Wenn der Sommer sich langsam verabschiedet, die Blätter bunt werden und der erste Kürbis verstohlen vor der Haustür lauert, dann weiß der geübte Rheinländer: Es ist wieder Zeit für den alljährlichen Hildener Herbstmarkt – jenes traditionsreiche Fest, bei dem man gleichzeitig Kastanienbrot kauen, einen E-SUV probesitzen und am Sonntag legal Socken kaufen darf.
Am 6. und 7. September verwandelt sich die Hildener Innenstadt also wieder in eine Art Jahrmarkt für Erwachsene mit Shoppingbedarf, Gartenhunger und leichtem Oktobervorfreude-Kribbeln. Es wird geschlendert, geschnuppert, geschlemmt und – ganz neu im Sortiment – gestaunt. Denn auf dem Nové-Město-Platz kehrt die Autoshow zurück, und mit ihr rund 120 Modelle, viele davon elektrisch. Damit auch Oma Hilde mitbekommt, dass der Diesel langsam ein Auslaufmodell ist, während der Nachbar bereits geräuschlos zur Arbeit gleitet – und das mit Sitzheizung.
Veranstaltungsprofi Georg Ott, der die ganze Nummer zusammen mit seiner Firma stemmt, lässt verlauten, dass dieses Jahr alles noch schöner, bunter und herbstlicher wird. Blumendeko, kreative Stände und kulinarische Verlockungen sollen auch den letzten Marktmuffel aus dem Sessel heben. Angeblich gibt es sogar Händler, die sich trauen, direkt vor ihrem eigenen Laden aufzubauen – ein fast schon revolutionäres Konzept.
Citymanagerin Tanja de Vries verspricht gewohnt nordrheinwestfälisch-pragmatisch ein "entspanntes Einkaufserlebnis", was in Hilden ungefähr so viel bedeutet wie: Es wird rappelvoll, die Parkplätze sind ab 10 Uhr dicht, aber alle haben gute Laune, weil es Crêpes gibt und die Kinder am Stand mit den Holzflöten beschäftigt sind.
Das eigentliche Highlight aber ist – man ahnt es – der verkaufsoffene Sonntag. Am 7. September öffnen die Geschäfte von 13 bis 18 Uhr, was einer kleinen kulturellen Sensation gleichkommt. Wer also sonntags normalerweise zwischen Tatort-Wiederholung und Sofaschlaf pendelt, hat hier die Chance, sich ein Paar Übergangsschuhe, eine neue Thermoskanne oder eine spontane Strickjacke zu gönnen. Und falls man dabei noch ein bisschen E-Mobilität einatmen möchte – bitte sehr: Die Autohändler stehen parat, mit glänzenden Felgen, aufgeladenen Akkus und einem Lächeln, das zwischen Ladekabel und Leasingvertrag changiert.
Wer es an diesem Wochenende also nicht in die Hildener Innenstadt schafft, verpasst nicht nur den Duft von gebrannten Mandeln und Motorpolitur, sondern auch das unbeschreibliche Gefühl, wenn sich herbstliche Dekoration, hungrige Spaziergänger und Kaufrausch zu einem einzigen flauschigen Nebel aus Konsum und Kürbis vermengen.
Hilden – wo der Herbst nicht einfach nur beginnt, sondern in Blätterteig gewickelt, mit Motoröl beträufelt und mit 19 Prozent Rabatt serviert wird.
Donnerstag, 28. August 2025
28.8.2025: Herbstlich durchgedreht: Wie Hilden mit Kürbis, Karossen und Kauflust die Sinne vernebelt
Montag, 25. August 2025
25.8.2025: Dötzchen, Deko und Druck: Warum die Einschulung die neue Hochzeit ist
Früher bekam man zur Einschulung eine Schultüte mit ein paar Stiften, einem Radiergummi, vielleicht einem Überraschungsei – und fertig war die Laube. Heute hingegen wirkt der erste Schultag wie eine Mischung aus Hochzeitsmesse, Designer-Laufsteg und Survival-Ausrüstungstest. Der Ranzen kostet mehr als mein erstes Auto, die Federmappe hat wahrscheinlich eine bessere Garantie als mein Laptop, und der Sportbeutel ist so ergonomisch, dass er dem Kind vermutlich auch noch die Mathehausaufgaben erklärt.
Die Szene im Fachgeschäft sieht dann ungefähr so aus: Mama wählt zwischen „Rückenschonend in Pastell“ und „Superhelden-Edition mit blinkenden LED-Trägern“, Papa schluckt beim Preis und googelt heimlich, ob es irgendwo einen „Ranzen-Leasingvertrag“ gibt, und das Kind besteht darauf, dass Elsa, Stitch oder ein Einhorn auf der Brotdose prangt – sonst wird gestreikt.
Und als ob das nicht reicht, kommt noch die „Hochzeitslogik“ ins Spiel: Geschenke! Früher gab’s vielleicht einen Buntstiftkasten von der Oma. Heute wandert das i-Dötzchen durch einen Geschenkeparcours, der eher an eine Babyshower deluxe erinnert. 200 Euro für Schulanfänger-Geschenke? Kein Problem – schließlich soll der erste Schultag gleich so glamourös sein, dass Hollywood neidisch wird. Vielleicht dauert es nicht mehr lange, bis es bei „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ eine Zusatzfolge gibt: „Eine Einschulung und ein Ranzenkauf“.
Der Handel reibt sich derweil die Hände. Bei Thalia kann man den Schulzettel einfach hochladen – und zack, liegt der fertig gepackte Warenkorb bereit. Müller wirbt mit gelben Westen und „Über-Nacht-Service“ (fast romantisch, oder?), und bei Tedi gibt’s das Sparpaket: Ranzen, Turnbeutel und Federmappe für 30 Euro – vermutlich ohne eingebautes Rückenscanner-System, dafür aber immerhin günstiger als ein Kinoticket mit Popcorn.
Die Moral der Geschichte: Wer sein Kind einschult, braucht nicht nur Nerven, sondern auch ein Budgetplanungs-Excel-Sheet und im besten Fall noch ein Sparkonto. Und vielleicht ist es tatsächlich die neue Hochzeit – nur dass man hier nicht „Ja“ sagt, sondern „Na gut, nehmen wir den mit den Dinosauriern, bevor das Kind die ganze Filiale zusammenschreit“.
Und Hand aufs Herz: Wenn wir ehrlich sind, feiern wir Eltern diesen Tag doch genauso mit wie die Kinder. Nur dass die Kids in die Schule gehen – und wir in die Ratenzahlung.
Samstag, 23. August 2025
23.8.2025: Bye-bye Bonbontempel – Hildens süßer Abschied von der Mittelstraße
Manchmal merkt man erst, was einem fehlt, wenn man plötzlich nicht mehr gegen ein Schaufenster läuft, das früher in grellem Rosa um Aufmerksamkeit schrie. Ja, liebe Hildener, es ist offiziell: Die „Süßwaren-Fabrik“ an der Mittelstraße ist Geschichte. Aus, vorbei, Zuckerwatte ade. Wo einst Gummibärchen-Armeen paradierten und Lakritzstangen lasziv aus Gläsern ragten, gähnt jetzt ein Schaufenster mit dem Charme eines Zahnarztwartezimmers nach Feierabend.
Und das Beste: Selbst die Wirtschaftsförderung hat von diesem Zuckerschock nichts geahnt. „Wir sind selber überrascht“, sagt Amtsleiter Christian Schwenger. Und man fragt sich: Was hat die Süßwaren-Fabrik wohl über Nacht geritten? War es der plötzliche Puddingpreisverfall? Der globale Marshmallow-Markt? Oder hat jemand einfach zu viele Traubenzucker gekauft, und das war’s dann?
Was bleibt, ist eine Lücke – nicht nur in der Ladenzeile, sondern auch im Herzen vieler Naschkatzen. Keine Karamellduftwolken mehr, kein „Ach komm, ein Tütchen geht noch“ beim Vorbeigehen. Stattdessen stehen die Hildener jetzt ratlos vor dem ehemaligen Bonbon-Bollwerk und fragen sich: Kommt da jetzt wieder ein Handyladen? Ein Nagelstudio? Oder – Gott bewahre – einfach gar nichts?
Denn genau das ist ja das größere Drama: Die Mittelstraße kämpft wie ein Teenager mit schlechter Laune – ständig neue Leerstellen, aber keiner weiß so recht, warum. Man hofft, man diskutiert, man schiebt es auf die „Zeitenwende im Einzelhandel“, während irgendwo ein weiterer Schuhladen schließt und durch ein Café mit exakt sieben Pflanzen ersetzt wird.
Was bleibt, ist die bange Frage: Wer füllt diese süße Lücke? Vielleicht ein Pop-up-Konzept für nostalgische Kaugummis? Ein Museum für Lakritzpädagogik? Oder einfach ein Ort, an dem man sich kollektiv daran erinnern kann, wie schön das Leben war, als es noch Himbeerbonbons in Cellophan gab?
Bis dahin heißt es: Trauerarbeit leisten. Vielleicht bei einem letzten Maoam aus der Hosentasche. Oder mit einem stillen Blick durchs Schaufenster – dorthin, wo einst das Paradies war.
Freitag, 22. August 2025
22.8.2025: Eiche, Erhabenheit und ein Hauch von Lackporling – Hilden hat wieder was zum Reden
Es gibt Dinge, die verbinden Menschen auf eine Weise, wie es kein Fußballspiel, kein Schützenfest und kein gemeinsames Warten auf den 782er Bus je könnte. In Hilden ist das – Trommelwirbel, bitte – die Eiche auf dem Alten Markt. Dieser stattliche Baum ist nicht nur Schattenspender, Orientierungspunkt („Ich bin gleich bei der Eiche!“) und inoffizielles Selfie-Motiv für gelangweilte Stadtbummelnde, sondern seit Neuestem auch Zentrum einer kleinen pilzigen Panik.
Denn wie das so ist mit Lokaldramen: Sie beginnen meist unscheinbar – in diesem Fall mit einem Pilz. Kein böser Schimmel, keine Halluzinationen aus dem Feenwald, sondern der bodenständige, fast schon vernünftig klingende Lackporling. Klingt ein bisschen wie ein gescheiterter Pokémon-Charakter, ist aber tatsächlich ein Holzpilz. Und was macht der? Genau – gar nicht mal so viel. Er sitzt da, dekorativ am Stamm der Eiche, und verströmt offenbar vor allem eins: optische Unruhe und emotionales Ungleichgewicht bei besorgten Hildener\*innen.
Die Reaktion der Stadt? Lässig, professionell – ein bisschen wie ein Baumflüsterer auf Valium. Der Pilz sei ungefährlich, die Eiche hart im Nehmen, und sowieso wachse das eigentliche Übel drinnen. Also quasi wie eine Steuererklärung oder die Motivation beim Frühjahrsputz. Man sehe keinen Grund, dem Pilz den Garaus zu machen, und schon gar nicht auf Kosten des Haushaltsplans. Schließlich hat die Stadtverwaltung auch eine Verpflichtung – nicht nur gegenüber dem Baum, sondern auch gegenüber der Wirtschaftlichkeit. Und wenn der Lackporling nicht gleich die Kettensäge verlangt, bleibt er halt ein bisschen.
Bürgermeister Claus Pommer klingt in seiner Stellungnahme ein bisschen wie ein liebevoller Opa, der einem erklärt, dass der alte Gartenzwerg halt schon immer ein bisschen Moos hatte, aber trotzdem dazugehört. Die Eiche bleibe unter Beobachtung, der Zustand werde regelmäßig gecheckt, und überhaupt – man solle sich mal entspannen. Der Baum steht, der Pilz klebt, und beides zusammen ergibt anscheinend ein völlig tragbares Stadtbild mit Naturakzent.
Ob sich jetzt Hildens Kinder neue Horrorgeschichten ausdenken („Wenn du nachts nicht schläfst, kommt der Lackporling und setzt sich auf dein Hausdach!“), bleibt offen. Sicher ist aber: Wer in Hilden über Bäume spricht, spricht über mehr als nur Botanik. Hier geht es um Identität, um Herzblut, um die Frage: Was wäre der Alte Markt ohne seine Eiche? Wahrscheinlich ein bisschen weniger schattig, ein bisschen weniger ikonisch – und deutlich weniger pilzbehaftet.
Bis dahin bleibt uns nur, dem Baum viel Gesundheit zu wünschen, dem Pilz ein bisschen Diskretion – und der Stadtverwaltung ein weiteres Kapitel in der großen Chronik der kommunalen Krisenkommunikation: Pilz-Gate 2025.
Mittwoch, 20. August 2025
20.8.2025: Hilden atmet auf – die Brücke ist wieder da!
Endlich! Die monatelange Zeit der Brücken-Umwege, des orientierungslosen Umherirrens hinter der Stadthalle und der dramatischen „Ich muss jetzt wirklich da rüber!“-Momente ist vorbei. Die Holzbrücke über die Itter – jene architektonische Ikone von vielleicht sieben Metern Länge – ist wieder begehbar. Sanft schimmert das neue Holz in einem frischen Ton, fast wie der Stolz in den Augen eines frisch gebackenen Schreiners. Und die Hildener? Sie laufen drüber. Einfach so. Ohne Bauzaun, ohne Verbotsschild, ohne Indiana-Jones-Gefühle.
Es war eine schwere Zeit. Die Bohlen hatten sich über zwei Jahrzehnte heldenhaft gehalten, doch irgendwann war Schluss. Schraubenköpfe lugten frech aus dem Boden, als wollten sie sagen: „Na, tritt doch drauf, wenn du dich traust!“ Die Stadtverwaltung sagte hingegen: „Nee, machen wir lieber neu.“ Und siehe da – sie hielt Wort! Mitte August, wie versprochen, konnte der Brückenpass freigegeben werden. Das Vertrauen in die kommunale Infrastrukturpolitik hat jetzt sogar wieder eine tragfähige Grundlage. Aus Holz.
Während die alten Bohlen wohl in den wohlverdienten Ruhestand geschickt wurden (vermutlich irgendwo in einem Schrebergarten als romantischer Sichtschutz), betreten Fußgänger nun die neue Brücke wie Pilger den Jakobsweg. Nur kürzer. Und mit Aldi-Tüte statt Wanderstock. Die Itter unter ihnen plätschert sanft, die Vögel zwitschern, und irgendwo flüstert jemand gerührt: „Endlich muss ich keinen Umweg mehr gehen.“
Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer für die Hildener Fußgänger. Man munkelt sogar, jemand habe zur Feier des Tages einen Apfel auf der Brücke gegessen – ganz ohne Eile. Wenn das keine Renaissance der Gemütlichkeit ist!
Bleibt nur zu hoffen, dass der neu entdeckte Stolz auf diese Brücke nicht dazu führt, dass bald Eintritt verlangt oder ein Brückenfest mit Holzbohlen-Polieren veranstaltet wird. Aber selbst dann: Die Hildener wären dabei. Denn in dieser Stadt weiß man jetzt – über die Itter kommt man. Ganz ohne Abenteuer.
Montag, 18. August 2025
18.8.2025: Wenn Hilden tanzt – dann aber richtig!
Also gut, Hilden, zieh deine bequemsten Schuhe an und polier die Tanzsohle – denn es wird getanzt, was das Parkett hält. Oder besser gesagt: was der Dr.-Ellen-Wiederhold-Platz hergibt. Der verwandelt sich nämlich am Sonntag, den 31. August, in eine riesige Open-Air-Disco für Menschen mit Rhythmus im Blut – und für solche, die einfach so tun, als hätten sie welchen. Die Veranstaltung „Hilden tanzt“ ist zurück – nicht etwa als Zombie-Apokalypse der Tanzversuche, sondern als strahlender Nachholtermin für den beim Bürgerfestival abgesoffenen Tanznachmittag. Schuld war das Wetter – typisch: Regen statt Rumba.
