In Hilden ist Parken inzwischen auch eine Frage der technischen Ausstattung. Wer am Mühlenhof sein Ticket bezahlen möchte, braucht eine kontaktlos funktionierende Bankkarte oder ein entsprechend eingerichtetes Smartphone. Bargeld? Fehlanzeige. PIN-Eingabe? Ebenfalls nicht vorgesehen. Und wenn der Automat „declined“ meldet, empfiehlt die Stadt sinngemäß: Suchen Sie sich einen anderen Parkplatz. Willkommen in der digitalen Servicewüste!
Dabei bin ich durchaus ein Freund moderner Technik. Kontaktlos bezahlen ist bequem, schnell und längst Alltag. Aber Digitalisierung sollte den Menschen das Leben erleichtern und nicht aus einem simplen Parkticket eine technische Aufnahmeprüfung machen.
Vor zwei Jahren beschloss der Stadtrat, die Barzahlung an städtischen Parkautomaten schrittweise abzuschaffen. Mehr als 38.000 Euro jährlich sollen dadurch langfristig eingespart werden. Angesichts der Hildener Haushaltslage ein nachvollziehbares Argument.
Doch am Mühlenhof häuften sich Beschwerden, insbesondere von älteren Autofahrern. Bankkarten wurden abgelehnt, obwohl sie anderswo funktionierten. Die Stadt ließ den Automaten überprüfen, fand keine technischen Fehler und berichtet, seit Mitte Juli keine weiteren Beschwerden erhalten zu haben.
Nur bedeutet ein fehlerfreier Automat nicht automatisch, dass das Bezahlsystem alltagstauglich ist. Verlangt eine Bank nach mehreren kontaktlosen Zahlungen eine erneute PIN-Bestätigung, kann der Bezahlvorgang scheitern. Weil die Hildener Geräte weder Kartenschlitz noch PIN-Eingabe besitzen, gibt es dann keine Ausweichmöglichkeit am Automaten.
Besonders ärgert mich die Haltung des Rathauses: Wer keine der angebotenen Zahlungsmöglichkeiten nutzen kann, muss eben woanders parken.
Da verrutscht mir die Hildener Fanbrille gewaltig. Natürlich muss die Stadt sparen. Aber Bürgerfreundlichkeit sollte nicht an der Kontaktlosfunktion einer Bankkarte enden. Gerade ältere Menschen dürfen nicht zu Verlierern einer Digitalisierung werden, die eigentlich allen helfen soll.
Eine zusätzliche Bezahlmöglichkeit an besonders stark genutzten Parkplätzen wäre zumindest eine Überlegung wert. Schließlich sollte sich eine Stadt fragen, wie ihre Angebote für möglichst viele Menschen funktionieren – und nicht nur, wie viel sie dabei spart.
38.000 Euro jährlich weniger Kosten sind schön. Aber wenn ein zahlungswilliger Bürger am Automaten scheitert und vom Rathaus praktisch zu hören bekommt „Dann parken Sie eben woanders“, ist das keine gelungene Digitalisierung. Das ist Kundenabwehr mit NFC-Technik.
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