Freitag, 20. Februar 2026

20.2.2026: Mit dem Auto ins Wasser: Wenn der Parkplatz mehr schluckt als du

Es gibt ja so Orte, die versprechen dir sofortige Entspannung: ein See, ein Schwimmbad, irgendwo plätschert es, irgendwo schreit ein Kind „Maaaamaaa, der ist gemein!“, und irgendwo sitzt jemand mit Pommes in der Sonne und hat das Leben verstanden. Und dann gibt es den Parkplatz davor. Der Parkplatz ist nämlich nicht Entspannung. Der Parkplatz ist das Bewerbungsgespräch fürs Naherholungsgebiet: „Guten Tag, was können Sie?“ – „Ich kann stehen.“ – „Sehr gut, das kostet dann aber auch.“

Am Unterbacher See war das früher so eine Art romantischer Kompromiss zwischen Mensch und Schranke: erste Stunde frei, ab der zweiten zwei Euro fürs Tagesticket. Das klang nach: „Komm, geh ruhig eine Runde, atme durch, du bist willkommen.“ Und irgendwo im Hintergrund stand schon der Satz in Stein gemeißelt, den man in Deutschland auf jedes Parkscheinautomaten-Display drucken könnte: Wenn man die Parkgebühr einmal hat, ist es eine wunderbare Sache, an der Preisschraube zu drehen. Tja. Preisschraube gedreht. Seit dem 1. Januar sind’s vier Euro ab der zweiten Stunde. Vier Euro! Das ist der Moment, in dem dein Spaziergang plötzlich nicht mehr nach Wald riecht, sondern nach Excel-Tabelle.

Natürlich gibt es dafür Gründe, und die sind sogar vernünftig: Investitionsstau, Pflege, Grün zurückschneiden, Schlaglöcher, Beschilderung – kurz: Dinge, die niemand sieht, wenn sie funktionieren, aber jeder fotografiert, wenn sie nicht funktionieren. „Das kostet Geld“, heißt es. Stimmt. Und trotzdem fühlt es sich für viele an, als würde man beim Eintritt in die Naherholung eine kleine Luxusschranke überwinden müssen. Besonders, wenn man fürs Rund-um-den-See-Programm mindestens 75 Minuten braucht und dann nach dem Zurückkommen feststellt: Du bist jetzt offiziell zu lange glücklich gewesen.

Die Reaktion? Deutschlandtypisch herrlich: Empörung, Unterschriften, Petition. „Faire Parkgebühren am Unterbacher See“ – das klingt so, als könnte man dem Parkplatz jetzt endlich mal beibringen, dass er nicht der eigentliche Hauptdarsteller ist. Fast 1200 Unterschriften, und irgendwo da draußen sitzt jemand, der wahrscheinlich nur mal kurz „eine Runde drehen“ wollte und jetzt in einer Bewegung gelandet ist. Naherholung als gesellschaftliches Großprojekt. Wenn das so weitergeht, gibt’s demnächst Diskussionsabende im Klappstuhlkreis: „Parkschein und Demokratie – wer parkt hier eigentlich wen?“

Und während am See die Parkgebühr wächst wie ein ambitionierter Liguster, schaut man sich natürlich um: Wie ist das denn bei uns in Hilden, Haan und Umgebung? Spoiler: Es gibt noch Oasen der Hoffnung. Das Hildorado zum Beispiel – du kannst da parken, und wenn du wirklich schwimmen gehst (also nicht nur aus Versehen die Rutsche fotografierst und wieder fährst), wird dein Ticket freigeschaltet und du kommst gratis raus. Das ist wie ein kleines Vertrauensmodell: „Beweise, dass du Wasser gesehen hast, dann lassen wir dich ziehen.“ Ich stelle mir das vor wie im Märchen: Wer wirklich gebadet hat, darf ohne Tribut das Land verlassen.

Auch das Waldbad Hilden ist so ein sympathischer Ort: Parkplätze kostenfrei, aber begrenzt. Das ist die klassische Freibad-Philosophie: Geld nehmen wir nicht, aber du musst kämpfen. Entweder gegen die Parkplatzknappheit oder gegen den inneren Schweinehund, der dir zuflüstert: „Fahr doch nochmal im Kreis, vielleicht tut sich was.“ Und das Bad sagt ganz lieb: Kommt am besten mit Fahrrad oder ÖPNV. Übersetzung: „Wenn ihr alle mit dem Auto kommt, wird’s hier ein Waldbad mit Waldparkplatz-Survival.“

In Haan wird’s dann urbaner: Hallenbad, komfortable Parkmöglichkeiten in der Tiefgarage – und Tiefgaragen sind ja die Orte, an denen deine Orientierung stirbt, aber wenigstens geregelt. Bis 20 Minuten 50 Cent, bis 40 Minuten 1 Euro, bis eine Stunde 1,50 – jede weitere Stunde wieder 1,50, Tageskarte 8 Euro. Acht Euro! Da überlegst du dir beim Bahnenziehen plötzlich ganz genau, ob du wirklich noch „zum Auslockern“ zehn Minuten im Whirlpool brauchst oder ob das nicht auch Zuhause im Badezimmer geht, mit dem Duschkopf auf Massagestrahl und einer sehr optimistischen Fantasie.

Ganz anders das Vabali Spa: Pauschal 1,50 Euro fürs Parken, egal wie lange du bleibst. Das ist die Wellness-Version von: „Leg dich hin, vergiss die Zeit, wir machen das schon.“ Ich finde das konsequent. Wer schon freiwillig Entspannung bucht, sollte nicht zusätzlich auf dem Parkplatz die Pulsuhr kalibrieren müssen.

Im Badehaus Benrath wird’s dann wieder sehr deutsch und sehr fair: Parken kostet nach Zeit, aber wenn du die Quittung vorlegst, bekommst du einen Teil beim Eintritt zurück – maximal 1 Euro. Das ist ein bisschen wie: „Wir nehmen’s dir ab, aber nicht komplett, du sollst ja auch was lernen.“ Erziehung durch Teilerstattung. Man geht als besserer Mensch raus. Oder zumindest als Mensch mit einem Beleg, den man nicht verlieren darf, weil sonst aus dem Badetag ein Rechenfehler wird.

Und dann gibt’s die Helden der Übersicht: Neanderbad kostenfrei. Heidebad Solingen – ausgewiesene Parkplätze gratis. Stadtbad Langenfeld – großer Parkplatz gratis, nur bei Sommerwetter manchmal voll. Mona Mare Monheim – kostenfrei. Das sind die Orte, an denen du beim Aussteigen kurz innehältst und denkst: „Moment… niemand will Geld von mir? Ist das… erlaubt?“ Und dann gehst du schnell rein, bevor es jemand merkt.

Unterm Strich zeigt sich: Parken rund ums Schwimmen ist inzwischen ein eigenes Freizeitprogramm. Mal gratis mit Freischaltung, mal gratis mit „viel Glück“, mal Tiefgarage mit Stundentarif und Tageskarte, mal Pauschal-Entspannung, mal See mit Preisschraube und Petition. Und irgendwie passt das: Wasser fließt, Preise steigen, und der Mensch sucht weiterhin verzweifelt nach dem Ort, an dem er einfach nur planschen kann, ohne dass sein Auto in der Zwischenzeit eine kleine Mieteinnahme wird.

Vielleicht ist das die moderne Definition von Naherholung: Du fährst hin, parkst, zahlst oder nicht, regst dich kurz auf oder freust dich kurz, und dann gehst du schwimmen, um wieder runterzukommen. Ein perfekter Kreislauf. Fast so rund wie eine Seerunde – nur eben mit Schranke.

Donnerstag, 19. Februar 2026

19.2.2026: Große Ostereiersuche im Stadtpark: Wenn der Osterhase Schichtdienst hat

Es gibt ja Städte, die machen zu Ostern ein bisschen Deko ans Rathaus, stellen drei Tulpen auf und nennen das dann „Frühlingszauber“. Und dann gibt es Hilden. Hilden sagt: „Wir machen das ordentlich.“ Am Ostermontag, dem **6. April**, wird im Stadtpark nämlich wieder die **große Ostereiersuche** veranstaltet – und zwar nicht irgendwie, sondern **zum dritten Mal**. Das klingt schon fast nach einer Tradition mit Zertifikat, Stempel und einem kleinen Verwaltungsakt, der irgendwo leise applaudiert.

Eingeladen sind **Kinder bis 6 Jahre** – also genau das Alter, in dem man Ostern noch für eine seriöse Angelegenheit hält und nicht für „Schokolade im Gebüsch, naja“. Und weil Hilden nicht kleckert, sondern nestet, stehen gleich zwei Promis bereit: **Bürgermeister Claus Pommer** höchstpersönlich und – Trommelwirbel – **der Osterhase**. Ich finde ja, das ist eine wunderbare Kombination: Der Bürgermeister für die feierliche Ansprache („Wir füllen den Park mit Kinderlachen!“) und der Hase fürs operative Geschäft („Ich hab da hinten noch ein Ei in die Hecke gedrückt, viel Glück!“).

Damit das Ganze nicht im klassischen „Alle gleichzeitig losrennen, Eltern filmen, Kind verschwindet im Rhododendron“-Modus endet, wird in **drei Zeitfenstern** gesucht. Der Osterhase arbeitet also quasi mit **Terminplan**:

* **11:00 – 12:00 Uhr**
* **12:30 – 13:30 Uhr**
* **14:00 – 15:00 Uhr**

Man sieht ihn schon förmlich mit Klemmbrett und Pausenbrot: „So, Kindergruppe 1 war sehr motiviert, Gruppe 2 hatte gute Nest-Dichte, Gruppe 3 bitte nicht alle gleichzeitig ins Gebüsch, danke.“ Und in jedem Zeitraum gibt’s nicht nur viele Eier und Nester, sondern auch **jeweils ein goldenes Ei**. Ein goldenes Ei! Das ist die Art von Objekt, bei dem Kinder sofort eine Mischung aus Schatzjäger, Detektiv und professionellem Gebüschscanner werden. Man kann praktisch zusehen, wie sich die Augen auf „Eiersuche: Expert Level“ umstellen.

Der Bürgermeister sagt, es sei eine tolle Gelegenheit, gemeinsam Zeit zu verbringen und den Park mit fröhlichem Kinderlachen zu füllen. Das ist wirklich schön – und zugleich die diplomatische Umschreibung für: „Es wird laut, es wird wuselig, und irgendwo wird jemand sehr überzeugt rufen: *ICH HAB WAS!!!*“

Wichtig ist allerdings: **Ohne Anmeldung läuft nichts.** Wirklich nichts. Nicht mal ein kleines Probeeierschauen. Die **Teilnehmendenzahl ist begrenzt**, und deshalb ist die **vorherige Anmeldung zwingend erforderlich**. Los geht’s **ab Montag, 16. Februar**, online über die Ostereiersuche-Seite der Stadt. Dort wählt man auch den gewünschten Zeitraum aus, und wenn ein Zeitraum voll ist, ist er voll – Hilden ist an der Stelle überraschend hasenharte Realität: **Keine Anmeldung, keine Teilnahme.** Wer spontan mit „Wir gucken mal“ kommt, guckt dann eben – aber eher den Stadtpark von außen an.

Unterstützt wird das Ganze von Sponsoren, die sich sehr passend lesen: **Selgros**, **Geflügelhof Engel** und der **Snackpoint im Stadtpark**. Ich mag diese Zusammenstellung sehr, weil sie klingt wie die perfekte Dreifaltigkeit für Familien-Events: Versorgung, gute Laune und irgendwo mindestens ein Snack, der in Sekunden verschwindet.

Unterm Strich: Hilden macht Ostern so, wie man es sich als Kind wünscht – mit echter Suche, echten Nestern, echter Aufregung und einem goldenen Ei, das vermutlich für exakt 3,7 Sekunden „unfassbar“ ist, bevor jemand ruft: „Mama! Foto!“. Und ganz ehrlich: Wenn ein Stadtpark an einem Ostermontag voller kleiner Osterhasen ist, dann ist das vielleicht die beste Art von Stadtmarketing, die es gibt.

Dienstag, 17. Februar 2026

17.2.2026: Itter Itter Helau – und wer hat bitte den Himmel auf „Duschgel“ gestellt?

Hilden hat es wieder getan. Rosenmontag, die City geschniegelt, gebügelt und in Kostüme geworfen – und dann macht das Wetter diesen klassischen Move: erst so tun, als sei es nur ein bisschen „rheinische Frische“, und ab 13.30 Uhr plötzlich auf „Dauerregen Deluxe“ umschalten. Man konnte förmlich hören, wie irgendwo ein Wolkenbeauftragter kichernd den Regler nach rechts schiebt. Und mitten drin zwei Jecken, die die einzig logische Frage stellen: „Hast du das schlechte Wetter bestellt?“ – „Nein, ich nicht, du?“ Am Ende ist klar: In Hilden wird nicht nur Kamelle gesucht, sondern auch der Verantwortliche. Fahndung läuft. Vermutlich versteckt er sich unter der Brücke zwischen Lindenplatz und Hagelkreuz, weil da eh alle standen, die trocken bleiben wollten – wie in einem sehr fröhlichen, sehr bunten Survivalkurs.

Denn wenn man in Hilden etwas kann, dann ist es „trotzdem“. Trotzdem Regen. Trotzdem Wind. Trotzdem Frisuren, die nach fünf Minuten aussehen wie „vorher/nachher“-Fotos aus einer Shampoowerbung, nur in umgekehrt. Trotzdem 10.000, 12.000, gefühlt 11.998 Menschen (plus zwei, die den Wetter-Account sperren wollten), die sich nicht abhalten lassen, den Zoch zu gucken. 50 Startnummern, 18 Festwagen – und ungefähr 18.000 Regenponchos, die plötzlich in allen Farben des Karnevals leuchten, als hätte jemand einen Einhorn-Schirmständer explodieren lassen.

Und dann, pünktlich um 14.11 Uhr – als hätte der Himmel kurz auf die Uhr geguckt und gesagt: „Okay, Tradition ist Tradition“ – setzt sich der Zug vom Lindenplatz aus in Bewegung Richtung Mittelstraße, Ziel Fritz-Gressard-Platz. Und was passiert kurz danach? Der Regen lässt nach. Natürlich. Das ist dieses meteorologische Prinzip: Wenn alle einmal komplett durch sind, darf’s kurz freundlich werden, damit die Kostüme zur Geltung kommen und man nicht nur „nasser Panda mit Hut“ erkennt, sondern wirklich Eisbär, Cowboy, Rentier, Batman-Harlekin und „Michael Jackson, aber mit Zombies vorne und hinten“ – ein Outfit, das man auch erstmal technisch stabil hinbekommen muss, während man im Regen Moonwalkt. „Moonwalk in the Rain“ ist übrigens ein Satz, den man nur in Hilden so selbstverständlich sagen kann, ohne dass jemand fragt, ob das eine neue Sportart ist.

Apropos stabil: Besonders stabil wirkten diesmal die kreativen Schutzmaßnahmen. Regenschirme, Wohneingänge, selbstgebaute Zelte – und Wagen mit Dach galten plötzlich als Luxus wie First Class im Jecken-Express. Doppelt nützlich waren Schirme sowieso: oben Regen, unten Kamelle. Und während die Musikgruppen trommeln, als wollten sie die Wolken wegmassieren, gibt’s Samba im Hildener Regenwetter – brasilianische Klänge, rheinische Nässe, perfekte Fusion: „Copacabana trifft Hagelkreuz“.

Inhaltlich war der Zug auch wieder sehr Hilden: städtische Musikschule dabei, DRK mit 125-jährigem Jubiläum (Respekt – die haben vermutlich schon Rosenmontage erlebt, da war Regen noch mit Kohle befeuert), Stadtwerke mit einem riesigen Sonnenwagen – was eine fantastische Form von passiv-aggressiver Wetter-Kommunikation ist: „Wenn du schon nicht scheinst, dann fahren wir dich halt spazieren.“ Dazu Gruppen aus Unterbach, ein Caterer-Wagen, der Frischgemüse thematisiert (nichts schreit Karneval so wie… Vitamine im Konfettiregen), und als krönender Abschluss: das Prinzenpaar Prinz Hildanus Peter III und Prinzessin Hildania Silvia I, strahlend gegen den Regen, als hätten sie eine eingebaute LED-Laune. Und weil Hilden es ernst meint mit dem „Alle sind jeck“: Kinderprinzenpaar (Lotta und Malte) und Inklusionsprinzenpaar (Anna und Jannik) mit eigenen Wagen. Das ist nicht nur schön – das ist Rosenmontag, wie er sein soll: laut, bunt, herzlich und ein bisschen verrückt.

Die wichtigste wissenschaftliche Erkenntnis des Tages kam allerdings aus der Kamelle-Forschung: Besonders beliebt waren Chips, Süßigkeiten und Popcorn. Popcorn! Das ist genial, weil man beim Fangen automatisch dieses Kino-Feeling hat: „Heute im Programm: Der Zoch – Teil 2026, mit starker Regen-Action und dramatischen Poncho-Momenten.“ Und laut CCH gingen pro Wagen etwa 700 bis 800 Kilo Wurfmasse raus. Das ist keine Menge, das ist ein logistisches Konzept. Da wird nicht geworfen, da wird verteilt – in Form von fliegenden Karamell-Riegeln und Doppel-Keksen, die jeden Diätplan kurz in den Winterschlaf schicken.