Doch nun ist alles bereit für die rhythmische Revanche. Von 15 bis 19 Uhr übernimmt Tanzschul-Maestro Sven Reichelt das Kommando – und wie man hört, kann er nicht nur Bachata und Discofox, sondern auch Menschenmassen motivieren, ihre motorischen Grenzen auszuloten. Jede volle Stunde ein neuer Tanz, 30 Minuten üben, dann gemeinsam tanzen – das ist wie Speed-Dating, nur mit Taktgefühl (oder der bitteren Erkenntnis, dass man keines hat).
Die gute Nachricht: Mitmachen ist erwünscht, Vorkenntnisse sind überbewertet und Blamage wird kollektiv durchgetanzt. Der Eintritt ist frei, was den Schmerz über falsch gesetzte Schritte zumindest finanziell lindert. Und weil Tanzen bekanntlich hungrig macht – besonders, wenn man nach drei Minuten schon außer Atem ist – gibt’s auch Speis und Trank. Vermutlich mit der stillen Hoffnung, dass ein paar Leute lieber essen als tanzen, damit’s auf der Tanzfläche nicht ganz so eng wird.
Ob man allein kommt, mit Freunden oder gleich mit der gesamten Patchwork-Crew – egal! Hauptsache, man ist bereit, sich auf die Mission „Tanzen ohne Netz und doppelten Takt“ einzulassen. Also, Hilden: Stell das Leben auf Disco, lass die Hüften kreisen und sag dem Alltag: Heute wird getanzt, du Spaßbremse!
Sonntag, 17. August 2025
17.8.2025: Frischer Teer und heiße Nerven - Hilden rüstet auf!
Es ist wieder soweit: Die Stadt Hilden macht ernst. Nein, diesmal geht’s nicht um den jährlichen Kampf gegen herabgefallenes Herbstlaub oder den verzweifelten Versuch, ein funktionierendes WLAN auf dem Lindenplatz zu etablieren. Es wird richtig gebaut – mit Maschinen, Absperrungen und der ganzen Asphalt-Kavallerie. Ab dem 25. August heißt es: "Rien ne va plus!" für diverse Straßen der Stadt, denn die oberste Asphaltschicht kommt runter – und eine neue drauf. Verkehrsteilnehmer*innen und Anwohner*innen dürfen sich also auf eine aufregende Mischung aus Umleitungen, Bauzäunen und dem melodischen Piepen von Rückfahrwarnsignalen freuen.
Besonders im Fokus: der Lindenplatz. Der muss komplett gesperrt werden, was nicht nur Autofahrer, sondern auch Tauben in akute Orientierungslosigkeit stürzen dürfte. Auch der beliebte Park&Ride-Parkplatz ist dicht – ein herber Schlag für all jene, die ihr Auto morgens mit einem trägen Seufzer abstellen, um sich dann in den ÖPNV zu retten. Die Uhlandstraße zwischen Schützenstraße und Hofstraße kommt ebenfalls unters Messer – Verzeihung: unter den Asphalt-Schaber. Der Rethelweg macht ebenfalls mit, genauer gesagt der Abschnitt zwischen der Walder Straße und Hausnummer 10. Wer also in Hausnummer 11 wohnt, darf sich ein bisschen wie auf einer Asphalt-Insel fühlen – mit guter Aussicht, aber wenig Anschluss.
Und als wäre das alles nicht schon genug Grund zur Vorfreude, reiht sich auch der Barlachweg in die illustre Liste der Frischgemachten ein – zwischen Menzelweg und Wendehammer wird auch hier gefräst, was das Teerzeug hält. Das Ganze dauert etwa zwei Wochen, was im Straßenbau wahlweise bedeutet: „zwei Wochen“ oder „irgendwas zwischen zwei Wochen und Weihnachten“.
Aber hey – neue Straßen bedeuten weniger Schlaglöcher, weniger Stoßdämpfer-Trauma und vielleicht sogar eine sanftere Fahrradfahrt, bei der man nicht das Gefühl hat, auf einem vibrierenden Waschbrett zu balancieren. Also, liebe Hildenerinnen und Hildener: Durchhalten, Umwege umarmen – und das Beste draus machen. Wer weiß, vielleicht wird ja auch der Baustellenlärm bald zum neuen Soundtrack des Spätsommers.
Freitag, 15. August 2025
15.8.2025: Schwimmbadwetter? Bitte mit Sonnencreme und einer Prise Hoffnung!
Es gibt sie, diese Dramen des Alltags, die keine Netflix-Serie je so spannend erzählen könnte wie das echte Leben: Die große Saison des Waldbads in Hilden. Ein Ort, an dem Chlorgeruch und Pommesfett in der Luft liegen, wo der Sommer erst dann wirklich begonnen hat, wenn jemand versucht, rückwärts vom Drei-Meter-Brett zu beeindrucken – und mit einem Bauchklatscher Geschichte schreibt.
Im Juni sah alles noch rosig aus. Sonne satt, 27.055 fröhlich planschende Menschen und ein 22. Juni, der mit 4400 Gästen fast den Eingang weggeschmolzen hätte. Man stellte sich innerlich schon auf eine Freibadsaison mit Applaus, Sonnenbrand und vollem Pommesbudget ein. Doch dann kam der Juli. Und mit ihm: das Wetter. Regen. Kühle Temperaturen. Wetterlagen, bei denen selbst die hartgesottene „Ich-gehe-bei-jedem-Wetter-schwimmen“-Fraktion eher Richtung Kuscheldecke und „Tatort“-Wiederholung abgebogen ist. Statt quietschender Badelatschen hörte man nur das stille Tropfen auf leerem Beton.
12.719 Besucher im Juli – quasi der Winterschlussverkauf unter den Freibadzahlen. In den ersten zehn Augusttagen mühten sich immerhin 2873 Schwimmwütige durch das trübe Wasser, vermutlich alle in der Hoffnung, dass der Sommer sich doch noch mal aus dem Bett schält. Die Stadtwerke blicken dennoch optimistisch in die Zukunft – was bei Freibädern bedeutet: „Hoffentlich wird’s wieder heiß, bevor die Saison vorbei ist und alle wieder Wollsocken tragen!“
Ganz anders das Hildorado. Der Hallen- und Freizeitbad-Superstar, der selbst bei Weltuntergangswetter die Leute anzieht wie Gratis-Eis im Hochsommer. Über 210.000 Besucher schon bis Anfang August. Wahrscheinlich liegen da Leute im Whirlpool, die gar nicht mehr wissen, was draußen eigentlich gerade für ein Monat ist. Während das Waldbad auf den nächsten Sonnenstrahl betet, wird im Hildorado schon die neue 50-Meter-Rutsche geplant – quasi das „Fast & Furious“ unter den Badeerlebnissen.
Vom 25. August bis 5. September macht das Hildorado dann zwar kurz Pause für Wartung, Rutschenmontage und allgemeines Becken-TÜV – aber das wird die Fans nicht abhalten. Denn seien wir ehrlich: Wer einmal den Duft von chlorhaltigem Abenteuer geschnuppert hat, der kommt immer wieder.
Und so bleibt dem Waldbad nur eins: Durchhalten. Vielleicht wird der August ja doch noch so heiß, dass sich selbst die Gummiente freiwillig Sonnencreme aufträgt. Bis dahin gilt: Badehose bereithalten, Pommesgabel nicht vergessen – und wenn's regnet, einfach mal ins Hildorado ausweichen. Da ist’s wenigstens immer Sommer.
Donnerstag, 14. August 2025
14.8.2025: Hildenhaft engagiert – Wenn der Schlauch ruft und keiner kommt
In Hilden brennt die Luft – nicht buchstäblich (hoffentlich), sondern metaphorisch. Die Freiwillige Feuerwehr hat ihre Kampagne „Hildenhaft“ in die heiße Phase geschickt, und das klingt nicht nur nach einem Slogan mit Lokalkolorit, sondern auch ein bisschen nach Superheldengruppe mit regionalem Fokus. Man stelle sich vor: Captain Atemschutz, Schläuchen-Man und Funkgerät-Fee, alle vereint im Kampf gegen Feuer, Fettspritzer und falsch geparkte Autos auf Hydranten.
Die Mission: 26 neue Freiwillige für das Jahr 2026. Also quasi „26 für 26“ – klingt fast wie ein Datingformat auf RTL II, ist aber deutlich sinnvoller. Gesucht werden keine Feuerwehr-Veteranen mit 20 Jahren Schlaucherfahrung, sondern ganz normale Menschen: Quereinsteiger, Studierende, Berufstätige, Eltern... Fehlt eigentlich nur noch die Ansprache: „Du atmest? Du hast zwei Arme? Komm vorbei!“
Besonders charmant ist dabei die Aussage: „Feuerwehr ist mehr als Blaulicht und Schlauch.“ Und spätestens hier merkt man, dass der Beruf komplett unterverkauft ist. Denn wer bei Blaulicht und Schlauch schon glänzende Augen bekommt, sollte sich festhalten – es gibt auch Teamarbeit, Technik und tiefen Zusammenhalt. Und Helme. Coole Helme. Wahrscheinlich mit Namensschild. Wer braucht da noch Netflix?
Für alle, die sich angesprochen fühlen: Einfach eine E-Mail schreiben oder am Tag der offenen Tür am 23. August vorbeischauen. Dort gibt’s nicht nur Infos, sondern vermutlich auch echte Feuerwehrleute in Aktion – und wer weiß, vielleicht darf man mal probehalber einen Schlauch halten. (Keine Garantie.)
Kurz gesagt: Wer schon immer mal was Sinnvolles tun wollte, ohne gleich Medizin zu studieren oder das Weltklima zu retten – hier ist eure Chance! Denn wie sagt man in Hilden: Sei nicht einfach heldenhaft, sei hildenhaft.
Mittwoch, 13. August 2025
13.8.2025: Hilden heizt auf: Grillverbot, Glutgefahr und glühende Friedhofskerzen – Der Sommer wird zum Pyromanen
Hilden, du flammendes Herz des Kreises Mettmann! Während wir uns mit Eiskaffee und Ventilator durch den Sommer kämpfen, verwandelt sich unsere grüne Heimat langsam in eine knisternde Zündschnur. Die Temperaturen klettern über die 30-Grad-Marke wie ein übermotivierter Eichhörnchen-Kletterkurs, und der Deutsche Wetterdienst wirft mit Warnstufen nur so um sich – „mittlere Gefahr“ beim Waldbrandindex, „hohe Gefahr“ beim Graslandfeuerindex. Klingt irgendwie wie das Bewertungssystem eines besonders pessimistischen Wetterorakels.
Aber mal ehrlich: Es ist heiß. Richtig heiß. So heiß, dass selbst der Friedhof Kerzenverbot bekommt – denn wer will schon, dass Oma Ernas Grablaterne zur spontanen Feuersbrunst führt? Auch die Zigarettenkippe, lässig und lästig aus dem Autofenster geschnippt, kann sich jetzt mit dem Titel „Brandursache des Jahres“ bewerben. Herzlichen Glückwunsch, Marlboro-Man!
Die Feuerwehr Hilden hat Ende Juli schon fleißig das Löschen geübt – auf einem Feld in Karnap, ganz ohne Grillwürstchen, dafür mit Schweißperlen und Gartenschlauch. Wahrscheinlich wurde dabei auch die „Wie erkenne ich eine glühende Grabkerze auf 100 Meter Entfernung?“-Challenge geübt. Sicher ist sicher.
Und der Bürger? Der darf jetzt kreativ werden: Grillen im Wald ist tabu – außer auf offiziell gekennzeichneten Grillplätzen, was in etwa so häufig vorkommt wie kühle Schattenplätze in der Düsseldorfer Altstadt. Auch das Auto bitte nur noch auf Asphalt parken – denn der heiße Auspuff auf trockenem Laub ist ungefähr so sinnvoll wie eine Fritteuse im Heizungskeller. Und nein, der Waldrand ist kein Aschenbecher. Zigarettenstummel gehören in die Tasche – oder einfach gleich weggelassen. Spart Geld, Nerven und möglicherweise 10.000 Quadratmeter Totholz.
Kurzum: Der Sommer in Hilden ist kein lauer Lenz, sondern eher ein nervöser Funke auf einem Benzinfass. Bleibt nur noch der Appell: Kein Feuer, kein Rauch, kein Grill – nur schwitzen, Wasser trinken und hoffen, dass wenigstens ein einziges Gewitter vorbei schaut, bevor wir anfangen, Marslandschaften zu imitieren. In diesem Sinne: Zündeln war gestern – heute ist Löschwasser sexy!
Montag, 11. August 2025
11.8.2025: Hilden kommt vorbei – Behördengang im Schlafanzug
Hilden hat’s kapiert: Wer im Jahr 2025 noch glaubt, man müsse für einen neuen Personalausweis unbedingt aus den Pantoffeln schlüpfen, der hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Ab sofort kommt das Bürgerbüro einfach zu Ihnen nach Hause – wie der Pizzaservice, nur ohne Käserand. Der neue „Zuhaus-Service“ richtet sich an alle, die nicht mehr so mobil sind. Also an Menschen, die gesundheitlich eingeschränkt sind, oder an jene, die schlicht wissen, dass Netflix-Pausen heilig sind.
Die Sache läuft so: Man bucht online oder telefonisch einen Termin – und dann fährt ein Sachbearbeiter, ausgerüstet mit mobilem Hightech-Equipment, direkt in die eigenen vier Wände. Egal ob Personalausweis, Meldebescheinigung oder Ummeldung – alles wird bequem auf dem heimischen Küchentisch erledigt. Selbst das digitale Passfoto kommt mit, sodass der Moment, in dem man versucht, gleichzeitig neutral zu gucken und lebendig zu wirken, nun im eigenen Wohnzimmer stattfindet.
Das Ganze wird clever organisiert: Die Stadt teilt ihre Einsätze nach Hildener Himmelsrichtungen auf. Heißt im Klartext: „Wir fahren nicht für jeden Ausweis einzeln los – wir sammeln Bestellungen, wie beim Lieferdienst.“ Bürgermeister Claus Pommer verspricht, dass Verwaltung keine Barriere sein darf, sondern da sein muss, wo man sie braucht. Offenbar auch zwischen Kaffeemaschine und Keksdose.
Einziger Wermutstropfen: Wer hofft, dass der Sachbearbeiter auch noch die Spülmaschine ausräumt oder den Hund füttert, könnte enttäuscht werden. Aber wer weiß – vielleicht heißt es irgendwann nicht mehr „Bürgerbüro“, sondern „Bürgerbutler“. Bis dahin gilt: Behördengang in Jogginghose? Offiziell erlaubt.
Samstag, 9. August 2025
9.8.2025: Die Wasserfee macht Urlaub – unfreiwillig
Es war ein heißer Tag in Hilden, die Sonne knallte vom Himmel, und die Kinder hatten nur einen Gedanken: Schuhe aus, hin zur Wasserfee auf dem Warrington Platz und rein ins kühle Nass. Doch die Wasserfee – sonst sprudelnd, lachend, quietschvergnügt – stand da wie eine beleidigte Diva. Kein Tropfen, kein Plätschern, nur betretenes Schweigen. Grund: Der Druckknopf, ihr Herzstück, wurde offenbar mutwillig lahmgelegt. Vandalismus, sagen die Experten. Vielleicht war es ein neidischer Gartenzwerg, vielleicht ein missgünstiger Regenschirm – offiziell bleibt es ein Rätsel.
Die Stadt Hilden hat sofort reagiert, Ersatzteile bestellt und die Reparatur geplant. Aber wie das im Sommer so ist: Wenn die Menschen Urlaub machen, machen auch Lieferketten Urlaub. Also heißt es für die Hildener Kids vorerst: Wasserspiele nur in der Badewanne daheim – und selbst da muss man hoffen, dass niemand den Wasserhahn sabotiert.
