Dienstag, 27. Oktober 2026

27.10.2026: E-Scooter in Hilden – oder: Wenn das Rathaus gegen Raser postet

Ich liebe unsere Hildener Innenstadt. Durch die Mittelstraße schlendern, Bekannte treffen, einen Kaffee trinken und einfach das Leben genießen. Nur sollte man inzwischen offenbar auch den rückwärtigen Verkehr im Blick behalten. Denn manche E-Scooter-Fahrer verwechseln unsere Fußgängerzone anscheinend mit einer Rennstrecke.

Immer mehr Hildener beschweren sich über rücksichtslose Fahrer. Und ich finde, die Beschwerden verdienen eine ernsthafte Reaktion. Schließlich sollen sich ältere Menschen, Familien mit Kindern und alle anderen Fußgänger sicher durch unsere Innenstadt bewegen können.

Die Stadt hat jetzt Maßnahmen angekündigt: eine Social-Media-Kampagne, zusätzliche Verbotsschilder und Gespräche des Ordnungsamtes mit überwiegend jugendlichen E-Scooter-Fahrern.

Ich musste beim Lesen tatsächlich schmunzeln. Da beschweren sich Bürger über gefährliche Situationen in der Fußgängerzone, und die Antwort lautet erst einmal: Wir posten etwas im Internet und stellen weitere Schilder auf.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Aufklärung ist sinnvoll. Aber wer heute schon ein bestehendes Verbot ignoriert, wird morgen kaum ehrfürchtig vor einem zusätzlichen Schild abbremsen. Und ob ein Instagram-Beitrag jemanden zur Vernunft bringt, der gerade mit dem E-Scooter durch die Mittelstraße flitzt, wage ich zu bezweifeln.

Besonders interessant finde ich den Hinweis auf die Zuständigkeiten. Für den fließenden Verkehr ist die Polizei verantwortlich, erklärt die Stadt. Das stimmt. Nur hilft diese Erklärung einem Fußgänger wenig, der gerade zur Seite springen musste. Zuständigkeiten sind wichtig, aber sie ersetzen keine wirksame Lösung.

Immerhin hat die Polizei bei einem Schwerpunkteinsatz im Oktober 13 Verstöße geahndet. Das ist ein Anfang. Allerdings kostet das unerlaubte Fahren auf entsprechenden Verkehrsflächen gerade einmal 15 Euro. Wer Regeln bewusst ignoriert, dürfte davon kaum nachhaltig beeindruckt sein.

Ich hätte mir deshalb eine konkretere Antwort gewünscht: Wie sollen Stadt und Polizei ihre Kontrollen künftig abstimmen? Wird regelmäßig an den bekannten Problemstellen kontrolliert? Und woran will man erkennen, ob die angekündigten Maßnahmen tatsächlich etwas bewirken?

Denn genau daran fehlt es mir. Eine Kampagne lässt sich schnell ankündigen, ein Schild ebenso schnell aufstellen. Ob dadurch weniger Menschen gefährdet werden, ist eine ganz andere Frage.

Ich habe nichts gegen E-Scooter und schon gar nichts gegen Jugendliche. Aber Rücksichtnahme ist keine freiwillige Zusatzfunktion, die man bei Bedarf einschaltet. Sie gehört zum Straßenverkehr dazu.

Meine Hildener Fanbrille bleibt deshalb skeptisch. Ich wünsche mir eine lebendige, moderne Innenstadt – aber keine, in der Fußgänger vor E-Scootern ausweichen müssen, während das Rathaus ihnen auf Instagram erklärt, dass sie eigentlich Vorfahrt haben.

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