 zusteuert, wird kräftig aufgedreht – technisch, programmatisch und vom Selbstverständnis her. Neue Hinweisschilder weisen nun den Weg, digitale Screens haben den Klebestreifen den Kampf angesagt, und das neue Motto „Vielfalt Live!“ klingt ein bisschen so, als wolle man sagen: Wir können alles, außer still sein. Dass die Halle mit abfallendem Auditorium, beweglicher Bühne und pfeilerlosem Raum ohnehin ein architektonisches Einhorn ist, wusste man zwar schon vorher, aber jetzt darf sie es auch wieder zeigen – mit mehr Veranstaltungen und, wie versprochen, mehr Wumms.
Besonders bemerkenswert ist, dass die Stadthalle sich nicht mehr damit begnügt, brav Räume zu vermieten. Stattdessen tritt sie selbst als Veranstalterin auf und lädt ein zu Queen-Hommagen, Rudelsingen, Magic Comedy, Elternabenden ohne Elternabend-Stress und Hundeerziehung für Zweibeiner. Offenbar funktioniert das: Feierabendmärkte locken mehr Besucher als gedacht, Instagram-Follower vermehren sich wie Konfetti an Rosenmontag, und die Halle ist statistisch gesehen alle drei Tage belegt – Sommerpause für Reparaturen und Durchatmen inklusive.
Natürlich geht es dabei auch ums Geld, denn eine Million Euro Zuschuss pro Jahr ist kein Pappenstiel. Umso verständlicher, dass gerechnet, geplant und optimiert wird. Neue Tonanlagen mit Line-Array-Technik sollen das Publikum gezielt beschallen, 2027 folgt das Licht, und spätestens dann dürfte auch die Partyfraktion jubeln. Neunziger-Partys außerhalb der Karnevalszeit? Warum nicht. Schließlich kann man auch im Oktober schwitzen, wenn die Musik stimmt.
Und dann ist da noch der frühere Theatergarten, diese legendäre 300-Quadratmeter-Zeitkapsel, die bald vom Dornröschenschlaf in eine moderne Event-Location geweckt werden soll. Keine Sterneküche mehr, keine Aschenbecher prominenter Stadtdirektoren, sondern Platz für Familienfeiern, Business-Events und mittelgroße Veranstaltungen – alles mit Stadthallen-Catering und ohne den Charme vergilbter Gardinen. Wenn die Gremien mitspielen, soll auch dieses Kapitel pünktlich zum Jubiläum neu geschrieben werden.
Am Ende steht eine ambitionierte Vision: Bis 2028 soll jeder Hildener mindestens einmal in der Stadthalle gewesen sein. Das ist sportlich, aber nicht unmöglich. Denn wenn es stimmt, dass man hier künftig alles bekommt – von Comedy über Konzerte bis zur gepflegten Motto-Party mit ordentlich Bass – dann könnte man fast sagen: Die Stadthalle ist nicht mehr nur ein Gebäude. Sie ist auf dem besten Weg, wieder ein Gesprächsthema zu werden. Und das ganz ohne Blümchentapete.
Montag, 9. Februar 2026
9.2.2026: Wenn der Winter plötzlich Mittelalter ruft – Hilden entdeckt den Met
Wer bislang dachte, dass sich das öffentliche Leben in Hilden im Winter hauptsächlich zwischen Glühweinbecher und Couchdecke abspielt, wird Ende Februar eines Besseren belehrt. Denn dann verwandelt sich der Alter Markt kurzerhand in eine Zeitmaschine. Statt E-Scootern rollen plötzlich Gewandungen an, statt Coffee-to-go gibt’s Met, und wer „Hallo“ sagt, gilt schon fast als verdächtig modern.