Und als wäre das nicht genug, hat sich auch ein zweiter Wasserspielplatz in der Stadt eine Auszeit genommen. An der Karnaper Straße fließt derzeit ebenfalls nichts, angeblich wegen einer „technischen Überprüfung“. Das klingt verdächtig nach „Wir gucken erstmal in Ruhe nach, wenn wir aus dem Urlaub zurück sind“.
Die Stadtverwaltung bittet nun alle Bürgerinnen und Bürger, sorgsam mit den Wasserspielen umzugehen. Frei nach dem Motto: „Bitte nicht kaputtmachen, sonst gibt’s wieder Trockensaison.“ Bis dahin bleibt uns nur, auf den nächsten Sommerregen zu hoffen – oder uns mit einem Gartenschlauch auf dem Balkon zu trösten.
Freitag, 8. August 2025
8.8.2025: Rußpartikel und Sandkasten-Inspektionen – Willkommen in der Sommeredition „CSI: Spielplatz“
In Monheim brennt eine Folienfabrik, die Feuerwehr ist im Großeinsatz, und während dort Schläuche spritzen und Sirenen heulen, herrscht in Hilden und Haan plötzlich Hochbetrieb bei einer ganz anderen Truppe: den Spielplatzdetektiven. Mit Einmalhandschuhen, Küchenrolle und scharfem Blick rücken sie aus, um zu prüfen, ob schwarze Rußpartikel etwa heimlich Schaukel, Sandkasten oder Wippe infiltriert haben. Die Vorstellung allein ist schon Oscar-reif: erwachsene Menschen, die sich bücken, am Rutschenrand schnüffeln und dann feierlich verkünden, dass kein gefährlicher Ruß zu sehen ist.
Die gute Nachricht: In Hilden und Haan bleibt das Spielen erlaubt. Kein Kind muss auf das Rutschen-Training verzichten, kein Sandburg-Bauprojekt wird auf unbestimmte Zeit eingefroren. In Monheim selbst sieht’s weniger fröhlich aus – dort gilt Sperrgebiet, weil PVC-Rauch sich nicht nur ungesund anhört, sondern tatsächlich Salzsäure in die Luft zaubert. Wer dort Obst im Garten hat, soll es erstmal nicht essen, wer einen Pool hat, soll das Wasser austauschen. Die Checkliste reicht von „Gartenmöbel schrubben“ über „Wäsche doppelt waschen“ bis hin zu „Sand im Sandkasten austauschen“. Kurz: Es klingt wie der Frühjahrsputz, nur mit Gasmaske.
Die Feuerwehrleute aus Hilden und Haan waren natürlich ebenfalls im Einsatz – nicht am Sandkasten, sondern direkt am Brandherd, mit Löschfahrzeugen, Einsatzleitwagen und der vollen Ladung Adrenalin. Während also die einen Flammen bekämpften, sicherten die anderen die Schaukelketten. Ein harmonisches Miteinander von Helden in Groß und Klein.
Wer jetzt denkt, das alles sei übertrieben, hat noch nie erlebt, wie empört Dreijährige reagieren, wenn der Sandkasten gesperrt wird. Manche Brände löscht man eben nicht nur mit Wasser – manchmal muss man dafür sorgen, dass das Karussell weiterdreht.
Donnerstag, 7. August 2025
7.8.2025: Zirkus reif – Hilden probt den Ausnahmezustand im Stadtpark
Hilden hat es wieder getan: Statt Sommersandalen gibt’s Jonglierbälle, statt Badesee wird der Stadtpark zur Manege – und zwar nicht für einen Netflix-Dreh über eine schräge Kommune, sondern für den *Stadtpark-Sommer*. Der „Mobile Mitmachzirkus Hilden“ hat nämlich seine Zelte (und vermutlich auch ein paar Hula-Hoop-Reifen, Diabolos und ein Dutzend gut gelaunte Animateur\*innen) auf der Wiese zwischen Kiosk und Teich aufgeschlagen. Motto: „Wir spielen wie im Zirkus“ – und das klingt ganz harmlos, bis man sich plötzlich in einem menschlichen Zirkuszelt wiederfindet und ein Vierjähriger mit erstaunlich gezieltem Pois-Schwingen einem die Frisur neu sortiert.
Der „SnackPoint“ – man muss ihn einfach mögen, wenn ein Kiosk klingt wie eine Fastfood-Alternative für Marvel-Helden – lädt zu dieser Spektakel-Reihe ein. An gleich drei Donnerstagen dürfen sich Kinder und jene, die es nie wirklich aufgegeben haben, kindisch zu sein, auf insgesamt 200 fliegende Teile stürzen. Das klingt ein bisschen nach Pfingststurm, ist aber offiziell genehmigter Freizeitspaß – und die Erwachsenen machen mit, zumindest solange der Kreislauf mitspielt und das Wetter keine artistischen Abgänge in Schlamm und Entengrütze provoziert.
Hinter den Kulissen stehen neben dem Animationsteam (aka Zirkus-Zauberwesen mit pädagogischer Lizenz) auch Ökoworld und die Spendendosenfraktion. Wer sich also fragt, wohin mit dem Kleingeld, das sonst nur Einkaufswagen frei schaltet oder Waschsalons füttert: Hier ist die Antwort! Alles freiwillig natürlich, der Eintritt ist gratis – aber wer schon mal versucht hat, einen Jonglierball aus Bio-Baumwolle herzustellen, weiß: ein bisschen Support schadet nie.
Und als wäre das alles nicht schon wild genug, kann man den Zirkus sogar zum Kindergeburtstag einladen. Ja, richtig gelesen. Eine Anleiterin kommt vorbei und macht den Garten zur Zirkusarena – vermutlich inklusive Clownsnase, Pantomimen-Schock und dem einen Kind, das danach unbedingt „in den Zirkus will und zwar für IMMER“. Für die besonders Begeisterten gibt’s gleich vor Ort auch Jonglier-Equipment zu kaufen – als ob man nicht eh schon genug Zeug im Wohnzimmer rumliegen hätte, das „pädagogisch wertvoll“ aber „extrem laut“ ist.
Fazit: Hilden macht Sommerferien wie kein Zweiter. Zwischen Gummibällen, fliegenden Regenbögen und tellerdrehenden Grundschülern verschwimmen Alter und Ernsthaftigkeit. Wer also die nächsten Donnerstage noch nichts vorhat – auf in den Park, dort wo der Alltag Pause macht und der Zirkus regiert. Nur eins sei gewarnt: Wer einmal „wie im Zirkus“ spielt, wird das Büro danach mit ganz anderen Augen sehen.
Mittwoch, 6. August 2025
6.8.2025: Hilden macht wieder auf: „Fas(s)t alles aus Papier!“ – und ein bisschen Vinyl dazu
Ende August ist es wieder so weit: Hilden verwandelt sich für zwei Tage in das Eldorado für Bücherwürmer, Sammler und all jene, die schon lange mal wieder in einem Stapel vergilbter Druckerzeugnisse wühlen wollten. Unter dem traditionsreichen Motto „Fas(s)t alles aus Papier!“ breiten Händler ihre Schätze aus – von Kinderbüchern, die noch nach den 80ern riechen, bis zu Krimis, die vermutlich spannender sind als jede Lokalpolitik. Antiquarische Raritäten stehen friedlich neben Comics, Ansichtskarten und historischen Aktien, von denen man zwar reichlich viele besitzen kann, ohne jemals reich zu werden.
Doch damit nicht genug: Neben all dem Papierkram gibt’s auch Schallplatten und Hörbücher. Sprich: Wer nicht lesen will, kann sich immerhin etwas vorlesen oder vorspielen lassen – ganz ohne Bildschirm. Für Nostalgiker ein Fest, für Minimalisten ein Albtraum. Und für alle, die beim Wort „Bücher“ nur an ihre verstaubte To-Read-Liste denken, gibt’s die beruhigende Erkenntnis: Es handelt sich um Secondhand-Ware, der ökologische Fußabdruck ist also ungefähr so klein wie der Lesefortschritt mancher Käufer.
Also, ob Sie nun auf der Suche nach einem signierten Roman, einem Postkartenmotiv aus dem Jahr 1902 oder einer Platte sind, die Sie gar nicht abspielen können: Der Büchermarkt am 30. und 31. August ist die beste Ausrede, um stundenlang zu stöbern – und dabei „nur mal gucken“ in eine vollgepackte Einkaufstasche zu verwandeln.
Montag, 4. August 2025
4.8.2025: Laterne, Laterne, Wahlplakat, wir haben gerne!
Der Sommer in Hilden hat einen ganz eigenen Soundtrack: das Ritsch-Ratsch der Kabelbinder, das sanfte Knarzen von Aluleitern und das engagierte Fluchen eines Hobby-Wahlhelfers, der versucht, ein Plakat mit dem Gesicht seines Parteichefs symmetrisch an eine Laterne zu tackern. Ja, Freunde der demokratischen Bildästhetik, es ist wieder soweit: Die heiße Phase des Kommunalwahlkampfs beginnt – und mit ihr eine farbenfrohe Invasion aus Lächeln, Slogans und Photoshop.
Seit dem 3. August, Punkt Mitternacht, dürfen in Hilden Plakate gehängt werden. Und offenbar schlafen politische Überzeugungen nie, denn schon in der Nacht waren engagierte Parteimitglieder unterwegs, um sich die besten Laternenmasten zu sichern. Wer jetzt denkt: "Das klingt wie Black Friday bei Laterna Lux", liegt gar nicht so falsch. Was für den Einzelhandel der Sale ist, ist für Lokalpolitiker die Mittelstraße – heiß umkämpft und strategisch unverzichtbar.
600 Standorte hat die Stadt dafür offiziell freigegeben. Natürlich streng nach dem Prinzip der abgestuften Chancengleichheit – was ein wenig klingt wie: „Alle dürfen gleich viel, außer die Großen, die dürfen ein bisschen mehr.“ So darf die CDU 147 Mal ihre Plakatkunst präsentieren, während die Piraten sich mit 37 Mal „Arrr!“ begnügen müssen. Ob das was über die Chancen bei der Wahl aussagt? Vielleicht. Oder über die Kabelbinder-Vorräte im Lager.
Aber nicht überall darf fröhlich getackert werden. Nein, Hilden ist keine Plakat-Wildweststadt. Kurven, Kreuzungen, Ampeln, Mittelstreifen und – ganz wichtig – Bäume sind tabu. Auch Zäune von Privatleuten sind heilig. Es sei denn, man hängt sich freiwillig ein Porträt von „Bernd von der Bürgeraktion“ neben den Gartenzwerg. Geschmackssache.
Für Nostalgiker gibt es auch wieder die großen „Wesselmänner“ – das sind keine Bodybuilder, sondern übergroße Plakatflächen mit Retro-Charme und DIN-18/1-Maßen. Drei neue Standorte gibt’s dieses Jahr. Man munkelt, dass der eine oder andere Politiker dort schon mit Selfie-Stick und Ringlicht spotted wurde. „Wenn schon plakatieren, dann mit Influencer-Vibes“, lautet offenbar das neue Motto.
Übrigens: Am Wahltag selbst ist Schluss mit lustig. Da darf nicht mehr geworben, geklebt oder geschmeichelt werden. Plakatfreie Zone rund ums Wahllokal! Wer’s vergisst, bekommt vom Ordnungsamt keine Likes – sondern Post. Und spätestens eine Woche nach der Wahl muss alles wieder weg. Bis dahin kann man sich auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkauf oder beim Gassigehen durch ein Meer von Kandidaten lächeln lassen, die einem versprechen, alles besser zu machen. Außer das Plakatieren – das läuft ja schon ziemlich professionell.
Also Hilden, genieße deinen Laternen-Sommer! Und denk dran: Nicht jeder, der dir von der Laterne zulächelt, will dir nur einen schönen Tag wünschen – manche wollen deine Stimme.
Sonntag, 3. August 2025
3.8.2025: Kultur, Currywurst und Kaltgetränke – Der Hildener Büdchen-Tag in seiner ganzen Herrlichkeit
Es gibt Tage, da wacht man auf und denkt sich: "Heute wäre ein guter Tag für eine gemischte Tüte und ein kaltes Getränk am Kiosk." Und siehe da – Hilden hat genau dafür den passenden Feiertag erfunden: den Hildener Büdchen-Tag. Ein Tag, an dem der Kiosk endlich das bekommt, was er verdient – Liebe, Aufmerksamkeit und eine ordentliche Portion Kultstatus.
Was erwartet einen dort? Kurz gesagt: ein köstlicher Mix aus Herz, Heimat und Heißwurst. Wer glaubt, dass Kioske nur dafür da sind, um schnell Zigaretten oder ein Notfall-Snickers zu kaufen, wird an diesem Tag eines Besseren belehrt. Der Büdchen-Tag zelebriert den Kiosk als das, was er wirklich ist: ein sozialer Schmelztiegel, ein Mini-Marktplatz, ein kulinarisches Überraschungsei auf vier Quadratmetern.
Und natürlich gibt es Essen. Viel Essen. Die Klassiker stehen Spalier: Currywurst dampft verheißungsvoll, Waffeln duften wie Kindheit, und die gemischte Tüte bringt nicht nur Zucker, sondern auch pure Nostalgie. Wer bei Letzterer nicht sofort in Erinnerungen an Lakritzschnecken, saure Pommes und undefinierbar leuchtende Fruchtgummis versinkt, war entweder nie Kind oder hat das falsche Büdchen besucht.
Dazu gibt’s – wie es sich gehört – ein Kaltgetränk nach Wahl. Cola, Bier, Bionade oder einfach ’ne gute alte Fassbrause. Und während man da so steht, Becher in der einen Hand, Pommesgabel in der anderen, passiert das wahre Wunder des Büdchen-Tags: Man kommt ins Gespräch. Mit dem Nachbarn, mit der Frau mit dem Dackel, mit dem Mann, der behauptet, er habe hier schon 1983 seine erste Capri-Sonne gekauft.
Der Hildener Büdchen-Tag ist damit nicht einfach nur ein Fest. Er ist eine Liebeserklärung an die kleinen Dinge im Leben – oder besser gesagt: an die kleinen Verkaufshäuschen, die große Freude machen. Und wer weiß? Vielleicht sieht man sich ja dort – an der Wurstbude deines Vertrauens, mit Zuckerstückchen auf der Zunge und einem Lächeln, das nach Brause schmeckt.
Dienstag, 29. Juli 2025
29.7.2025: Hilden macht sich hübsch – Wenn die Stadthalle zum Beauty-Salon wird
Manche machen in den Sommerferien Yoga-Retreats auf Bali, andere nutzen die Zeit für ein ordentliches Make-over – so wie die Stadthalle Hilden. 1978 erbaut, also ungefähr so alt wie „Saturday Night Fever“ und die ersten Discokugeln, bekommt das betagte Beton-Schätzchen jetzt eine Frischzellenkur. Schließlich hat sich seit den 70ern einiges verändert – nicht nur in Sachen Frisuren, sondern auch bei Eventlocations.
Die Verantwortlichen haben sich also vorgenommen, die Halle „aus dem Dornröschen-Schlaf zu wecken“. Man stelle sich vor: Die Stadthalle liegt da, seit Jahrzehnten in tiefem Schlaf, von außen ein bisschen grau, von innen ein bisschen Retro, bis eines Tages Holger Nickel, der Geschäftsführer, mit einem kräftigen „Corporate Design“-Kuss vorbeikommt. Zack – aufwachen, neue Schilder dran, alte Plakate raus, LED rein! Die Stadthalle zeigt jetzt wieder Profil – und zwar in HD.
Sogar die Bäder bekommen ein „Makeover“. Das ist mutig, denn bei Toiletten denkt man ja nicht sofort an Glamour. Aber hey, wenn’s dem Gesamtkonzept dient, dann bitte auch mit Duftkerzen, Touchless-Spülung und vielleicht einem kleinen Mood-Lichtspiel in Türkis.
