Auf dem Alten Markt kann man gemütlich einen Kaffee trinken, die Reformationskirche betrachten und das Hildener Treiben beobachten. Manchmal bekommt man allerdings Gesellschaft, die niemand eingeladen hat: Tauben. Und die haben offenbar längst verstanden, dass in unserer Innenstadt nicht nur die Außengastronomie gut funktioniert, sondern gelegentlich auch die kostenlose Verpflegung.
Die Ratsfraktion Bürgeraktion | Piraten hat das Thema jetzt aufgegriffen. Ihr stellvertretender Vorsitzender Andreas Benoit berichtet von Beschwerden aus der Gastronomie. Menschen würden trotz Verbots Tauben füttern, die sich anschließend verstärkt auf dem Platz versammeln. Das sorgt für Ärger bei Gästen und Wirten. Vorgeschlagen werden deshalb Hinweisschilder, häufigere Kontrollen und sogar Raubvogelattrappen.
Die Stadt reagiert erfreulich pragmatisch. Das Füttern wildlebender Tiere ist in Hilden bereits verboten und kann mit 20 Euro Verwarngeld geahndet werden. Der Kommunale Ordnungsdienst soll künftig genauer hinschauen, insbesondere zu den üblichen Fütterungszeiten. Außerdem prüft die Verwaltung zusätzliche Hinweisschilder. Auf künstliche Raubvögel möchte man dagegen verzichten, weil diese nicht die eigentliche Ursache beseitigen: Menschen, die Futter verteilen.
Das finde ich durchaus vernünftig. Schließlich können die Tauben nichts dafür, dass ihnen regelmäßig jemand ein kostenloses Buffet serviert. Und ob eine Plastik-Eule auf dem Alten Markt tatsächlich für nachhaltigen Respekt unter Hildener Stadttauben sorgen würde, darf man bezweifeln.
Interessant finde ich allerdings, dass wir auch hier wieder über die Durchsetzung einer längst bestehenden Regel sprechen. Das Verbot ist da, das Verwarngeld ebenfalls. Jetzt muss nur noch jemand darauf achten, dass sich die Menschen daran halten. Immerhin kündigt die Stadt diesmal konkrete Schritte an, statt lediglich auf die geltende Verordnung zu verweisen.
Ich hoffe, dass man dabei mit Augenmaß vorgeht. Niemand braucht einen Alten Markt voller Verbotsschilder oder einen Ordnungsdienst, der jeden Brotkrümel untersucht. Aber wer gezielt Tauben füttert und damit andere belästigt, darf ruhig darauf hingewiesen werden, dass der öffentliche Platz kein privater Vogelpark ist.
Am Ende ist die Sache ziemlich einfach: Die Tauben können keine Verordnung lesen. Die Menschen schon. Und wenn das allein nicht hilft, sind 20 Euro vielleicht die überzeugendere Botschaft als eine Plastik-Eule auf dem Kirchendach.
Donnerstag, 15. Oktober 2026
15.10.2026: Ärger am Alten Markt – oder: Hilden erklärt den Tauben das Fütterungsverbot
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