Montag, 12. Oktober 2026

12.10.2026: 7 Euro für gute Taten – oder: Hilden bekommt einen Adventskalender mit QR-Code

In Hilden kann man sich im Advent bekanntlich auf einiges verlassen: Die Mittelstraße wird beleuchtet, auf dem Alten Markt gibt es Glühwein und der Lions Club verkauft seinen Adventskalender. In diesem Jahr sogar zum 20. Mal. Und weil ein rundes Jubiläum nach etwas Besonderem verlangt, gibt es mehr Kalender, mehr Preise und eine technische Neuerung. Ausgerechnet ein Adventskalender, dessen Erlös unter anderem Kinder vor den Gefahren der digitalen Welt schützen soll, wird jetzt selbst digitaler. Das hat durchaus einen gewissen Hildener Charme.

5.000 Exemplare lässt der Lions Club diesmal drucken, 500 mehr als im vergangenen Jahr. Der Preis bleibt bei sieben Euro. Dafür gibt es zwar keine Schokolade, aber die Chance auf einen von 459 Geld- und Sachpreisen im Gesamtwert von mehr als 27.400 Euro. Der Hauptgewinn von 1.500 Euro wartet an Heiligabend. Gestiftet wurden die Preise von Unternehmen und Einzelhändlern aus Hilden und der Region. Eine schöne Verbindung zwischen örtlicher Wirtschaft, ehrenamtlichem Engagement und der Hoffnung, dass sich hinter dem nächsten Türchen vielleicht doch mehr verbirgt als eine weihnachtliche Überraschung.

Das eigentlich Interessante ist allerdings, wohin das Geld fließt. Unter dem Motto „Schulen stärken für starke Kinder“ unterstützt der Lions Club zwei Präventionsprojekte an den sieben Hildener Grundschulen. Die Viertklässler sollen beim Digitaltraining lernen, Gefahren im Internet besser einzuschätzen. Für die Drittklässler kommt erstmals das Projekt „Fair bleiben in Hilden“ hinzu, bei dem es um Gewaltprävention, Selbstbewusstsein und den Umgang mit Konflikten geht. Auch das Friedensdorf International in Oberhausen, das kranke und verletzte Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten medizinisch versorgt, erhält wieder einen Teil des Erlöses.

Gerade das Digitaltraining trifft einen Nerv. Unsere Grundschulen sind technisch gut ausgestattet, aber ein Tablet im Klassenzimmer macht noch niemanden automatisch medienkompetent. Kinder bewegen sich heute in digitalen Welten, deren Mechanismen selbst viele Erwachsene kaum durchschauen. Und während wir uns in Hilden gerne über die richtige Nutzung öffentlicher Plätze oder die nächste Verkehrsregelung streiten, finden die ersten großen Konflikte vieler Kinder längst auf Bildschirmen statt. Dass beim Training auch Eltern informiert werden, ist deshalb mindestens so wichtig wie die Schulstunden selbst.

Besonders treffend finde ich eine Beobachtung des Konflikttrainers Ronnie Wellnitz. Früher habe er Kindern geraten, lieber persönlich miteinander zu reden, statt zu telefonieren. Heute lautet seine Empfehlung sinngemäß: Telefoniert wenigstens noch miteinander. Das sagt einiges darüber aus, wie sich Kommunikation verändert hat. Wo früher ein Streit auf dem Schulhof ausgetragen wurde, reichen heute ein paar Nachrichten in einer Klassengruppe, um aus einer kleinen Meinungsverschiedenheit ein größeres Problem zu machen. Deshalb ist es sinnvoll, wenn Kinder im Training nicht nur theoretisch über Konflikte sprechen, sondern ganz praktisch ausprobieren, wie sie auf Beleidigungen reagieren können.

Eine kleine Ironie liefert der Adventskalender selbst. Hinter den Türchen verstecken sich erstmals QR-Codes, über die sich die jeweiligen Preise online aufrufen lassen. Die Gewinnnummer steht auf der Rückseite des Kalenders, die Gewinner werden außerdem im Internet und in der Rheinischen Post veröffentlicht. Der gute alte Papierkalender bekommt also gewissermaßen eine digitale Schnittstelle. Man könnte sagen: Wer Hildener Kinder fit für die digitale Welt machen möchte, fängt am besten beim eigenen Adventskalender an.

Natürlich kann man fragen, ob wirklich jede bewährte Sache noch einen QR-Code braucht. Gerade ein Adventskalender lebt schließlich davon, morgens ein Türchen zu öffnen und sich überraschen zu lassen. Andererseits ist die technische Neuerung kein Grund, die eigentliche Idee kleinzureden. Der Kalender verbindet die Aussicht auf einen Gewinn mit der Finanzierung konkreter Projekte, von denen viele Hildener Kinder profitieren können. Und dass sich dafür Jahr für Jahr zahlreiche örtliche Unternehmen engagieren, ist keineswegs selbstverständlich.

Zu kaufen gibt es den Kalender unter anderem im Modehaus von Gehlen auf der Mittelstraße, bei Lotto Schneider im Itter-Karree, bei Hilden Sport am Holterhöfchen und bei Edeka Breidohr an der Walder Straße. Man muss also nicht erst eine digitale Plattform bemühen, um einen zu bekommen. Das funktioniert erfreulicherweise noch ganz analog.

Ich finde, das ist eine dieser Aktionen, die unserer Stadt guttun. Sie kommt ohne große kommunalpolitische Debatte aus, braucht keine neue Arbeitsgruppe und muss nicht erst durch drei Ausschüsse. Menschen engagieren sich, örtliche Unternehmen unterstützen sie, und am Ende profitieren Kinder davon. So einfach kann es manchmal sein.

Und wenn der Lions Club es mit seinem Adventskalender schafft, dass Hildener Kinder künftig weniger streiten, besser miteinander reden und vielleicht sogar wieder zum Telefon greifen, dann sind die sieben Euro gut angelegt. Selbst wenn hinter allen 24 Türchen am Ende nur ein QR-Code wartet.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen