Montag, 31. August 2026

31.8.2026: Einschulung in Hilden: Wenn die Schultüte zum zweiten Weihnachten wird

Es gab einmal eine Zeit, da war die Sache mit der Einschulung vergleichsweise übersichtlich. Man bekam einen Schulranzen, eine Schultüte, ein paar Buntstifte und ausreichend Süßigkeiten, um den ersten Schultag zumindest ernährungsphysiologisch komplett aus dem Ruder laufen zu lassen. Heute ist das etwas komplizierter. Wer in diesen Tagen durch Hilden läuft und Eltern oder Großeltern beim Einkauf für die Einschulung beobachtet, könnte meinen, Weihnachten sei überraschend auf Anfang September verlegt worden. Ganz falsch ist dieser Eindruck offenbar nicht. Die Einschulung sei heutzutage „wie ein zweites Weihnachten“, sagt Andrea Mettlicki vom Hildener Spielwarengeschäft SpielPlus. 

Und wie es sich für Weihnachten gehört, gibt es natürlich Dinge, die unbedingt unter den Baum – Entschuldigung: in die Schultüte – müssen. 2026 heißen sie unter anderem Squishies und Dumplings. Squishies sind bunte Figuren aus einem schaumstoffartigen Kunststoff, die nach Herzenslust geknautscht werden können. Dumplings funktionieren ähnlich, kommen allerdings in Boxen, bei denen man vorher nicht weiß, welche Variante darin steckt. Überraschung plus Sammeltrieb – aus Sicht der Hersteller vermutlich eine ziemlich geniale Kombination. Besonders begehrt sind glitzernde Varianten. Und offenbar haben die kleinen Knautschfiguren sogar pädagogisches Potenzial: An manchen Schulen sind sie im Unterricht erlaubt, weil das Knautschen beruhigend wirken kann. 

Wer jetzt glaubt, damit sei die Einkaufsliste abgearbeitet, unterschätzt die moderne Einschulung erheblich. Auch Legami-Stifte gehören weiterhin zum Pflichtprogramm auf vielen Wunschlisten. Besonders Sondereditionen sind schnell vergriffen. Dazu kommen Kknekki-Haargummis, die gleichzeitig als Armband getragen werden können. Einmal produzierte Farben werden nicht wieder aufgelegt, weshalb sich offenbar eine richtige Sammlerszene entwickelt hat.  Früher sammelten Kinder Panini-Bilder. Heute stehen Erwachsene möglicherweise vor dem Regal und diskutieren darüber, ob ihnen noch Kknekki „Pastell-Rosa-Sommer-Edition“ fehlt. Fortschritt ist eben nicht immer leicht zu definieren.

Erfreulicherweise besteht eine Schultüte aber nicht ausschließlich aus Dingen, deren Namen Großeltern erst einmal googeln müssen. In Hilden gibt es auch Lesezeichen, Bücher für Erstleser, reflektierende Armbänder, leuchtende Anhänger, Wecker, Portemonnaies, Abakusse und IQ-Lernspiele. Besonders die Lernspiele werden für Grundschüler empfohlen.  Das klingt schon eher nach Schule – wobei sich natürlich die Frage stellt, ob sich ein sechsjähriges Kind beim Öffnen seiner Schultüte tatsächlich über einen Abakus genauso freut wie über einen glitzernden Squishy. Pädagogisch dürfte die Antwort eindeutig sein. Praktisch vermutlich auch.

Und natürlich gibt es weiterhin Lego, Playmobil und Süßigkeiten. Denn irgendwo muss bei aller pädagogischen Vernunft auch noch ein bisschen Einschulung bleiben. Die Zahnärztekammer Nordrhein hat gegen den einzelnen Schokoriegel in der Schultüte auch gar nichts einzuwenden. Entscheidend sei vielmehr, was anschließend im Schulalltag zur Gewohnheit werde. Ein gesundes Pausenbrot sei eine gute Grundlage. 

Beim Getränk fällt die Empfehlung noch eindeutiger aus: Wasser. Saft und Softdrinks sorgen bei regelmäßigem Trinken dafür, dass die Zähne immer wieder mit Zucker und Säure in Kontakt kommen. Deshalb sollte Saft eher die Ausnahme bleiben. Selbst beim grundsätzlich gesunden Apfel lautet der Rat, ihn lieber innerhalb eines überschaubaren Zeitraums zu essen, statt über Stunden daran herumzuknabbern. 

Mindestens ebenso wichtig wie der Inhalt von Schultüte und Brotbox ist allerdings etwas, das man nicht kaufen kann: ein sicherer Schulweg. Der ADAC empfiehlt, den Weg vorher gemeinsam zu üben – und zwar möglichst zu den Zeiten, zu denen später tatsächlich Schulverkehr herrscht. Kreuzungen, Einfahrten und Straßenüberquerungen verdienen besondere Aufmerksamkeit. In den ersten Schulwochen sollten Eltern ihre Kinder außerdem begleiten; Reflektoren an Kleidung und Schulranzen erhöhen bei Dunkelheit die Sichtbarkeit. 

Vielleicht ist das am Ende die schönste Erkenntnis rund um die Einschulung. Natürlich darf die Schultüte groß sein. Natürlich darf ein Squishy hinein. Ein Dumpling meinetwegen auch, selbst wenn wahrscheinlich die Hälfte der Erwachsenen nicht erklären kann, warum ein Spielzeug genauso heißt wie eine asiatische Teigtasche. Ein bisschen Schokolade schadet ebenfalls nicht. Und wenn Oma und Opa noch ein Buch hineinstecken wollen, ist das vermutlich auch keine schlechte Idee.

Denn bei allem Aufwand bleibt dieser erste Schultag etwas Besonderes. Für die Kinder beginnt ein neuer Lebensabschnitt – und für die Eltern möglicherweise ebenfalls. Ab jetzt gibt es Stundenpläne, Elternabende, Hausaufgaben, verschwundene Radiergummis und morgens die berühmte Frage: „Wo ist eigentlich meine Sporttasche?“

Vielleicht hat Andrea Mettlicki deshalb mit ihrem Vergleich vom zweiten Weihnachten sogar noch mehr recht, als sie dachte.

Nur dass Weihnachten wenigstens jedes Jahr am selben Datum stattfindet.

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