Dienstag, 13. Oktober 2026

13.10.2026: 40.000 Kippen, zwölf Bußgelder – oder: Hilden sucht noch nach dem richtigen Mittel

Wer durch die Hildener Mittelstraße läuft, findet zwischen Pflastersteinen und Abfallbehältern eine erstaunlich zuverlässige Konstante: Zigarettenkippen. Wie groß das Problem ist, zeigte das Itter Clean Team bereits vor einigen Jahren. 16 Ehrenamtliche sammelten innerhalb von zwei Wochen rund 40.000 Kippen. Wenige Tage später sah es nach ihren Angaben schon wieder ähnlich aus. Die einen räumten auf, die anderen sorgten für Nachschub.

Nun hat anzeiger24.de bei der Stadt nachgefragt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Gezielte Kontrollen gibt es nicht. Die Begründung ist allerdings nachvollziehbar: Sobald der Kommunale Ordnungsdienst in Uniform auftaucht, entsorgen Raucher ihre Kippen ordnungsgemäß. Verstöße lassen sich deshalb nur schwer feststellen. Allerdings könnte man daraus auch schließen, dass sichtbare Kontrollen durchaus eine Wirkung haben. In Leverkusen setzt man inzwischen sogar auf Kontrollen in Zivil.

Die Hildener Bilanz: fünf geahndete Verstöße 2024, sieben im Jahr 2025. Zusammen zwölf Fälle und 966 Euro an festgesetzten Geldzahlungen. Natürlich sind diese Zahlen nicht unmittelbar mit den 40.000 gesammelten Kippen vergleichbar. Sie zeigen aber, dass das Wegwerfen von Zigarettenresten nur selten geahndet wird.

Die Stadt verweist auf vorhandene Abfallbehälter und erklärt, ihr seien keine wiederkehrenden Beschwerden bekannt. Beides ist durchaus relevant. Nur lösen ausreichend Aschenbecher das Problem nicht, wenn sie nicht benutzt werden. Und fehlende Beschwerden bedeuten nicht automatisch, dass die Innenstadt sauber ist. Schade finde ich außerdem, dass die Vorschläge des Itter Clean Teams zu Aufklärung und direkter Ansprache nach Darstellung des Berichts bislang nicht aufgegriffen wurden.

Natürlich sind in erster Linie diejenigen verantwortlich, die ihre Kippen achtlos wegwerfen. Die Stadt kann schließlich nicht hinter jedem Raucher stehen. Aber vielleicht wäre eine Kombination aus Aufklärung, gelegentlichen gezielten Kontrollen und Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen einen Versuch wert. Nicht jede Maßnahme muss sofort funktionieren. Entscheidend wäre, überhaupt auszuprobieren, was die Situation verbessern könnte.

40.000 Kippen gesammelt, zwölf Verstöße in zwei Jahren geahndet. Die Zahlen sind nicht direkt vergleichbar, zeigen aber zwei Seiten desselben Problems: Die Ehrenamtlichen leisten beeindruckende Arbeit, die Stadt setzt bislang vor allem auf vorhandene Entsorgungsmöglichkeiten. Vielleicht wäre es an der Zeit, beides stärker miteinander zu verbinden. Denn die nächste Kippe liegt vermutlich schon wieder auf der Mittelstraße.

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