Doch das ist nicht nur Kosmetik. Nein, das ist ein kulturelles „Glow-Up“! Ein Eventmanager wurde engagiert, damit nicht nur die Halle glänzt, sondern auch das Programm. Geplant ist ein Nachtflohmarkt mit DJ, Cocktails und Secondhand-Schätzen – ein bisschen wie ein Instagram-Event, nur mit weniger Filter und mehr echten Menschen. Auch Krimi-Wochenenden, Lesungen mit den drei ??? (!!!) und „Mama geht tanzen“-Abende stehen auf dem Zettel. Da darf Mutti das Tanzbein schwingen, während der Nachwuchs im Nebenraum pädagogisch betreut wird – Hilden wird zur Hochburg der multitaskingfähigen Partykultur.
Und das Beste: Niemand spricht über Kosten. Das ist wie bei guten Schönheits-OPs – man sieht das Ergebnis, fragt aber besser nicht nach der Rechnung.
Also: Wer noch nostalgisch an braune Wandverkleidung und verirrte Bühnenvorhänge denkt, sollte sich beeilen. Denn bald ist die Stadthalle nicht mehr das stille, leicht angestaubte Mitglied im Stadtbild, sondern ein glitzerndes Zentrum für Kultur, Cocktails und Community. Wenn das mal nicht ein Grund ist, sich selbst auch mal ein kleines Facelifting zu gönnen – innerlich wie äußerlich.
Sonntag, 27. Juli 2025
27.7.2025: Hildener Gaststätte macht dicht – wegen zu viel Sommer und zu wenig Spüler
Wenn ein Biergarten im Hochsommer schließen muss, fühlt sich das ein bisschen so an, als würde der Weihnachtsmann im Dezember in Elternzeit gehen. In Hilden ist genau das passiert: Die Gaststätte „Alter Markt“, mitten in der Innenstadt, wo man sonst mit einem kühlen Getränk die Sonne feiern konnte, hat dichtgemacht. Nicht, weil das Bier schlecht war, nicht, weil der Wirt plötzlich lieber Influencer auf Mallorca werden wollte – nein, der Grund ist deutlich profaner: Es fehlt Personal. Oder, wie man im Gastro-Deutsch sagt: Der Spüler ist weg, und die Küche steht auf Stand-by.
Man stelle sich das vor: Rund 200 Plätze im Außenbereich, zehn (!) im Innenraum – das klingt nicht nach einem Restaurant, sondern nach einem Pavillon mit Sitzgelegenheit für Fortgeschrittene. Im Winter herrscht drinnen also mehr Wohnzimmeratmosphäre als Gastronomiebetrieb, was auch erklärt, warum der Laden komplett vom Sommergeschäft abhängig ist. Und da müsste man natürlich Leute haben, die *nicht* dann arbeiten, wenn alle anderen Urlaub machen. Kleiner Spoiler: Die gibt es nicht mehr. Vielleicht irgendwo in Island. Aber nicht in Hilden.
Die Pächterin Pavlina Petreska hat es versucht. Sie hat gesucht, gefragt, gebettelt – vermutlich auch mal laut in den Himmel geschrien. Aber zwölf motivierte Menschen für ein Saisonlokal zu finden, das ist heutzutage ungefähr so wahrscheinlich wie ein pünktlicher Bus nach Feierabend. Und so entschloss sie sich: Schluss jetzt. Deckel drauf. Oder wie man in der Gastro sagt: „Küche kalt, Zapfhahn zu, draußen bleibt’s leer.“
Dabei läuft es in ihren anderen Läden – dem „Café Overstolz“ und dem „Café New York“ – ganz prima. Die haben nämlich einen Innenbereich, der seinen Namen auch verdient. Und: Sie laufen ganzjährig. Dort kann man Mitarbeitende noch mit Argumenten wie „verlässliches Einkommen“ und „Urlaub im Januar“ ködern. Im „Alten Markt“ hingegen? „Du arbeitest dann, wenn andere Urlaub machen – und im Winter machen wir zu, aber die Miete läuft weiter.“ Klingt jetzt nicht nach Traumjob.
Auch der Gastroverband hat wenig Hoffnung zu spenden. Die Lage bleibt mies, der Fachkräftemangel hält an, die Kosten steigen, und der Umsatz... sinkt. Es ist ein bisschen wie beim Wettrennen mit Bleischuhen – man kann rennen, aber das Ziel entfernt sich trotzdem. Immerhin: Es gibt Hoffnung. Ein neuer Pächter hat sich gefunden. Vielleicht jemand mit großer Familie, viel Enthusiasmus und einem Spülmaschinen-Fetisch. Man weiß es nicht.
Was bleibt? Ein leerer Platz in der Innenstadt, ein weinendes Weizenglas – und die Erkenntnis, dass eine Gaststätte nicht nur gutes Wetter, sondern auch gute Leute braucht. Wer also diesen Sommer auf dem Alten Markt kein Bier bekommt: nicht traurig sein. Einfach beim nächsten Café vorbeischauen. Und dem neuen Pächter im kommenden Jahr ganz fest die Daumen drücken. Oder noch besser: eine Bewerbung dalassen. Spülen kann man schließlich lernen.
Samstag, 26. Juli 2025
26.7.2025: Endlich trocken in Hilden: Wenn die Deutsche Bahn ein Dach draufsetzt
Es gibt Momente im Leben, da fühlt man sich wie ein König. Zum Beispiel, wenn man in Hilden auf dem Bahnsteig steht – und es regnet nicht auf den Kopf. Kein tropfendes Provisorium, keine windschiefen Überreste aus den 70ern, sondern ein echtes, frisches, nagelneues Bahnsteigdach. Die Bahn hat es tatsächlich getan: 1,7 Millionen Euro hat sie in Hilden gelassen, nicht für neue ICEs, sondern für Sitzmöbel, Vitrinen – und eben dieses Dach. Applaus, bitte. Ganz leise, die Bauarbeiter schlafen vielleicht noch.
Die Modernisierung kam nicht über Nacht. Nein, sie kam über viele Nächte, Wochenenden und Sperrpausen, in denen nichts fuhr außer vielleicht ein resignierter Gedanke. Kampfmittelsondierungen, elektrische Anlagen, Gitterkräne, die 75 Tonnen stemmen – wer braucht schon Actionfilme, wenn man dem Hildener Bahnsteig beim Wachsen zusehen kann? Man kann förmlich die Spannung spüren: „Wird der Stahlträger heute eingehoben oder morgen? Und wo ist eigentlich der Bagger hin?“
Natürlich ging das Ganze nicht ohne Sperrpausen – ein schöner Euphemismus für: „Die Züge fahren nicht, aber hey, guck dir doch mal an, wie schön das Dach wird!“ Man könnte fast sagen, die Bahn hat uns gelehrt, Geduld zu haben. Und wer hätte gedacht, dass man sich einmal über neue Vitrinen freut? Endlich wieder Werbung und Fahrpläne hinter Glas, geschützt vor dem berüchtigten Hildener Wetter und den gelegentlich kunstvollen Filzstift-Botschaften aus der Pubertäts-Hölle.
Die Ausstattung auf 56 Metern ist jetzt „modern“. Was das heißt? Niemand weiß es genau, aber vermutlich sitzt man nun etwas ergonomischer während der nächsten Zugverspätung. Und wer sich über das Dach freut, freut sich sicher auch über die Nachricht: Es gibt noch mehr Baustellen! Denn parallel wird fleißig am elektronischen Stellwerk für das östliche Rheinland gearbeitet – klingt nach einer Mischung aus Hightech und „Kann noch dauern“.
Aber Hilden kann nun stolz sein. Nicht auf die Pünktlichkeit der Züge – das wäre überambitioniert – sondern auf ein Dach. Ein echtes, stabiles, ehrliches Dach. Und Sitzgelegenheiten, die nicht aussehen, als hätte jemand sein Altmetall auf dem Bahnsteig vergessen. Es sind die kleinen Dinge im Leben – und in Hilden –, die zählen.
Also, liebe Deutsche Bahn: Weiter so. Vielleicht kriegen wir ja bis 2080 auch noch WLAN auf dem Bahnsteig. Bis dahin genießen wir einfach die Trockenheit.
Mittwoch, 23. Juli 2025
23.7.2025: Hildens stille Superstars: Wer hier wirklich die Wirtschaft rockt (und warum du dein Auto vielleicht gegen ein Jobrad tauschen solltest)
In Hilden geht was. Auch wenn’s von außen eher so aussieht, als wäre der aufregendste Moment der Woche das rhythmische Blinken der Ampel an der Mittelstraße, brodelt unter der Oberfläche ein erstaunlich quirliges Arbeitsmarkt-Leben. Eine Armada an Unternehmen, Verwaltungen, Kliniken, Werkzeugschmieden und – nicht zu vergessen – Backstuben hält die Stadt wirtschaftlich am Laufen, während der Rest von NRW noch über Strukturwandel diskutiert. Und weil selbst Google irgendwann kapituliert, wenn es um aktuelle Zahlen zu Hildens Arbeitsmarkt geht („Meinten Sie Hilden bei Siegburg?“ – Nein, danke.), hat die Lokalredaktion beherzt selbst nachgezählt.
Platzhirsch in der Itterstadt ist – Trommelwirbel – Qiagen. Mit 1500 Mitarbeitenden, sieben Azubis und Benefits, bei denen selbst DAX-Konzerne neidisch werden: Jobtickets, eigene Kita, Waschmaschinen (!) für den Notfall-Montags-Hemdengau, und ein Eltern-Kind-Zimmer, falls der Nachwuchs mal während der PowerPoint-Präsentation eine Banane will. Qiagen macht Biotechnologie – und offensichtlich auch glückliche Mitarbeitende.
Auf Platz zwei, mit Würde und Beamtenschweiß: die Stadt Hilden. Über 1000 Mitarbeitende und ein Ausbildungsportfolio, das klingt wie das Kursangebot einer sehr ambitionierten Volkshochschule: vom Notfallsanitäter über den Stadtbauoberinspektoranwärter bis zum Forstwirt. Wer hätte gedacht, dass man in Hilden fast jeden Beruf lernen kann – außer vielleicht Astronaut, wobei ich auch da nicht ganz sicher wäre.
Auf den weiteren Plätzen wird’s bunt: Da ist HDI, der Versicherer mit Zukunftsvision und Umzugskartons (600 Leute ziehen von Köln nach Hilden – endlich mal jemand, der nach Hilden will). Paul Schulten putzt sich auf Platz 3 sauber in die Rangliste, 3M klebt sich auf Platz 5, und das St. Josefs-Krankenhaus kurvt mit fast 400 Mitarbeitenden durchs Mittelfeld. Ein echtes Unternehmens-Buffet also – von Biotech über Bäckerei bis Behörde.
Und während Qiagen mit einer betrieblichen Fitnessstudio-Flatrate glänzt, gibt’s bei Kukko immerhin eine Betriebskrankenversicherung und die Erlaubnis, manchmal von zu Hause zu arbeiten – aber nur, „wenn der Klempner kommt oder das Auto nicht läuft“. Ehrlich, das ist zumindest mal ein realistisches Homeoffice-Modell.
Apropos Realismus: Einige Betriebe, so scheint’s, haben beim Thema Ausbildung noch Luft nach oben. Vion zum Beispiel hat 170 Mitarbeitende, aber keinen einzigen Azubi. Vielleicht liegt’s daran, dass der Personalchef beim Bewerbungsgespräch konsequent auf Latein antwortet. Man weiß es nicht.
Dann gibt es noch die Helden der zweiten Reihe: Caelo mischt in Hilden Medikamente, Bäcker Schüren versorgt die Stadt mit Brötchen und Ökoworld verteilt neben nachhaltigen Investmentfonds auch Einkaufsgutscheine. Wer in Hilden arbeitet, bekommt offenbar wahlweise ein E-Bike, Weihnachtsgeschenke, Zugang zu psychologischer Beratung, einen Parkplatz in der Tiefgarage oder wenigstens mal ein kostenfreies Wasser – irgendwo zwischen Konzerncharme und Kaffeeküchensmalltalk.
Und ja: Natürlich ist nicht alles Gold, was Gewerbesteuer zahlt. Manche Unternehmen glänzen eher durch PR-Verweigerung (Grüße an ASK Chemicals – die geheimnisvollen Alchemisten Hildens), andere machen bei Ausbildung und Homeoffice noch den Dornröschen-Schlaf. Aber: Die Wirtschaft brummt. Und das ist nicht selbstverständlich in Zeiten von Pandemie, Inflation, globalen Krisen und – ganz ehrlich – ständig streikender Bahn.
Kurz gesagt: Hilden ist keine Industriemetropole, keine Start-up-Oase, kein hipper Szene-Kiez. Aber Hilden funktioniert. Es beschäftigt, bildet aus, zahlt Gehälter – und sorgt dafür, dass die Gewerbesteuereinnahmen höher sind als der durchschnittliche Mietpreis in Köln. Und das, meine Damen und Herren, ist in der heutigen Zeit fast schon ein kleines Wunder. Oder wie der Hildener sagen würde: „Läuft.“
Sonntag, 20. Juli 2025
20.7.2025: Neuer Glanz in der Hildener Fußgängerzone: Zwischen Babybeach und Barber-Blockbuster
Hilden, die Stadt der kurzen Wege und langen Leerstände, hat wieder gute Nachrichten zu vermelden – oder zumindest so etwas Ähnliches. Die Innenstadt lebt! Naja, sie zuckt. Immerhin. Denn die Schulstraße, einst pulsierendes Herz des Einzelhandels, hat sich offenbar geschüttelt, ein bisschen aufgerichtet und flüstert jetzt vorsichtig: „Ich bin noch nicht ganz tot.“
An der Schulstraße 13, dort wo früher das „Café Bauchgefühl“ beheimatet war – ein Ort, an dem junge Mütter mit Latte Macchiato und Stillkissen ihre innere Mitte suchten – zieht demnächst ein ganz anderes Kaliber ein: eine Praxis für Physiotherapie. Denn seien wir ehrlich: Wer durch die Hildener Innenstadt spaziert, kriegt spätestens am Warrington-Platz einen steifen Nacken vom vielen Kopfschütteln über leerstehende Schaufenster. Da passt Physiotherapie also wie die Faust aufs verspannte Schulterblatt.
Aber auch andere Häuser, die bislang im Dornröschenschlaf vegetierten, regen sich. Das ehemalige Schuhgeschäft an der Ecke Schulstraße/Mittelstraße hat angeblich Interessenten. Gerüchten zufolge Menschen, die tatsächlich etwas verkaufen wollen. Was genau, bleibt geheim – vielleicht Schuhe? Oder doch wieder ein Lager für Dinge, die niemand braucht, aber jeder irgendwo bunkert? Hauptsache, es sieht von außen wieder so aus, als würde drinnen jemand arbeiten.
Das Rathaus-Center hat da weniger Glück. Der letzte Mieter ist „Knall auf Fall“ gegangen – was vermutlich ein Euphemismus für „nachts bei Mondschein verschwunden, während die letzte Miete noch unbeantwortet in der Schublade lag“ ist. Stattdessen klopfen jetzt Friseure, Döner-Betreiber und Barber-Shops an – also all jene, die gefühlt schon in jedem zweiten Ladenlokal der Republik sitzen. Die Eigentümer winken aber höflich ab: Man möchte gern jemanden, der nicht schneidet, würzt oder schäumt. Sondern etwas anderes macht. Irgendwas. Hauptsache, es kostet nicht gleich eine sechsstellige Summe für Umbauten, Toiletten und Wasseranschlüsse.
Am Axlerhof gibt ein Juwelier auf – wegen Baustelle, Corona und vermutlich einer schlechten Sternenkonstellation. Dafür läuft’s in der Bismarckpassage wieder besser. Dort kommt Kundschaft, und die will offenbar Ketten und Klunker.
Ein ganz besonders trauriger Fall ist das ehemalige „Depot“-Geschäft. Dekorieren ist aus der Mode, und das riesige Ladenlokal wartet seit Monaten auf neue Ideen. Wirtschaftsförderer Schwenger bleibt gelassen: „Fünf Monate Leerstand sind normal.“ Na dann – willkommen im ganz normalen Leerstands-Wahnsinn.
Doch keine Sorge, Hilden gibt sich nicht auf. Die Stadt, in der selbst verlassene Ladenlokale irgendwann wieder Freunde finden, kämpft weiter. Und wer weiß – vielleicht wird bald das nächste Lager zum nächsten Hoffnungsträger. Oder das Café „Bauchgefühl 2.0“ öffnet, diesmal für erschöpfte Ladenbesitzer mit Rückenschmerzen.
Man darf ja träumen.
Freitag, 18. Juli 2025
18.7.2025: „Wo ist die Mini-Rutsche?!“ – Der große Kleinkind-Krimi auf Hildens Spielplätzen
Wenn in Hilden etwas die Gemüter erhitzt, dann ist es nicht etwa ein Verkehrschaos auf der Gerresheimer Straße oder ein neues Parkverbot – nein, es geht um Spielplätze. Genauer gesagt: um zu wenig Spielgeräte für die ganz Kleinen. Und was auf den ersten Blick wie ein Randthema wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als emotionaler Dauerbrenner – mit Wippe, ohne Wippe, mit Gras drüber. Im wahrsten Sinne.
Eine junge Mutter, sagen wir mal „Mama M.“, schlägt Alarm. Der Spielplatz an der Hummelsterstraße? Aus Sicht von Krabbelkindern ein Ort voller Versprechungen, die nicht eingelöst werden. Eine kleine Rutsche – okay. Eine Schaukel – immerhin. Aber das große Klettergerüst? Für Kleinkinder ungefähr so einladend wie eine Slackline über dem Grand Canyon. Also hat Mama M. beschlossen, zur digitalen Feder zu greifen und eine Petition gestartet. Ziel: ein Spielplatz, der auch unter einem Meter Körpergröße Spaß macht – mit Mini-Rutschen, Sandspiel-Oasen und Elternbänken, am besten mit integrierter Rückenmassagefunktion (okay, das stand nicht drin, aber träumen darf man ja).
Und während Mama M. um Unterstützer wirbt, sorgt anderswo eine defekte Wippe für Aufruhr. Auf dem Spielplatz „Am Heidekrug“ ist das gute Stück – laut Stadt – nicht mehr zu retten. Die Konsequenz: Absperrung, dann Abriss. Und dann? Nichts. Nur frischer Mutterboden. „Da lässt die Stadt einfach Gras über die Sache wachsen“, kommentiert eine aufmerksame Leserin trocken. Humor hat sie, das muss man ihr lassen.
Doch Moment! Es gibt Hoffnung – in Form eines städtischen Verfahrens, das mindestens so geschmeidig abläuft wie ein barfußlaufender Dreijähriger über Kies. Erst muss der Bedarf ermittelt werden, dann werden Spielplatzpaten befragt (ja, die gibt es wirklich!), dann wird geplant, genehmigt, bestellt – und wer weiß, vielleicht spielt der kleine Tim dann mit seinen Enkelkindern auf der neuen Wippe.
Die Stadt Hilden beteuert derweil: Alles sei sicher, alles sei normgerecht, alles sei barrierefrei – und überhaupt: Die Spielplätze seien regelmäßigen Prüfungen unterzogen. Es gibt sogar Sitzgelegenheiten! Mit Picknicktisch! Und Schatten! Und ein „Drehspielgerät“, das allein durch seinen Namen schon mehr Spannung verspricht als so mancher Netflix-Film.
Und so bleibt es beim munteren Hin und Her: Eltern wünschen sich mehr für die Kleinen, die Stadt verweist auf Planungskapazitäten, Spielplatzpaten warten auf Rückmeldungen, und irgendwo in Hilden liegt eine Ex-Wippe begraben, die vielleicht mal als Denkmal für kindliche Hoffnungen wieder ausgegraben wird.
Bis dahin: Hummel, Hummel – Spielgerät ade!
Donnerstag, 17. Juli 2025
17.7.2025: Glasfaser in Hilden: Jetzt wird gemeinsam gebuddelt!
In Hilden tut sich was unter der Erde – und das ist ausnahmsweise mal positiv gemeint. Die Stadtwerke Hilden und die Telekom haben beschlossen, gemeinsam das Glasfasernetz auszubauen. Oder, wie man es auch formulieren könnte: Es gibt endlich Hoffnung auf Internet, das schneller ist als ein gelangweilter Postbote mit Kaffeepause.
Der Bürgermeister zeigt sich begeistert: Dr. Claus Pommer betont, wie wichtig so ein modernes Netz für die Zukunft Hildens ist – und zwar sowohl für Unternehmen als auch für Bürgerinnen und Bürger, die sich beim Streamen von Serien bislang gefühlt haben wie in einem 90er-Jahre-Modem-Horrorfilm: „Bitte warten… Puffering… Fehler 404“.
Die Idee dahinter ist bestechend: Wenn man schon Geld, Zeit und Nerven investieren muss, dann doch lieber gemeinsam. Die Stadtwerke bringen Erfahrung mit aus dem Glasfaserausbau in den Gewerbegebieten, die Telekom bringt... na ja, immerhin rosa Farbe und eine Menge Kabel. Und zusammen wollen sie nun ganz Hilden erschließen. Das klingt ambitioniert – aber auch ein bisschen nach „wir schauen mal, wie weit wir dieses Jahr kommen, bevor der Winter das nächste Mal zuschlägt“.
Die Gespräche laufen laut Stadtwerke-Geschäftsführer Hans-Ullrich Schneider „auf Augenhöhe“. Das ist immer ein gutes Zeichen – vor allem, wenn keiner mit dem Bagger schneller buddelt als der andere. Wenn alles glatt läuft, gibt es bis Ende des Jahres einen Kooperationsvertrag. Und danach? Wird fleißig verlegt, vergraben und verbunden. Wahrscheinlich mit Baustellenschildern, Umleitungen und neugierigen Senioren, die jeden Tag fragen: „Was machen Sie denn da?“
Was das Ganze bringen soll? Arbeitsplätze sichern, die Stadt digital fit machen und vielleicht irgendwann ermöglichen, dass ein Zoom-Call in Hilden nicht mehr nach Daumenkino aussieht. Wenn das keine Lebensqualität ist!
Jetzt heißt es also: Warten auf Glasfaser – aber diesmal nicht in Schneckentempo. Sondern mit vereinten Kräften und ordentlich Schwung. Und wer weiß? Vielleicht ist bald das Internet in Hilden schneller als die Glasfasergeschichte selbst erzählt wurde. Wobei… das wäre wirklich revolutionär.
Mittwoch, 16. Juli 2025
16.7.2025: Hildener Bildungsbürger bald pleite – Preiserhöhung mit Bildungsauftrag
Ab dem 1. August wird’s musikalisch teurer und literarisch kostspieliger: Hilden hat beschlossen, Kulturbildung künftig mit einem Hauch von Luxus zu versehen. Wer Geige lernen oder Goethe lesen will, darf dabei gleich ein bisschen Lebenserfahrung in Form von erhöhten Gebühren sammeln. Der Stadtrat sagt: Das ist „turnusmäßig“. Die Bürger sagen vermutlich: „Ach, das auch noch?!“
Zunächst zur Musikschule. Die Preiserhöhung dort klingt wie ein leises Crescendo: Zwei Prozent mehr auf alles – fast wie beim Supermarkt, nur dass man hier am Ende keine Nudeln, sondern eine Querflöte in der Hand hält. 45 Minuten Einzelunterricht kosten bald 125,25 Euro. Eine Zahl, die nicht nur musikalisch klingt, sondern auch nach: „Oha, vielleicht bleib ich doch beim Blockflötenspiel auf YouTube.“
Auch das JeKits-Programm trifft es – das niedliche Kürzel steht für „Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“, aber ab August wohl eher für „Jetzt etwas Kostspieliger im dritten Schuljahr“. Immerhin: Erwachsene zahlen weiterhin 25 Prozent extra – vermutlich als kleine Strafe für das eigene frühe Aufgeben beim Klavierunterricht.
Instrumente ausleihen bleibt möglich, aber auch das wird teurer. 96 Euro im Jahr für ein „einfaches“ Instrument. Wer sich also einen Einsteigerkontrabass ausleihen will – und keine Angst vor Bandscheibenvorfällen hat – darf das tun, solange der Neupreis unter 500 Euro liegt. Für teurere Schätze steigt die Leihgebühr auf 180 Euro. Wer da noch Geige übt, muss wohl wirklich brennen für Paganini.
Neu im Programm: Ensemble-Coaching! Klingt nach Business-Seminar, ist aber tatsächlich musikalisches Team-Building. Wer als Erwachsener mitmacht, zahlt 50 Prozent des Ensemblepreises plus 25 Prozent Erwachsenenaufschlag – sofern man nicht schon ein anderes Fach belegt. Vielleicht wäre das auch ein gutes Finanzierungsmodell fürs Stadttheater: „Sitzplatz nur mit Soloprobenpflicht“.
Die Stadtbibliothek zieht ebenfalls nach – hier wird aus „umsonst und draußen“ langsam „kostspielig, aber drin“. Die Jahresgebühr steigt auf 20 Euro für Einzelpersonen, 23 Euro für Familien. Dafür gibt’s CDs jetzt vier Wochen statt zwei. Ein echter Trost für alle, die noch ein funktionierendes CD-Laufwerk besitzen. Oder Kinder mit Tonieboxen.
Und wer seine Bücher dreimal falsch zurückgibt, darf künftig ein Jahr Pause machen – Literatur ist eben keine Einbahnstraße. Apropos Einbahnstraße: Wer über 10 Euro Schulden hat, wird rigoros gesperrt. Die Stadt hat offensichtlich genug von säumigen Lesern und will ihre Bibliothek lieber mit Menschen füllen, die pünktlich und schuldenfrei sind – also ungefähr drei Personen.
Insgesamt sollen die Änderungen jährlich rund 6000 Euro mehr in die Kassen der Stadtbibliothek spülen. Damit kann man sich vielleicht ein paar neue Bestseller leisten. Oder ein Flipchart. Die Musikschule bleibt in ihrer Einnahmeerwartung etwas vage – was daran liegt, dass Musikunterricht eben nicht so berechenbar ist wie ein Haushaltsplan. Wer hätte gedacht, dass Kulturförderung so spannend klingen kann wie ein Wirtschaftskrimi?
Bleibt die Frage: Wird Hilden jetzt zur Eliteschmiede für reiche Leseratten und wohlhabende Hobbycellisten? Oder ist das einfach der Preis der Zeit? In jedem Fall kann man sagen: Wer in Hilden künftig Kultur genießen will, darf das tun – aber eben nicht mehr ganz für lau. Dafür mit Stil, Haltung und einem leisen Summen im Portemonnaie.
Samstag, 12. Juli 2025
12.7.2025: Sonnenklar! Hilden bekommt seinen Solarpark – und ein bisschen Drama dazu
Es war ein langer, heiß diskutierter Ritt durch Ausschüsse, Bürgeranregungen und politische Zwickmühlen, aber jetzt ist es offiziell: Hilden bekommt einen Solarpark! Genauer gesagt: eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage mit Speicher in Karnap-West. Die Entscheidung fiel nicht etwa durch einen Sonnenstrahl der Erleuchtung, sondern – ganz klassisch demokratisch – in geheimer Abstimmung. 44 Ja-Stimmen, 17 Neins, null Enthaltungen. Wer jetzt denkt, Politik sei langweilig, hat noch nie erlebt, wie in Hilden über Ackerflächen diskutiert wird.
Die Stadt hat nämlich Großes vor: klimaneutral bis 2035. Das geht laut den Grünen nicht allein mit ein paar Solarpanels auf Einfamilienhausdächern und dem guten Willen der Wetter-App. Also muss eine größere Fläche her – ungefähr so groß wie fünf Fußballfelder, direkt an der Straße „An den Gölden“. Klingt idyllisch, war aber bis vor Kurzem noch ein beliebtes Naherholungsgebiet. Und hier prallte alles aufeinander, was man für eine richtig gute Lokalposse braucht: Naturromantik trifft Klimaziel, Bürgerengagement auf Ratsfraktionen mit Identitätskrise, und mittendrin die Stadtwerke, die künftig kräftig Sonnenstrahlen in Kilowattstunden umwandeln wollen.
Die CDU war so zerstritten, dass sie kurzerhand den Fraktionszwang aufgehoben hat – das politische Äquivalent zu „Sucht euch selbst was zu essen, ich hab keine Lust mehr zu kochen“. Die FDP, die Bürgeraktion und die AfD sagten: „Gute Idee, aber bitte woanders.“ Die SPD wiederum winkte mit dem Zaunpfahl Richtung Bürgerbeteiligung: „Wir haben euch doch gefragt – jetzt seid bitte auch zufrieden!“ Und die Grünen? Die blinzelten optimistisch gen Himmel und sagten: „Mehr Sonne, weniger CO₂, fertig.“
Jetzt also Solarplatten statt Spaziergänge, Strom statt Stille, Klimaneutralität statt Kleingartenidylle. Der Solarpark kommt, und mit ihm die Hoffnung, dass sich regenerative Energie und kommunaler Frieden irgendwie miteinander versöhnen lassen. Vielleicht bei einer Einweihungsfeier mit Sonnenhut, Eistee und einer Diskussionsrunde über die beste Himmelsausrichtung für Photovoltaik.
Bis dahin bleibt es spannend – auch bei bewölktem Himmel.
Donnerstag, 10. Juli 2025
10.7.2025: E-Scooter in Hilden: Flitzen verboten! Oder: Der große Slalom durch die Fußgängerzone
Willkommen in Hilden, der charmanten Stadt am Puls der E-Mobilität – zumindest, wenn man den E-Scooter-Fahrern glauben darf, die tagtäglich durch die Fußgängerzone cruisen, als wären sie auf einer elektrifizierten Sightseeing-Tour. Das Problem: Sie dürfen das gar nicht. Nicht ein bisschen. Null. Nada. Niente.
Denn laut Stadtverwaltung ist die Hildener Fußgängerzone für E-Scooter genauso tabu wie Pommes im Freibadbecken. Fahrräder dürfen immerhin nachts mal durchrollen – unter der Woche ab 20 Uhr, samstags sogar schon ab 18 Uhr, sozusagen zur Primetime der Verkehrsfreigeister. Die E-Scooter hingegen haben Hausverbot. Und zwar rund um die Uhr. Das hindert viele aber nicht daran, munter zwischen Brillen-Boutique und Bäckerei durchzudüsen, gerne auch zu zweit auf einem Gerät und mit dem Handy am Ohr. Multitasking in seiner gefährlichsten Form.
Die Stadt zeigt sich bemüht: Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) patrouilliert durch die Zone und weist freundlich darauf hin, dass man den Scooter doch bitte schieben möge. Reaktionen reichen von verständnisvollem Nicken bis zu geübtem Ignorieren mit Sonnenbrille. Ahnden darf der KOD nämlich nichts – das ist Sache der Polizei. Und die kommt manchmal vorbei und verteilt Tickets im Wert eines mittelgroßen Mittagessens: 15 Euro. Wer besonders rücksichtslos unterwegs ist, zahlt vielleicht mehr – vorausgesetzt, es gibt Beweise. Leider haben E-Scooter-Fahrer selten Lust auf Selfies beim Verkehrsdelikt.