Das Citymanagement hat nämlich beschlossen, dem Winter mal ordentlich Beine zu machen – vorzugsweise in Strumpfhosen und mit Ledergürtel. Herausgekommen ist die Premiere eines mittelalterlichen Wintermarktes, der beweisen will, dass man auch bei Temperaturen knapp über Drachenatem ordentlich feiern kann. Zwischen dem 28. Februar und dem 1. März wird gehämmert, gesungen, gegaukelt und vermutlich sehr herzhaft gegessen. Und das alles vor der durchaus fotogenen Kulisse der Reformationskirche, die sich an diesem Wochenende geduldig anhören muss, wie jemand lautstark eine Laute stimmt.
Citymanagerin Tanja de Vries zeigt sich begeistert, und das zu Recht: Endlich darf der Alte Markt beweisen, dass er nicht nur Frühling und Sommer kann, sondern auch Winter mit Fellumhang. Kulinarisch wird es deftig, süß und hochprozentig – also im Grunde alles, was man braucht, um die Kälte entweder zu ignorieren oder komplett zu vergessen. Von herzhaften Speisen über winterliche Leckereien bis hin zu Getränken, die zuverlässig von innen wärmen, dürfte niemand hungrig oder nüchtern nach Hause gehen.
Für Stimmung sorgen Gaukler und Musiker, die mit professioneller Ernsthaftigkeit so tun, als wäre das Mittelalter nie weg gewesen. Kinder dürfen sich besonders freuen, denn in der Kinderschmiede kann der Nachwuchs ausprobieren, wie sich echtes Handwerk anfühlt – ganz ohne WLAN, aber mit ordentlich Funken. Erwachsene wiederum genießen das Markttreiben und fragen sich leise, ob ein Umzug in diese Epoche wirklich so unpraktisch gewesen wäre, abgesehen von Zahnarzt und Zentralheizung.
Organisiert wird das Ganze von Ablassfrei, einer Marke der Medieval Food Group, betrieben von Thomas Höltgen, der offenbar genau weiß, wie man Geschichte genussvoll serviert. Unterm Strich bekommt Hilden also ein Winterhighlight, das klirrender Kälte mit Met, Musik und Mittelalter begegnet. Wer also Ende Februar jemanden in Kutte über den Alten Markt schlendern sieht: Keine Sorge. Das ist kein Rollenspiel. Das ist einfach nur Hilden – für ein Wochenende im Jahr anno dazumal.
Sonntag, 8. Februar 2026
8.2.2026: Wenn die Autobahn niest: Das große Drama um eine kleine Entwässerungsrinne
Es gibt Nachrichten, die klingen erst einmal harmlos, entwickeln sich aber bei genauerem Hinsehen zu einem ausgewachsenen Abenteuer – vor allem, wenn man zufällig ein Auto besitzt und am Wochenende irgendwohin wollte. Im Autobahnkreuz Hilden nämlich hat eine Entwässerungsrinne beschlossen, dass jetzt Schluss mit lustig ist. Und wenn eine Entwässerungsrinne ruft, dann kommt die Autobahn GmbH Rheinland – kurzfristig, entschlossen und mit Sperrung.
Von Freitagabend bis Montagmorgen wird aus einer eigentlich simplen Überfahrt von der A46 auf die A3 ein nostalgisches Erlebnis: Man lernt Umleitungen kennen, die man vorher nur vom Hörensagen kannte, und folgt einem „roten Punkt“, der plötzlich mehr Autorität besitzt als jedes Navigationssystem. Währenddessen wird die A3 Richtung Frankfurt auf Diät gesetzt – eine Spur statt drei, entschleunigt, meditativ, beinahe spirituell.
Der eigentliche Star dieser Geschichte bleibt jedoch die Entwässerungsrinne. Unscheinbar, meist übersehen, jetzt aber der heimliche Verkehrsdiktator des Wochenendes. Sie sorgt dafür, dass Autofahrer innehalten, tief durchatmen und sich fragen, ob man nicht doch lieber schon am Freitagmittag losgefahren wäre – oder gleich zu Hause geblieben ist.
