Samstag, 31. Oktober 2026

31.10.2026: Stadtmarketing in Hilden – oder: Ein leuchtendes Schild ist noch kein Konzept

Über der Hildener Mittelstraße leuchtet endlich wieder das vertraute „Hilden – was liegt näher“. Ein schöner Anblick, auf den wir lange verzichten mussten. Dass der Stadtmarketingverein die Reparatur bezahlt hat, freut mich besonders. Denn manchmal sind es gerade solche Kleinigkeiten, die unserer Innenstadt ein Stück Identität zurückgeben.

Nur stellt sich ausgerechnet jetzt eine viel größere Frage: Wie geht es mit dem Stadtmarketing in Hilden eigentlich weiter?

Seit die gemeinsame Stadtmarketing-GmbH vor zweieinhalb Jahren stillgelegt wurde, müssen Stadt und Verein ihre Rollen neu finden. Das Rathaus kümmert sich um größere Veranstaltungen, während der ehrenamtlich geführte Verein Projekte wie Blumenampeln, Winterbeleuchtung und eben die Leuchtreklame übernimmt. Vorsitzender Bastian Mey hat mit seinem Team in den vergangenen drei Jahren offenbar viel Zeit damit verbracht, die organisatorischen Hinterlassenschaften der früheren Konstruktion aufzuräumen.

Dafür verdient er Anerkennung. Ehrenamtliche, die sich durch bürokratische Altlasten arbeiten, statt schöne Veranstaltungen zu organisieren, haben wahrlich keinen beneidenswerten Job.

Trotzdem meldet sich meine kritische Hildener Fanbrille. Denn ich frage mich, ob wir uns in Hilden nicht zu sehr damit beschäftigen, wer für welche Veranstaltung, Blumendekoration oder Beleuchtung zuständig ist. Stadtmarketing sollte schließlich mehr sein als die Verwaltung hübscher Details.

Unsere Innenstadt steht vor echten Herausforderungen. Der Einzelhandel verändert sich, attraktive Geschäfte und gastronomische Angebote müssen gehalten oder gewonnen werden, und öffentliche Plätze könnten an manchen Stellen durchaus mehr Aufenthaltsqualität vertragen. Dafür braucht es Ideen, Zusammenarbeit und vor allem eine erkennbare Richtung.

Genau deshalb halte ich den Stadtmarketingverein für wichtig. Seine rund 100 Mitglieder können eine unabhängige Stimme der Händler, Gewerbetreibenden und engagierten Bürger sein. Nicht als Konkurrenz zum Rathaus, sondern als Partner, der auch einmal unbequem nachfragt und eigene Vorschläge entwickelt.

Ende des Jahres sollen die Mitglieder über die künftige Ausrichtung entscheiden und einen neuen Vorstand wählen. Ich hoffe, dass dabei mehr herauskommt als eine neue Aufgabenverteilung. Eine Mitgliederbefragung wäre ein guter Anfang. Noch wichtiger wäre allerdings, aus den Ergebnissen konkrete Projekte zu machen.

Denn Hilden braucht keine zweite städtische Veranstaltungsabteilung. Unsere Stadt braucht Menschen, die sich mit Leidenschaft für eine lebendige Innenstadt einsetzen und dabei auch den Mut haben, eingefahrene Wege infrage zu stellen.

Ich freue mich, dass das Leuchtschild wieder hängt. Aber ein leuchtender Schriftzug allein bringt noch keine neuen Ideen in die Mittelstraße. „Hilden – was liegt näher“ ist ein schönes Versprechen. Jetzt muss das Stadtmarketing nur noch zeigen, was dahintersteckt.

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