Und dann wären da noch die Anbieter: Bolt, Lime, Tier – die Big Player der rollenden Zivilisation. Sie dürfen jeweils 50 Scooter aufstellen. Macht 150 offiziell genehmigte Geräte. Plus private Flitzer. Plus den Wildwuchs aus Nachbarstädten, der sich nicht um kommunale Grenzen schert. Es gibt Zonen, in denen das Abstellen verboten ist – aber ob sich die Scooter selbst daran halten, ist fraglich. Viele parken lieber mitten im Weg, gerne schräg oder liegend, am liebsten dort, wo blinde Menschen garantiert drüberstolpern könnten. Wer das verursacht, darf zahlen – wenn man ihn erwischt.
Aber hey, immerhin sind wir modern! Nordrhein-Westfalen meldet stolze 3043 verunglückte E-Scooter-Fahrer allein im Jahr 2024. Im Kreis Mettmann gab’s 50 Verletzte, einer davon tragischerweise tödlich. Die Zahl steigt, der Spaß bleibt. Denn was sind schon Regeln, wenn man elektrisch unterwegs ist?
Fazit: Wer in Hilden legal durch die Fußgängerzone will, sollte laufen. Oder ein Fahrrad nachts ausführen. Oder sich mit einem Stadtplan bewaffnen und versuchen, die Schulstraße zu finden – das Bermuda-Dreieck der legalen Zweiradnutzung. E-Scooter hingegen bleiben vorerst die illegalen Ninjas der Innenstadt: leise, schnell, ungebremst – und meistens falsch.
Dienstag, 8. Juli 2025
8.7.2025: Hilden lädt auf – Strom für die Müllabfuhr und mehr
Wenn morgens in Hilden ein Müllfahrzeug summt statt röhrt, dann weiß man: Die Zukunft hat leise Rückwärtsgänge. Die Stadt geht mutig voran und zeigt, dass Elektromobilität nicht nur was für hippe Carsharing-Flitzer oder schnurrende Lieferroller ist, sondern auch für die richtig großen Brummer – die Müllwagen. Ja, genau: Müllabfuhr mit Akku! Seit April rollt das erste strombetriebene Müllfahrzeug durch die Straßen, ein zweites folgt bald – offenbar hat es sich im Kollegenkreis herumgesprochen, dass Ladesäulen statt Dieseltanks jetzt angesagt sind.
Und weil Elektromobilität allein noch kein Parkplatzfest macht, wurde der zentrale Bauhof kurzerhand zur städtischen Stromtankstelle umfunktioniert. Ladepunkte wohin das Auge reicht – oder zumindest dahin, wo bisher eher Gabelstapler standen. Die neue Infrastruktur versorgt nicht nur die Müllwagen, sondern auch alle anderen städtischen Fahrzeuge, die künftig auf Elektro umgestellt werden. Vom Parküberwachungs-Roller bis zum Laubbläser-Van: Bald wird nichts mehr in Hilden gestartet, was nicht vorher an der Steckdose hing.
Die Stadt denkt dabei groß – wie ein Stromanbieter mit kommunaler Mission. Die Ladesäulen sollen mitwachsen, genau wie der Elektro-Fuhrpark. Mehr als 30 Fahrzeuge sollen hier künftig gleichzeitig Strom zapfen können. Das klingt ein bisschen nach Elektro-Woodstock, nur ohne Gitarren, aber mit viel Kabelsalat.
Bleibt zu hoffen, dass die Müllabfuhr auch künftig pünktlich kommt – denn wer zu lange lädt, könnte bald in der Strom-Schlange stehen. Immerhin: Wenn in Hilden bald ein ganzer Fuhrpark leise schnurrt statt laut knattert, dann ist das nicht nur gut fürs Klima, sondern auch für alle, die montagmorgens länger schlafen möchten.
Freitag, 4. Juli 2025
4.7.2025: Die Wasserfee von Hilden: Ein Drama in mehreren Akten (ohne Wasser)
Es war einmal eine Wasserfee in Hilden. Sie lebte auf dem Warrington-Platz und hatte eine ganz besondere Gabe: Sie konnte Kinderherzen höherschlagen lassen – theoretisch. Praktisch hingegen hat sie sich in den letzten fünf Jahren mehr als ein Mythos denn als funktionierender Springbrunnen erwiesen. Während anderswo in der Region das Wasser nur so aus den öffentlichen Anlagen spritzt und Kinder fröhlich planschen, bleibt die Wasserfee in Hilden – trocken. Und das mit bewundernswerter Konsequenz.
Pünktlich zur Sommerhitze verabschiedet sich nämlich zuverlässig die Pumpe. Jahr für Jahr. Ein Paradebeispiel für kommunale Kontinuität! Die kleinen Hildener Wasserritter stehen also da, drücken den Knopf – und erwarten das Wunder. Aber nichts passiert. Kein Tröpfeln, kein Spritzen, nicht einmal ein müdes Blubbern. Es bleibt still, stiller, Hilden.
Die Stadtverwaltung lässt sich davon allerdings nicht entmutigen. Sie verkündet regelmäßig frohe Botschaften à la „Die Pumpe ist repariert!“ – was in etwa so glaubwürdig klingt wie „Der BER wird pünktlich fertig“. Und wenn tatsächlich mal ein paar Tropfen sprudeln, wird das gleich zur Wassersensation erklärt, die Kinder könnten „Abkühlung und Spaß“ erleben. Vielleicht mit einer Lupe.
Unvergessen bleibt der Moment, als vor zwei Jahren ein städtischer Mitarbeiter versuchte, die Pumpe mit einem Hammer zu motivieren. Ein Akt zwischen Zauberei und Verzweiflung, der irgendwo zwischen Slapstick und Kunstperformance einzuordnen ist. Der Anzeiger24 war so beeindruckt, dass er anbot, auf eigene Kosten die Wasserfee zu restaurieren und die Technik in Profihände zu geben. Die Antwort der Stadt? Ein selbstbewusstes „Nein“. Man wolle das „selbst machen“. Spoiler: Hat nicht so gut geklappt.
Und jetzt, fast poetisch, vermeldet das Rathaus am 2. Juli 2025 stolz: „Die Wasserfee sprudelt wieder!“ Wahrscheinlich genau so lange, bis dieser Text zu Ende gelesen ist. Dann geht sie wieder in ihren gewohnten Dornröschenschlaf – tief und trocken.
In Hilden ist eben alles möglich. Außer Wasser.
Donnerstag, 3. Juli 2025
3.7.2025: Versteckte Bettensteuer – Hilden entdeckt das Schlafgold
In Hilden wird derzeit heiß diskutiert – und zwar nicht etwa über das Wetter oder den besten Imbiss an der Ecke, sondern über eine Beherbergungssteuer. Richtig gehört! Wer künftig in Hilden die Augen für ein Nickerchen in einem Hotel schließt, könnte dabei dem Stadtsäckel ein paar Euro in die Kissen rieseln lassen. Denn die Stadt fragt sich nun ganz offiziell: Lohnt sich das, wenn wir unsere Gäste für’s Schlafen zur Kasse bitten?
Der Finanzausschuss hat dazu ganz nüchtern geprüft – vermutlich bei schwarzem Kaffee und wenig Begeisterung für romantische Wochenendtrips. Und siehe da: Es spricht nicht viel gegen die Steuer. Im Gegenteil, so die Logik der Stadtväter und -mütter: Wenn Leute ohnehin schon in Hilden übernachten, weil Düsseldorf entweder zu teuer, zu voll oder zu viel Düsseldorf ist, dann kann man daraus doch auch gleich Kapital schlagen. Ein bisschen Cash fürs Kopfkissen – das kann doch nicht schaden.
Auch für Hotels sei das kein Drama, versichert die Stadt. Der Verwaltungsaufwand sei minimal. Die Rechnung geht so: Der Gast zahlt, das Hotel reicht’s weiter, die Stadt freut sich – ganz einfach! Nur die IHK hebt da mahnend den Finger: Wenn nur Hilden eine solche Steuer erhebt, könnte das Gäste vergraulen. Denn wer zahlt schon gerne extra, wenn er zehn Minuten weiter ohne Zusatzkosten schnarchen darf?
Aber hey, vielleicht wird Hilden ja zur neuen Metropole des Steuer-schlafens. „Komm nach Hilden – wo Träume Geld bringen“, könnte bald der neue Slogan sein. Und wer weiß – vielleicht wird das nächste große Tourismus-Highlight nicht der Düsseldorfer Fernsehturm, sondern das komfortabel versteuerte Gästezimmer am Stadtrand.
Hilden, wir sind gespannt, wie es weitergeht – schlaf gut!
Mittwoch, 2. Juli 2025
2.7.2025: Schmelzpunkt Hilden – Wenn die Stadt zur Sauna wird
Wenn selbst die Straßenbäume anfangen, nach einem Eis zu rufen, dann weiß man: Es ist heiß. Richtig heiß. In Hilden rollt nicht nur der Schweiß, sondern auch eine ganze Welle an Maßnahmen an, um die Stadt halbwegs kühl und ihre Bewohner halbwegs bei Bewusstsein zu halten. Willkommen zur Sommeredition „Survivor: Hitzewelle 2025“.
Da haben wir zum Beispiel Elias (13), der sich todesmutig vom Sprungturm im Waldbad stürzt – sinnbildlich für alle, die noch genug Energie haben, sich bei 35+ Grad freiwillig zu bewegen. Für den Rest heißt es: Schatten suchen, Wasser trinken, langsam blinzeln – mehr ist nicht drin. Wer jetzt noch eine Jeans anzieht, hat den Ernst der Lage nicht verstanden.
Die Stadt zeigt sich von ihrer fürsorglichen Seite. Öffentliche Wasserspender? Check. Jalousien im Seniorenheim? Check. Schulfrei ab 27 Grad? Check – zumindest für die Kleinen. Die Großen dürfen weiter schmoren. Immerhin gibt’s in den Pflegeheimen eine offizielle „Wie viel hast du heute schon getrunken?“-Kontrolle – was sich anhört wie ein Wochenendritual, ist hier tatsächlich Gesundheitsvorsorge.
Auch das Krankenhaus dreht die Klimaanlage auf Anschlag, während die Feuerwehr heldenhaft zwischen Hitzeschutz und Einsatzkleidung balanciert. Die Stadtbäume werden inzwischen besser bewässert als so mancher Balkon-Kaktus. Zwei Fahrzeuge fahren täglich mit 7200 Litern durch die Straßen – das klingt nach einem Einsatzkommando auf Mission „Rettet die Linde!“.
Im Waldbad herrscht Hochbetrieb – selbst Security ist im Einsatz, um die Bikini-Massen zu bändigen. Wer klug ist, kommt mit Online-Ticket und Fahrrad. Wer Pech hat, steht ewig an und schmilzt dabei langsam zur Gummiente. Und selbst die Kirche wird zur kühlen Zuflucht – ganz ohne Predigt, aber mit Trinkwasser. Selig sind die Durstigen.
Nicht zu vergessen: Das Tierheim macht dicht. Verständlich – bei diesen Temperaturen will kein Hund Gassi gehen. Und auch kein Mensch. Bleibt nur noch eines: Abwarten, trinken, Schatten suchen. Und hoffen, dass uns der Sommer nicht endgültig durch grillt.
Hilden schwitzt. Aber mit Stil.
Dienstag, 1. Juli 2025
1.7.2025: Frühaufsteher im Namen der Tonne – Wenn Müllwerker dem Sonnenbrand davonlaufen
Der Sommer hat beschlossen, keine halben Sachen zu machen – und während wir Normalsterblichen noch darüber nachdenken, ob man bei 39 Grad eigentlich direkt schmilzt oder vorher explodiert, hat der Zentrale Bauhof Hilden schon gehandelt. Müllabfuhr jetzt ab 6 Uhr morgens! Wer da noch friedlich in der Horizontalen liegt, könnte durch das dezente Scheppern rollender Mülltonnen jäh aus dem Hitzeschlaf gerissen werden.
Doch bevor Beschwerden aufsteigen wie heiße Luft über dem Asphalt: Es geht hier ums Überleben. Und zwar das der Müllwerker, die ohnehin schon einen Knochenjob machen – jetzt aber noch vor dem Morgengrauen gegen Restmüll, Bioabfall und die Gluthitze gleichzeitig antreten müssen. Ein echter Triple-Whammy. Bauhofleiter Torsten Rekindt bringt es auf den Punkt: Wer bei fast 40 Grad noch Tonnen hebt, braucht mehr als nur ein Deo mit 48-Stunden-Schutz – der braucht einen früheren Start, bevor der Asphalt flüssig wird.
Natürlich bleibt der Abfallkalender wie er ist. Die Mülltonne erwartet also trotz Sommerloch dieselbe Disziplin wie ein Schweizer Uhrwerk. Die Stadt appelliert an uns alle, unsere grauen, blauen und braunen Begleiter rechtzeitig an die Straße zu stellen – gern mit einem freundlichen „Guten Morgen“ um 5:59 Uhr. Wer jetzt noch motzt, dem sei gesagt: Lieber ein bisschen früher wach als später vor einer überhitzten Mülltonne mit Eigengeruch.
Also: Wecker stellen, Müll herausbringen und den Helden in Orange einen kleinen Gruß des Respekts mitgeben. Vielleicht ein kühles Getränk. Oder zumindest ein anerkennendes Nicken aus dem Schlafzimmerfenster.
Montag, 30. Juni 2025
30.6.2025: Hilden und der Regenbogen: Wenn Einhornpolitik auf Straßenverkehr trifft
In Hilden hat man sich endlich entschieden: Regenbogenfarben dürfen auf den Asphalt – zumindest fast. Mit einer Mehrheit so hauchdünn wie der Streifen zwischen Latte Macchiato und Milchschaum (elf zu zehn Stimmen) hat der Stadtentwicklungsausschuss einen Antrag der Grünen angenommen, um ein buntes Zeichen für Toleranz, Vielfalt und „bitte guck nicht so grimmig beim Pendeln“ zu setzen. Nur eben nicht dort, wo der Zebrastreifen normalerweise seine weißen Pfotenabdrücke hinterlässt, sondern elegant seitlich auf der Mittelinsel des Bahnhofsvorplatzes.
Denn der echte Straßenverkehr – der mit StVO, Regeln und deutschen Gründlichkeitsgefühlen – erlaubt nun mal keine Regenbögen auf dem Asphalt. Weiß ist erlaubt. Gelb auch. Aber Regenbogen? Da schlägt die Straßenverkehrsordnung mit der kalten Faust der Bürokratie zu und murmelt streng: „Nicht mit mir!“
Die Grünen hatten sich dabei gar nichts Böses gedacht. Man wolle mit der Maßnahme ein klares Zeichen gegen die Verdrängung marginalisierter Gruppen setzen – und ein bisschen Hoffnung, Frieden und vielleicht auch Einhornstaub versprühen. Doch die Stadtverwaltung winkte ab: Ein Regenbogen-Zebrastreifen sähe dem echten Zebrastreifen einfach zu ähnlich. Und das, liebe Leute, sei verboten. Denn im Straßenverkehr ist nichts schlimmer als ein falsches Signal – außer vielleicht ein blinkender Weihnachtsbaum auf dem Autodach.
Also kam man auf eine Lösung, wie sie nur im deutschen Mittelstandsbürokratiestaat entstehen kann: Der Regenbogen kommt auf die Mittelinsel. Nicht Fisch, nicht Fleisch – aber immerhin bunt. Keine Verkehrsgefahr, keine Verwechslungsgefahr, kein Paragraphenschock. Einfach Farbe auf dem Gehweg – oder wie man in Hilden sagt: politische Substanz mit einem Pinselstrich.
Natürlich war das Thema heiß diskutiert – nicht nur in Hilden, sondern auch in anderen Kommunen, die beim Thema Vielfalt zwischen Euphorie und „früher war alles schwarz-weiß“ schwanken. In Nürnberg zum Beispiel ist der Regenbogen schon längst auf der Straße. In Kleve wurde heftig gestritten. Und in Hilden? Da wurde abgestimmt, diskutiert, gelächelt – und wahrscheinlich auch ein bisschen die Augen verdreht.