So zeigt sich wieder einmal: In Nordrhein-Westfalen braucht es keine Großereignisse, um den Verkehr in Wallung zu bringen. Manchmal reicht eine Rinne. Eine einzige. Und ganz Hilden denkt kollektiv: „Hätte sie das nicht auch nächste Woche machen können?“
Samstag, 7. Februar 2026
7.2.2026: Ei, Ei, Ei – was ist denn da im Nest los?
Wer dieser Tage in Hilden oder Haan geschniegelt mit Einkaufszettel und Sonntagslaune Richtung Supermarkt zieht, erlebt am Eierregal sein persönliches kleines Ostern ohne Osterhase: viel Karton, wenig Inhalt. Früher stapelten sich die Eier wie die guten Vorsätze im Januar, heute gucken sie einen an wie der letzte Keks in der Dose – selten, begehrt und irgendwie emotional aufgeladen. Deutschland isst mehr Eier denn je, heißt es, und man fragt sich unweigerlich: Wo gehen die alle hin? Sitzt irgendwo jemand in einer geheimen Küche und rührt seit Wochen pausenlos Rührei?
Die Antwort ist leider weniger kulinarisch als politisch-biologisch-logistisch. Die Niederlande treten auf die Eierbremse, Hühner werden krank, der Winter drückt auf die Legeleistung, und plötzlich ist das Ei keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern ein Gesprächsthema zwischen Brottheke und Kasse. „Hast du noch Eier bekommen?“ ist das neue „Hast du Klopapier?“, nur mit weniger Drama, aber ähnlicher Nervosität. Und während im Handel Kartons fehlen, stehen die Hühner offenbar frierend da und denken sich: Leute, es ist kalt, wir geben ja unser Bestes.
Rettung naht – zumindest für alle, die wissen, dass Eier nicht zwangsläufig unter grellem Neonlicht leben müssen. Hofläden, Eierhäuschen, Automaten mit Vertrauenskasse: Sie wirken plötzlich wie Relikte aus einer besseren, dotterreicheren Zeit. Da steht man dann nachts um halb elf am Automaten, zieht eine Schachtel Eier, fühlt sich ein bisschen rebellisch und sehr gut versorgt. Die Hühner auf den Höfen legen stoisch weiter, als hätten sie von Importproblemen nie gehört. Wer selbst produziert, ist fein raus – das ist die neue Eier-Weisheit.
Natürlich sind die Preise gestiegen. Futter ist teuer, Diesel auch, und Trecker fahren bekanntlich nicht mit Luft und Liebe, sondern mit allem, was gerade teuer ist. Trotzdem bleibt das Fazit tröstlich: Niemand muss hungern, niemand muss auf Pfannkuchen verzichten, und Ostern fällt nicht aus. Man muss nur wieder lernen, dem Ei mit Respekt zu begegnen. Vielleicht kauft man nicht gleich drei Schachteln, vielleicht sagt man innerlich „Danke“ beim Aufschlagen. Und vielleicht ist das Ganze am Ende sogar gut für uns – denn wer hätte gedacht, dass ausgerechnet das Ei uns daran erinnert, dass Lebensmittel keine Selbstläufer sind, sondern kleine Wunder mit Schale.
Freitag, 6. Februar 2026
6.2.2026: Parkplatz-Wut am See: Wenn der Spaziergang plötzlich 4 Euro kostet
Was haben Seeufer, Petitionen und Parkscheinautomaten gemeinsam? Richtig – sie bringen Menschen in Bewegung. Leider nicht immer nur zu Fuß. Am Unterbacher See rumort’s nämlich gewaltig: Zum Jahresbeginn hat der zuständige Zweckverband still und heimlich die Parkgebühren erhöht. Die Folge? Empörung, Online-Petitionen und eine sehr wortreiche Verwaltungserklärung. Denn wer hätte gedacht, dass man mit einem Preisschild auf einem Parkplatz solche Wellen schlagen kann?