Ganz oben am Bürgerhaus stand Bürgermeister Claus Pommer und hatte die beste Aussicht – entmachtet an Altweiber, aber offensichtlich weiterhin balkonberechtigt. Das ist auch so ein rheinisches Ding: Man nimmt dir die Macht, aber nicht den Schlüssel zum besten Platz. Von dort regnete es nicht nur himmlisch, sondern auch amtlich: Kamelle runter, Moderation dazu – und zwischendurch stand der als Gottheit kostümierte Bürgermeister sogar in der Sonne. Ein Bild, das man sich einrahmen möchte: Krone, silberne Lockenpracht, Wetter macht kurz Frieden, und unten denken alle: „Okay, vielleicht hat er doch noch Einfluss.“

Spoiler: es währte nicht ewig. Gegen Ende waren wieder die im Vorteil, die aufs alltagsnahe Kostüm gesetzt hatten – Achim und Bine als regendichte Jungboomer in neongelben E-Bike-Jacken. Das ist nicht nur Kostüm, das ist ein Statement: „Wir sind bereit, wir sind sichtbar, und wir könnten notfalls auch noch schnell zum Baumarkt fahren.“ Achim mit Seppelhut, Bine mit vom Wind zerzaustem Haar und dem Satz, der den Tag perfekt zusammenfasst: „Die Scheibenwischer für die Brille hab ich auch vergessen.“ Da fühlte sich jeder Brillenträger kurz gesehen – und ein bisschen blind.

Und dann diese Szene, die man bitte jedes Jahr genau so wieder aufbauen sollte: die Currywurst-Truppe vor der Goldquelle. Seit 25 Jahren, immer Rosenmontag, immer dieselbe Stelle – früher Kohle, heute Gasgrill, sonst alles gleich. Das ist gelebte Tradition, ein Denkmal aus Senf und Standhaftigkeit. „Möchtest du ’ne Wurst?“ ist in dem Moment keine Frage, sondern ein rheinischer Friedensvertrag. Ein paar Schritte weiter ein selbstgezimmertes Piratenschiff, das Seifenblasen und Nebel ausstößt. Auf die Frage „Ist das seetauglich?“ kommt die einzig richtige Antwort: „Wenn man genug getrunken hat: Ja.“ Nautik nach rheinischer Methode.

Am Ende bleibt: Hilden kann Wetter. Nicht im Sinne von „es ist gut“, sondern im Sinne von „es ist da – und wir feiern trotzdem“. Der Rosenmontagszug 2026 war nass, laut, kreativ und voller Sonne im Herzen, wenn schon nicht am Himmel. Und irgendwo läuft immer noch die Suche nach der Person, die den Regen bestellt hat. Ich tippe ja auf jemanden, der heimlich „Schottland-Wetter“ im Kostümfundus gefunden hat und dachte: „Passt schon.“ Itter Itter Helau!

Montag, 16. Februar 2026

16.2.2026: Rosenmontag in Hilden: Regen? Egal. Hauptsache, die Chips fliegen!

Hilden ist seit Altweiber fest in Narrenhand – und wer glaubt, dass ein bisschen Wasser von oben daran irgendetwas ändert, hat offensichtlich noch nie gesehen, wie entschlossen ein Hildener Jeck Richtung Mittelstraße watschelt, wenn irgendwo „Kamelle!“ in der Luft liegt. Rosenmontag 2026 steht vor der Tür, und während die Wettervorhersage schon mal vorsorglich den Regenmantel aus dem Schrank zieht, ziehen die Hildener einfach den Glitzer drüber. Prioritäten müssen schließlich sitzen.

Los geht’s um 14.11 Uhr – weil Karneval ohne eine Uhrzeit, die klingt wie ein geheimer Freimaurer-Code, einfach nur ein Umzug wäre. Start ist am Lindenplatz, dann wird sich in bester Tradition über Richrather Straße, Südstraße, Kolpingstraße und Kirchhofstraße Richtung Mittelstraße geschlängelt, bis am Fritz-Gressard-Platz der jecke Akku leergefeiert ist. Dazwischen wartet das Bürgerhaus, wo Bürgermeister Claus Pommer vom Balkon aus den Laden zusammenhält: moderieren, begrüßen, Kamelle regnen lassen – quasi die Dreifaltigkeit des Rosenmontags. Und wichtig für alle, die am Ende gern noch etwas „für später“ in der Jackentasche finden: Ab dem Penny-Markt ist Kamelle-Wurfstopp. Nicht, weil plötzlich Vernunft einkehrt, sondern weil man einen reibungslosen Ablauf will. Karneval kann Ordnung, wenn er muss. Widerwillig, aber er kann.

Apropos Wurfmaterial: Dieses Jahr wird’s kulinarisch ambitioniert. Früher waren es Bonbons, heute sind es Chips, Popcorn, Karamellriegel und Doppelkekse – Hilden wirft quasi den Inhalt eines gut sortierten Kiosks in die Menge. Und weil man im Rheinland nichts halb macht, rechnet man pro Wagen mit ungefähr 700 bis 800 Kilo Wurfmasse. Das ist kein Umzug, das ist eine fliegende Snack-Offensive. Wer danach noch hungrig ist, hat entweder zu weit hinten gestanden oder hat aus Versehen konsequent „Nein danke“ gesagt.

Mitmachen wollen dieses Mal 50 Startnummern, darunter 18 Festwagen. Zuschauerzahlen? Im letzten Jahr sprach man von 18.000 bis 20.000 – perfektes Wetter hilft eben. Dieses Jahr hilft vermutlich: Trotz Regen kommen. Und wer jetzt denkt „Och nö, Regen…“, dem sei gesagt: Der Zugleiter Michael Kewersun hat bereits die meteorologische Geheimwaffe parat. Sein Plan, um das Wetter kurzfristig zu drehen, ist herrlich rheinisch-pragmatisch: brav die Teller aufessen. Das ist keine Wetterstrategie, das ist ein Lebensgefühl. Und falls es nicht klappt, hat man wenigstens aufgegessen.

Natürlich gibt’s auch Sicherheit – und zwar so, dass man merkt: Karneval ist Spaß, aber nicht kopflos. Ab 12 Uhr sind Fahrzeugbarrieren vorgesehen, die Stadt wird dann gesperrt, und „ein paar Hundert Leute“ sind im Einsatz: Feuerwehr, Ordnungsamt, Polizei, Rotes Kreuz – die komplette Truppe, damit wir alle sorgenlos schunkeln können. Details verrät man nicht, was im Karnevalskontext übrigens sehr gut passt: Ein bisschen Geheimnis muss sein. Sonst könnte man ja auch gleich eine PowerPoint draus machen.

