Es gibt Orte, da tobt das Leben – und dann gibt es den Radweg „Am Schwarzen Weiher“ zwischen Langenfeld und Hilden. Eine Route, die bisher vor allem durch ihre charmante Mischung aus romantischem Schotter, überraschenden Schlaglöchern und einer Prise Nervenkitzel beim Ausweichen besticht. Doch damit ist bald Schluss: Die Schlaglöcher haben ausgehüpft, es wird asphaltiert!
Ja, richtig gelesen. Das 800 Meter lange Teilstück, das sich bisher anfühlte wie eine Teststrecke für Geländefahrräder oder die heimliche Lieblingsroute jedes Orthopäden, wird endlich saniert. Und zwar nicht irgendwie – sondern gleich mit vier Metern Breite in einem Guss. Die STRABAG kommt mit schwerem Gerät, und wer in dieser Zeit dort lang will, muss Umwege in Kauf nehmen: Über Wolfhagener Straße, Kaiserstraße und Hildener Straße – ein Radfahrertraum aus Asphalt, Abgas und Ampeln.
Doch bevor man in die Versuchung gerät, sich über Umleitungen zu beschweren, ein kurzer Blick auf die wahren Helden dieses Projekts: die Kreuzkröten und Zauneidechsen. Die dürfen nämlich bleiben. Extra Markierungen sollen sie darauf hinweisen, dass sie bitte nicht quer über den heißen Asphalt spazieren – oder womöglich Roller fahren. Artenschutz wird hier nämlich großgeschrieben, und so wird der Radweg zur ersten Kröten-kompatiblen Schnellstraße der Region. Verkehrsberuhigt für Reptilien, versteht sich.
Wer jetzt denkt: „Na super, endlich Schluss mit dem Zickzack-Fahren um Pfützen und Krater“, sollte sich den Kalender schnappen – Baubeginn ist in der ersten Februarwoche. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Es ist schließlich Winter, da geht vieles – aber nichts planmäßig.
Also: Noch einmal tief durchatmen, vielleicht ein letztes Mal die Zähne zusammenbeißen beim nächsten Schlagloch, und sich innerlich verabschieden vom Abenteuer „Radweg wie Schweizer Käse“. Bald wird alles besser. Glatter. Und kreuzkrötensicher.
Freitag, 30. Januar 2026
30.1.2026: Schlaglöcher, Asphalt und Amphibien: Ein Drama am Schwarzen Weiher
Mittwoch, 28. Januar 2026
28.1.2026: Hilden hebt ab – oder: Wie die Grundsteuer dem Immobilienbesitzer das Konto leert, aber das Herz erwärmt (mit leichtem Sarkasmus)
Gerade noch die Gasrechnung mit einem Lächeln geöffnet, weil: Hurra, sie ist dieses Jahr nicht in astronomischen Höhen explodiert – und zack, da kommt aus dem Rathaus der Steuerhammer geschwungen wie ein Vorschlaghammer im Porzellanladen. Am 4. Februar entscheidet der Stadtrat in Hilden nämlich über eine saftige Erhöhung der Grundsteuer B. Spoiler: Die Entscheidung dürfte ungefähr so erfrischend werden wie ein Regenschauer bei der eigenen Grillparty.
Was ist passiert? Die Stadt Hilden hat sich 2024 mutig an eine Splittung der Steuersätze für Wohn- und Nichtwohngrundstücke gewagt. Ein bisschen wie beim Frühstück: Croissant hier, Rührei da – Hauptsache alles getrennt. Leider hat sich herausgestellt, dass dieses steuerliche Menü juristisch so haltbar ist wie ein Joghurt im Sommerurlaub: Mehrere Gerichte haben die Idee kassiert, und auch in Hilden stapeln sich jetzt die Klagen. Ergebnis: Die Verwaltung will zurückrudern. Und zwar kräftig.
Bisher zahlten Wohnimmobilien einen eher entspannten Satz von 650 Punkten. Gewerbe dagegen musste mit 1.300 Punkten tief in die Tasche greifen. Doch nun ist Schluss mit dem Steuer-Klassenunterschied. Zur Debatte stehen einheitliche Sätze von 800 oder 860 Punkten. Klingt erstmal nicht dramatisch – ist es aber. Denn während das Gewerbe künftig aufatmen kann (und sich vielleicht ein extra Brötchen beim Bäcker gönnt), dürfen Wohnungs- und Hausbesitzer tiefer in die Tasche greifen. Und Mieter dürfen sich freuen: Das Ganze wird natürlich liebevoll über die Nebenkosten weitergereicht. Inklusive Schleifchen.
Für die einen bedeutet das: 100 Euro mehr im Jahr für die Zweizimmerwohnung. Für die anderen: 130 Euro für die Drei-Zimmer-Variante. Und wer im Einfamilienhaus wohnt, darf sich jetzt ein bisschen wie ein VIP fühlen – mit Extra-Aufschlag natürlich. Vielleicht gibt’s demnächst auch Sammelpunkte dafür: „Zahlen Sie jetzt Ihre Grundsteuer und sichern Sie sich ein Gratis-Taschentuch zum Weinen!“
Aber keine Sorge: Schuld hat – wie immer – niemand. Die Stadt Hilden verweist auf das Land NRW, das die Möglichkeit zur Aufsplittung überhaupt erst angeboten hat. Wie beim Kind, das sagt: „Der Hund hat meine Hausaufgaben gefressen“ – nur mit mehr Paragrafen.
Und so rollt sie weiter, die Steuerwelle durch die beschaulichen Straßen von Hilden. Vielleicht wird’s ja irgendwann wieder günstiger – zum Beispiel, wenn Strom und Gas wieder teurer werden. Dann fühlt sich die neue Grundsteuer auch nicht mehr ganz so schlimm an. Alles eine Frage der Perspektive.
Bis dahin: Festhalten, durchatmen, Kontoauszug ignorieren – und nicht vergessen, rechtzeitig die Nebenkostenabrechnung wegzuschieben, bevor sie depressiv macht. Hilden – eine Stadt zum (ver)lieben. Vor allem, wenn man Immobilien besitzt.
Montag, 26. Januar 2026
26.1.2026: Jeckinnen an Deck – Wenn Hilden zur galaktischen Karnevalszentrale wird
Was passiert, wenn sich rund 1000 Damen in die Hildener Stadthalle beamen und dabei so viel Glitzer, Popcorn und galaktische Kostümideen mitbringen, dass selbst die Enterprise neidisch würde? Richtig: Es ist wieder Zeit für „Jeck om Deck“ – die legendäre Damensitzung der KG Kniebachschiffer, die jedes Jahr aufs Neue beweist, dass Karneval in Hilden keine Frage des Alters, sondern der Attitüde ist.
Sitzungspräsidentin Stephanie Pook steuerte das narrische Narrenschiff mit souveräner Hand – kein Wunder, als Ex-Hoppedine kennt sie die jecke See wie ihre eigene Handtasche. Während an Deck die Altstadtfunken aus Köln einmarschierten, kam unter Deck (also im Saal) niemand zu kurz: Es wurde geschunkelt, gesungen und so wild gefeiert, dass selbst der Techniker vermutlich die Sicherungen rhythmisch mitschwingen ließ.
Männer waren auf der Bühne gnädigerweise noch erlaubt – allerdings nur als Showeinlage oder in Nebenrollen wie Technik, Gastro oder Security. Man(n) weiß ja, wo die Grenzen liegen. Die „Gentlemen“ der Fauth Dance Company durften tanzen, Klaus und Willi durften witzeln, die Höhner durften Herzen brechen (und Gisela suchen, eine Dame mit vermutlich sehr stabilem Geburtsjahrgang).
Das wahre Highlight aber: die Kostüme der Jeckinnen. Zwischen Shrek und Sonnenblume, Cowgirl und Popcornkopf zeigte sich einmal mehr, dass Karneval auch eine heimliche Modenschau ist – nur eben mit mehr Federn, weniger Regeln und deutlich mehr blinkendem Bling-Bling. Eine sechsköpfige Weltraumcrew um „Avatar-Birgit“ zeigte: Kreativität kennt keine Schwerkraft. Und wenn doch, wurde sie einfach mit einem rot-gelb blinkenden Ring neutralisiert – Magic, sagt Lulu. Mehr verrät sie nicht. Wahrscheinlich Top Secret. NASA-Stufe.
Auch politisch wurde’s kurz, als Bernd Stelter sich in „Kanzler von Deutschland“ verwandelte – und dabei feststellte, dass er unter den Top-30-Streamingstars kaum noch jemanden kennt. Außer Taylor Swift. Die kennt er neunmal. Da fühlt man sich dann schon fast ein bisschen wie bei der Damensitzung: Bunt, laut, ein bisschen nostalgisch – aber mit ganz viel Herz und Humor.
Fazit: Wer noch nie bei „Jeck om Deck“ war, hat definitiv was verpasst. Hier wird gelacht, getanzt, gesungen – und wenn’s sein muss, auch mal spontan die Raum-Zeit-Kontinuität aufgehoben. Hauptsache, das Bier fließt, das Kostüm glitzert und der Kapellmeister hört auf Kommando. Alaaf, Hilden – das war wieder galaktisch gut!
Sonntag, 25. Januar 2026
25.1.2026: Hilden – was leuchtet später? Der Claim ist weg, der Ärger bleibt
Hilden – was liegt näher? Na ja, inzwischen wohl eher: Hilden – was lag da mal? Denn wer zuletzt durch die Mittelstraße geschlendert ist und hoffte, vom stadtbekannten Leuchtspruch begrüßt zu werden, wird enttäuscht weitergeschlendert sein. Die legendären Leuchtbuchstaben, einst stolzes Aushängeschild unserer Shopping-Oase, sind – Achtung Wortspiel – ausgeknipst und abgehängt worden. Der eine Schriftzug ging bereits 2023 in die ewigen Dunkelkammern ein, nun folgte ihm der letzte seiner Art. Hilden ohne Claim – das ist wie Düsseldorf ohne Altbier. Oder wie Solingen ohne Messer. Irgendwie… funktionslos.
Was ist passiert? Nun, die Geschichte beginnt mit einem Klassiker aus dem deutschen Behörden-Kabarett: Verantwortlichkeiten wurden verlagert, Budgets beschnitten, Zuständigkeiten verschwommen wie das Licht der letzten funktionierenden Glühbirne. Die Stadtmarketing GmbH wurde ins Citymanagement eingemeindet, und plötzlich waren die schönen Worte auf einmal nur noch... Worte. Dabei hatte der Stadtmarketing-Verein um Bastian Mey schon den Schraubenzieher in der Hand! Er wollte die Schriftzüge retten, reparieren, wieder aufhängen – aus eigener Tasche! Aber die Stadt? Zog die Notbremse, wahrscheinlich am Stromkabel. „Zu teuer“, hieß es, „nicht mehr zeitgemäß“. Vermutlich hätte man den Satz auch in Comic Sans auf einem iPad vorschlagen müssen, dann wäre es durchgewunken worden.
Man fragt sich: Was bitte ist nicht mehr zeitgemäß daran, als Stadt zu sagen „Hey, kommt vorbei, wir sind direkt um die Ecke und wir haben Schaufenster, die nicht nur online sind!“? Aber gut, Marketing in Zeiten von Haushaltskonsolidierung ist eben wie Werbung für Diät-Cola in der Wüste – man weiß, es braucht es, aber keiner will dafür zahlen.
Jetzt ruhen die einst leuchtenden Lettern im Keller von Bastian Mey, wahrscheinlich zwischen Weihnachtsdeko und alten Wahlplakaten. Dort warten sie auf ihre Auferstehung – oder wenigstens auf den 4. März 2026, wenn im Ausschuss für Wirtschaftsförderung vielleicht noch einmal jemand den Lichtschalter sucht.
Bis dahin bleibt uns nur, nostalgisch zurückzublicken und zu hoffen, dass „Hilden – was liegt näher“ nicht ersetzt wird durch „Hilden – war da mal was?“
Montag, 19. Januar 2026
19.1.2026: Leerstandslust statt Ladenfrust: Willkommen im Hildener Immobilien-Mikado
In Hilden weht ein frischer Wind – allerdings nicht durch geöffnete Ladentüren, sondern durch leerstehende Schaufenster. Wer dieser Tage durch die Mittelstraße schlendert, hat gute Chancen, sich auf einer Art Stadtführung der besonderen Art wiederzufinden: „Hier stand mal Deko. Da war mal Pasta. Und dort hinten, da konnte man für einen Euro das halbe Inventar eines Wohnzimmers kaufen.“ Manch ein Ladenlokal ist inzwischen so lange leer, dass selbst die Spinnenweben einen Gewerbeschein beantragt haben.
Früher war alles einfacher, sagen die Makler – und meinen damit nicht nur die Mieter. Da reichte ein bisschen Farbe an der Wand, ein Schaufensteraufsteller und der Zauber der Worte „in guter Lage“ – schwupps, war das Ding vermietet. Heute reicht selbst eine Schaufensterfront von acht Metern und ein Laden in 1a-Lage nicht mehr aus, um jemandem das Herz zu erwärmen. „Da ist noch gar kein Estrich drin“, wird zum Argument auf Augenhöhe mit „Die Energie der Immobilie fühlt sich nicht richtig an“ – was Makler Max Schäfer sicher in sein nächstes Exposé aufnimmt.
Der Hildener Einzelhandel steht vor der ultimativen Challenge: dem Casting für „Germany’s Next Top-Mieter“. Die Anforderungen sind dabei inzwischen strenger als bei der Auswahl fürs Dschungelcamp: nachhaltig soll er sein, solide, mit innerer Balance, am besten keine plötzlichen Döner-Gelüste oder Ambitionen Richtung Barber-Shop. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ein holländischer Fritten-Pionier an einer Stufe scheitert? Aber so ist das eben, wenn der Zugang zum Kunden wortwörtlich ins Stolpern gerät.
Derweil basteln Eigentümer, Makler und Stadtverwaltung an kreativen Lösungen – von Mietpreisverhandlungen bis hin zu Studien über „vitale Innenstädte“. (Spoiler: Vital ist gerade nur der Leerstand.) Die Wirtschaftsförderung bleibt tapfer und optimistisch. Man kann sich bildlich vorstellen, wie sie in einem leeren Ladenlokal sitzt, zwischen Kartons voller Hoffnung, und murmelt: „Das wird schon wieder.“
Immerhin: Es bewegt sich was. Zum Beispiel der Ein-Euro-Shop – raus aus dem Rathaus-Center. Wer glaubt, dass das niemand bemerkt hat, irrt. Eigentümer Manfred Kluth sieht sich mit einem neuen Bewerber-Spektrum konfrontiert, das irgendwo zwischen halbgar und völlig ungenießbar schwankt. Wer dachte, Dönerläden wären ein sicheres Investment, merkt schnell: in Hilden ist selbst der Fleischspieß ein schwieriger Verhandlungspartner.
Und dann wäre da noch die Preisfrage. 12 bis 40 Euro pro Quadratmeter, sagt der Mietspiegel. Realistisch? Nur, wenn man in Monopoly lebt. Viele Vermieter kalkulieren weiterhin mit Umsätzen aus dem Jahr 2015, während die Kundschaft inzwischen lieber spart, statt Deko-Krims zu shoppen. Wer die Innenausstattung selbst bestimmen darf, fragt sich inzwischen vor allem: „Was kostet ein Schild mit der Aufschrift ‚Zu vermieten‘ in Goldbuchstaben?“
Vielleicht ist es ja auch Zeit für neue Konzepte. Wie wäre es mit einem Pop-up-Museum für gescheiterte Geschäftsideen? Oder einer Erlebnisführung durch die „Lost Shops of Hilden“ – inklusive Taschenlampe und Gänsehaut-Atmosphäre? Die Stadt wird kreativ werden müssen, denn die Realität hat das Drehbuch schon längst geschrieben – nur leider kein Happy End... noch nicht.
Denn wenn Hilden eines hat, dann ist es Potenzial – und ziemlich viel freie Verkaufsfläche, um es irgendwann auch mal wieder zu zeigen. Bis dahin bleibt uns die Hoffnung, dass zumindest der nächste Burger-Laden etwas länger durchhält als eine Tiefkühlpizza im Backofen.
Sonntag, 18. Januar 2026
18.1.2026: Baustellen-Yoga auf der Hochdahler Straße: Der Stau als neues Achtsamkeitstraining
Es ist wieder so weit: Die Hochdahler Straße in Hilden geht in die nächste Bau-Runde – oder wie die Stadtwerke es nennen würden: der Abschnittstanz der Leitungsverlegung. Seit dem Jahr 2024 schleicht die Baustelle abschnittsweise durch das Stadtbild, als würde sie eine Schnitzeljagd gegen den Verkehrsfluss veranstalten. Aktuell liegt der Fokus auf dem Streckenabschnitt zwischen Beethovenstraße und „Am Jägersteig“ – eine Strecke, die Autofahrende mittlerweile vermutlich im Schlaf rückwärts fahren könnten.
Wer in den vergangenen Tagen in einem dieser eleganten Rückstauschlangen-Formationen gestanden hat, weiß: Das ist keine einfache Baustelle, das ist ein Geduldsepos. Die Baustellenampel – in mittlerweile vier Phasen gegliedert – zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn man die Ampelphasen nicht auf Verkehr, sondern auf die innere Reife des Fahrers abstimmt. Manche warten dort so lange, dass sie anfangen, Podcasts rückwärts zu hören oder meditativ auf das rhythmische Blinken des Baustellenlichts starren.
Die Stadtwerke geben sich indes betont entspannt. Alles im grünen Bereich, Rückstaulänge laut Baustellenbeauftragten „nicht unangemessen“. Klar, was sind schon drei Kilometer Stillstand gegen das große Ziel: neue Leitungen, Netzausbau, Fortschritt! Wahrscheinlich denkt man in Hilden längst über Baustellenführungen mit Audio-Guide nach. „Links sehen Sie den legendären Abschnitt von Januar 2026 – bekannt für seine besonders inspirierenden Rotphasen.“
Apropos Inspiration: Einige Anwohner beobachten mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Abenteuerlust, dass Autofahrer trotz der Sperrung weiterhin vom Jägersteig auf die Hochdahler Straße abbiegen – vermutlich im Glauben, das Baustellenchaos sei nur ein Paralleluniversum und nicht wirklich Teil ihrer Realität. Vielleicht ist das Ganze aber auch nur ein soziales Experiment. „Wie verhalten sich Menschen, wenn sie vier Wochen lang immer wieder denselben Bagger sehen?“ Die Antwort: Sie fahren trotzdem. Immer. Wieder.
Also liebe Hildenerinnen und Hildener: Nutzt die Zeit im Stau, atmet tief durch, lasst euch von der Baustelle in den Zen-Modus schaukeln. Wer braucht schon einen Wellnessurlaub, wenn man auf der Hochdahler Straße mit Baustellen-Ambiente, hupendem Verkehrschor und blinkenden Ampeln das volle Entspannungsprogramm hat? In vier Wochen ist alles vorbei. Vielleicht. Eventuell. Ganz sicher. Hoffentlich.
Samstag, 17. Januar 2026
17.1.2026: Wenn Schüler auf Shoppingtour gehen – Aldi Hilden wird zum Pausen-Abenteuerland
Hilden, einst eine beschauliche Stadt mit netten Reihenhäusern, Kreisverkehren und einer durchschnittlichen Dichte an Bäckereien – hat jetzt ihr eigenes Bermuda-Dreieck: den Aldi an der Gerresheimer Straße. Dort verschwinden regelmäßig Croissants, Gummibärchen und der letzte Rest Geduld von wartenden Rentnern. Der Grund: Schüler. Hunderte. Jeden Mittag. Ein Schwarm pubertierender Snack-Sammler auf der Jagd nach dem günstigsten Zuckerschock der Region.
Was wie eine harmlose Snack-Odyssee klingt, geriet zuletzt außer Kontrolle. Laut Schulleitern der benachbarten Schulen – der Wilhelmine-Fliedner-Gesamtschule und dem Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium (kurz: „Bonni“, für Freunde von Abkürzungen und Alliterationen) – kam es zu einem „Vorfall“. Nein, kein Überfall mit Einkaufswagen als Ramböcken, aber immerhin genug Durcheinander, um Eltern mit Rundbriefen zu beglücken – dem wahrscheinlich einzigen Papier, das Schüler NICHT freiwillig aus Aldi tragen.
Während man in Hilden munkelte, es sei zu einem Schüler-Aufstand mit Gummibärchen-Katapulten und Energydrink-Regen gekommen, gab sich Aldi-Süd tiefenentspannt. „Alles im Rahmen“, heißt es aus der Zentrale, vermutlich beim zweiten Kaffee des Tages. In der Unternehmenssprache klingt das ungefähr wie: „Ja, ein paar Chipstüten lagen quer, aber wir haben schon schlimmeres gesehen – zum Beispiel Rabatt-Tage bei Nutella.“
Die Schulen reagierten pflichtbewusst pädagogisch korrekt: Briefe, Gespräche, disziplinarische Maßnahmen im Wiederholungsfall – die volle Erziehungsdröhnung. Sozialstunden und Schulverweise schweben wie dunkle Wolken über den Aldi-Gängern der Klassenstufen 7 bis 13. Aber immerhin dürfen die Jugendlichen das Schulgelände in Pausen verlassen, solange sie sich draußen benehmen wie – na ja, wie Menschen, die nicht bei Aldi randalieren.
Ein Vater – vermutlich jemand, der morgens um 6 Uhr mit Thermoskanne pendelt – zeigte sich zwar überrascht vom Vorfall, aber nicht von der Tatsache, dass sein Kind lieber zu Aldi geht als zu den Schul-Automaten nebenan. Die nämlich sind teuer, energydrinkverseucht und haben ungefähr die kulinarische Bandbreite eines Parkplatz-Kiosks in der Sahara. „Aldi ist billiger“, sagt er. Und das dürfte in Teenager-Logik etwa gleichbedeutend sein mit „Aldi ist heiliger Boden“.
Dass andere Kunden das tägliche Schüler-Flashmob-Festival nicht ganz so charmant finden, ist nachvollziehbar. Da steht man nichtsahnend in der Kassenschlange mit einem Päckchen Kaffefilter und wird plötzlich von 73 Schülern mit Doppeldöner, Club Mate und einer offenen Bluetooth-Box umzingelt. Für einige ist das wie ein Live-Konzert mit Körperkontakt – nur ohne Ticket und mit sehr viel Axe-Deo in der Luft.
Aber seien wir ehrlich: Das ist nicht neu. Schon 2015 titelte die Lokalzeitung: „Wenn die Schüler den Discounter stürmen“. Es ist also eher eine lieb gewonnene Hildener Tradition. Andere Städte haben Denkmäler, Hilden hat den Pausen-Aldi.
Fazit: Die Kombination aus jugendlicher Energie, günstigen Preisen und einem Discounter in Schulnähe ist hochexplosiv – und offenbar wieder mal losgegangen. Aber keine Sorge: Die Schulen schreiben Briefe, Aldi bleibt cool, und die Schüler haben gelernt, dass es bei Chaos keine Treuepunkte gibt. Bis zum nächsten Snack-Ansturm.
Freitag, 16. Januar 2026
16.1.2026: Wenn Geduld eine Steuervergünstigung wäre – Hilden auf Platz 71
Wer in Hilden seine Steuererklärung abgibt, braucht vor allem eins: ein ruhiges Gemüt und einen Kalender, der nicht nur bis nächsten Dienstag reicht. Denn im Durchschnitt dauert es dort stolze 53,9 Tage, bis der heiß ersehnte Steuerbescheid ins Haus flattert – also fast zwei Monate. Das ist nicht ganz Schneckenpost, aber auch nicht gerade Express. Damit landet Hilden im großen NRW-Steuerranking immerhin auf Platz 71 von 104. Also im soliden Mittelfeld – oder wie man hier sagen würde: „Da kannste nix sagen, aber auch nicht viel erwarten.“
Dabei muss man dem Finanzamt Hilden zugutehalten: Es wird schneller! 2024 lag die Wartezeit noch bei 56,6 Tagen. Wer jetzt denkt: „Wow, drei Tage schneller!“, dem sei gesagt – ja, stimmt, aber immerhin! In einem System, in dem sich Fortschritt normalerweise in Gesetzesnovellen und Paragraphenreformen im Zeitlupentempo zeigt, ist das schon fast Formel 1.
Der Spitzenreiter in NRW ist übrigens Bottrop. Dort kriegt man seinen Bescheid schon nach 33,1 Tagen. Vielleicht hat man dort einfach mehr Koffein im System – oder mehr Mitarbeitende mit Steuer-Superkräften. Am anderen Ende der Steuerwarteschlangen-Skala: Bielefeld-Außenstadt, mit epischen 71,6 Tagen. Vielleicht versucht man dort auch einfach nur, das Steuerjahr vollständig zu verarbeiten, bevor man antwortet. Gründlich eben.
Aber zurück nach Hilden. Dort schraubt man offenbar auch an der Digitalisierung, so sagt jedenfalls der Geschäftsführer von Lohnsteuer-kompakt.de, der das alles ausgewertet hat. Automatisierung helfe, und die einfache Erklärung: Wenn die Computer die langweiligen Fälle übernehmen, können die Menschen sich den komplexen zuwenden – also zum Beispiel der Frage, ob der Dackel als beruflich bedingter Wachhund gelten kann.
Deutschlandweit ist übrigens Zwiesel in Bayern der absolute Steuerrennfahrer: 28,4 Tage bis zum Bescheid! Dort muss man kaum zweimal blinzeln, da ist der Steuerbescheid schon da – man fragt sich, ob der gleich mit dem Weißwurstfrühstück geliefert wird.
Fazit: Hilden ist nicht schnell, aber auf dem Weg der Besserung. Wer seine Steuererklärung dort einreicht, sollte den Timer eher in Wochen statt Tagen stellen – oder in Haan einen Kaffee trinken gehen und einfach später nochmal in den Briefkasten schauen. Und hey – immerhin dauert's nicht so lange wie in Berlin International. Dort wartet man über 90 Tage. Da ist die Steuererklärung schneller verjährt als bearbeitet.
Donnerstag, 15. Januar 2026
15.1.2026: Mehrwertsteuer runter, Stimmung hoch? – Ein kulinarischer Blick hinter die Gastro-Kulissen von Hilden und Haan
Die frohe Botschaft zum Jahreswechsel: Die Mehrwertsteuer auf Speisen wurde von 19 auf 7 Prozent gesenkt. Hurra! Ein Fest für die Kundschaft – dachte man. Doch die Realität in Hilden und Haan zeigt: So ein Geschenk packt jeder Gastronom anders aus. Manche werfen es wie Konfetti in die Luft, andere packen es lieber diskret in die betriebswirtschaftliche Schublade.
Beginnen wir mit dem „China Happy Day“. Dort ist der Name Programm – und zwar nicht nur wegen gebratener Nudeln in herzhaftem Glück, sondern auch, weil Inhaberin Yanqing Chen den Steuerbonus direkt in 20 Prozent Rabatt für Selbstabholer verwandelt hat. Fast schon eine kleine Steuerparty im Imbissformat. Die Devise: Wer läuft, spart! Und zwar nicht nur Kalorien, sondern auch bares Geld.
Im „Olive“ in Hilden hingegen bleibt der Geldbeutel so voll wie der Teller – zumindest aus Sicht der Gäste. Pächter Daniel Borgia sagt klipp und klar: „Runter mit der Steuer? Schön. Aber unsere Preise bleiben, wo sie sind.“ Gründe gibt’s reichlich: Inflation, Löhne, Sozialabgaben – das komplette Sorgenbuffet eben. Borgia möchte eine ehrliche Küche, und dazu gehören offenbar auch ehrliche Preise, die sich leider nicht nach Steuersätzen richten, sondern nach dem ganz realen Finanzschmerz eines Gastronomen.
Im „Markthaus“ wird’s ebenfalls keine Happy-Hour für den Geldbeutel geben. Inhaber Rene Beslic spart sich die Preiserhöhung von 2025 einfach auf und sieht die Steuersenkung als kleine Wiedergutmachung für all die gestiegenen Kosten. Auch hier lautet das Motto: Preisstabilität ist das neue Sparen.
Die „Königshöhe“ in Haan bleibt majestätisch gelassen. Statt mit Prozenten jongliert man dort lieber mit Schnitzeltagen. Die Karte bleibt gleich, die Thementage sind der Rabatt. Vielleicht nicht revolutionär, aber wenigstens planbar. Und: Man muss sich das Schnitzel nicht selbst abholen. Ein Hoch auf den Service!
Beim „Da Lilo“ wiederum sorgt nicht etwa die Steuer für Gesprächsstoff, sondern das Paprikadrama des Tages: 25 Euro für drei Kilo! Da hilft auch der gesenkte Steuersatz nur bedingt. Halil da Lilo bleibt realistisch – keine Preissenkung, keine Preiserhöhung, aber eine gewisse Paprikapolitik, die künftig vielleicht eher auf Zucchini setzt.
Unterm Strich bleibt festzuhalten: Die Mehrwertsteuer mag gefallen sein, die Preise aber eher nicht. Wer also gehofft hatte, dass er 2026 sein Lieblingsgericht zum Schnäppchenpreis bekommt, muss sich gedulden – oder ins „China Happy Day“ marschieren. Immerhin dort gibt’s Ersparnis mit Sojasoße. Und für den Rest gilt: Gut gekocht ist halb gespart – auch wenn’s keiner merkt.
Mittwoch, 14. Januar 2026
14.1.2026: Post vom Amt – oder: Wie Hilden versucht, den Humor in der Mülltonne zu versenken
Januar in Hilden. Draußen ist es grau, der Glühwein von Weihnachten noch halb verdaulich, und was findet man im Briefkasten? Einen lieben Gruß vom Amt für Finanzservice! Kein Gutscheinheft, keine Einladung zum Neujahrsempfang – nein, es sind die Gebührenbescheide. Für Abfall, für Straßenreinigung, für Winterdienst – quasi die große Drei der städtischen Servicefreuden. Wer sich auf einen kuscheligen Jahresstart ohne Papierkram gefreut hat, wird enttäuscht: Willkommen im Verwaltungstango mit Anschreiben, Gebührenverzeichnis und dem charmanten Hinweis, dass Müllmarken von 2024 auch 2026 noch was gelten. Nachhaltigkeit à la Hilden.
