Sonntag, 11. Oktober 2026

11.10.2026: Das Aldi-Ei bleibt offen – oder: Hilden erklärt, warum die Tankstelle nichts wissen musste

In Hilden muss man offenbar erst die Zeitung lesen, um zu erfahren, dass vor der eigenen Tankstelle eine größere Baustelle beginnt. Genau das ist den Betreibern der Aral-Tankstelle am Aldi-Ei passiert. Sie erfuhren von den Arbeiten auf der Gerresheimer Straße durch ihre Vermieterin, die wiederum einen Zeitungsartikel gelesen hatte. Vier Tage vor Baubeginn. Man könnte meinen, die Stadt hätte bei einer solchen Maßnahme auch die umliegenden Gewerbebetriebe direkt informiert. Aber offenbar gibt es im Rathaus eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wer eine Information verdient – und wer sich selbst darum kümmern muss.

Ab Montag, 12. Oktober, bekommt die Gerresheimer Straße zwischen Aldi-Ei und Schalbruch eine neue Asphaltdecke. Bis voraussichtlich 29. Oktober wird gebaut, zunächst mit einer Einbahnstraßenregelung, anschließend mit einer vollständigen Sperrung des betroffenen Straßenabschnitts. Immerhin hat die Stadt inzwischen klargestellt, dass der Kreisverkehr am Aldi-Ei selbst befahrbar bleibt. Die Verbindungen zur Mozartstraße, Stockshausstraße, zur Straße Auf dem Sand und in Richtung Innenstadt sollen durchgehend funktionieren. Auch die Ausfahrt Richtung Norden und A46 bleibt zunächst offen. Erst vom Abend des 26. bis zum 29. Oktober wird diese Verbindung gesperrt.

Das ist eine wichtige Information. Nur hätte sie eigentlich schon in die ursprüngliche Baustellenankündigung gehört. Wer eine derart zentrale Straße sperrt, sollte nicht darauf warten, dass eine Zeitung nachfragt, ob der angrenzende Kreisverkehr überhaupt noch funktioniert. Gerade das Aldi-Ei ist schließlich kein abgelegener Feldweg, sondern ein Verkehrsknotenpunkt, dessen Bedeutung jeder kennt, der regelmäßig durch Hilden fährt. Dass die Stadt erst auf Nachfrage präzisiert, welche Verbindungen offenbleiben, ist kein Ruhmesblatt für ihre Öffentlichkeitsarbeit.

Noch bemerkenswerter finde ich allerdings die Reaktion auf die Kritik der Tankstellen-Vermieterin Karin Lotze. Sie bemängelt, dass die Betreiber nicht direkt informiert wurden, obwohl die veränderte Verkehrsführung wirtschaftliche Folgen haben könnte. Hildens Beigeordneter Peter Stuhlträger weist den Vorwurf zurück: Schriftlich informiert worden seien alle Anlieger, deren Grundstückszufahrt durch die Arbeiten eingeschränkt werde. Da die Tankstelle weiterhin erreichbar bleibt, gehörte sie offenbar nicht dazu.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Für die Stadt ist entscheidend, ob die Zufahrt offen bleibt. Für die Tankstelle zählt dagegen, ob ihre Kunden noch auf dem gewohnten Weg vorbeikommen. Ob tatsächlich Umsatzeinbußen entstehen, ist offen. Dass ein Betrieb mit solch unmittelbarer Abhängigkeit vom Straßenverkehr frühzeitig informiert werden möchte, sollte allerdings selbstverständlich sein.

Hier zeigt sich eine Haltung, die mich an der Hildener Verwaltung immer wieder stört: Statt zu fragen, ob die Kommunikation ausreichend war, wird erklärt, warum man formal alles richtig gemacht hat. Dabei hätte eine kurze Information an die umliegenden Geschäfte vermutlich genügt. Eine E-Mail, ein Anruf oder ein Informationsblatt wären bei einer lange geplanten Baustelle keine organisatorische Meisterleistung gewesen.

Niemand verlangt, dass das Rathaus jedem Autofahrer einen persönlichen Brief schreibt. Aber gute Bürgerinformation sollte sich nicht allein an einer verwaltungsinternen Verteilerliste orientieren. Entscheidend ist, wer von einer Maßnahme betroffen sein könnte und welche Informationen für die Planung benötigt werden. Gerade Gewerbebetriebe sollten dabei nicht erst durch die Zeitung erfahren, dass sich vor ihrer Tür die Verkehrsführung ändert.

Umso unverständlicher finde ich, dass die Stadt auf die Kritik vor allem mit einer Rechtfertigung reagiert. Ein einfacher Satz wie „Wir werden künftig auch angrenzende Gewerbebetriebe frühzeitig informieren“ hätte vermutlich mehr Vertrauen geschaffen als die Erklärung, warum die Tankstelle keinen Brief bekommen hat. Man muss nicht jeden Fehler eingestehen, um aus einer berechtigten Beschwerde etwas zu lernen.

Ich habe überhaupt nichts gegen die Sanierung der Gerresheimer Straße. Im Gegenteil: Eine ordentliche Fahrbahndecke ist eine sinnvolle Investition. Aber wer Baustellen plant, muss eben nicht nur Asphalt, Verkehrszeichen und Sperrbaken organisieren. Er muss auch an die Menschen denken, deren Alltag und Geschäft davon beeinflusst werden.

Das Aldi-Ei bleibt also offen. Nur beim Informationsfluss aus dem Rathaus scheint es eine Vollsperrung gegeben zu haben. Und statt die Umleitung zu erklären, versichert die Stadt, dass der Empfänger ohnehin nicht auf der Verteilerliste stand.

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