Schön ist auch: Es gibt wieder einen VIP-Bereich für Menschen mit Behinderung – auf Höhe der Sparkasse in der Mittelstraße, ab 12.30 Uhr für rund 50 Personen plus Begleitung. Das ist echte Inklusion und genau die Sorte Karneval, bei der man merkt: Jecksein heißt auch, aneinander zu denken – und nicht nur an die nächste Tüte Popcorn, die einem gleich aus drei Metern Entfernung elegant ins Gesicht segelt.

Neuigkeiten? Die „üblichen Verdächtigen“ sind zwar wieder dabei (Karneval ohne Stammgäste wäre wie Kölsch ohne Glas), aber es gibt frische Gesichter: Eine Gruppe des Deutschen Roten Kreuzes ist anlässlich des 125. Geburtstags dabei, außerdem feiert eine Fußgruppe der MVZ Hildental von der Mittelstraße ihr Debüt. Und das Inklusionsprinzenpaar fährt dieses Jahr mit neu dekoriertem Wagen – inklusive „Familie Feuerstein“-Optik. Willkommen in Hilden, wo man nicht nur jeck ist, sondern im Zweifel auch ein bisschen steinzeitlich stylisch.

Und wo steht man am besten? Wenn du Luft zum Atmen willst: eher vorne, Richrather Straße oder Südstraße – da sind die Werfer allerdings oft noch im „Warm-up-Modus“, sprich: Die Kamelle fliegen, aber eher mit angezogener Handbremse. Der erste richtige Party-Hotspot ist das Hagelkreuz, dann wird’s kurz entspannter, bevor ab Polizeiwache Kirchhofstraße die Stimmung wieder anzieht und an der Gabelung ihren Höhepunkt erreicht – und zwar so nachhaltig, dass es bis zum Ende der Mittelstraße durchzieht. Wer es strategisch mag, macht das jecke „Doppelschauen“: erst Südstraße, dann flott über Schulstraße zur Mittelstraße und den Zug am Ende nochmal mitnehmen. Das ist wie ein Konzert mit Zugabe – nur dass die Zugabe Kekse wirft.

Einschränkungen gibt’s natürlich auch: Straßen- und Busverkehr werden am 16. Februar von 12 bis voraussichtlich 18 Uhr großräumig umgeleitet, Sperrbereich, Halteverbote, Abschleppen – die Klassiker. Wer nach 12 Uhr noch wegfahren will, stellt sein Auto besser vorher raus, sonst hat es am Ende ein Solo-Abenteuer mit dem Ordnungsamt.

Und weil Rosenmontag in Hilden nicht einfach „Ende“ kennt: After-Zoch-Party! Ab 15 Uhr Open Air am Alten Markt. Also: erst Kamelle fangen, dann weiterfeiern. Regen hin oder her – notfalls tanzt man sich eben trocken. In Hilden gilt schließlich die alte Karnevalsregel: Das Wetter kommt und geht. Der Zoch kommt auf jeden Fall.

Samstag, 14. Februar 2026

14.2.2026: Der Wolf, der auszog, um Hilden das Fürchten (und Facebook) zu lehren

Es war ein ganz normaler Sonntag im Februar. Die Menschen in Hilden, Baumberg und Düsseldorf-Süd taten das, was man sonntags eben so tut: spazieren gehen, Hunde ausführen, Brötchen holen, auf Facebook diskutieren. Und dann kam er. Lautlos. Buschig. Ungepflegt. Nein, nicht der Nachbar im Jogginganzug – ein Wolf.

Genauer gesagt: *vermutlich* ein Wolf. Vielleicht auch ein Wolfshund. Oder ein sehr ambitionierter Schäferhund mit Identitätskrise. Doch für Jamain Metzmacher aus Baumberg war die Sache klar: „Das ist doch kein Hund!“ Und wenn ein Mann mit Belgischem Schäferhund sagt, das ist kein Hund, dann ist das in etwa so belastbar wie ein TÜV-Stempel – nur mit mehr Fell.

Der Vierbeiner trabte am Hellerhofweg entlang, bog lässig in Richtung Paul-Löbe-Straße ab und verschwand offenbar Richtung Urdenbacher Kämpe. Ganz normaler Sonntagsspaziergang also – nur eben ohne Leine und mit leichtem Wildtier-Vibe. Metzmacher zückte sein Handy, machte ein Foto und tat, was man im 21. Jahrhundert bei Wolfsbegegnungen eben tut: Er informierte die Polizei und Facebook. In dieser Reihenfolge.

Die Polizei rückte aus, fand – Überraschung – keinen Wolf mehr und stellte fest: Es gibt keine belastbaren Hinweise. Außer natürlich das Foto. Und die Facebook-Kommentare. Und die weiteren Sichtungen. Aber belastbar ist ja bekanntlich nur, was eine DNA-Analyse von Kot, Haaren oder Speichel bestätigt. Willkommen im Jahr 2026, wo selbst ein Wolf erst einmal seine Proben einreichen muss.

Auch in Hilden-West soll das Tier gesichtet worden sein, ebenso in Düsseldorf-Reisholz – stilecht in der Morgendämmerung vor einer Tiefgarage. Man möchte fast meinen, der Wolf habe sich gedacht: „Wenn schon Großstadt, dann bitte mit urbanem Flair.“ Vielleicht hat er kurz überlegt, ein Parkticket zu ziehen.

Die Experten sind sich derweil relativ einig: Wenn es ein Wolf war, dann vermutlich ein junger Wanderwolf. Von den Eltern vor die Tür gesetzt, auf Partnersuche, auf der Suche nach einem eigenen Rudel – oder wenigstens nach einem ruhigen Waldstück ohne Hundekot-Reizüberflutung. Man fühlt ein bisschen mit ihm. Jung, orientierungslos, viel zu viel Input, überall Menschen mit Smartphones.

Die Schafhalter rund um die Urdenbacher Kämpe blieben bislang verschont. Keine gerissenen Tiere, keine nächtlichen Dramen. Elektro- und Drahtzäune scheinen gewirkt zu haben – oder der Wolf hatte einfach keinen Appetit auf rheinische Küche. Ein Experte merkte sogar an, Konflikte mit schlecht erzogenen Hunden seien hier deutlich häufiger. Das muss man sich mal vorstellen: Der Wolf kommt durch, benimmt sich, frisst nichts – und der Ruf des Problemtiers bleibt trotzdem.

Die Jäger sehen das naturgemäß etwas differenzierter. Der Wolf an sich sei nicht das Problem, heißt es, sondern das Bejagungsverbot. Zu viele Wölfe könnten die Artenvielfalt beeinträchtigen. In Hilden selbst dürfte allerdings eher die Parkplatzsituation die größere Bedrohung für die Biodiversität darstellen – aber das ist ein anderes Thema.

Am Ende bleibt vor allem eines: ein Sonntag, der es in sich hatte. Mehrere Anrufe bei der Polizei – ausgelöst durch einen einzigen Facebook-Post. Ein Tier, das wahrscheinlich einfach nur durchziehen wollte. Und eine Region, die für ein paar Stunden das Gefühl hatte, Teil einer Naturdokumentation zu sein – mit dem Titel: „Der Wolf im Ballungsraum – zwischen Tiefgarage und Paul-Löbe-Straße“.

Ob es wirklich ein Wolf war? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Sicher ist nur: Wenn er wirklich auf Partnersuche war, hat er jetzt zumindest eins gefunden – maximale Aufmerksamkeit. Und irgendwo da draußen streift er nun weiter, leicht genervt vom rheinischen Trubel, auf der Suche nach einem Ort, an dem ihn niemand fotografiert.

Außer vielleicht wieder jemand mit einem sehr gut informierten Belgischen Schäferhund.

Freitag, 13. Februar 2026

13.2.2026: Fünf Kandidaten, ein Rathaus und ganz viel Wahlkampfgefühl

Hilden ist bewölkt, sieben Grad kalt und politisch so aufgeheizt wie die Kaffeemaschine im Rathaus kurz vor der Mittagspause. Es ist Kommunalwahlzeit, und wie es sich für eine ordentliche Itterstadt gehört, stehen gleich fünf Bewerber Schlange, um Bürgermeister zu werden. Fünf! Das ist kein Wahlkampf mehr, das ist schon fast ein Casting-Format – leider ohne Jury und mit deutlich weniger Glitzer.

Da wäre zunächst der Amtsinhaber, der Mann, der das Bürgermeisterbüro bereits kennt wie andere ihren eigenen Kühlschrank. Familienvater, Verwaltungsjurist, Wahlsieger ohne Stichwahl – ein bisschen der Typ „ruhige Hand am Steuer“, nur dass das Auto hier eine Stadt ist und die Straße voller Schlaglöcher. Er tritt nur als Bürgermeister an, nicht auf Listen, nicht in Bezirken – quasi der Solokünstler unter den Kandidaten.

Ganz anders der politische Frühstarter aus den Reihen der SPD: seit Jugendtagen engagiert, im Stadtrat längst heimisch und gefühlt in mehr Ausschüssen unterwegs als andere Menschen in Fitnessstudios. Wenn Engagement Kalorien verbrennen würde, wäre er längst Leistungssportler. Kochen und Reisen mag er auch – beides gute Voraussetzungen, denn im Rathaus braucht man Nerven wie ein Drei-Gänge-Menü und Fernweh nach Feierabend.

Der FDP-Kandidat bringt Unternehmergeist und jahrzehntelange politische Erfahrung mit, inklusive Bürgermeister-Stellvertreter-Vergangenheit und Listenplatz eins – sicher ist sicher. Mediengestalter, Druckerei-Geschäftsführer, Kreistagsfraktionschef: Wenn Multitasking eine olympische Disziplin wäre, hätte er zumindest gute Chancen auf die Qualifikation.

Dann meldet sich die Bürgeraktion zu Wort, mit einem Kandidaten, der politisch schon dabei war, als andere noch Wahlplakate mit Tapetenkleister für Zauberei hielten. 71 Jahre Lebenserfahrung, selbstständig, verheiratet und früher lange CDU – das ist kein Quereinsteiger, das ist ein politischer Langstreckenläufer mit Ortskenntnis.

Und schließlich der Pirat, der beweist, dass Politik auch mit Saxofon geht. Berliner Herkunft, Hildener Wahlheimat, Digitalisierung im Herzen und Musik im Gepäck. Wer sonst kann von sich sagen, Bürgermeister werden zu wollen und gleichzeitig eine Jazz-Session moderieren zu können? Wenn nichts anderes, dann bringt er zumindest neuen Sound in den Wahlkampf.

Unterm Strich heißt das: Hilden hat die Wahl. Fünf Kandidaten, fünf Lebensläufe, fünf Arten, den Chefsessel im Rathaus zu füllen. Bleibt nur die Frage, wer am Ende den Schlüssel bekommt – und wer danach erst mal tief durchatmet, wenn das Wetter immer noch bewölkt ist.

Donnerstag, 12. Februar 2026

12.2.2026: Wenn Kamelle Gold wert sind – Karneval in Hilden zwischen Schunkeln, Sparen und Süßwaren-Strategie

Karneval in Hilden war ja schon immer die fünfte Jahreszeit, aber 2026 fühlt sie sich ein bisschen wie die Zeit der großen Entbehrungen an – zumindest, wenn man unter einem Karnevalswagen steht und hofft, dass einem eine Tafel Schokolade ins offene Jeckenlächeln segelt. Früher, so hört man es an jeder zweiten Theke, sei mehr geflogen, höher, weiter, süßer. Heute gilt: gleiches Budget, weniger Wurfmaterial, dafür aber mit deutlich höherem emotionalem Wert. Kamelle sind quasi die neue Kryptowährung – selten, begehrt und manchmal Anlass für kleine Rangeleien am Straßenrand.

Trotzdem lässt sich Hilden die Laune nicht verderben. Rund 15 Wagen werfen immer noch mehrere Tonnen Süßigkeiten unters Volk, auch wenn jede einzelne Waffel inzwischen innerlich mit Applaus verabschiedet wird. Wer eine doppelte Portion erwischt, hat entweder sehr viel Glück oder sehr schnelle Hände. Und während auf den Wagen gerechnet, kalkuliert und vermutlich auch leise geweint wird, schunkelt unten das Volk, als wäre alles wie immer – denn Karneval ist schließlich Kopfsache.

Los geht der ganze Spaß traditionell an Altweiber mit dem Sturm auf das Bürgerhaus, bei dem sich Bürgermeister, Rathauspfeifen und die legendäre Waldkaserne heldenhaft, aber erfahrungsgemäß erfolglos, gegen die geballte Macht der drei Prinzenpaare stemmen. Spätestens wenn der Rathausschlüssel fällt, ist klar: Ab jetzt regieren Kostüme, Konfetti und der kollektive Ausnahmezustand. Danach verteilt sich die Jeckenschar strategisch klug – einige Richtung Waldkaserne, andere direkt zur Party in der Stadthalle Hilden, wo spätestens ab dem zweiten Lied niemand mehr weiß, wie spät es ist, aber alle wissen, dass es richtig ist.

Der Karnevalsfreitag zeigt dann Herz und Humor zugleich, wenn bei der Inklusionsparty wirklich alle gemeinsam feiern, tanzen und singen, während am Nelkensamstag die Innenstadt beweist, dass man auch vor der Sparkasse hervorragend schunkeln kann. Und wenn am Sonntag kurz durchgeatmet wird, bevor anderswo der Familienzug zieht, bleibt nur noch eine entscheidende Frage offen: Wie kommt man eigentlich nachts nach Hause? Die Antwort liefert zuverlässig die Rheinbahn, die mit Zusatzfahrten dafür sorgt, dass auch der letzte Jeck sicher – oder zumindest näherungsweise – wieder im eigenen Bett landet.

Am Ende bleibt festzuhalten: Auch wenn die Süßigkeiten teurer sind und die Kamelle gefühlt kleiner werden, der Karneval in Hilden ist unbezahlbar. Denn Lachen kostet nichts, Schunkeln verbrennt Kalorien und ein einziger gefangener Schokoriegel kann für einen kurzen Moment das Gefühl geben, den Rosenmontag gewonnen zu haben. Und darauf ein dreifach kräftiges: Helau!

Dienstag, 10. Februar 2026

10.2.2026: Mehr Wumms, weniger Blümchentapete – wie die Stadthalle Hilden sich neu erfindet

Manchmal merkt man erst beim zweiten Hinsehen, dass etwas dringend eine Frischzellenkur braucht. Bei der Stadthalle in Hilden reichte dafür offenbar schon ein Blick auf altrosa-graue Vorhänge, florale Tapeten und eine Gastronomie-Ästhetik irgendwo zwischen „Der Preis ist heiß“ und Klassenfahrt 1993. Kurz gesagt: Der gute alte „Theatergarten“ war optisch reif fürs Museum, funktional seit 20 Jahren im Tiefschlaf und emotional nur noch für Nostalgiker mit Pfeifenraucher-Gedächtnis interessant. Doch damit soll jetzt Schluss sein, denn Hildens größte Location will nicht nur älter, sondern vor allem lauter, bunter und selbstbewusster werden.

Während die Stadthalle langsam auf ihren 50. Geburtstag im Jahr 2028 zusteuert, wird kräftig aufgedreht – technisch, programmatisch und vom Selbstverständnis her. Neue Hinweisschilder weisen nun den Weg, digitale Screens haben den Klebestreifen den Kampf angesagt, und das neue Motto „Vielfalt Live!“ klingt ein bisschen so, als wolle man sagen: Wir können alles, außer still sein. Dass die Halle mit abfallendem Auditorium, beweglicher Bühne und pfeilerlosem Raum ohnehin ein architektonisches Einhorn ist, wusste man zwar schon vorher, aber jetzt darf sie es auch wieder zeigen – mit mehr Veranstaltungen und, wie versprochen, mehr Wumms.

Besonders bemerkenswert ist, dass die Stadthalle sich nicht mehr damit begnügt, brav Räume zu vermieten. Stattdessen tritt sie selbst als Veranstalterin auf und lädt ein zu Queen-Hommagen, Rudelsingen, Magic Comedy, Elternabenden ohne Elternabend-Stress und Hundeerziehung für Zweibeiner. Offenbar funktioniert das: Feierabendmärkte locken mehr Besucher als gedacht, Instagram-Follower vermehren sich wie Konfetti an Rosenmontag, und die Halle ist statistisch gesehen alle drei Tage belegt – Sommerpause für Reparaturen und Durchatmen inklusive.

Natürlich geht es dabei auch ums Geld, denn eine Million Euro Zuschuss pro Jahr ist kein Pappenstiel. Umso verständlicher, dass gerechnet, geplant und optimiert wird. Neue Tonanlagen mit Line-Array-Technik sollen das Publikum gezielt beschallen, 2027 folgt das Licht, und spätestens dann dürfte auch die Partyfraktion jubeln. Neunziger-Partys außerhalb der Karnevalszeit? Warum nicht. Schließlich kann man auch im Oktober schwitzen, wenn die Musik stimmt.

Und dann ist da noch der frühere Theatergarten, diese legendäre 300-Quadratmeter-Zeitkapsel, die bald vom Dornröschenschlaf in eine moderne Event-Location geweckt werden soll. Keine Sterneküche mehr, keine Aschenbecher prominenter Stadtdirektoren, sondern Platz für Familienfeiern, Business-Events und mittelgroße Veranstaltungen – alles mit Stadthallen-Catering und ohne den Charme vergilbter Gardinen. Wenn die Gremien mitspielen, soll auch dieses Kapitel pünktlich zum Jubiläum neu geschrieben werden.

