Samstag, 26. September 2026

26.9.2026: Die Hoppedine kommt nach Hause – oder: Hilden darf wieder draußen jeck sein

Ich finde, der Hildener Karneval gehört am 11.11. auf den Alten Markt. Nicht weil dort zwingend die besten Bedingungen herrschen, sondern weil Karneval gesehen werden muss. Zwei Jahre lang erwachte die Hoppedine in der Stadthalle, jetzt holt das Carnevals Comitee Hilden sie zurück ins Herz der Innenstadt. Am 11. November um 16.30 Uhr geht es los – und wer eigentlich nur durch die Mittelstraße wollte, könnte plötzlich mitten in der neuen Session stehen.

Genau das ist gewollt. Das CCH möchte ausdrücklich nicht nur die überzeugten Karnevalisten erreichen, sondern auch diejenigen, die zufällig vorbeikommen, stehen bleiben und vielleicht doch ein bisschen mitfeiern. Das gefällt mir. Karneval funktioniert schließlich besser, wenn er sich nicht hinter Türen versteckt. Auf dem Alten Markt kann man schlecht behaupten, man habe von der Sessionseröffnung nichts mitbekommen.

Dabei stand vor wenigen Monaten noch gar nicht fest, ob in Hilden überhaupt alles wie gewohnt weitergeht. Der bisherige CCH-Vorstand trat nicht mehr zur Wiederwahl an, erst nach mehreren Anläufen fand sich eine neue Mannschaft. Seit Ende Juni führen Präsidentin Miriam Ksionzek, Geschäftsführerin Sonja Lange-Sangiorgi und ihre Mitstreiter das CCH. Viel Zeit zum gemütlichen Einarbeiten blieb ihnen nicht. Während andere neue Vorstände vermutlich erst einmal Passwörter ändern und Ordner sortieren, mussten sie praktisch sofort den Hildener Karneval retten.

Am 11.11. stehen nun wieder die Hoppedine, die CCH-Flöhe, die Musketiere und die Tanzgarde der Großen Hildener KG auf dem Programm, dazu legt DJ Frank auf. Clever ist auch die Uhrzeit. Früher nahm man sich für den 11.11. offenbar noch frei, heute kollidiert der Karneval mit etwas ausgesprochen Unnärrischem: dem normalen Arbeitstag. Deshalb beginnt das Programm erst am späten Nachmittag. Auch die Kinder sollen nicht früher aus der Schule geholt werden. Selbst der Hildener Karneval muss inzwischen Work-Life-Balance können.

Besonders gespannt darf man wieder auf Stephanie „Fanni“ Pook sein. Die Hildener Hoppeditz-Figur ist bekanntlich weiblich, also Hoppedine, und Fanni übernimmt die Rolle erneut. Sie gilt als jemand, der in seiner Rede lokale Themen gerne dort anfasst, wo es ein bisschen wehtut. Stoff dürfte vorhanden sein. Tempo 30 allein könnte vermutlich für eine komplette Büttenrede reichen. Und wenn das nicht genügt, gibt es in Hilden bekanntlich jederzeit Nachschub aus Rathaus, Verkehr und Kommentarspalten.

Drei Tage später geht es bereits in der Stadthalle weiter. Am 14. November werden Prinz Hildanus Eugen I. und Prinzessin Hildania Julia I. sowie das Kinderprinzenpaar Finja und Till vorgestellt. Besonders ist die Session auch deshalb, weil Finja und Till das 55. Hildener Kinderprinzenpaar bilden und die Große Hildener KG ihren 7x11. Geburtstag feiert. Wer mit karnevalistischer Mathematik nicht vertraut ist: 7x11 ist selbstverständlich bedeutender als 77. In diesen Dingen sollte man dem Rheinland einfach vertrauen.

Hinter der ganzen Fröhlichkeit steckt allerdings viel Arbeit – und zunehmend viel Geld. Das CCH kämpft mit steigenden Kosten für Sicherheitsauflagen und Wurfmaterial, während Zuschüsse keineswegs selbstverständlich sind. Ob und in welchem Umfang die Stadt den Karneval 2027 unterstützen kann, ist angesichts der angespannten Haushaltslage noch offen. Das Sessionsheft mit seinen Sponsoreneinnahmen wird deshalb wichtiger, um unter anderem den Rosenmontagszug zu finanzieren. Und wer sich anschließend in sozialen Medien darüber beschwert, dass beim Zug zu wenig oder nicht die richtigen Kamelle geworfen wurden, sollte vielleicht daran denken: Das Zeug fällt tatsächlich nicht vom Himmel. Bezahlt wird vieles von den Menschen auf den Wagen selbst.

Vielleicht ist genau das der Teil des Karnevals, den man als Zuschauer leicht übersieht. Wir sehen Musik, Kostüme, Tanzgruppen, Prinzenpaar und Rosenmontagszug. Dahinter stehen Menschen, die ehrenamtlich organisieren, Sponsoren suchen, Sicherheitsauflagen erfüllen, Wurfmaterial kaufen und dafür sorgen, dass am Ende überhaupt etwas stattfinden kann. Der neue CCH-Vorstand ist dafür in diesem Jahr ziemlich kurzfristig ins kalte Wasser gesprungen.

Umso schöner, dass die neue Session dort beginnt, wo Hildener Stadtleben hingehört: mitten in der Innenstadt. Man muss nicht einmal überzeugter Jeck sein. Einfach am 11.11. gegen halb fünf über den Alten Markt gehen und schauen, was passiert.
 

Und wenn Fanni dann noch Tempo 30 aufs Korn nimmt, hat Hilden endgültig alles zusammen, was es für einen gelungenen Nachmittag braucht: Karneval, Innenstadt und eine Verkehrsdiskussion. Helau.

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