An der Hildener Beethovenschule gibt es offenbar ein ziemlich ungewöhnliches Nachmittagsprogramm: Ameisen beobachten und herausfinden, woher dieser merkwürdige Geruch kommt. Leider handelt es sich dabei nicht um ein pädagogisches Projekt, sondern um den Alltag in den alten Containern der Offenen Ganztagsschule. Und ich finde, da hört der Spaß langsam auf.
Die Gemeinschaftsgrundschule mit ihren 15 Klassen platzt aus allen Nähten. Deshalb findet ein Teil der Nachmittagsbetreuung in einer Containeranlage statt, die ihre besten Jahre längst hinter sich hat. Im Sommer gab es massiven Ameisenbefall, dazu kommt ein unangenehmer Geruch, der schon seit Jahren auffällt. Eine Untersuchung der Raumluft ergab 2025 immerhin keine gesundheitlich relevante Belastung. Angenehmer macht das den Aufenthalt allerdings nicht.
Bemerkenswert finde ich die Einschätzung aus dem Rathaus. Bürgermeister Claus Pommer bestätigt, dass die Container wegen ihres Alters und baulichen Zustands als langfristige Lösung „nicht mehr haltbar“ seien. Ein kurzfristiger Ersatz sei aber weder wirtschaftlich noch notwendig. Schließlich würden die Räume hauptsächlich nach dem Unterricht genutzt.
Da muss ich schon schlucken. Denn für die Kinder, die dort ihren Nachmittag verbringen, macht es wenig Unterschied, ob sie vormittags oder nachmittags in einem muffigen Container sitzen. Natürlich kann die Stadt nicht mal eben einen Neubau aus dem Boden stampfen. Und angesichts der angespannten Haushaltslage ist es nachvollziehbar, keine teure Zwischenlösung zu finanzieren, wenn ohnehin ein dauerhaftes Gebäude entstehen soll. Nur sollte aus einer wirtschaftlich verständlichen Entscheidung kein jahrelanger Dauerzustand werden.
Ursprünglich war mit dem „Haus des Lernens“ ein großer Neubau geplant. Der wurde aus Kostengründen gestrichen. Nun soll eine kleinere Lösung entstehen, deren Planungsleistungen erst ausgeschrieben werden müssen. Ein konkreter Fertigstellungstermin ist damit noch nicht in Sicht. Immerhin steht die Schulleiterin Denise Steinküller nach eigenen Angaben in gutem Austausch mit der Stadt. Auch Eltern loben die Arbeit von Schule und OGS. Das zeigt, wie viel Engagement vor Ort vorhanden ist – trotz der schwierigen Bedingungen.
Gerade deshalb wünsche ich mir, dass die Stadt beim Neubau jetzt Tempo macht und die bestehenden Räume bis dahin sorgfältig im Blick behält. Denn gute Betreuung braucht nicht nur motivierte Menschen, sondern auch vernünftige Räume.
Die Kinder finden die Ameisen vielleicht noch spannend. Ich finde spannender, wann Hilden endlich eine Lösung liefert. Denn eine Grundschule sollte ein Ort zum Lernen und Wohlfühlen sein – und kein Dauerprovisorium mit eingebautem Insektenprogramm.
Freitag, 16. Oktober 2026
16.10.2026: Ameisen, Mief und alte Container – oder: Hildens Schulkinder müssen weiter warten
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