Freitag, 27. Februar 2026

27.2.2026: Hilden im Frühlingsmodus: Wenn die Sonne rauskommt, weiß hier keiner mehr, wie man „Jacke“ schreibt

Kaum kitzeln ein paar warme Sonnenstrahlen das Gesicht und zack – Hilden verhält sich, als hätte jemand auf „Sommerferien“ gedrückt. Blauer Himmel, angenehme Temperaturen, und oben drüber ziehen Kraniche in Formation, als wollten sie uns mitteilen: „So Leute, wir sind wieder da – macht schon mal die Terrassenmöbel klar.“ Und Hilden macht genau das, nur eben mit der typischen Geschwindigkeit: erst Sonnenbrille, dann Kaffee, dann Eis, dann die große philosophische Frage des Tages: „Ist das noch Februar oder schon ein Trick?“

Denn seien wir ehrlich: Wenn in Hilden die Sonne scheint, passiert etwas Magisches. Plötzlich sind Menschen draußen, die man sonst nur von vagen Erzählungen kennt. Im Stadtpark wird geboult, als stünde ein internationales Turnier an – vier Herren auf der Bahn, konzentriert, ernst, vermutlich mit internen Regeln, die seit 1987 nicht mehr geändert wurden. Zwei Mütter gehen ohne Jacke los, was in NRW meteorologisch ungefähr die Stufe „Mutprobe“ ist. Und irgendwo rollt ein Radfahrer los zur ersten Tour des Jahres, mit dem festen Versprechen an sich selbst: „Wenn ich das mache, darf ich danach einen großen Eisbecher.“ Belohnungssysteme funktionieren eben auch bei Erwachsenen – nur mit mehr Sahne.

Währenddessen erwacht die Außengastronomie wie ein Bär aus dem Winterschlaf, nur dass der Bär hier „Pepo’s am Alten Markt“ heißt. Michail und Pascal Peponis freuen sich, dass die Saison wieder losgeht – und man kann sich das bildlich vorstellen: Stühle raus, Tische raus, die erste Bestellung wird aufgenommen, als wäre es eine Zeremonie. In Hilden ist der Moment, in dem jemand „Ein Kaffee draußen, bitte“ sagt, praktisch der offizielle Frühlingsanfang. Nicht Krokusse, nicht Kalender, nicht Tagundnachtgleiche – **der erste Kaffee auf dem Alten Markt**. Danach ist alles erlaubt: Tulpensträuße als Farbklecks, Primeln für den Balkon und dieses leicht überdrehte Gefühl, dass man eigentlich gar keinen Urlaub mehr braucht, weil Fachwerk plus Reformationskirche schon ziemlich nach Postkarte aussieht.

Und dann sind da noch die Kraniche. Große Schwärme, lange Reihen, diese typische Spitze am Himmel – wie ein lebendiger Pfeil, der auf „bessere Zeiten“ zeigt. Sie ziehen so majestätisch über Hilden, dass man kurz vergisst, dass unten in der Innenstadt Menschen stehen, die gleichzeitig „Wie schön!“ und „Hoffentlich bleibt das so!“ sagen, als könnten sie das Wetter durch gemeinsames Hoffen festnageln.

Der Wetterdienst macht das Drama aber direkt perfekt: Donnerstag soll noch mal „Sonne satt“ liefern, bis zu neun Stunden – also genug Zeit, um alle Jahresvorsätze von „mehr rausgehen“ in einem Tag zu erledigen. Freitag wird mit 19 Grad und ein paar Sonnenstunden auch noch mal freundlich, und dann, pünktlich zum Wochenende, könnte der Regen zurückkommen. Natürlich. NRW wäre sonst irritierend untypisch. Deshalb lautet die offizielle Hildener Strategie: **Jetzt sofort genießen**, alles auf einmal: Stadtpark, Mittelstraße, Eis, Kaffee, Fahrrad, Sonnenbank am Wegesrand – und wenn’s geht noch schnell ein Foto vom Himmel, weil man später wieder beweisen muss, dass das wirklich passiert ist.

Kurz gesagt: Hilden strahlt. Die Sonne strahlt. Die Kraniche strahlen vermutlich innerlich. Und irgendwo hängt eine Jacke traurig im Flur und fragt sich, ob sie dieses Jahr überhaupt noch gebraucht wird.

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