Bleibt nur zu hoffen, dass der Regenbogen auf der Mittelinsel nicht gleich wieder Opfer von Vandalismus wird – die Stadt warnt bereits vor schwarzen Farbattacken. Aber vielleicht, ja vielleicht, schafft es Hilden ja, mit ein bisschen Farbe auf der Verkehrsinsel ein kleines Stück Toleranz in den Alltag zu bringen. Und wer weiß: Vielleicht folgt bald der erste Fußgänger, der sich beim Überqueren denkt: „Wow, das war der bunteste Weg zur Arbeit seit dem Karneval.“
Samstag, 28. Juni 2025
28.6.2025: Maschen für Mitgefühl: Wie Hilden mit Wolle die Welt verbessert (und ein bisschen auch sich selbst)
Hilden hat eine Mission – und sie ist flauschig. Es wird wieder gestrickt! Nicht nur zum Zeitvertreib, sondern mit echter Doppelfunktion: Hände beschäftigen, Herzen erwärmen und dabei auch noch Gutes tun. Unter dem Motto „Hilden wärmt“ wird jetzt wieder zur Stricknadel gegriffen – und das nicht nur von Omas mit Jahrzehnten Erfahrung, sondern auch von neugierigen Anfänger*innen, die bislang nur wussten, dass „Maschenprobe“ keine neue Reality-Show ist.
Die Stadt Hilden und ihre fünf Nachbarschaftszentren schwingen gemeinsam mit dem Stellwerk die Nadeln. Ab dem 1. Juli dürfen selbstgestrickte Werke aller Art ins Stellwerk (Mittelstraße 40) gebracht werden. Ob Socken, Schals oder Stulpen – alles, was warm macht, darf in den Sammelkorb. Und wer lieber spendet, statt zu stricken, kann das auch tun: Wolle, Nadeln, Motivation – alles willkommen.
Für alle, die bislang nur wussten, dass Stricken etwas mit Wolle und Geduld zu tun hat, gibt es zwei Termine zum Dazulernen: am 16. Juli und 27. August, jeweils von 15 bis 18 Uhr in Raum 11. Dort wird gestrickt, geschnackt und gelacht – mit einer Mischung aus „Strickkurs für Dummies“ und „Woll-Philosophie für Fortgeschrittene“. Anmeldung per Mail oder Telefon – ganz analog oder digital, je nach Vorliebe.
Aber warum das Ganze? Weil der Erlös aus dem Verkauf der Strickkunstwerke an ein Projekt geht, das fast noch wärmer macht als ein handgestrickter Wollpullover: die „Leihgroßeltern“. Diese engagierten Held*innen ohne Cape, dafür mit viel Geduld und Geschichten, verbringen Zeit mit Kindern, deren echte Großeltern gerade nicht greifbar sind. Lesen, Basteln, Spielplatz unsicher machen – alles dabei. Und das Beste: Alle Beteiligten dürfen selbst entscheiden, wie viel Zeit sie investieren möchten. Strickzeit mit Sinn also.
Kurz gesagt: In Hilden wird wieder gestrickt – mit Herz, mit Humor und mit einem guten Zweck im Blick. Wer da keine Masche fallen lässt, ist eindeutig auf der richtigen Nadelspur.
Mittwoch, 25. Juni 2025
25.6.2025: Strom aus der Luft – Warum James Bond jetzt in Hilden arbeitet
Es ist ein ganz normaler Morgen in Hilden. Die Vögel zwitschern, der Kaffee dampft, und plötzlich – ein lautes Wummern am Himmel. Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, es ist… Westnetz! Oder besser gesagt: ein Westnetz-Hubschrauber, der in gemütlichem Rentnertempo von 20 bis 25 km/h über unsere Köpfe schwebt. Man könnte meinen, er sucht einen Landeplatz für den nächsten Grillabend – doch nein, es geht um Hochspannung.
Die Technikhelden von Westnetz schauen nämlich nicht nur auf Google Maps, wenn sie sich über ihr Leitungsnetz informieren. Sie nehmen gleich den Helikopter! In luftiger Höhe zwischen 20 und 70 Metern fliegen sie über Hilden und Haan und spähen nach Blitzschäden, schmutzigen Isolatoren und dem einen oder anderen Mast mit Haltungsschäden. Ganz wie bei einer Promi-Beauty-OP: Alles muss sitzen, nichts darf durchhängen.
Michael Bechmann, der Sherlock Holmes der Stromleitungen, erklärt das Ganze ganz sachlich – dabei ist es im Grunde ein bisschen wie „Verstehen Sie Spaß?“ in luftiger Höhe: Da wird nicht nur von oben geguckt, sondern auch von unten. Mit geschultem Blick und vermutlich stoischem Gesichtsausdruck inspizieren die Westnetz-Leute alles vom Mastfuß bis zur Fundamentspitze. Und wehe, jemand hat da unsachgemäß mit dem Traktor geparkt – die wissen, wo du wohnst!
Natürlich steckt hinter dem Luftzirkus ein ernstes Ziel: Die Energieversorgung soll sicher bleiben, selbst wenn Mutter Natur mal wieder mit Gewittern, Regen oder einem besonders schlecht gelaunten Storch um sich wirft. Also keine Panik beim nächsten Helikopter-Geräusch über dem Garten: Das ist kein Hollywood-Dreh, das ist einfach nur Westnetz, die aus der Vogelperspektive für Spannung sorgen – ganz ohne Cliffhanger.
Donnerstag, 19. Juni 2025
19.6.2025: Fahrradfrust statt Fahrtwind: Hilden tritt kräftig daneben
Wer in Hilden Fahrrad fährt, braucht neben einer guten Gangschaltung vor allem starke Nerven – und am besten gleich einen Schutzengel auf dem Gepäckträger. Denn laut dem aktuellen Fahrradklimatest des ADFC ist die Stimmung unter Hildener Radfahrern ungefähr so sonnig wie ein Novembermorgen. Eine Gesamtnote von 4,3 – das ist keine sportliche Bestleistung, sondern eher ein Fall für die pädagogische Nachhilfe.
Man könnte sagen, Hilden hat es geschafft: sich von einem mittelmäßigen Platz auf der Bundesbühne der fahrradfreundlichen Städte auf einen der hinteren Plätze durchzuradeln. Platz 91 von 113 klingt schon fast wie eine neue olympische Disziplin im „Slalom zwischen Schlaglöchern und hupenden SUVs“. Und im Landesvergleich? Da heißt es: Platz 34 von 46 – immerhin noch besser als der 35., aber auch nur, weil der vermutlich keine Radwege hat, sondern nur Warnschilder mit „Betreten auf eigene Gefahr“.
Besonders die Sicherheit sorgt für Gänsehaut – und zwar nicht vor Freude. Mit einer Bewertung von 4,7 für das Sicherheitsempfinden wünscht man sich als Radfahrer fast schon eine Ritterrüstung als Standardausstattung. Kein Wunder, wenn der Konflikt mit dem Autoverkehr mit 4,6 ebenfalls auf der Beliebtheitsskala ungefähr zwischen Zahnarztbesuch und Steuererklärung rangiert.
Richtig frostig wird’s beim Winterdienst: Note 5,1. Da hilft nur noch Spikes auf den Reifen und beten, dass man beim morgendlichen Rutschpartie nicht versehentlich in einem Parkhaus landet. Und bei Ampelschaltungen (5,3) scheint es, als hätten die Verkehrsplaner beschlossen, Radfahrende durch exzessives Warten zu Zen-Meistern in Geduld zu erziehen. Die schmalen Radwege (5,4) runden das Slalom-Erlebnis stilvoll ab – wer braucht schon Platz, wenn man auch Abenteuer haben kann?
Zugegeben, es gibt Lichtblicke: Die Fahrradständer schneiden mit 3,5 ab – immerhin ausreichend Platz, um das Fahrrad anzuschließen, bevor es einem geklaut wird (Diebstahl: 4,2, also etwas besser als „ständig weg“). Und ja, sogar die Fahrradmitnahme im ÖPNV wird marginal besser bewertet – vielleicht, weil man da wenigstens kurz aufatmen kann, ohne Angst vorm nächsten Bordstein zu haben.
Der ADFC fordert nun eine zügige Umsetzung des Mobilitätskonzepts. Klingt vernünftig – klingt aber auch nach einem jener Pläne, die so lange durch Ausschüsse radeln, bis sich das Problem von selbst erledigt hat. Nämlich dann, wenn niemand mehr freiwillig aufs Rad steigt.
Kurzum: Hilden muss kräftig in die Pedale treten – nicht nur auf dem Radweg, sondern endlich auch in Sachen Infrastruktur. Denn mit einer „Vier minus“ auf dem Zeugnis ist noch keiner zur Verkehrswende durchgestartet.
Mittwoch, 18. Juni 2025
18.6.2025: Tafeldienst mit Herz, Humor – und einem Hauch Abenteuer
Wenn sich Ehrenamt in Hilden gerade nach einem „Ruf der Wildnis“ anhört, dann ist das kein Zufall. Die Tafel braucht dringend Verstärkung – und zwar nicht nur, weil gerade Urlaubszeit ist und die freiwilligen Heldinnen und Helden auch mal Sonne tanken wollen. Nein, auch weil die Nachfrage nach den wohltuenden Waren immer weiter steigt. Über 1000 Menschen in Hilden zählen mittlerweile auf die Unterstützung – und wenn da mal der Gurkensalat nicht rechtzeitig kommt, kann das im schlimmsten Fall zu diplomatischen Krisen in der Warteschlange führen.
Hubert Bader, Geschäftsführer des SKFM (das klingt übrigens nach einem geheimen Spionagebund, ist aber in Wirklichkeit der Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer), ruft daher zur freiwilligen Frontverstärkung auf. Und dabei sind die Einsatzmöglichkeiten so flexibel wie ein Turnvater auf der Yogamatte: Wer morgens Lust hat, in aller Herrgottsfrühe mit einem Tafeltransporter auf Abenteuerfahrt durch Supermärkte, Bäckereien und andere Quellen der kulinarischen Hoffnung zu gehen – bitte sehr! Wer eher der Typ „Ich brauche erst drei Kaffee und dann schaffe ich Berge“ ist, darf am frühen Nachmittag beim Sortieren, Packen und Lächeln helfen.
Besonders charmant: Auch Paare können gemeinsam Touren übernehmen. So wird aus dem gemeinsamen Wochenendeinkauf plötzlich eine romantische Hilfsaktion – mit Zwischenstopp bei Lidl statt beim Italiener. Und wer sich noch nicht ganz sicher ist, ob das Tafel-Abenteuer das Richtige ist, darf erstmal gucken kommen. Ganz ohne Verpflichtung, aber mit ganz viel Kaffee (vermutlich), netten Menschen (definitiv) und einer großen Portion Sinnhaftigkeit.
Kontaktaufnahme ist ganz einfach – per Mail oder Telefon. Und wenn Sie jetzt denken: „Ach, das wäre doch was für mich!“ – dann hören Sie nicht auf zu denken, sondern melden Sie sich. Die Tafel freut sich. Die Menschen freuen sich. Und vielleicht freuen Sie sich auch, wenn Sie mittwochs beim Marmeladenglas-Verteilen plötzlich merken: Helfen kann ziemlich glücklich machen.
Montag, 16. Juni 2025
16.6.2025: Licht an, Hirn an – Hilden wird hellgrün
Manche Städte machen aus ihrer Straßenbeleuchtung eine Wissenschaft. Hilden macht jetzt Ernst – mit LED! Die Zeiten, in denen jede Laterne auf dem Weg nach Hause einem das Gefühl gab, in einem Edgar-Wallace-Film mitzuspielen, sind gezählt. Statt schummriger Glühbirnen gibt’s nun stromsparendes Superlicht. Willkommen im Zeitalter der Erleuchtung, powered by SPIE – nein, nicht das Agenten-Kartell, sondern die SPIE SAG GmbH, frisch gebackene Straßenbeleuchtungschefin in Hilden.
Seit dem 1. April – kein Scherz! – hat SPIE die Lampe in die Hand genommen und sorgt nun dafür, dass unsere Straßen nicht nur hell, sondern auch effizient beleuchtet werden. Dabei wurde der Staffelstab ganz gentlemanlike von der swb Beleuchtung GmbH überreicht. Der Vertrag läuft noch bis 2034, genug Zeit also, um auch die letzten störrischen Funzeln zu modernisieren. SPIE betreibt übrigens nicht nur Lampenliebe in Hilden – das Wuppertaler Servicebüro versorgt gleich eine ganze Armee an NRW-Kommunen mit Licht und Leidenschaft.
Und der Fortschritt lässt sich sehen: Von 5.256 Laternen sind schon rund 3.500 auf LED umgerüstet. Das sind nicht nur gute Nachrichten für die Stromrechnung, sondern auch für den CO₂-Fußabdruck der Stadt. Denn jedes eingesparte Watt ist ein Schritt raus aus der Klimakatastrophe – und rein ins Licht. Also, liebe Hildener: Wenn euch beim Abendspaziergang ein besonders helles Licht aufgeht – nicht erschrecken. Das ist nur eure neue, umweltfreundliche Straßenbeleuchtung. Und wer weiß, vielleicht macht sie ja sogar das eine oder andere Selfie ein bisschen schöner.
Samstag, 14. Juni 2025
14.6.2025: Von der Hähnchenbude zum Sonnenimperium – wie drei Jungs aus Hilden die Energiewende mit Balkonpower rocken
Es gibt Geschichten, bei denen man sich fragt, ob da jemand nicht ein bisschen zu tief ins Solarmodul geschaut hat – und dann merkt man: Nein, das ist wirklich passiert. Willkommen bei Solago, dem Onlinehändler aus Hilden, der sich innerhalb von drei Jahren vom 40-Quadratmeter-Budenstart-up neben einer Hähnchenbraterei zur potenten Sonnenmacht mit einem geplanten Jahresumsatz von 250 Millionen Euro gemausert hat. Nein, das ist kein Scherz – die haben nicht nur mehr Module als der örtliche Baumarkt, sondern bald auch mehr Fläche als ein Ikea.
Es fing alles so herrlich bodenständig an: Drei Gründer, ein Miniladen und vermutlich die besten Pommes der Stadt gleich nebenan. Statt stylischem Coworking-Space gab’s Hähnchenduft und Sonnenstrom auf engstem Raum – der Silicon Valley-Spirit, nur eben made in Hilden. Doch dann kam der Solarboom, und plötzlich lagen die Module nicht mehr nur auf Dächern, sondern in jeder freien Ecke, draußen, drinnen, im Zweifel wahrscheinlich auch im Pausenraum. Es war klar: Entweder ziehen sie um, oder bald stapelt einer aus Versehen einen Praktikanten unter einem Wechselrichter.
Die Lösung? Expansion nach Düsseldorf-Reisholz – eine Halle mit 20.000 Quadratmetern. So groß, dass man sich dort verirren kann und eine Woche später mit einem Stapler-Konvoi wieder herausgeholt wird. Und das ist nur der Anfang: Erst wird gelagert, dann logistikiert (gibt’s das Wort? Wenn nicht, sollte Solago es erfinden), und das alles in einem Tempo, bei dem selbst Elon Musk sagt: „Moment, was machen die da eigentlich?“
Die Produkte? Von handlichen Balkonkraftwerken für die DIY-Fraktion („Schatz, ich bin mal kurz auf dem Dach“) bis zur Komplettanlage für Leute, die Strom selbst erzeugen, anstatt ihn teuer vom Nachbarn zu schnorren. Und weil alles online läuft, ist das Zeug auch noch 30 bis 40 Prozent günstiger als beim stationären Händler, wo man fürs gleiche Geld vielleicht ein Beratungsgespräch und einen Kaffee bekommt – aber kein Sonnenkraftwerk für den Schrebergarten.