Die Fakten: Erste Stunde parken kostenlos. Danach – zack – vier Euro fürs Tagesticket. Die Argumentation des Zweckverbands klingt wie aus dem Handbuch „Kommunikation für Fortgeschrittene“: *marktübliche Preisstruktur* und *notwendige Investitionen*. Man hätte auch sagen können: Alles wird teurer, auch der Parkscheinautomat.
Die Initiatorin der Petition – Düsseldorferin, See-Fan und offenbar keine Sprinterin – hält dagegen: Eine Stunde reicht nicht mal, um den See gemütlich zu umrunden, ohne wie ein gehetztes Eichhörnchen durch die Natur zu hetzen. Und wer es ruhiger angehen lässt, zahlt eben den vollen Preis – selbst bei Mini-Besuch. Unverhältnismäßig sei das, und vor allem sozial ungerecht.
Doch der Zweckverband bleibt cool wie das Wasser im Januar. Angeblich sei der Parkplatz trotz der neuen Gebühren noch genauso voll wie vorher – selbst bei typischem Winterwetter, also Regen in 50 Grautönen. Auch Gastronomie, Segelschule, Surfstation und Co. hätten bislang keine Besucherschwund-Meldung eingereicht. Man hört förmlich, wie die Verwaltung beim Schreiben genüsslich an einem Latte Macchiato schlürft.
Trotzdem: Rund 900 Menschen haben bereits unterschrieben – vermutlich einige davon mit kalten Füßen und Zorn im Herzen, weil sie fürs Parken mehr zahlen als für die heiße Schokolade danach. Die Petition ist also ein ernst gemeinter Aufruf an die Politik, den Preis nochmal zu überdenken. Denn Naherholung, so der Wunsch vieler, sollte nicht zur Fernbleibung führen – zumindest nicht wegen 240 Parkminuten für 4 Euro.
Ob der Appell am Ende etwas bewegt? Wer weiß. Vielleicht braucht es einfach mehr Bewegung – zu Fuß, mit dem Rad oder im Denken. Und bis dahin bleibt uns nur, zu hoffen, dass zumindest das Seeufer kostenlos bleibt. Sonst kommt bald die nächste Petition – diesmal gegen Eintrittsgebühren für Enten.
Donnerstag, 5. Februar 2026
5.2.2026: Staudamm statt Stauwasser: Hilden macht den Hoxbach dicht(er)
Man kennt das ja: Der Himmel öffnet die Schleusen, der Regen prasselt wie Karnevalskonfetti vom Himmel – und irgendwo in Hilden denkt sich der Hoxbach: „Och nö, nicht schon wieder alles auf einmal.“ Doch damit soll bald Schluss sein! Die Stadt Hilden greift zur Schaufel – im Dienste des Hochwasserschutzes und mit einem Plan, der so trocken ist wie das, was künftig *nicht mehr* durch die Kanalisation rauschen soll.
Südlich des Menzelsees und westlich des Nordfriedhofs wird das Regenrückhaltebecken ordentlich aufgepumpt – ganz ohne Muckibude, dafür mit Baggern und viel Motivation. Warum? Weil das Regenwasser aus dem Bereich Schalbruch bislang ungedrosselt – man könnte sagen: im Vollsprint – in den Hoxbach rauscht. Und wie jeder weiß: Wer ohne Bremse durch die Kurve geht, landet schnell im Graben. Oder eben: im Hochwasser.
Also wird nun das Becken erweitert. Mehr Platz für Regen, mehr Ruhe für den Bach – und ein kleiner Beitrag zum Weltfrieden, zumindest in Gummistiefel-Höhe. Bevor aber das große Buddeln beginnt, muss erst mal aufgeräumt werden. Das Tiefbau- und Grünflächenamt legt los mit dem Entfernen von Zäunen, Büschen und leider auch einigen Bäumen. Für letztere gibt’s später Ersatzpflanzungen, versprochen. Sträucher inklusive – es soll ja niemand sagen, in Hilden würde man nur abholzen und nie zurücklieben.
