Es gibt Statistiken, bei denen man nach der ersten Zahl zufrieden nickt und nach der zweiten gleich wieder etwas vorsichtiger wird. Der Hildener Arbeitsmarkt liefert im September genau so einen Fall. In unserer Stadt sind aktuell 1.919 Menschen arbeitslos – 103 weniger als noch im August und sogar 83 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote ist von 6,6 auf 6,2 Prozent gesunken. Das ist erst einmal eine gute Nachricht.
Ganz so eindeutig ist das Bild allerdings nicht. Denn während weniger Menschen arbeitslos sind, gibt es gleichzeitig auch weniger offene Stellen. Für Hilden und Haan zusammen sind derzeit 441 freie Arbeitsplätze gemeldet. Das sind 76 weniger als vor einem Jahr. Im September kamen 102 neue Stellenangebote hinzu, ebenfalls weniger als im Vorjahresmonat. Der Arbeitsmarkt bewegt sich also in eine Richtung, die auf den ersten Blick etwas widersprüchlich wirkt: weniger Arbeitslose, aber eben auch weniger Auswahl für diejenigen, die gerade einen neuen Job suchen.
Die Agentur für Arbeit bewertet den Rückgang trotzdem als ermutigendes Signal. Ein Teil davon ist saisonal üblich, besonders erfreulich sei aber die Entwicklung bei jungen Menschen. Viele finden nach ihrer Ausbildung offenbar schnell eine Anschlussbeschäftigung. Für Hilden selbst fällt die Septemberbilanz dabei sogar besser aus als für die Nachbarstadt. Während hier 103 Menschen weniger arbeitslos gemeldet sind als im August, stieg die Zahl in Haan leicht um fünf. Interessanterweise landen beide Städte trotzdem bei derselben Arbeitslosenquote von 6,2 Prozent.
Für Hilden bedeutet das: Die Lage hat sich verbessert, von einem Arbeitsmarkt im großen Aufschwung kann aber noch keine Rede sein. Gerade die geringere Zahl gemeldeter Stellen zeigt, dass die Unternehmen weiterhin vorsichtig sind. Wer derzeit Arbeit sucht, trifft zwar auf einen stabileren Arbeitsmarkt, aber nicht unbedingt auf ein wachsendes Angebot.
Und Zahlen erzählen ohnehin immer nur einen Teil der Geschichte. Hinter den 1.919 Arbeitslosen stehen Menschen, für die eine sinkende Quote ziemlich nebensächlich ist, solange der eigene Arbeitsvertrag fehlt. Umgekehrt sind 441 offene Stellen für Hilden und Haan nicht automatisch 441 passende Stellen. Ein freier Arbeitsplatz hilft schließlich wenig, wenn Qualifikation, Arbeitszeit oder Beruf nicht zusammenpassen.
Trotzdem darf man sich über die Septemberzahlen freuen. 103 Hildener weniger in Arbeitslosigkeit innerhalb eines Monats sind eine Entwicklung in die richtige Richtung. Und vielleicht ist das diesmal eine jener seltenen lokalen Statistiken, bei denen wir nicht sofort nach Baustelle, Haushaltsloch oder neuem Verkehrsschild suchen müssen.
Ganz ohne Hildener Aber geht es natürlich trotzdem nicht: Die Arbeitslosenquote sinkt, gleichzeitig schrumpft das Stellenangebot.
Oder anders gesagt: In Hilden haben gerade mehr Menschen Arbeit – nur die Auswahl für die Nächsten wird kleiner.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen