Wer regelmäßig über den Fritz-Gressard-Platz läuft, kennt das: In der Hildener Gastronomie muss man gelegentlich genau hinschauen, ob hinter einer neuen Fassade wirklich etwas Neues steckt. Beim früheren „China Paradies“ ist die Antwort diesmal: ja und nein. Die Familie Jin ist geblieben, das Restaurant heißt seit dem 12. September „Ikigaii – Koreanisches BBQ Restaurant“ – und am Tisch wird jetzt selbst gegrillt.
Das hat durchaus seinen Reiz. Chinesische Buffets gibt es rund um Hilden schließlich einige. Also versucht die Familie Jin etwas anderes: Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte kommen vom Buffet, anschließend übernimmt der Gast am Tischgrill. Damit erreicht auch Hilden einen interessanten Punkt gastronomischer Entwicklung: Wir gehen ins Restaurant, bezahlen fürs Essen – und dürfen es anschließend selbst zubereiten. Früher hätte man das Arbeit genannt, heute heißt es Erlebnisgastronomie.
Ganz verschwunden ist das alte China Paradies allerdings nicht. Chinesische Gerichte bleiben auf der Karte und beim Mittagsbuffet, das montags bis samstags von 11.30 bis 14.30 Uhr für 12,90 Euro angeboten wird. Abends wird es koreanischer: Das BBQ-Buffet kostet 35,90 Euro und enthält Bier, Softdrinks, Säfte und Tee. Wein und Cocktails muss man extra bestellen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass das Konzept in Hilden funktioniert. Denn wir Hildener beschäftigen uns bekanntlich gerne selbst mit den Dingen. Wir begutachten neue Straßenmarkierungen, zählen Parkplätze, prüfen Baustellenfortschritte und wissen meistens ziemlich genau, wo gerade wieder ein Schild aufgestellt wurde. Da sollte es uns nicht überfordern, zusätzlich die Verantwortung für ein Stück Fleisch auf einem Tischgrill zu übernehmen.
Der große Vorteil: Beim koreanischen BBQ sind die Zuständigkeiten wenigstens eindeutig. Ist das Fleisch zu roh, muss es länger auf den Grill. Ist es schwarz, lag es zu lange drauf. Eine Anfrage bei der Stadtverwaltung, welcher Fachbereich zuständig ist, dürfte sich damit erübrigen.
Interessant ist auch, wie international ein einzelnes Restaurant am Fritz-Gressard-Platz inzwischen daherkommt. Das frühere China Paradies bietet weiterhin chinesisches Mittagessen, setzt abends auf koreanisches Barbecue und trägt mit „Ikigaii“ einen Namen, der an den japanischen Begriff „Ikigai“ erinnert. Man muss Hilden für eine kleine kulinarische Asienreise also nicht einmal verlassen. Es reicht, in die Innenstadt zu fahren und einen Parkplatz zu finden – womit wir dann doch wieder bei einer typisch Hildener Herausforderung wären.
Mir gefällt vor allem, dass hier nicht einfach nur das Schild ausgetauscht wurde. Die Betreiber probieren etwas Neues aus, ohne alles Alte über Bord zu werfen. Gerade in einer Innenstadt, in der über Leerstände und Gastronomie regelmäßig gesprochen wird, ist das erst einmal eine erfreuliche Bewegung: Ein bestehendes Restaurant entwickelt sich weiter und versucht, den Gästen einen Grund zu geben, wiederzukommen.
Und vielleicht ist das koreanische BBQ sogar genau das richtige Restaurantkonzept für Hilden. Jeder bekommt seinen eigenen Grill, jeder darf selbst entscheiden – und anschließend kann am Tisch ausführlich darüber diskutiert werden, ob die anderen es richtig gemacht haben.
Mittwoch, 23. September 2026
23.9.2026: Paradies war gestern – oder: Hilden grillt jetzt selbst
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