Die Bauarbeiten starten dann in der zweiten Hälfte 2026. Bis dahin wird’s gelegentlich ungemütlich auf den Wegen drumherum – Baustellenromantik inklusive. Und wer sich fragt, warum es doch länger dauert als gedacht: Mutter Natur macht den Bauzeitenplan. Witterungsbedingte Verzögerungen sind quasi eingeplant. Oder wie der Rheinländer sagt: „Et kütt wie et regnet.“
Am Ende steht ein Rückhaltebecken, das nicht nur Wasser sammelt, sondern auch Lob. Und der Hoxbach? Der fließt künftig entspannt dahin – gedrosselt, gefiltert, gepflegt. Ein echter Wellnessurlaub, für einen Bach, der schon viel zu lange auf der Überholspur war.
Mittwoch, 4. Februar 2026
4.2.2026:Alaaf im Ausschank: Kneipenkarneval in Hilden und Haan – Zwischen Glitzer, Polka und Resttickets
Früher war mehr Lametta – oder zumindest mehr Kneipenkarneval. Heute gleicht die Suche nach jeckem Ausschank in Hilden und Haan eher einer Schnitzeljagd mit Konfetti. Doch keine Sorge, liebe Jecken: Wo der eine Wirt die Tür schließt und lieber selber schunkelt, öffnen andere ihre Pforten mit Pauken, Trompeten und DJ Frank.
Denn ja, es gibt sie noch, die letzten Aufrechten des Kneipenkarnevals. Die, die sich nicht scheuen, Schlager mit Polka zu kreuzen und dabei tapfer der nachbarschaftlichen Lärmbeschwerde trotzen – wie mittelalterliche Ritter, nur mit Glitzerperücke und Kölschglas. In *Mani’s Ponystall* zum Beispiel steppt ab Altweiber um 11.11 Uhr das (verkleidete) Pferd. Am Freitag dann sogar mit Live-Musik: „Rockabilly Country“, was vermutlich so klingt, als hätte Elvis die Funkenmariechen entdeckt.
Wem das zu sehr Country ist, der findet Zuflucht im *Blue Note*, wo DJ Frank am 7. Februar aus der musikalischen Bütt ruft. Schlager trifft auf Karneval – was ungefähr klingt wie: „Atemlos durch die fünfte Jahreszeit“. Restkarten gibt’s kaum noch, also schnell sein, bevor man mit der Pappnase draußen bleibt.
Wer lieber mit Haltung durchdreht, dem sei das *Roulez Rouge* in Haan empfohlen. Da wird es an Weiberfastnacht glamourös. Der Mindestverzehr beträgt 20 Euro – klingt viel, aber für ein bisschen „Tempera-mänt“ und Magie darf man sich ruhig mal selbst was gönnen. Immerhin: Eintritt frei, Seele baumelt.
Etwas bodenständiger geht’s im *black pub* zu. Dort wird am Freitag, den 13., sogar eine Party *für Nicht-Karnevalisten* gefeiert. Eine revolutionäre Idee: Kneipe ohne Karneval in der Karnevalszeit – was kommt als nächstes? Grünkohl an Heiligabend?
Das *Becherhus* lässt es krachen – zweimal sogar. DJ Patrix an Altweiber und DJ Chris Deluxe zur After-Zug-Party. Deluxe ist hier übrigens kein Werbegag, sondern musikalisches Versprechen. Tischreservierung? Fehlanzeige. Wer zuerst schunkelt, mahlt zuerst.
