Donnerstag, 26. Februar 2026

26.2.2026: Seed & Greet: Wo in Hilden sogar Baupläne einen Ladestopp brauchen

Im Gewerbegebiet Giesenheide tut sich was – und zwar nicht dieses „Da steht jetzt seit drei Monaten ein Bagger und keiner weiß warum“, sondern richtig sichtbar. Wer aktuell in den Seed & Greet-Ladepark am Hildener Kreuz einbiegt, wird rechts begrüßt von einem neuen grauen Kasten. So ein Ding, das aussieht, als hätte es ein sehr pflichtbewusster Toaster mit einem Parkscheinautomaten geschafft, gemeinsam erwachsen zu werden. Dazu: viel freie Fläche. Auf Deutsch heißt das: Hier wird bald wieder fleißig Strom in Autos gekippt.

Denn es kommt – Trommelwirbel, aber bitte elektrisch – ein weiterer Anbieter für Schnellladeinfrastruktur dazu. Name? Noch geheim. Vielleicht ist es auch einfach „Firma X“, die personifizierte Überraschungstüte der Energiewende. Fest steht: Die Baugenehmigung ist da, und in diesem Jahr sollen etwa acht weitere Ladeplätze entstehen. Acht! Das ist in Deutschland gefühlt schon die Größenordnung „Wir bauen einen Flughafen“, nur mit weniger Talkshows und deutlich mehr Hoffnung.

Und dann ist da noch das neue Gebäude. Also: das neue neue Gebäude. Denn der alte Bauantrag war zwar schon genehmigt, aber Unternehmer Roland Schüren hat entschieden, dass man Pläne auch mal laden, aktualisieren und dann mit etwas weniger Watt weiterfahren kann. „Abgespeckte Version“ nennt er das – was in der Baubranche meist bedeutet: Die Renderings bleiben hübsch, aber innen wird aus dem Wellnessbereich ein Flur mit gutem Willen. Gründe? Höhere Zinsen, weniger Fördergeld. Kurz: Das Geld hat plötzlich selbst einen Ladestand von 12 Prozent und sagt: „Heute nicht.“

Schüren bringt es herrlich unromantisch auf den Punkt: Zaubern könne man nicht, Neubau sei gerade in Deutschland ungefähr so häufig wie ein pünktlicher Handwerker mit gratis Upgrade. Trotzdem: Das Gebäude soll weiterhin Richtung Kreisverkehr entstehen. Und immerhin bleibt das Herzstück: Seed & Greet bekommt neue Räume für Backwaren und Snacks – etwa viermal so groß wie bisher. Viermal! Das ist kein Ausbau, das ist ein Croissant-Quartett. Dazu soll eine kleine Backstube kommen. Endlich eine Vision, die wirklich aufgeht: Während draußen Akkus schnell laden, geht drinnen der Teig. Nachhaltigkeit kann so einfach sein, wenn sie nach Zimt riecht.

Zusätzlich plant Schüren Büros ein – vermutlich, damit irgendwo jemand sitzen kann, der professionell „Wir sind gleich soweit“ sagt, wenn wieder eine Lieferung irgendwo zwischen „Ist raus“ und „War nie da“ festhängt. Baustart? Dieses Jahr angepeilt, spätestens nächstes. Klassischer deutscher Optimismus: „Heute oder irgendwann, aber definitiv vor dem Hitzetod des Universums.“

Spannend ist auch: Die Erweiterung bedeutet keine Abkehr von Tesla. Man stellt sich einfach breiter auf. Schließlich ist das Kreuz Hilden eines der am stärksten befahrenen Autobahnkreuze Deutschlands – ein Ort, an dem eigentlich alles vorbeikommt: Pendler, Fernfahrer, Familien mit „Wir müssen JETZT!“ auf der Rückbank und Menschen, die sich seit 40 Kilometern fragen, ob sie den Blinker noch anhaben. Klar, dass so ein Standort für Ladeanbieter attraktiv ist. Wenn Deutschland mal irgendwo Tempo macht, dann im Vorbeifahren.

Aktuell ist neben Tesla schon Fastned vertreten, außerdem gibt’s 40 AC-Ladeplätze und sogar vier Schukosteckdosen für Twizy & Co. – das ist die liebevolle Ecke für Fahrzeuge, die beim Schnellladen eher sagen: „Ich hätte gern einen Kamillentee und dann schauen wir mal.“ Und Nio hat eine Power Swap Station, also eine Akku-Wechselstation. Das ist die Formel-1-Variante des Ladens: hereinkommen, Akku raus, Akku rein, weiterfahren, als hätte man gerade eine neue Lebensentscheidung getroffen.

Und jetzt wird’s menschlich, rheinisch und ein bisschen feuilletonistisch: Roland Schüren ist Tesla-Enthusiast der ersten Stunde – aber sein Verhältnis zu Elon Musk ist inzwischen… sagen wir: geladen. Unmut und Unverständnis seien groß, und „alle Elon-Devotionalien“ seien entsorgt oder im Keller verstaut. Das ist ein Satz, der so klingt, als hätte jemand die Fanbase mit dem Besen zusammengekehrt und beschlossen: „Du kommst jetzt in die Weihnachtskisten. Zu den Lichterketten, die auch manchmal flackern.“

Trotzdem bleibt er Fan der Produkte, und die Auslastung der Tesla-Schnelllader in Hilden sei weiterhin hoch. Tesla sei Marktführer beim Schnellladen in Deutschland, sagt Schüren – und reagiert auch schneller beim Preis als andere. Die Preise hätten sich nach unten entwickelt, und das sei gut so. Man merkt: Hier spricht jemand, der nicht nur Strom verkauft, sondern auch ein bisschen den Glauben daran, dass Dinge in Deutschland doch günstiger werden können – wenn man lange genug wartet und zwischendurch einen Muffin isst.

Unterm Strich passiert in Hilden also das, was man sich überall wünscht: Es wird erweitert, aber realistisch. Es wird gebaut, aber nicht mit Fantasie-Milliarden. Es gibt mehr Ladeplätze, mehr Snacks, mehr Backstube – und weniger Elon im Wohnzimmer. Der Ladepark fährt weiter auf Zukunft, nur eben mit „abgespecktem“ Akku. Und ganz ehrlich: Wenn am Ende der Kaffee heiß ist, der Strom fließt und der Kreisverkehr noch steht, sind wir in NRW schon verdammt nah dran am Happy End.

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