Doch nicht alles ist so klar geregelt wie die Frage, ob Bio- oder Restmülltonne (Spoiler: kommt drauf an, ob's riecht). Die Grundsteuerbescheide zum Beispiel bleiben dieses Jahr erstmal *in der Schublade*. Wegen „unklarer rechtlicher Lage“, wie es so schön heißt. Und während ganz Deutschland darüber diskutiert, ob die neue Grundsteuer überhaupt verfassungskonform ist, sagt Hilden: „Dann halt nicht.“ Wer schon fleißig vorausgezahlt hat, bekommt das Geld sogar zurück – was, seien wir ehrlich, bei städtischen Behörden etwa so oft passiert wie Schneefall im August.
Für echte Kommunikation mit dem Amt braucht man allerdings gutes Timing. Telefonisch erreichbar ist man dienstags von 14 bis 16 Uhr – also exakt während der Zeit, in der der Durchschnitts-Hildener entweder arbeitet oder in der Warteschlange beim Bäcker steht. Wer lieber hingeht, kann das dienstags vormittags oder donnerstags nachmittags tun. Also genau dann, wenn das Ordnungsamt garantiert das Auto abschleppt, weil man in der Eile auf dem Behindertenparkplatz stand. Und sollte man außerhalb dieser Öffnungszeiten ein Anliegen haben, wird das „so schnell wie möglich bearbeitet“. Also irgendwann zwischen Aschermittwoch und Sankt-Nimmerleins-Tag.
Besonders spannend wird es, wenn man seine Mülltonne tauschen will. Das geht nämlich nicht einfach so am Wertstoffhof – nein, dafür kommt jemand vom *Zentralen Bauhof* persönlich vorbei. Man stelle sich das romantische Bild vor: ein städtischer Mitarbeiter, der im Morgengrauen die neue Biotonne wie einen Schatz über den Gartenzaun hebt, während man im Bademantel anerkennend nickt.
Für alles Weitere gibt’s Formulare online. SEPA-Mandate, Tonnen-Anpassungen, das volle Programm. Nur faxen darf man auch noch. Ja, richtig gelesen. Fax. 2026. In einer Welt mit KI, Marsmissionen und Toastern, die sich mit dem WLAN verbinden, setzt Hilden weiterhin auf piepsende Papiermaschinen aus den 90ern. Irgendwo in einem Amtszimmer steht wahrscheinlich noch ein Nadeldrucker und druckt Gebührenerinnerungen auf Endlospapier mit diesen lustigen Lochrändern.
Kurzum: Das neue Jahr beginnt in Hilden so, wie es sich für eine Stadt mit gut organisierter Bürokratie gehört – mit Gebühren, Fragen, Faxnummern und einem Hauch Nostalgie. Nur die Grundsteuer? Die macht dieses Jahr blau. Wahrscheinlich wartet sie noch auf ihren eigenen Gebührenbescheid.
Dienstag, 13. Januar 2026
13.1.2026: Haushaltsheld*innen aufgepasst! Hilden bittet zur Kassenkontrolle
Stellen Sie sich vor, Sie stehen im Supermarkt und überlegen, ob Sie das Bio-Gemüse oder doch lieber die Tiefkühlpizza nehmen – und plötzlich kommt der Bürgermeister vorbei und fragt: „Und? Was meinen Sie, sollen wir für die Stadt auch eher auf Nachhaltigkeit oder auf Tiefkühlkost setzen?“ Genau so fühlt sich der Bürgerdialog zum Haushaltsplan 2026 in Hilden an – nur mit etwas mehr Kämmerer und etwas weniger Gemüse.
Am 29. Januar wird es also ernst – oder zumindest haushaltsmäßig interessant. Im vierten Stock des Bürgerhauses trifft sich die Crème de la Crème der Hildener Verwaltung, um über das große Ganze zu sprechen: Geld. Genauer gesagt, wofür man es 2026 ausgeben will – und woher man es überhaupt nehmen könnte. Denn wie wir alle wissen: Geld wächst nicht auf den Bäumen, sondern auf der Mittelstraße, manchmal auch in Fördertopfgewächshäusern.
Kämmerer Martin Wiedersprecher (kein Künstlername!) hat schon im Dezember den Haushaltsplanentwurf vorgestellt – jetzt sollen die Bürger*innen ran. Denn wer, wenn nicht Sie, weiß am besten, ob wir mehr Parkbänke, bessere WLAN-Spots oder doch einen städtischen Streichelzoo mit Stadtratshamstern brauchen? Bürgermeister Claus Pommer nickt zustimmend und sagt sinngemäß: „Wir hören zu!“ – und das ganz ohne Ironie. Die Beteiligung ist also nicht nur willkommen, sondern erwünscht. So wie Kuchen im Büro. Oder Regen nach dem Autowaschen.
Wer nun denkt, „Haushaltsplan klingt wie ein PDF mit 300 Seiten Langeweile“, der irrt – ein bisschen. Denn es geht ja um Ihre Stadt, Ihre Steuern und Ihre Vorschläge. Sie können live im Bürgersaal mitdiskutieren oder ganz bequem per E-Mail Ihre Meinung sagen. Sogar online anmelden darf man sich – fast wie bei einem exklusiven Event, nur ohne Dresscode, aber mit Excel-Tabellen.
Für alle, die schon mal vorfühlen wollen: Der Entwurf liegt jetzt schon auf [www.hilden.de/haushalt](http://www.hilden.de/haushalt) bereit. Und wer weiß – vielleicht entdecken Sie beim Durchscrollen den Posten „geheime Rutschbahn vom Rathauskeller ins Eiscafé“. Man wird ja wohl noch träumen dürfen.
Also, liebe Hildener*innen: Jetzt ist der Moment, in dem man nicht nur meckert, sondern mitredet. Oder zumindest mitliest. Und wer weiß – vielleicht fließt Ihre Idee bald in die großen Entscheidungen ein. Zum Beispiel: mehr WLAN. Oder weniger Rutschbahn.
Montag, 12. Januar 2026
12.1.2026: Wenn der Strom aus der Luft kommt – oder: Wie Hilden zum Actionfilm-Set wurde
Es gibt Dinge, die sieht man und denkt sofort: „Das kann nicht gut ausgehen.“ Zum Beispiel, wenn ein Hubschrauber in Schräglage nur wenige Meter an einer Hochspannungsleitung entlangschrammt. Und doch: Wer in den nächsten Wochen in Hilden oder Haan plötzlich einen Helikopter beim Seilestreicheln beobachtet, sollte nicht panisch die Feuerwehr rufen oder gleich das Drehbuch für „Mission Impossible: Niederrhein“ fertig schreiben. Alles in Ordnung – der fliegt da mit Absicht.
Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion hat nämlich Großes vor: Mit Hightech, Helikoptern und einer Prise Nervenkitzel kontrolliert er mal eben das komplette deutsche Hochspannungsnetz. Und weil das so viele Tausend Kilometer sind, kann es durchaus sein, dass der fliegende Kabeldetektiv plötzlich über dem eigenen Garten kreist. Für Laien sieht das aus wie ein riskantes Stunttraining. Für die Piloten ist es schlicht Montag.
Los geht’s ab dem 12. Januar – also rechtzeitig zur Jahreszeit, in der Menschen es sowieso schon unheimlich finden, wenn es irgendwo knistert. Geflogen wird mit 30 bis 40 km/h, was bei einem Helikopter ungefähr so wirkt, als würde ein Porsche im Schneckentempo durch die Waschanlage driften. Dabei kommen hochauflösende Infrarotkameras zum Einsatz, die thermische Auffälligkeiten aufspüren – sprich: die Leitungen werden auf Hitze-Hotspots untersucht, die man mit dem bloßen Auge genauso gut erkennen kann wie einen Pickel auf dem Rücken eines Hamsters.
Und was passiert, wenn so ein Isolator mal den Geist aufgibt? Dann wird sofort durchgefunkt, als ginge es um ein entlaufenes Einhorn. Zack, kommt die Truppe mit dem Schraubenschlüssel – wahrscheinlich auch per Luftpost – und macht das Ding wieder heil.
Wem das alles bekannt vorkommt: Ja, die fliegende Stromkontrolle ist nicht neu. Amprion macht das schon seit Jahren so. Aber trotzdem bleibt es jedes Mal ein kleines Spektakel. Schließlich ist es ein Unterschied, ob man mit einem Fernglas vom Boden aus nach verbogenen Maststreben schaut oder mit einem Helikopter in „ich-nehm-den-Mast-gleich-mit“-Nähe rumschwirrt. Da könnte man fast vergessen, dass es hier nicht um Hollywood, sondern um Hochspannung geht.
Also, liebe Hildener und Ha(a)ner: Wenn’s brummt am Himmel – keine Panik. Das ist keine Invasion, kein Dreh für „Alarm für Cobra 11“ und auch kein durchdrehender Tech-Milliardär auf Probeflug. Es ist einfach nur Amprion. Mit Kamera. Auf der Jagd nach heißen Drähten.
Sonntag, 11. Januar 2026
11.1.2026: Hackfleisch, Handarbeit und harte Wahrheiten – Das Ende von Vion in Hilden
Wenn man an Hilden denkt, denkt man vielleicht an gemütliche Altstadt, solides Handwerk oder an den einen REWE, der sonntags immer geöffnet hat. Was einem eher nicht sofort in den Sinn kommt: fein säuberlich von Hand zerlegtes Rindfleisch in industriellem Maßstab. Doch genau das war jahrzehntelang Realität in einem unscheinbaren Betrieb am Westring – bis jetzt.
Denn Vion, der fleischgewordene Großkonzern mit Sitz in den Niederlanden, hat beschlossen: Hilden ist durch. Nicht mehr zukunftsfähig. Oder wie man im Konzernsprech so schön sagt: "anhaltende strukturelle Veränderungen" haben den Standort zermürbt. Mit anderen Worten: Alles wird automatisiert, digitalisiert, globalisiert – außer vielleicht die Leberwurst im Kühlregal, aber selbst die kommt bald mit Blockchain-Etikett.
160 Mitarbeitende trifft die Nachricht wie ein Nackenkotelett. Noch vor Kurzem sah alles nach Rettung aus, man hatte Hoffnungen auf neue Investoren, sogar das Kartellamt wurde wach – am Ende reichte es aber nur noch für ein klassisches Betriebsversammlung-Desaster: „Danke fürs Kommen, das war’s dann auch schon.“ Natürlich läuft noch ein „Konsultationsverfahren“ – ein schönes deutsches Wort für „Wir reden nochmal drüber, aber ändern wird sich nix“.
Und das Schlimme: Die Leute, die da arbeiten, sind nicht etwa anonymer Schichtfleisch, das man beliebig in andere Werke stopfen kann. Nein, das sind eingewurzelte Hildener (oder immerhin Eingewanderte mit Wurzeln geschlagen), die teilweise seit Jahrzehnten die Steaks für unsere Grills in Form bringen. Handarbeit! Also das, was man sonst in jedem Bewerbungsgespräch als „verlorene Tugend“ lobpreist.
Aber genau diese Handarbeit wird dem Standort nun zum Verhängnis. Während andere Betriebe das Rind vermutlich schon mit KI-gesteuerten Lasern filettieren, wird in Hilden noch gesäbelt wie bei der Fleischer-Olympiade. Kein Zwischenlager, keine Automatisierung, kein Instagram-Account – so kann man heute kein Rind mehr in Szene setzen.
Der Gewerkschafter Thomas Bernhard bringt es auf den Punkt: „Die haben alle irgendwie ein Problem.“ Ein Satz, der sich nicht nur auf die Schlachthöfe beziehen lässt, sondern auch wunderbar auf Wirtschaft, Politik und die Metzgerei von nebenan anwendbar ist. Alles hat ein Problem – nur die Probleme selbst nicht, die wachsen wie von selbst.
Immerhin: Die Stadt will helfen. Bürgermeister Claus Pommer zeigt sich betroffen, Wirtschaftsförderer Schwenger bietet Perspektiven. Das klingt gut, ist aber auch so konkret wie ein Serviervorschlag auf einer Fertiglasagne. Ja, es gibt Arbeitsplätze. Nein, die kommen nicht automatisch mit einem Schnitzelzertifikat.
Was bleibt, ist eine Mischung aus Nostalgie und Betriebsratsfrust, gepaart mit der Hoffnung auf einen „sozial ausgewogenen Sozialplan“. Was das konkret heißt? Vielleicht ein Einkaufsgutschein bei Vion. Vielleicht ein Umzugsangebot nach Bayern. Vielleicht auch einfach nur ein feuchter Händedruck und der Wunsch, man möge sich „beruflich neu orientieren“.
Derweil rollt der Fleischmarkt weiter. Die nächste Eigenmarke steht schon bereit, die nächste Entlassungswelle vielleicht auch. Und irgendwo dazwischen: Hilden. Eine Stadt, in der jetzt nicht mehr zerlegt wird – aber dafür vielleicht bald wieder zusammengesetzt. Hoffentlich nicht nur metaphorisch.
Guten Appetit.
Samstag, 10. Januar 2026
10.1.2026: Hildanus & Hildania: Ein Prinzenpaar mit Herz, Pritsche und Instagram
Hilden steht Kopf – die närrische Session 2025/26 ist im vollen Gange und mittendrin: ein Prinzenpaar, das nicht nur Kamelle wirft, sondern Herzen gewinnt. Seine Tollität Prinz Hildanus Peter III. und ihre Lieblichkeit Prinzessin Hildania Silvia I. haben sich in ihren Samt-Ornaten nicht etwa in eine royale Komfortzone zurückgezogen – nein, sie regieren mit Pritsche, Tanz und sozialem Gewissen. Quasi Karneval mit Tiefgang, nur ohne Bedenkenträgerei.
Dabei hätten sich die beiden – eigenen Aussagen zufolge – auch einfach ein Auto kaufen können. Haben sie aber nicht. Stattdessen stecken sie Zeit, Energie und vermutlich einen Kleinwagenwert in ihre Amtszeit. Manch ein Außenseiter mag sich nun fragen: „Warum?“ Die Antwort ist simpel: Weil Karneval in Hilden mehr ist als Schunkeln und Schunkelmusik. Es ist gelebte Heimatliebe. Und manchmal auch ein kleiner Kraftakt.
Denn mit einer auf 80 Termine komprimierten Session bleibt kaum Zeit für Konfetti-Pausen. Das Paar tanzt sich durch Seniorenheime, Geburtstagsfeiern und Bühnenauftritte – mit einem eigens entwickelten Gemeinschaftstanz, der sogar von den Enkeln nachgetanzt wird. Silvia I. malt während Interviews Sonnenstrahlen auf Tische und verbreitet mehr Wärme als ein Heizlüfter in der Schützenhalle. Es ist, als wären die beiden nicht nur das Gesicht, sondern auch das Herz des Hildener Karnevals.
Prinz Peter, von Beruf Metallsägenverkäufer (ja, das gibt’s wirklich), hält eine Pritsche mit Stadtwappen und Sägeband in der Hand – vermutlich die erste symbolträchtige Karnevalswaffe mit Maschinenbau-Charme. Und Silvia? Die frischgebackene Rentnerin nutzt die Zeit nach dem Berufsleben nicht etwa für Kreuzfahrten oder Couch, sondern für Inklusion, Nachbarschaftshilfe und eine Extraportion Frohsinn. Während andere in ihrem Alter überlegen, ob sie die Kaffeemaschine auf „mittel“ oder „stark“ stellen, plant sie Instagram-Wettbewerbe und Gemeinschaftsaktionen.
Die Prinzenburg? Natürlich nicht irgendeine Besenkammer im Vereinsheim, sondern das Restaurant „Bella Storia im Fachwerk“, stilvoll, zentral, charmant. Von hier aus strahlt das Prinzenpaar in alle Richtungen – metaphorisch und organisatorisch. Damit auch der Nachwuchs bei der Stange bleibt, gibt’s Social-Media-Aktionen mit dem ultimativen Preis: einmal Prinzenwagen fahren an Rosenmontag. Mehr Hildener Adel geht nicht.
Und wer jetzt denkt: „Das ist doch alles nur bunte Show“, der war noch nie bei der Nachbarschaftshilfe-Tütchenpackaktion oder hat gesehen, wie die Kniebachschiffer dank des Engagements des Paares ihr Tanzcorps reaktivieren. Das ist kein Karneval für die Galerie – das ist gelebte Gemeinschaft im Glitzerkostüm.
Kurz gesagt: Hilden hat nicht nur ein Prinzenpaar. Es hat zwei Idealisten mit Faible für Stadtfarben, Gemeinschaftstanz und gute Laune. Wer braucht da noch ein Auto?
Freitag, 9. Januar 2026
9.1.2026: Hilden im Schneemodus: Wenn das Rheinland plötzlich Lappland spielt
Es gibt Tage, da wacht man in Hilden auf, schaut aus dem Fenster – und denkt kurz, man hätte aus Versehen den Netflix-Account auf „Nordic Noir“ umgestellt. Mittwochmittag jedenfalls hat der Winter im Kreis Mettmann wieder ordentlich nachgelegt: ergiebiger Schneefall, glitzernde Straßen, und überall dieses leise, aber deutliche „Uff“, das entsteht, wenn das Rheinland feststellt, dass Schnee nicht nur Deko ist, sondern auch Physik.
Auf den Straßen wurde aus „Ich fahr nur kurz“ schneller „Ich rutsche nur kurz“. Seit 13 Uhr gab’s ein verstärktes Geschehen, wie die Polizei so schön nüchtern sagt – 14 Unfälle in Hilden, vier in Haan, allesamt zum Glück nur mit Blech- und Zaunschaden. Wobei: Ein Gartenzaun, der plötzlich ein Auto als winterliches Accessoire trägt, hat sicher auch nicht mit seiner Woche gerechnet. Und während man sonst ins Parkhaus fährt, um dem Wetter zu entkommen, wurde das Parkhaus Am Kronengarten offenbar selbst zum Wetter: so rutschig, dass zwischen den Etagen „Fortkommen“ eher ein philosophisches Konzept war. Hausmeister alarmiert – das ist im Winter ungefähr die kommunale Version von „Avengers, assemble!“.
Die Region hat dabei ihre ganz eigene Schneekarte gezeichnet: In Mettmann lagen Lastwagen quer und machten aus „Durchfahrt frei“ kurzzeitig „Durchfahrt: nein“. In Velbert standen Linienbusse plötzlich so, als hätten sie beschlossen, aus Protest gegen die Straßenlage spontan Haltestelle zu spielen. Räumfahrzeuge waren zwar unterwegs, kamen aber gegen den Schneenachschub nicht sofort an – man kennt das: Du räumst, der Himmel so: „Süß.“
Die Feuerwehren in Hilden und Haan meldeten am Nachmittag noch keine witterungsbedingten Einsätze, aber die Bereitschaft war da. „Wir haben schon die Schneeketten aufgezogen“, hieß es sinngemäß. Das klingt ein bisschen, als würde man zum Elternabend gehen und sagen: „Ich hab schon die Argumente geladen.“ Man hofft, man braucht sie nicht – aber sicher ist sicher.
Und weil das Rheinland im Winter gerne sowohl romantisch als auch chaotisch ist, gab’s parallel diese Bilderbuchmomente: Innenstadt im kristallinen Weiß, die Mittelstraße plötzlich wie frisch gezuckert, die Reformationskirche geschniegelt im Schnee-Outfit, und irgendwo wird gerodelt, als hätte der Jaberg eine geheime Partnerschaft mit den Alpen. Spaziergänge mit Hund (gern mit Namen, die nach Chips klingen), Schnee-Engel, riesige Schneebälle auf zugefrorenen Teichen – inklusive dem wichtigen Hinweis: Zugefrorene Gewässer bitte nicht betreten, auch wenn sie so verlockend aussehen wie ein makelloser Kuchenboden. Und unter der Eisenbahnbrücke an der Itter hängen Eiszapfen, die schon mal üben, wie man in 150.000 Jahren eine Tropfsteinhöhle wird. Langfristige Karriereplanung kann der Winter.