Und dann ist da noch das *Vicis*. Möhnen, Wikinger, Frühstück und Rathaussturm – das ist kein Kneipenabend, das ist eine Netflix-Serie in mehreren Staffeln. Wer um 10 Uhr morgens mit Frühstücksbuffet startet, hat sich seinen Kölschschwips um 11.11 Uhr redlich verdient.
Zu guter Letzt: *Magic Musikkneipe* – allein der Name ist Karneval pur. Motto: „Egal ob Groß, ob Klein, Karneval soll für alle sein!“ Und das ist doch der Geist der tollen Tage. Open End? Open Herz!
Fazit: Der Kneipenkarneval in Hilden und Haan lebt – nicht als Massenphänomen, sondern als feuchtfröhlicher Geheimtipp. Wer sucht, der findet... Polka. Und Schlager. Und vielleicht auch ein bisschen Magie – zumindest zwischen Bierdeckel und Bonbonregen. Alaaf!
Dienstag, 3. Februar 2026
3.2.2026: Kamelle, Kasernenstürmer und Karnevalskommando: Hilden ruft Alaaf!
Wenn in Hilden plötzlich Bürgermeister Claus Pommer mit einer Trillerpfeife bewaffnet die Rathauspfeifen zusammentrommelt, während drei Prinzenpaare mit Schunkelmusik im Ohr das Bürgerhaus stürmen – ja, dann ist’s wohl wieder so weit: Karneval steht vor der Tür. Und zwar nicht durch die Hintertür, sondern mit Pauken, Trompeten und einem rosa Einhorn auf einem Bollerwagen.
Ab dem 12. Februar 2026 verwandelt sich die sonst so zivilisierte Stadt in ein jeckes Tollhaus. Es beginnt, wie es sich gehört, mit einem klassischen Machtumsturz: Der Rathaussturm an Altweiber. Dabei versuchen Hildens närrische Adelige, die Stadtregierung in einer Art Konfetti-Coup zu übernehmen. Vor der Mittelstraße 40 versammelt sich die Karnevalsprominenz, während im Hintergrund DJ Schunkel-Sven auflegt und das Bürgerhaus sich zitternd auf seine Erstürmung vorbereitet. Die Verteidigung übernehmen – man glaubt es kaum – Soldaten der Waldkaserne. Wahrscheinlich bewaffnet mit Trillerpfeifen und schlechten Reimen.
Apropos Waldkaserne: Auch dort bleibt kein Stein auf dem anderen. Gegen 15:11 Uhr wird das Südtor gestürmt – vermutlich mit Pappsäbeln und musikalischer Unterstützung des Ausbildungsmusikkorps, das Klassiker wie "Polonäse Blankenese" in Moll zum Besten geben wird. Später wird in der Fahrzeughalle gefeiert, als gäbe es kein Morgen – obwohl die Feldjäger vermutlich heimlich schon Kamelle auf die Gäste werfen, statt sie aufzuhalten.
Wer nach dieser Revolutionstour immer noch Energie hat, kann sich direkt in die Stadthalle schleppen – zur Altweiberparty. Um 16 Uhr beginnt der karnevalistische Ausnahmezustand mit Eintrittskarten für 19 Euro, die günstiger sind als ein Döner in Neuss (kein Scherz, der kostet dort jetzt zehn Euro).
Der Freitag gehört ganz der Inklusion: Menschen mit und ohne Behinderung feiern zusammen eine jecke Sause, moderiert von Jan Simon und vertont von DJ Karsten. Eintritt? Geschenkt! Gute Laune? Pflicht!
Samstag ist dann wirklich alles los: Morgens wird in der Fußgängerzone getanzt, nachmittags der Seeräuberball gekapert – eine Veranstaltung mit dem romantischen Flair von Piraten, die ihre Biere nicht teilen wollen, aber ihre Liebe zum Karneval schon. Der Eintritt kostet wieder 19 Euro, also quasi ein „Döner Deluxe“, aber dafür für einen guten Zweck.