Und obwohl Janik Nolden früher offenbar regelmäßig vom Büro aus in die Lagerhalle joggte, um mal eben einen Lkw zu entladen („Start-up-Romantik“ nennt man das), ist heute alles ein bisschen professioneller. Die Logistik ist getrennt, die Mitarbeitenden radeln mit dem Dienstfahrrad zur Arbeit, und wer heute bei Solago anruft, landet wahrscheinlich nicht mehr direkt beim Chef, der gerade mit Solarzellen jongliert.
Dabei bleibt der Spirit sympathisch bodenständig: keine Investoren, kein fremdes Geld, keine künstlich aufgeblasenen Businesspläne. Einfach machen, wachsen, staunen – und dabei am besten nicht zu oft darüber nachdenken, wie schnell das alles ging. Denn sonst merkt man: Aus dem kleinen Sonnenladen von nebenan ist ein ziemlich hell strahlendes Imperium geworden.
Und wer weiß – vielleicht steht demnächst auf dem ehemaligen Parkplatz des Hähnchengrills ein Solarturm. Mit Drive-In.
Freitag, 13. Juni 2025
13.6.2025: Sperrung mit Aussicht: Wenn die S-Bahn Pause macht und die Brombeeren übernehmen
Zwischen Hilden und Düsseldorf tut sich was – und zwar ordentlich. Die S-Bahn-Linie S1 hat sich in eine mehrmonatige Auszeit verabschiedet, während die Deutsche Bahn mit dem Selbstbewusstsein eines Chirurgen an ihrer Infrastruktur herumschnippelt. Die Strecke ist seit dem 2. Mai dicht, und statt quietschender Züge gibt es jetzt Brombeersträucher im Gleisbett und LKWs, die mehr Betonplatten schleppen als ein durchschnittlicher Heimwerker im ganzen Leben verbaut.
Wozu das Ganze? Nun, die Bahn will ein elektronisches Stellwerk bauen. Nicht irgendeins, sondern eins mit Zukunft – also ohne Hebel, Muskelkraft oder „Wir müssen den Hebel mal eben mit dem Fuß freikloppen“-Technologie. Stattdessen soll ab 2028 in Düsseldorf-Rath eine Hightech-Zentrale entstehen, von der aus auch Eller, Hilden und Immigrath dirigiert werden wie ein sinfonisches Orchester. Bis dahin wird allerdings verlegt, gebuddelt, verkabelt und gesperrt, dass es einem beim Lesen fast die Oberleitung durchbrennt.
In Zahlen klingt das fast poetisch: über 480.000 Meter Kabel (das ist mehr als genug, um Düsseldorf siebenmal einzuwickeln), 470 Signale, vier Weichenverbindungen und 55 Kilometer Kabelkanäle. Der Güterverkehr darf bis zum 14. Juni noch durch – danach heißt es: auch für die tonnenschweren Kollegen ist erstmal Wandertag.
Die Passagiere? Dürfen in Busse umsteigen, die in der Rushhour die Stimmung eines IKEA-Parkhauses an Samstagen versprühen. Wer von Solingen nach Düsseldorf will, fährt jetzt auf Gummireifen und hofft, dass der Schnellbus nicht das „Schnell“ vergisst. Der hält übrigens nicht in Hilden – warum auch, man soll sich schließlich auch mal bewegen.
Trotz all der Schweißarbeit bleibt ein Gegner besonders hartnäckig: der Kupferkabeldieb. Der sorgt mit seinen nächtlichen Raubzügen nicht nur für Verspätungen, sondern auch für Herzrasen bei Projektleitern. Deswegen wird jetzt gelagert wie im Bundesbank-Tresor und bewacht wie ein Festival-Backstage-Bereich.
Und während sich die Technikfreunde an der Vorstellung des European Train Control Systems erfreuen und sich die DB-Manager über Flexibilität und Zukunftsfähigkeit austauschen, schaut Hilden auf sein Bahnhofsgebäude und denkt: „Och, ein neues Dach wäre auch mal nett.“ Das wird jetzt gebaut. Irgendwann. Frühestens Ende Juni. Bis dahin bleibt Zeit für die Brombeeren, weiter zu wachsen und die Gleise zu übernehmen wie ein grünes Symbol des Widerstands gegen Fahrpläne und Digitalisierung.
Kurz gesagt: Die Bahn fährt nicht – aber der Fortschritt rollt. Nur eben auf Baustellenreifen.
Donnerstag, 12. Juni 2025
12.6.2025: Blütenpracht und Wimpelwunder: Hilden dreht am Farbrad
Hilden hat's getan. Während in anderen Städten über Innenstadtsterben, graue Fassaden und den neusten Superfood-Laden diskutiert wird, hat man in Hilden einfach mal die Nähmaschinen angeworfen – 1700 Mal, um genau zu sein. Herausgekommen ist ein textiles Gesamtkunstwerk aus Wimpeln, das nun wie ein fröhliches Fähnchenballett über der Fußgängerzone tanzt. 380 Meter Stoffliebe – das ist keine Dekoration, das ist eine emotionale Verkehrssicherungspflicht für gute Laune.
Die Aktion kommt natürlich nicht von ungefähr: Irgendjemand hatte beim Deutsch-Holländischen Stoffmarkt letztes Jahr nicht nur Stoff, sondern auch Ideen im Sonderangebot. Das Kulturamt, das Citymanagement, der Stoffladen „GarnGlück“ und vermutlich eine geheime Liga nähwütiger Hildener haben sich verbündet, um aus Meterware Magie zu machen. Und siehe da – die Mittelstraße sieht jetzt aus, als hätte ein Regenbogen eine Patchwork-Kollektion auf dem Weg zur Fashion Week verloren.
Doch das reicht Hilden nicht. Nein, auch die Blumenampeln feiern ihr Comeback! 350 Geranien der Sorte „Ville de Paris“ hängen nun an den Laternen, ganz so, als ob Paris kurz Urlaub in NRW macht. Und weil Schönheit Pflege braucht, gießen die Ehrenamtlichen vom Stadtmarketing Hilden e.V. die blumigen VIPs persönlich. Blumen Hosten hat sie geliefert, Bastian Mey hat sie strategisch ausgewählt („pflegt sich fast von allein!“ – ein Traum, nicht nur bei Pflanzen).
Citymanagerin Tanja de Vries ist begeistert, Bürgermeister Claus Pommer sowieso – verständlich. Denn wo sonst spaziert man durch ein Meer aus Blüten, unter einer Decke aus selbstgenähtem Optimismus? Die Fußgängerzone ist jetzt nicht mehr nur ein Ort zum Einkaufen – sie ist eine textile Umarmung, ein floraler Stimmungsschub, ein bunter Beweis dafür, dass Gemeinschaft mehr bewirken kann als jeder Stadtratsbeschluss.
Wer also in nächster Zeit durch Hilden flaniert, sollte nicht nur den Blick auf Schaufenster richten, sondern auch mal nach oben – da flattern 1700 Gründe, warum lokale Kreativität und Ehrenamt einfach die besseren Stadtplaner sind.
Montag, 9. Juni 2025
9.6.2025: Kunst, Kultur und keiner zahlt – Das Fabry-Museum in Hilden zwischen Ehrenamt und Ehrenbesuch
Hilden, du hast ein Museum. Und das ist großartig! Denn während andere Städte sich mit Pop-up-Galerien und TikTok-tauglichen Selfie-Wänden begnügen müssen, kann man bei euch „fiese Gewächse mit krimineller Vergangenheit“ bestaunen – was klingt, als hätte jemand einen Serienmörder unter den Zimmerpflanzen vermutet.
Doch so schön es klingt, ganz ohne Nebengeräusche läuft der Kulturbetrieb offenbar nicht. Nur 2.000 zahlende Gäste bei insgesamt 6.000 Besuchern – das ist nicht mal die Auslastung eines durchschnittlichen Trinkhallen-Fußballturniers. Dafür aber immerhin doppelt so viele Ausnahmen beim Eintritt wie bei einem typischen deutschen Formular für Elterngeld.
Denn wer alles umsonst ins Fabry-Museum darf, erinnert ein wenig an die Gästeliste einer rheinischen Hochzeit: Kinder unter sieben, Schwerbehinderte, Träger des Namens „Fabry“ (ja, wirklich), Vereinsmitglieder, Presse, Lehrer, Schüler, Historiker, Ethiker und natürlich die allseits bekannten Museumsverbands-Member. Man hat das Gefühl, der einzige Mensch, der zahlen muss, ist jemand, der aus Versehen reingelaufen ist, weil er dachte, das wäre der Weg zur Post.
Und was kostet uns der ganze Spaß? 322.255 Euro. Pro Jahr. Was, gemessen an der Zahl der zahlenden Besucher, rund 161 Euro Eintritt pro Kopf bedeutet – könnte man meinen. Aber keine Sorge: Die Stadt kann dazu sowieso nichts sagen, weil sich die Museumsarbeit irgendwo zwischen „irgendwer macht irgendwas irgendwo“ abspielt. Auch eine Form der künstlerischen Freiheit.
Man könnte sich also fragen: Wollen wir uns das noch leisten? Oder besser: Können wir uns das Nichtleisten von Kultur überhaupt leisten? Denn irgendwo zwischen fiesen Gewächsen und dunklen Psychen versteckt sich vielleicht doch ein Stück Stadtidentität – und sei es nur als Gesprächsanlass bei der nächsten Haushaltsdebatte oder als Opa-Ausflugsziel mit Bildungsanspruch.
Klar ist: Hilden hat ein Museum. Und solange der Name „Fabry“ noch Hoffnung auf Gratis-Eintritt weckt, ist die Zukunft vielleicht gar nicht so düster. Man müsste nur die Geburtenstatistik ein bisschen steuern.
Sonntag, 8. Juni 2025
8.6.2025: Hilden tanzt, wettet und picknickt – Bürgerfestival mit allem Zipp und Zapp
Hilden steht in den Startlöchern – und zwar nicht etwa für die nächste Stadtratssitzung oder ein weiteres kontroverses Parkraumkonzept (obwohl, das könnte auch spannend sein). Nein, am 5. und 6. Juli wird die Innenstadt kurzerhand zur Festivalzone erklärt! Das 3. Hildener Bürgerfestival wirft nicht nur Schatten voraus, sondern auch Fragen: Wo tanzt man am besten? Wer wettet gegen den Bürgermeister? Und warum ist ein Familienpicknick in der Innenstadt plötzlich der neue Sommerhit?
Von Stadtpark bis Ellen-Wiederhold-Platz soll’s krachen – natürlich im absolut friedlich-musikalisch-kulturellen Sinne. Zwei Bühnen, Chöre mit hoffentlich halbwegs synchronen Sopranstimmen, Tanzgruppen in voller Bewegung und mehr Mitmachaktionen als bei einer Samstagabendshow der 90er. Und ja: Das Ganze ist für alle Generationen gedacht. Oma darf den Limbo probieren, während die Kids sich beim Kinderschminken in glitzernde Feen und wütende Tiger verwandeln.
Ganz besonders brisant wird es bei der Stadtwette: „Hildener wetten gegen Bürgermeister Claus Pommer“. Das klingt ein bisschen nach Gladiatorenkampf mit Satzbau – aber hey, wenn der Bürgermeister plötzlich im Einhornkostüm durch die Fußgängerzone tanzt, hat es sich schon gelohnt. Hoffentlich verliert er. Fürs Publikum. Für die Moral. Fürs Internet.
Wer zwischendurch Hunger bekommt (also nach ungefähr sieben Minuten), wird von Hildener Vereinen mit kulinarischen Angeboten versorgt. Man munkelt, es gäbe alles von Bratwurst bis veganem Linsensalat – und vielleicht sogar die legendäre „Pommer-Platte“, ein mystisches Menü, das nur auf Wetteinsatz serviert wird.
Und für alle, die beim Wort „Festival“ an laute Musik, überteuertes Wasser und Schlamm denken: Keine Sorge. Das hier ist Hilden. Bei uns gibt’s Kultur statt Matsch, Picknick statt Pogotanz – und wer wirklich mutig ist, wagt sich auf die Tanzfläche beim großen Mitmachevent „Hilden tanzt“. Keine Choreokenntnisse erforderlich, aber wer die Macarena rückwärts tanzen kann, bekommt sicher ein paar anerkennende Blicke.
Kurz gesagt: Wer am 5. und 6. Juli nicht in Hilden ist, verpasst den wahrscheinlich charmantesten Bürger-Festival-Wahnsinn dieses Sommers. Und wer doch kommt, sollte auf alles gefasst sein – außer Langeweile.
Freitag, 6. Juni 2025
6.6.2025: Zigarettenkippe sucht Mülleimer – leider vergeblich
Es ist eine dieser unendlichen Geschichten: Zwei Städte, ein Ziel – weniger Kippen auf den Straßen. Hilden und Haan haben sich tapfer vorgenommen, der Nikotin-Nachlassenschaft den Kampf anzusagen. Doch die Realität zeigt: Die Kippe bleibt kleben. Auf Gehwegen, in Rinnsteinen, auf Mülleimerdeckeln – nur nicht da, wo sie hingehört. Es ist wie bei einem schlechten Date: Die Kippe hat einfach kein Interesse an langfristiger Bindung zum Abfallbehälter.
Dabei wurde schon einiges versucht. In Hilden und Haan haben sogar junge Weltverbesserer der Caritas eine “Fill the Bottle”-Challenge gestartet. Die Idee: Kippen aufsammeln, in Flaschen stecken, und damit doppelt Gutes tun – Umwelt entlasten und gleichzeitig ein bisschen Ekelmut beweisen. Leider blieb der große Aha-Effekt offenbar aus. Vermutlich, weil sich Kippen nicht so gut als TikTok-Content machen wie Bubble-Tea und Lost Places.
Jetzt rollt die nächste Welle der Ideen durchs Rathaus. In Haan wird wieder beraten, diskutiert – und eventuell auch resigniert. Die CDU schlägt sogenannte "Abstimm-Aschenbecher" vor. Eine clevere Idee aus Düsseldorf: Man wirft seine Kippe nicht einfach irgendwo hin, sondern trifft damit eine Entscheidung. Etwa: "Ist Ananas auf Pizza genial oder kriminell?" Links rein für “Team Ananas”, rechts rein für “Geh mir weg damit!” – und zack, die Kippe ist weg und das Umweltgewissen ein bisschen leichter. Demokratisches Rauchen quasi.
Doch die Verwaltung in Haan winkt müde ab. Man kennt das Konzept, hat’s aber schon mal durchgekaut und wieder ausgespuckt. Lieber sollen für je 138 Euro neue Kippenbehälter an den Mülleimern installiert werden. Ein stolzer Preis für ein bisschen Aschekomfort. Weil der Spendenaufruf für diese noblen Zigarettengaragen leider floppte, muss jetzt eben der Stadthaushalt ran. Also vielleicht. 2026.
Und in Hilden? Da ist man schon einen Schritt weiter – zumindest auf dem Papier. Die Mülleimer dort haben sogar extra Kippenschächte und Metallplatten zum Ausdrücken. Ein Hightech-Paradies für jeden Zigarettenstummel. Nur – benutzt wird’s nicht. Die Kippen liegen trotzdem oben drauf wie schlechte Ausreden. Deshalb musste die Stadt kürzlich nochmal daran erinnern: Wer die Kippe schnippt, riskiert ein Bußgeld. Also nicht nur Lungen-, sondern auch Portemonnaie-Schaden.
Fazit: Die Kippe bleibt das Phantom der Fußgängerzone. Kaum sichtbar beim Rauchen, aber allgegenwärtig danach. Vielleicht hilft ja nur noch ein radikaler Plan: Nikotin, das leuchtet wie eine Notleuchte, stinkt wie alte Socken und beim Wegwerfen piept wie ein Einkaufswagen ohne Münze. Bis dahin bleibt uns nur die Hoffnung – und die nächste Ausschusssitzung.