Die offiziellen Ratschläge sind dabei so vernünftig, dass sie fast unrheinisch wirken: unnötige Fahrten vermeiden, Abstand halten, Tempo anpassen, vorausschauend und defensiv fahren – und, ganz wichtig, das Auto vom Schnee befreien. (Denn nichts sagt „Ich bin bereit für den Straßenverkehr“ wie ein Fahrzeug, das aussieht, als würde es gerade inkognito als Iglu durchgehen.) Auch die Rheinbahn warnt: Verspätungen und Ausfälle, vor allem bei den Buslinien – was im Winter bedeutet, dass „Ich bin gleich da“ zeitlich irgendwo zwischen „gleich“ und „Frühling“ liegen kann.
Und während wir über Glätte diskutieren, läuft im Hintergrund die große Logistik-Oper: Der Bauhof hat rund 630 Tonnen Streugut eingelagert, etwa 150 Tonnen sind schon raus – im Rheinland ist Streusalz gerade ungefähr so wertvoll wie früher Gold, nur dass man’s nicht in Tresoren lagert, sondern in Silos. Nachlieferungen sind unterwegs, und irgendwo sitzt bestimmt jemand im Rathaus und flüstert: „Haltet die Feuchtsalzreserven zusammen, Leute.“
Als Bonus gibt’s noch den Klassiker: Müllabfuhr und Weihnachtsbaum-Abholung können sich verzögern, weil der Winterdienst Personal bindet. Heißt praktisch: Wenn der Tannenbaum noch ein paar Tage länger am Gehweg liegt, ist das nicht Faulheit, sondern quasi ein letztes saisonales Statement. Wichtig nur: ohne Schmuck, sonst wird aus „Abholung“ schnell „Weihnachtsmarkt 2.0“.
Unterm Strich: Hilden und Haan haben wieder bewiesen, dass sie Schnee gleichzeitig wunderschön und unerquicklich können. Also: Genießen ja – aber bitte mit Abstand, mit Besen fürs Autodach und mit der Einsicht, dass „nur mal eben“ im Winter eine sehr optimistische Lebenshaltung ist. Bleibt vorsichtig da draußen – und wenn ihr unbedingt raus müsst: Fahrt, als wäre euer Gartenzaun schon vergeben.
Donnerstag, 8. Januar 2026
8.1.2026: Hildener Mietspiegel 2026: Jetzt wird zurückgerechnet!
Wer schon einmal versucht hat, die eigene Miete mit gesundem Menschenverstand einzuordnen, weiß: Das ist ungefähr so erfolgreich wie der Versuch, einem Goldfisch das Einmaleins beizubringen. Aber keine Sorge, die Stadt Hilden hat zum Jahresstart 2026 ein ganz besonderes Neujahrsgeschenk ausgepackt – einen brandneuen Mietspiegel! Und der kommt nicht etwa auf Papier oder mit Schleife im Briefkasten, sondern – wie es sich für die digitale Avantgarde von Rhein und Itter gehört – exklusiv online. Die gedruckte Broschüre? Gibt’s nicht. Dafür aber PDF. Und wenn das nicht nach amtlich geprüfter Wohnfreude klingt, dann wissen wir auch nicht weiter.
Der Mietspiegel wurde in liebevoller Dreiecksbeziehung zwischen dem Amt für Soziales und Wohnen, dem Haus- und Grundbesitzerverein Hilden sowie dem Mieterbund Rheinisch-Bergisches Land ausgebrütet. Gemeinsam haben sie Daten gesammelt, Vermieter befragt, Regressionsanalysen angewendet (kein Scherz!) und dabei vermutlich mehr Excel-Tabellen geöffnet, als ein durchschnittlicher Büroangestellter in seinem ganzen Leben zu Gesicht bekommt. Herausgekommen ist eine fein säuberlich gerechnete Übersicht über das, was man in Hilden *normalerweise* so für eine Wohnung bezahlt – je nach Baujahr, Ausstattung, Größe, Lage und wahrscheinlich auch Mondphase.
Für den unbedarften Hildener bedeutet das: Jetzt kann man sich mit ein paar Klicks schlau machen, ob die eigene Miete himmlisch fair oder doch eher galaktisch überteuert ist. Einfach den Mietspiegel-Rechner auf [www.hilden.de](http://www.hilden.de) anklicken, Wohnungsdaten eingeben und zack – Vergleichsmiete auf dem Bildschirm. Ob das dann beim nächsten Gespräch mit dem Vermieter hilft oder lediglich für erhöhten Puls sorgt, ist natürlich wie immer Typsache.
Die Stadt betont jedenfalls, dass der Mietspiegel ein sachliches Hilfsmittel zur Streitvermeidung ist. Und wer weiß – vielleicht bringt er tatsächlich ein bisschen Ruhe ins aufgeheizte Mietklima, bevor sich Nachbarn wieder mit dem Gartenzwerg bewerfen, weil einer 7,50 Euro zahlt und der andere 12,80. Transparenz ist schließlich Trumpf, vor allem wenn sie sich als PDF speichern lässt.
Und für alle, die sich jetzt schon auf das nächste große Zahlen-Update freuen: Ab 2030 soll ein „völlig überarbeiteter Mietspiegel“ erscheinen. Ob der dann holografisch projiziert wird oder direkt als Chatbot mit einem spricht, steht noch in den Sternen. Bis dahin bleibt uns der gute alte Rechner. Und das beruhigende Gefühl, wenigstens einmal im Leben statistisch korrekt gewohnt zu haben.
Mittwoch, 7. Januar 2026
7.1.2026: Weniger Sachverstand für mehr Sparsamkeit – Hilden macht Politik nach dem Motto „Hauptsache billig!
Hilden, du Perle im Kreis Mettmann, du Wiege der kommunalen Kompromisskunst – wie oft hast du uns schon gezeigt, dass politische Entscheidungen nicht zwangsläufig verständlich, aber dafür herrlich unterhaltsam sein können? Aktuell sorgt ein Ratsbeschluss für hochgezogene Augenbrauen, gerunzelte Stirnen und das eine oder andere genervte „Wat soll dä Quatsch denn jetzt wieder?“: Die Zahl der sachkundigen Bürger in den Ausschüssen wird drastisch reduziert. Aus Gründen. Aus Spargründen. Natürlich.
Sachkundige Bürger, das sind die engagierten Menschen, die sich freiwillig in die Untiefen der Ausschussarbeit begeben, ohne Mandat, dafür mit viel Herz und gelegentlich einem Wikipedia-Artikel im Gepäck. Sie sprechen mit, wenn der Rat über die wirklich heißen Eisen diskutiert: von neuen Radwegen bis hin zu den Farbtönen öffentlicher Mülleimer. Und jetzt – schwupps – will man sie loswerden. Oder zumindest weniger davon haben. Ein bisschen Sachverstand muss reichen, alles andere ist schließlich Luxus.
Die Logik dahinter? Wer wenig Fraktionsmitglieder hat, soll auch wenig Bürger vorschlagen dürfen. Das klingt fast nach einem Rabattmodell: „Kaufen Sie vier Ratsmitglieder und erhalten Sie bis zu vier Bürger kostenlos dazu – aber nicht mehr!“ Die Großen im Rat (CDU, SPD und Grüne) fanden das offenbar ganz charmant und winkten den Antrag fröhlich durch. Die Kleinen hingegen fanden’s weniger spaßig – sie sprechen jetzt schon von „politischer Verzwergung“ und „demokratischem Schrumpfkurs“.
Einige wittern gar eine Verschwörung. Die Opposition spricht von eingeschränkter Arbeitsfähigkeit, verfassungsähnlichen Grundprinzipien und – wenn man ganz genau hinhört – dem Untergang des Abendlandes. FDP und Bürgeraktion möchten notfalls das Verwaltungsgericht einschalten, denn was wäre Demokratie ohne mindestens eine Klage pro Quartal?
Die Sitzungsgelder sind übrigens auch betroffen. Maximal 20 Mal im Jahr gibt’s 46,80 Euro. Für den Preis kann man sich in Hilden immerhin ein paar Kaffee und ein belegtes Brötchen im Rathaus holen – wenn man Glück hat, sogar mit Remoulade. Ob das reicht, um sich durch die Haushaltspläne zu quälen, sei mal dahingestellt.
Doch wie sagt man so schön in der Politik: „Wissen ist Macht – aber teuer darf’s halt nicht sein.“ Und wenn weniger Bürger mitreden dürfen, geht’s vielleicht auch schneller. Oder ruhiger. Oder zumindest sparsamer.
Ob das der Demokratie guttut, steht auf einem anderen Blatt – vermutlich dem mit dem Einsparziel.
Dienstag, 6. Januar 2026
6.1.2026: Weniger Quadratmeter, mehr Kissenprofi – Möbel Hardeck macht’s gemütlich kompakt
In einer Welt, in der selbst Sofas per App bestellt und Küchen virtuell geplant werden, muss der klassische Möbelhändler kreativ werden, um nicht als Staubfänger im XXL-Format zu enden. Möbel Hardeck in Hilden hat das erkannt – und zieht Konsequenzen: Weniger Verkaufsfläche, mehr Erlebnis, lautet die neue Devise. Oder wie man es auf Möbelfachchinesisch nennt: „strategische Neuausrichtung mit integrierter Stilweltoptimierung“. Klingt beeindruckend. Bedeutet: ein bisschen weniger laufen, ein bisschen mehr staunen.
Aus rund 33.000 Quadratmetern Verkaufsfläche wurden flugs 25.000. Das ist immer noch größer als so manche Kleinstadt, aber eben nicht mehr ganz so einschüchternd wie früher. Man verirrt sich jetzt nicht mehr versehentlich zwischen fünf identischen Couchtischen und einem Deko-Friedhof aus künstlichen Orchideen. Stattdessen: klare Strukturen, durchdachte Räume und das gute Gefühl, dass die Verkäufer nicht erst mit dem E-Scooter zur Beratung heranbrausen müssen.