Sonntag? Da ist in Hilden ausnahmsweise mal nichts geplant – vermutlich zur Regeneration von Stimme, Kostüm und Leber. Wer dennoch feiern möchte, fährt nach Haan, wo der Familien-Karnevalszug durch die Straßen zieht, wahrscheinlich mit 17 Paw-Patrol-Wagen und mindestens einem Opa als Clown.
Und dann kommt er: der heilige Montag – Rosenmontag! Um 14:11 Uhr startet der große Umzug, Festwagen rollen, Fußgruppen hüpfen, und Claus Pommer regnet Kamelle vom Balkon wie ein närrischer Nikolaus. Die Zugstrecke ist lang, die Freude groß – und das Ordnungsamt streng: Wer sein Auto falsch parkt, wird gnadenlos abgeschleppt. Hilden ist an diesem Tag Kamelle-Zone – nicht Parkzone.
Und als wäre das alles nicht schon genug, folgt die After-Zoch-Party. Open Air, auf dem Alten Markt, ab 15 Uhr. Wer da nicht mehr tanzt, ist entweder aus Pappe oder hat sich am Samstag beim Seeräuberball die Hüfte verrenkt.
Fazit: Hilden beweist mal wieder, dass Karneval hier nicht einfach gefeiert, sondern zelebriert wird – mit Herz, Humor und vermutlich einem Kater, der sich bis Aschermittwoch hält. Alaaf!
Montag, 2. Februar 2026
2.2.2026: Chaos auf Rädern – Wenn der Bus nicht kommt und der Kaffee trotzdem kalt ist
Montagmorgen in Hilden. Die Sonne noch nicht aufgegangen, der Kaffee noch nicht durchgelaufen, und schon rollt die erste Nachricht über den Bildschirm: Warnstreik bei der Rheinbahn! Wer jetzt hofft, dass das ein verspäteter Karnevalsscherz ist – leider nein. Verdi ruft zum ganztägigen Streik auf, und mit „ganztägig“ ist nicht „bis zur Mittagspause“ gemeint, sondern 24 Stunden kollektives „Nö“.
Ab 3 Uhr früh wird gestreikt – pünktlicher als so mancher Bus an normalen Tagen. Betroffen: U-Bahnen, Straßenbahnen, Busse, das gesamte Netz der Rheinbahn. Nicht betroffen: Das Wetter, der Termindruck, das Bedürfnis, irgendwie zur Arbeit zu kommen. Einziger Lichtblick: Einige Buslinien sollen „wahrscheinlich“ fahren – ein Wort, das so viel Vertrauen ausstrahlt wie „vielleicht“ bei einem Heiratsantrag.
In Hilden dürfen sich Fahrgäste immerhin an den Linien 782 und 785 festklammern – den beiden letzten Mohikanern des Nahverkehrs, die tapfer zwischen Heinrich-Heine-Allee, Hilden Süd S und Solingen Hbf pendeln wollen. Wahrscheinlich. Vielleicht. Eventuell. Wahrscheinlich. Vertrauen ist gut, eine Backup-Mitfahrgelegenheit besser.
Stephanie Peifer von Verdi bringt es auf den Punkt: Die Beschäftigten arbeiten „am Limit“. Und wie wir alle wissen, ist das Limit nur ein anderes Wort für „jetzt ist aber wirklich Schluss hier“. Die Tarifverhandlungen mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband NRW waren – man könnte sagen – so erfolgreich wie ein Regenschirm im Orkan: keine Einigung, dafür ordentlich Gegenwind.
Die Rheinbahn bittet um Verständnis – ein schönes Wort, das in etwa so viel hilft wie eine Busfahrkarte ohne Bus. Immerhin: Infos gibt’s unter rheinbahn.de/streik, auf Facebook, Instagram und unter der „Schlauen Nummer“. Letztere könnte sich als Ironie des Schicksals herausstellen, wenn man dort landet, aber niemand abnimmt – wegen Streik.
