Freitag, 25. September 2026

25.9.2026: Drei Monate Pause – oder: Hilden spart jetzt mit unbesetzten Schreibtischen

Bei der Stadt Hilden arbeiten viele Menschen. Sehr viele sogar. Zum 30. Juni waren es 1.182, wobei 74 ehrenamtliche Kräfte mitgezählt werden. Ohne sie bleiben 1.108 Beschäftigte. Gleichzeitig ist ungefähr jede zwanzigste vorgesehene Stelle unbesetzt. Normalerweise würde man an dieser Stelle über Fachkräftemangel sprechen. In Hilden bekommt die freie Stelle derzeit allerdings noch eine zweite Funktion: Sie hilft beim Sparen.

Denn seit Mitte März gilt grundsätzlich eine dreimonatige Wiederbesetzungssperre. Wird eine Stelle frei, kommt nicht sofort jemand Neues. Erst einmal wartet Hilden. Ausgenommen sind verständlicherweise Bereiche, in denen längeres Warten keine besonders gute Idee wäre: Feuerwehr und Rettungsdienst, Kinderbetreuung und Kinderschutz. Beim Rest lautet die neue Personalstrategie vereinfacht: Bevor wir jemanden einstellen, schauen wir drei Monate lang, ob es vielleicht auch so geht.

Finanziell funktioniert das zunächst tatsächlich. Die Stadt hatte bei den Personalkosten eine Überschreitung des Haushaltsansatzes von rund 671.000 Euro erwartet. Durch die verzögerte Wiederbesetzung konnte diese Prognose auf etwa 290.000 Euro gedrückt werden. Rechnerisch sind das rund 381.000 Euro weniger. Angesichts der Hildener Haushaltslage ist das kein Kleingeld. Die Personalausgaben werden inzwischen sogar monatlich statt nur quartalsweise kontrolliert. Wenn Hilden irgendwo konsequent beschleunigt, dann derzeit offenbar beim Blick auf die Kosten.

Allerdings hat diese Rechnung eine zweite Seite. Eine unbesetzte Stelle kostet zwar kein Gehalt, erledigt aber auch keine Arbeit. Die verschwindet schließlich nicht automatisch zusammen mit dem Namen auf dem Türschild. Entweder sie bleibt liegen, wird später erledigt oder landet bei den Kolleginnen und Kollegen. Drei Monate Wiederbesetzungssperre sind deshalb nicht einfach drei Monate Einsparung, sondern möglicherweise auch drei Monate zusätzliche Belastung an anderer Stelle. Spätestens wenn Bürger länger auf eine Antwort, einen Termin oder eine Bearbeitung warten, bekommt die Personalpolitik ein Gesicht.

Interessant ist auch die Struktur der Stadtverwaltung. Der Stellenplan umfasst rechnerisch 902 Vollzeitstellen, tatsächlich arbeiten deutlich mehr Menschen für die Stadt, weil viele Stellen geteilt werden. 44 Prozent der Beschäftigten auf Planstellen arbeiten in Teilzeit. Das liegt nicht nur an persönlichen Arbeitszeitmodellen, sondern auch daran, dass etwa im Offenen Ganztag, in Küchen oder an der Musikschule Tätigkeiten von vornherein als Teilzeitstellen vorgesehen sind. Hinzu kommen 59 Ausbildungs-, Praktikums- und Freiwilligendienstverhältnisse. Nachwuchs gibt es also weiterhin, wenn auch weniger als im Vorjahr.

Und während Hilden versucht, mit dreimonatigen Stellenpausen einige Hunderttausend Euro einzusparen, wartet im Hintergrund möglicherweise eine ganz andere Hausnummer. Sollte Nordrhein-Westfalen die Beamtenbesoldung infolge der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts anpassen, rechnet die Stadt mit zusätzlichen Belastungen von bis zu zwei Millionen Euro jährlich. Das wäre kommunale Finanzmathematik in ihrer schönsten Form: Vorne spart man 381.000 Euro durch später besetzte Stellen, während hinten möglicherweise zwei Millionen Euro zusätzliche Kosten durch die Tür kommen.

Genau darin liegt das eigentliche Problem. Personalkosten lassen sich kurzfristig bremsen, eine Verwaltung lässt sich aber nicht beliebig verkleinern, ohne dass es irgendwann im Alltag bemerkbar wird. Hilden braucht schließlich weiterhin Erzieher, Feuerwehrleute, Verwaltungsmitarbeiter, Sozialarbeiter, Ingenieure und all die anderen Menschen, die dafür sorgen, dass eine Stadt funktioniert. Sparen durch Nichtbesetzen kann deshalb ein Instrument sein. Ein dauerhaftes Personalkonzept ist es nicht.

Für uns Hildener wird am Ende ohnehin eine andere Frage entscheidend sein: Merken wir etwas davon? Solange Anträge bearbeitet, Kitas betrieben, Straßen geplant und Dienstleistungen erbracht werden, bleibt die Wiederbesetzungssperre vor allem eine Zahl im Personalbericht. Wenn die Wartezeiten steigen, wird aus dieser Zahl ziemlich schnell eine Alltagserfahrung.

Und damit hat Hilden eine bemerkenswert einfache Sparmethode entdeckt: Die günstigste Stelle im Rathaus ist momentan die, auf der drei Monate lang niemand sitzt.

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