Und das Beste: Die Öffnungszeiten bleiben gleich. Montag bis Samstag von 10 bis 19 Uhr – plus gelegentliche Verlängerungen für besonders entscheidungsschwache Menschen, die zwischen zwei Esstischstühlen in eine existenzielle Krise geraten. Alles beim Alten, nur eben mit etwas weniger Quadratmeter-Labyrinth.
Auch das Sortiment wurde nicht etwa zusammengestrichen, sondern neu inszeniert. Die hauseigene Marke „hardi“ wurde nicht etwa abgeschafft, sondern romantisch in die Wohnwelten integriert. So trifft „stylisch und günstig“ nun auf „Wir machen’s gemütlich mit Beratung und Farbpalette“. Besonders gefragt: Möbel zum Personalisieren. Denn was nützt einem die schönste Couch, wenn der Nachbar dieselbe hat?
Und was passiert mit dem frei gewordenen Platz? Der wird nicht leer gelassen, sondern sinnvoll genutzt – zum Beispiel als neuer Standort für die Logistik. Endlich mal keine dekorative Vitrine mehr, sondern ein echtes Herzstück im Hintergrund. Teile der Fläche könnten sogar vermietet werden – vielleicht entsteht hier bald ein Hipster-Café mit Sofas zum Probetragen. Wer weiß.
Was Möbel Hardeck da in Hilden treibt, ist keine Kapitulation, sondern ein stilvoller Rückzug zur Offensive. Weniger Quadratmeter bedeuten hier nicht weniger Möbel, sondern weniger Irritation. Das Einrichtungshaus wird übersichtlicher, menschlicher, fokussierter – eine Art Ikea ohne Stress, mit Beratung und ohne Hot-Dog.
Hilden bleibt für Hardeck wichtig – trotz Möbelmarkt im Krisenmodus, trotz Konsumzurückhaltung und trotz der Tatsache, dass der Onlinehandel einem auch nachts um drei eine Küche verkaufen kann, wenn man aus Versehen auf die Werbung klickt. Aber gerade deshalb braucht es Orte, an denen Möbel nicht nur gekauft, sondern erlebt werden. Und im besten Fall findet man dann nicht nur ein Sofa, sondern auch jemanden, der sagt: „Dazu hätten wir auch die passenden Kissen.“
Möbel Hardeck reduziert Verkaufsfläche – aber nicht das Zuhausegefühl. Und das ist vielleicht der entscheidendere Trend.
Montag, 5. Januar 2026
5.1.2026: Caspar, Melchior, Balthasar und 149 Freunde – Sternstunde in Hilden
Wer Anfang Januar in Hilden unterwegs ist, sollte sich nicht wundern, wenn plötzlich drei Kronenträger vor der Tür stehen, singend, segensbringend und mit Spendenbüchse im Gepäck. Nein, das ist keine spontane Musicalaufführung – das sind die Sternsinger. 2026 sind es rund 150 Kinder, die in Königsmission durch die Straßen ziehen, um Segen zu verteilen und Spenden zu sammeln. Und das nicht etwa für die eigene PlayStation-Kasse, sondern für Kinder in Not. Ganz großes Kino – und das ganz ohne Streaming-Abo.
Diesmal geht’s für die gute Sache nach Bangladesch. Dort schuften rund 1,8 Millionen Kinder, viele unter katastrophalen Bedingungen. Da ist jeder Euro aus Hilden ein Hoffnungsschimmer – quasi ein Segen mit Rückwirkung. Während also bei uns fleißig gebastelt, gebetet und gebimmelt wird, macht die Aktion weltweit den Unterschied. Das nennt man dann wohl Charity mit Sternchen.
Aber einfach ist das Sternsingen längst nicht mehr. Heike Heise vom Organisationsteam weiß, wovon sie spricht. Urlaubswütige Familien und Ganztagsschulen machen das Finden von Sternsinger-Nachwuchs inzwischen zur kleinen logistischen Meisterleistung. Doch die Gemeinden zeigen Flexibilität – mit Betreuung ab 8 Uhr und einem Motto, das alle Sorgen wegwischt: „Kommt so, wie ihr seid.“ Denn wer heute noch denkt, man müsse sich für einen der Könige das Gesicht schwarz anmalen, der bekommt – zu Recht – keinen Applaus, sondern ein erklärendes Gespräch über Symbolik und Sensibilität. Sternsingen 2026 ist bunt, aber nicht bemalt. Bravo.
Die Organisation ist durchdacht wie ein Schweizer Uhrwerk. Während in St. Marien und St. Konrad noch traditionell von Tür zu Tür gezogen wird – inklusive Süßigkeitensprints, Segen auf Kreidebasis und mindestens einem Kind, das seinen Text vergessen hat –, wird im großen Stadtgebiet von St. Jacobus mit Anmeldung gearbeitet. Die Sternsinger kommen auf Wunsch – wie ein himmlischer Lieferdienst mit Segens-Abo.
Und wer es ganz modern mag, holt sich den „Segen to go“ per Aufkleber in der Kirche ab – kontaktlos und pandemiesicher. Dazu gibt’s einen Opferstock oder die gute alte Online-Spende. Selbst die Dreikönige sind also inzwischen digital transformiert. Hut ab – oder besser: Krone ab.
Der krönende Abschluss (Wortspiel leider unvermeidbar) findet dann am 10. und 11. Januar statt, mit Gottesdiensten und vermutlich der ein oder anderen Kinderstimme, die nach Tagen des Dauersingens nur noch heiser flüstert: „Stern über Bethlehem… hust… zeig uns den Weg…“
Und wer jetzt Lust bekommen hat, selbst einmal goldene Umhänge zu tragen, darf sich gerne bei Heike Heise melden. Denn mal ehrlich: Wo sonst kann man königlich aussehen, Süßigkeiten abstauben, Herzen erwärmen und gleichzeitig Gutes tun – alles in einem Nachmittag?
Sternsingen in Hilden: Es ist ein bisschen wie Weihnachten nach dem Fest – nur mit mehr Einsatz, mehr Stern und mehr Wirkung. Und ja, es gibt tatsächlich noch Dinge, die schöner sind als Raketen in der Silvesternacht.
Sonntag, 4. Januar 2026
4.1.2026: Jetzt wird umKartenführerschein getauscht!
Der Führerschein – einst ein Symbol der Freiheit, der erste große Schritt in Richtung Erwachsenenleben. Damals noch frisch laminiert oder mühsam beim Amt abgestempelt, je nach Jahrgang. Doch 2026 ist Schluss mit der Nostalgie: Jetzt heißt es „Tschüss, Kartenführerschein von 1999 bis 2001“, dein Ablaufdatum ist gekommen. Wer denkt, die grauen oder rosafarbenen Lappen seien schon lange Geschichte, liegt richtig – aber der Plastiknachfolger von damals ist nun selbst ein Fall fürs Archiv. Willkommen im Zeitalter des digital erfassten Plastik-Gegenplastiks.
Am 19. Januar 2026 ist Stichtag. Wer dann noch stolz den alten Kartenführerschein von vor 2013 zückt, hat ein kleines Problem – nämlich ein potenzielles Bußgeld. Und das tut dann weh, nicht wegen des Geldes, sondern wegen der Behördenlauferei, die einen erwartet, wenn man zu spät dran ist. Also besser: rechtzeitig den Weg zum Amt oder ins Internet wagen – die Auswahl ist groß, der Aufwand... na ja.
Im Kreis Mettmann gibt’s gleich mehrere Möglichkeiten, sich den neuen Schein zu sichern. Online geht’s natürlich auch – inklusive Rückumschlag-Romantik und der Gelegenheit, mal wieder ein biometrisches Foto zu machen, auf dem man aussieht wie jemand, der definitiv keinen Spaß am Autofahren hat. Wer es lieber analog mag, kann zur Führerscheinstelle oder ins Bürgerbüro, solange es nicht in Velbert oder Ratingen liegt – dort gelten offenbar Sonderregeln, vermutlich aus Gründen, die selbst Kafka nicht verstanden hätte.
Und wie immer bei bürokratischen Großprojekten gilt: Bring alles mit, was du hast – Ausweis, Passbild, Führerschein, gute Nerven. Acht Wochen Bearbeitungszeit sind angesetzt, also bleibt genug Zeit, um zu überlegen, ob man überhaupt noch Auto fahren will, oder ob das Leben als Buspassagier nicht auch seinen Reiz hat.
Kostenpunkt? 26,50 Euro plus Versand – ein echtes Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass man damit in die große EU-weite Datenbank der Fahrerlaubnisse aufgenommen wird. Da ist man dann offiziell vermerkt – nicht nur als Mensch mit Führerschein, sondern als jemand, der rechtzeitig sein Leben sortiert bekommt. Also fast ein Ritterschlag, wenn man so will.
Der Führerscheinumtausch ist damit kein rein technischer Akt. Es ist ein Generationenwechsel. Ein Abschied vom leicht vergilbten Plastikrechteck, das einen durch die wilde Fahranfangszeit begleitet hat – inklusive Kratzer, Kaffee-Flecken und diverser Erinnerungen an Blitzerfotos. Und jetzt: ein neuer, moderner, steriler Ausweis. Weniger charmant, aber fälschungssicher. Und genau das will Europa. Wer sind wir, das in Frage zu stellen?
Also: Wer zwischen 1999 und 2001 den Führerschein gemacht hat – jetzt ist der Moment. Einmal Bürokratie bitte, zum Mitnehmen.
Samstag, 3. Januar 2026
3.1.2026: Böller, Brände, Platzverweise – Silvester in Hilden mit Knalleffekt
Es gibt viele Möglichkeiten, das neue Jahr einzuläuten: mit einem Glas Sekt, einem Kuss unter dem Feuerwerk oder, wie mancherorts im Kreis Mettmann, mit einer angezündeten Mülltonne und einem Platzverweis. Willkommen im Silvester 2025 – einer Nacht voller Knall, Qualm und Kontrolle.