Und so wanken die Hildener durch einen Tag voller Improvisation: mit dem Fahrrad durch den Regen, zu Fuß durch den Frost, oder im Auto – gemeinsam mit 347 anderen, die denselben Gedanken hatten. Ein Hoch auf den öffentlichen Nahverkehr. Oder besser gesagt: auf die Idee davon.
Montag, du warst noch nie so anstrengend.
Sonntag, 1. Februar 2026
1.2.2026: Wenn das Sparschwein weint – Hildens Haushalt zwischen Realität und Rest-Cent
Es war einmal ein kleines, rosafarbenes Sparschwein in Hilden. Jahrelang lebte es gemütlich auf dem Regal im Rathaus, wurde ab und zu mit einem symbolischen Hammerschlag bedacht – rein zeremoniell, versteht sich – und träumte von einer Zukunft, in der Stadtkassen ausgeglichen sind, Spielmobile fröhlich durch die Straßen rollen und das Waldschwimmbad nie schließen muss. Tja, das war einmal.
Denn jetzt ist es ernst. Richtig ernst. So ernst, dass der städtische Kämmerer Martin Wiedersprecher sich genötigt sah, das Wort „Haushaltssicherung“ in den Mund zu nehmen – ein Begriff, der ungefähr so viel Spaß macht wie „Steuerprüfung“ oder „Kaltmiete in Düsseldorf“. Bei 214 Millionen Euro Einnahmen stehen mal locker 242 Millionen Ausgaben gegenüber. Minus 30 Millionen. Und das ist nur der Auftakt – der große Schulden-Jackpot wird erst 2029 mit erwarteten 170 Millionen Euro erreicht. Herzlichen Glückwunsch, Hilden, du hast das Triple geschafft: Kein Geld, steigende Kosten, und Investitionen sind auch noch fällig.
Aber Hilden wäre nicht Hilden, wenn man nicht wenigstens versuchen würde, das Beste daraus zu machen. Und so lud man zum Bürgerhaushalt ins Bürgerhaus – ein Ort, an dem normalerweise Ratsmitglieder sitzen, aber an diesem Abend saßen da Bürger. Und Bürgermeister. Und Beigeordnete. Und ein Kämmerer mit einem sehr, sehr dicken Aktenordner voller schlechter Nachrichten.
Die Liste der Kostentreiber ist lang und fies: Kreisumlage rauf wegen Monheim, Sozialausgaben am Limit, Kitas mit Millionenlöchern, und selbst das Kinder-Mittagessen fährt Verlust ein – da hilft auch kein Nachschlag. Die Hundesteuer mit ihren 400.000 Euro Einnahmen wirkt da wie ein Witz mit Fußhupe.
Aber was macht der Hildener Bürger? Sitzt er still, senkt den Kopf, fängt an zu googeln, was ein „Kassenkredit“ ist? Nein. Er fragt! Und er denkt mit! Vorschläge fliegen durch den Bürgersaal: Ehrenamt stärken, Förderverein fürs Waldschwimmbad gründen, Digitalisierung nutzen – vielleicht kann man irgendwann die Schulden einfach ins Metaverse outsourcen?
Der Bürgermeister jedenfalls greift Ideen dankbar auf und lobt Engagement. Und während draußen der Regen auf die Stadt fällt wie die Zahlenkolonnen aufs Haushaltsblatt, gibt es doch einen Hoffnungsschimmer: Wenn alle mitmachen, wird vielleicht aus dem Defizit kein Drama, sondern eine gemeinsame Kraftanstrengung. Oder zumindest eine ordentliche Spendenquittung.
Das Sparschwein übrigens? Steht jetzt wieder auf dem Regal. Etwas ramponiert, aber lebendig. Mit einem Zettel auf dem Bauch: „Nicht schlachten – lieber Ideen reinwerfen.“