An der A3 sind wir Hildener einiges gewohnt. Stau, Baustellen, Lärm – und demnächst vielleicht noch eine CO₂-Pipeline. Die geplante Leitung des „Delta Rhine Corridor“ soll nach den bisherigen Planungen in Hilden entlang der Autobahn verlaufen. Und wenn in Hilden die Wörter „Großprojekt“ und „Trassenführung“ gemeinsam auftauchen, lohnt es sich erfahrungsgemäß, genauer hinzuschauen.
Genau das können die Hildener jetzt tun. Die Öffentlichkeitsbeteiligung ist gestartet, die Planungsunterlagen sind einsehbar und bis zum 26. Oktober können Stellungnahmen abgegeben werden. Geplant wird die rund 200 Kilometer lange Rohrfernleitung von Open Grid Europe. Sie soll CO₂, das bei bestimmten industriellen Produktionsprozessen abgeschieden wird, in die Niederlande und von dort weiter zu Speicherstätten in der Nordsee transportieren.
Auf der Karte wirkt die Sache zunächst vergleichsweise ordentlich. In Hilden soll die Leitung parallel zur Autobahn verlaufen. Nur ist dort bereits ein weiteres Großprojekt geplant: der Ausbau der A3. Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, wie beide Vorhaben zusammenpassen und was sie gemeinsam für das Stadtgebiet bedeuten.
Die Stadt sieht die Planung kritisch. Bürgermeister Claus Pommer fragt unter anderem, weshalb eine linksrheinische Alternative offenbar nicht ernsthaft weiterverfolgt werde und warum die Leitung durch einen dicht besiedelten Raum wie Hilden führen solle. Außerdem sei bislang nicht nachvollziehbar dargelegt worden, wie Pipeline und Autobahnausbau miteinander vereinbar sind.
Das sind Fragen, die sich auch ohne grundsätzliche Position zur CO₂-Speicherung stellen lassen. Denn über Sinn und Notwendigkeit einer solchen Infrastruktur kann man ausführlich diskutieren – die konkrete Trasse ist eine andere Frage. Und für uns Hildener ist am Ende ziemlich entscheidend, wo gebuddelt wird, wie lange gebuddelt wird und was danach noch alles gebuddelt werden muss.
Immerhin befinden wir uns noch nicht an dem Punkt, an dem jemand mit dem Bagger vor der Tür steht. Die konkrete Trassenführung soll erst in einem späteren Zulassungsverfahren festgelegt werden. Wer Hinweise, Anregungen oder Bedenken hat, kann sie jetzt offiziell einbringen – also besser, bevor irgendwann Markierungspfähle auftauchen und in der Hildener Facebook-Gruppe die erste Frage gestellt wird: „Weiß jemand, was die da schon wieder machen?“
So bekommt Hilden möglicherweise ein weiteres Infrastrukturprojekt, das auf einer Karte zunächst nur wie eine Linie aussieht. Vor Ort wird aus solchen Linien erfahrungsgemäß schnell etwas deutlich Konkreteres.
Über eine Trasse diskutiert es sich am besten, bevor sie vor der eigenen Haustür liegt.
Sonntag, 27. September 2026
27.9.2026: CO₂ unter Hilden – oder: Jetzt bekommt sogar die A3 eine Unterführung
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