In Hilden und Haan blieb’s vergleichsweise zivilisiert. Klar, ein paar Brandmeldeanlagen schrillten um die Wette, Müllcontainer rauchten romantisch vor sich hin, und die Feuerwehr hatte immerhin genug zu tun, um sich nicht zu langweilen. Aber alles in allem: kein Tumult, kein Drama, keine feurigen Angriffe auf Rettungskräfte wie im Vorjahr – man könnte fast sagen, es war... entspannt. Zumindest für Silvesterverhältnisse.
Anderswo im Kreis Mettmann wurde dagegen richtig aufgefahren. Die Polizei rückte mit Verstärkung an – inklusive Einsatzhundertschaft, was ungefähr so dezent ist wie ein Panzer auf einem Kindergeburtstag. Vor allem in der Sandheide war man vorbereitet wie für den dritten Weltkrieg, allerdings in der Pyro-Version. Dort, wo 2024 noch Feuerwehr und Polizei zur Zielscheibe wurden, wurde diesmal knallhart kontrolliert – mit Erfolg. Kein verletzter Beamter, kein fliegender Feuerlöscher, dafür aber jede Menge abgebrannter Müll.
Insgesamt zählte die Polizei satte 89 Einsätze – von Knallkörper-Kriegern, über Nachbarschafts-Samba mit Dezibel 120, bis hin zu jenen Spezialisten, die Raketen offenbar mit dem Rücken zur Wand zünden und dann verdutzt ins Krankenhaus gefahren werden müssen. Einer hatte sogar Schreckschusswaffen im Gepäck – vermutlich, um die Silvesternacht noch etwas „authentischer“ zu gestalten. Ganz großes Kino, nur halt in der Nebenrolle „Gefahr für sich und andere“.
Ruhestörungen gab’s natürlich auch – eine Tradition, die man in Hilden pflegt wie andere ihren Weihnachtsbaum. Und weil’s in dieser Nacht ja ohnehin selten um Logik geht, richtete sich mindestens ein Feuer gezielt gegen einen Stromverteiler. Die Folge: ein geräumtes Mehrfamilienhaus, ein kleiner Schock, aber immerhin kein neues Jahr im Dunkeln.
Unterm Strich bleibt ein klarer Eindruck: Viel Polizei, wenig Chaos. Statt flächendeckendem Ausnahmezustand gab’s eine Silvesternacht mit kontrolliertem Knalleffekt. Vielleicht war’s die Präsenz der Ordnungshüter, vielleicht auch einfach ein kollektives „Lass uns dieses Jahr nicht übertreiben“-Gefühl. Oder die Leute waren einfach zu sehr mit Raclette beschäftigt, um Pyrotechnik gegen Infrastruktur einzutauschen.
So oder so: Hilden startet 2026 ohne größere Schäden – mit einer Stadt, die es geschafft hat, das neue Jahr mit etwas weniger Drama, aber gewohnt viel Müllqualm zu begrüßen. Und ganz ehrlich: Das ist doch auch mal ein Fortschritt.
Freitag, 2. Januar 2026
2.1.2026: Blitzerliebe in Hilden – Wenn’s einmal klick macht
Es gibt Städte, in denen blühen die Kirschbäume im Frühling, in anderen funkeln Weihnachtsmärkte zur Adventszeit – und dann ist da Hilden. Dort blühen die Blitzer. Und zwar das ganze Jahr. 6904-mal hat es 2025 „Klick!“ gemacht – nicht für Instagram, sondern für Flensburg.
Man muss der Stadt fast danken: Hilden selbst bleibt fein raus. Die Mitarbeitenden des Ordnungsamts kümmern sich nur um den ruhenden Verkehr – also um das, was steht. Für alles, was rollt, flitzt und rast, sind der Kreis Mettmann und die Polizei zuständig. Vielleicht ist das auch besser so – so kann man sich wenigstens noch im Parkverbot entspannt das Brötchen holen, ohne gleichzeitig mit 53 km/h durch die Fußgängerzone zu donnern.
Die Zahlen sprechen für sich: 6177 Raser gingen dem Kreis bis Ende November ins Netz, die Polizei steuerte noch 727 dazu bei. Macht zusammen: eine fast schon olympisch anmutende Leistung der Hildener Raserei – rund 6900 Temposünder. Offenbar kann man in der Itterstadt nicht nur gut wohnen, sondern auch hervorragend beschleunigen.
Die Lieblingsstelle für Tempofetischisten scheint der Ostring zu sein – dort thronen zwei stationäre Blitzer wie die bösen Zwillingsonkel, die einem beim Familienfest heimlich das Geld aus dem Portemonnaie ziehen. Und wer denkt, er könne einfach woanders Gas geben: Denkste! An über 30 weiteren Stellen lauern semistationäre „Trailer“ und mobile Messanlagen – quasi die Foodtrucks des Temporegimes, nur mit weniger Burger und mehr Bußgeld.
Apropos Bußgeld: Bei bis zu 10 km/h zu schnell gibt’s für schlanke 30 Euro einen netten Gruß nach Hause. Wer dagegen den Bleifuß ernst nimmt und mehr als 25 km/h übermütig unterwegs ist, zahlt bis zu 800 Euro, kriegt Punkte und darf drei Monate lang den Busfahrplan studieren. Das ist dann auch für Kölner Gäste spürbar: Einer wurde mit 93 Sachen auf der Elberfelder Straße geblitzt, erlaubt waren 70. Nach Toleranzabzug blieb eine runde 20er-Überschreitung und 60 Euro Strafe. Billiger ist es nur beim Schwarzfahren – aber da gibt’s auch kein schönes Foto dazu.
Und wie viel Geld spült das alles in die Kassen? Die Polizei winkt ab – ihre Kassen bleiben leer, die Kohle geht ins Land. Aber selbst wenn Hilden nichts daran verdient: Einen Ruf als Tempoluxusdestination hat sich die Stadt redlich erarbeitet. Wer also mal wieder das Gefühl vermisst, lebendig zu sein – einfach ins Auto setzen, kurz aufs Gaspedal tippen, und zack ist die Erinnerung gesichert. Für mindestens drei Jahre.
Hilden – wo jeder zweite Ausflug mit einem Blitzer-Selfie endet. Wer braucht schon Influencer, wenn der Kreis Mettmann alles dokumentiert?
Donnerstag, 1. Januar 2026
1.1.2026: Hilden 2025 – Ein Jahr wie ein Netflix-Serienmarathon
Wenn man dachte, Hilden sei nur ein beschauliches Städtchen mit Blitzer-Romantik und gutbürgerlicher Küche, dann hat man 2025 offenbar im Tiefschlaf verbracht. Die Klickzahlen auf der Website der Rheinischen Post zeigen deutlich: In Hilden war ordentlich was los – ein Best-of voller Drama, Action, Herzschmerz und einem tierischen Hauptdarsteller.
Auf Platz 1 der meistgelesenen Beiträge thronte der ganz große Straßen-Blockbuster: Ein umgekippter Gefahrguttransporter auf der A46 – Feuer, Sperrung in beide Richtungen, medizinische Versorgung im Stau, Apokalypse light. Die Autobahn wurde zum Standstreifen des Schicksals. Wer da nur kurz zu Ikea wollte, bekam gratis einen Crashkurs in Geduld, Panik und Radioprogrammen von vor fünf Jahren. Verkehrs-Drama mit allem Drum und Dran – Hollywood hätte es nicht besser inszeniert.
Direkt dahinter auf Platz 2: der kollektive Silvester-Stress. Offensichtlich ist es einfacher, einen Gefahrgutbrand zu löschen, als zu entscheiden, ob man an Silvester lieber zur 90er-Party oder zur Ü-30-Schlager-Extravaganza geht. Kein Wunder, dass die Veranstaltungstipps rund um den Jahreswechsel mehr geklickt wurden als die Haushaltsrede des Bürgermeisters – Stimmung statt Statistik, so tickt der Mensch.
Platz 3 wurde dann emotional. Rusty, die französische Bulldogge mit tragischer Hintergrundstory, wurde vorm Tierheim ausgesetzt – mit Napf, Decke und Abschiedsbrief. In einer Stadt, in der selbst die Blitzer seelenlos auslösen, traf Rusty mitten ins Herz der Leser. Vergesst Romeo und Julia – das war das echte Drama 2025.
Es folgte Action der anderen Art: Ein Discounterbrand auf Platz 4, Razzien bei illegalem Zigarettenhandel auf Platz 5. Wer dachte, „Marlboro Man“ sei ausgestorben, hat offenbar nicht mit dem Zoll gerechnet. Mehr als zehn Millionen unversteuerte Zigaretten – da fragt man sich schon, ob in Hilden heimlich an der Weltherrschaft des Tabaks gearbeitet wurde.
Und dann: Essen! Denn zwischen Feuer, Drogen und Hundeschicksalen interessiert die Hildener doch noch etwas ganz Bodenständiges – wo es ordentlich was zu futtern gibt. Die gutbürgerliche Küche eroberte Platz 6 und beweist: Egal wie viel Krimi in der Stadt tobt, ein Jägerschnitzel mit Bratkartoffeln bringt alles wieder ins Lot.
Dunkler wurde es auf Platz 7: Ein Juwelier wurde gleich zweimal Opfer von Einbrüchen, erst mit Rammbock, dann mit Déjà-vu. Die Bürger? Verängstigt. Die Polizei? Alarmiert. Und die Redaktion? Klickzahlen-technisch glücklich.
Abgeschlossen wurde das Jahr mit einem bitteren Rekord: Hilden liegt laut Statistik bei der Kriminalität ganz vorne im Kreis. Ob das nun an der Polizeiarbeit, der Klickgier oder den tatsächlichen Zuständen liegt – das bleibt offen. Sicher ist nur: Wenn das so weitergeht, braucht Hilden bald einen eigenen „Tatort“. Titelvorschlag: „Blitzlicht und Blaulicht“.
2025 war also kein Jahr für schwache Nerven – aber ganz sicher eins mit vielen Geschichten. Und wer in Hilden lebt, weiß jetzt: Man braucht keinen Streamingdienst. Man muss nur die Lokalnachrichten lesen.