Samstag, 28. Februar 2026

28.2.2026: Freie Fahrt auf der Hochdahler Straße: Hilden erlebt das achte Weltwunder (mit Asphalt)

Es gibt Nachrichten, die klingen in Hilden ungefähr so realistisch wie ein Einhorn auf dem Wochenmarkt: **Die Baustelle an der Hochdahler Straße ist fertig. Vorzeitig.** Ja, richtig gelesen. Nicht “fast fertig”, nicht “wir sind in einem sehr guten Prozess”, nicht “die Restarbeiten dauern nur noch bis… 2039”, sondern: **fertig**. Seit September 2024 hatten Pendler und Anwohner dort das tägliche Ritual: losfahren, bremsen, seufzen, im Stau über das eigene Leben nachdenken, wieder anfahren, wieder bremsen – und irgendwann ankommen, als hätte man nebenbei noch ein Fernstudium in Geduld abgeschlossen.

Die Hochdahler Straße ist ja nicht irgendein Sträßchen, auf dem man mal kurz einen Kinderwagen schiebt und dabei freundlich “Morgen!” sagt. Sie ist eine dieser lebenswichtigen Hildener Schlagadern Richtung A46 und A3 – also die Straße, auf der sich morgens das komplette Umland trifft, um gemeinsam zu üben, wie man in Schrittgeschwindigkeit den Radioverkehrsservice auswendig lernt. Und nun soll plötzlich “freie Fahrt” herrschen. **Freie Fahrt!** In Deutschland! Im Februar! Das ist ungefähr die Kombination, bei der selbst Navigationsgeräte kurz nervös lachen.

Die Stadtwerke Hilden geben sich dabei bemerkenswert bodenständig. Kein Konfetti, keine Blaskapelle, kein feierlicher Moment, in dem ein Bürgermeister mit goldener Schaufel ein letztes Stück Schotter streichelt. Stattdessen ganz rheinisch-pragmatisch: Sabine Müller, Sprecherin der Stadtwerke, sagt sinngemäß: Wir hatten sogar Winterpuffer eingeplant – aber den brauchten wir nicht. **Winterpuffer nicht benötigt** ist übrigens auch ein Satz, der normalerweise nur in Märchen vorkommt, gleich nach “und dann war die Bahn pünktlich”.

Was war überhaupt los? Leitungsrohre für den Netzausbau, abschnittweise verlegt. Eine sogenannte Wanderbaustelle – also diese mobile Lebensform, die man morgens auf Höhe “da, wo gestern noch frei war” antrifft und die sich offenbar von Hupe, Warnbake und dem leisen Weinen gestresster Autofahrer ernährt. Und jetzt ist sie weg. Einfach so. Die Baken sind verschwunden, die Schilder stehen nicht mehr wie moderne Kunst am Straßenrand, und man fährt plötzlich durch, ohne vorher dreimal die Spur zu wechseln und innerlich Abschied von der Kupplung zu nehmen.

Natürlich wird Hilden damit kurzzeitig in einen Zustand kollektiver Verunsicherung fallen. Man kennt das: Wenn etwas jahrelang (gefühlt) gesperrt ist, wird die Baustelle Teil der eigenen Orientierung. “Wo wohnst du?” – “Hinter dem zweiten Baustellenkegel links, kurz vor dem Stau.” Und wenn das weg ist, muss man wieder echte Landmarken benutzen. Bäume. Häuser. Himmel. Das ist ungewohnt.

Aber gut: Freie Fahrt ist freie Fahrt. Und vielleicht, nur vielleicht, darf man sich für einen winzigen Moment vorstellen, wie es ist, morgens über die Hochdahler Straße zu gleiten, ohne Stop-and-Go, ohne Baustellenampel, ohne das Gefühl, man würde auf einer Teststrecke für Stoßdämpfer-Forschung fahren. Einfach rollen. Wie im Werbespot. Nur mit mehr Thermosbecher.

Also: Herzlichen Glückwunsch, Hochdahler Straße. Du hast es geschafft. Und an alle, die jetzt reflexartig nach der nächsten Umleitung suchen: Keine Sorge. In NRW geht nichts wirklich verloren. Es verlagert sich nur.

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