Am Ende steht eine ambitionierte Vision: Bis 2028 soll jeder Hildener mindestens einmal in der Stadthalle gewesen sein. Das ist sportlich, aber nicht unmöglich. Denn wenn es stimmt, dass man hier künftig alles bekommt – von Comedy über Konzerte bis zur gepflegten Motto-Party mit ordentlich Bass – dann könnte man fast sagen: Die Stadthalle ist nicht mehr nur ein Gebäude. Sie ist auf dem besten Weg, wieder ein Gesprächsthema zu werden. Und das ganz ohne Blümchentapete.

Montag, 9. Februar 2026

9.2.2026: Wenn der Winter plötzlich Mittelalter ruft – Hilden entdeckt den Met

Wer bislang dachte, dass sich das öffentliche Leben in Hilden im Winter hauptsächlich zwischen Glühweinbecher und Couchdecke abspielt, wird Ende Februar eines Besseren belehrt. Denn dann verwandelt sich der Alter Markt kurzerhand in eine Zeitmaschine. Statt E-Scootern rollen plötzlich Gewandungen an, statt Coffee-to-go gibt’s Met, und wer „Hallo“ sagt, gilt schon fast als verdächtig modern.

Das Citymanagement hat nämlich beschlossen, dem Winter mal ordentlich Beine zu machen – vorzugsweise in Strumpfhosen und mit Ledergürtel. Herausgekommen ist die Premiere eines mittelalterlichen Wintermarktes, der beweisen will, dass man auch bei Temperaturen knapp über Drachenatem ordentlich feiern kann. Zwischen dem 28. Februar und dem 1. März wird gehämmert, gesungen, gegaukelt und vermutlich sehr herzhaft gegessen. Und das alles vor der durchaus fotogenen Kulisse der Reformationskirche, die sich an diesem Wochenende geduldig anhören muss, wie jemand lautstark eine Laute stimmt.

Citymanagerin Tanja de Vries zeigt sich begeistert, und das zu Recht: Endlich darf der Alte Markt beweisen, dass er nicht nur Frühling und Sommer kann, sondern auch Winter mit Fellumhang. Kulinarisch wird es deftig, süß und hochprozentig – also im Grunde alles, was man braucht, um die Kälte entweder zu ignorieren oder komplett zu vergessen. Von herzhaften Speisen über winterliche Leckereien bis hin zu Getränken, die zuverlässig von innen wärmen, dürfte niemand hungrig oder nüchtern nach Hause gehen.

Für Stimmung sorgen Gaukler und Musiker, die mit professioneller Ernsthaftigkeit so tun, als wäre das Mittelalter nie weg gewesen. Kinder dürfen sich besonders freuen, denn in der Kinderschmiede kann der Nachwuchs ausprobieren, wie sich echtes Handwerk anfühlt – ganz ohne WLAN, aber mit ordentlich Funken. Erwachsene wiederum genießen das Markttreiben und fragen sich leise, ob ein Umzug in diese Epoche wirklich so unpraktisch gewesen wäre, abgesehen von Zahnarzt und Zentralheizung.

Organisiert wird das Ganze von Ablassfrei, einer Marke der Medieval Food Group, betrieben von Thomas Höltgen, der offenbar genau weiß, wie man Geschichte genussvoll serviert. Unterm Strich bekommt Hilden also ein Winterhighlight, das klirrender Kälte mit Met, Musik und Mittelalter begegnet. Wer also Ende Februar jemanden in Kutte über den Alten Markt schlendern sieht: Keine Sorge. Das ist kein Rollenspiel. Das ist einfach nur Hilden – für ein Wochenende im Jahr anno dazumal.

Sonntag, 8. Februar 2026

8.2.2026: Wenn die Autobahn niest: Das große Drama um eine kleine Entwässerungsrinne

Es gibt Nachrichten, die klingen erst einmal harmlos, entwickeln sich aber bei genauerem Hinsehen zu einem ausgewachsenen Abenteuer – vor allem, wenn man zufällig ein Auto besitzt und am Wochenende irgendwohin wollte. Im Autobahnkreuz Hilden nämlich hat eine Entwässerungsrinne beschlossen, dass jetzt Schluss mit lustig ist. Und wenn eine Entwässerungsrinne ruft, dann kommt die Autobahn GmbH Rheinland – kurzfristig, entschlossen und mit Sperrung.

Von Freitagabend bis Montagmorgen wird aus einer eigentlich simplen Überfahrt von der A46 auf die A3 ein nostalgisches Erlebnis: Man lernt Umleitungen kennen, die man vorher nur vom Hörensagen kannte, und folgt einem „roten Punkt“, der plötzlich mehr Autorität besitzt als jedes Navigationssystem. Währenddessen wird die A3 Richtung Frankfurt auf Diät gesetzt – eine Spur statt drei, entschleunigt, meditativ, beinahe spirituell.

Der eigentliche Star dieser Geschichte bleibt jedoch die Entwässerungsrinne. Unscheinbar, meist übersehen, jetzt aber der heimliche Verkehrsdiktator des Wochenendes. Sie sorgt dafür, dass Autofahrer innehalten, tief durchatmen und sich fragen, ob man nicht doch lieber schon am Freitagmittag losgefahren wäre – oder gleich zu Hause geblieben ist.

So zeigt sich wieder einmal: In Nordrhein-Westfalen braucht es keine Großereignisse, um den Verkehr in Wallung zu bringen. Manchmal reicht eine Rinne. Eine einzige. Und ganz Hilden denkt kollektiv: „Hätte sie das nicht auch nächste Woche machen können?“

Samstag, 7. Februar 2026

7.2.2026: Ei, Ei, Ei – was ist denn da im Nest los?

Wer dieser Tage in Hilden oder Haan geschniegelt mit Einkaufszettel und Sonntagslaune Richtung Supermarkt zieht, erlebt am Eierregal sein persönliches kleines Ostern ohne Osterhase: viel Karton, wenig Inhalt. Früher stapelten sich die Eier wie die guten Vorsätze im Januar, heute gucken sie einen an wie der letzte Keks in der Dose – selten, begehrt und irgendwie emotional aufgeladen. Deutschland isst mehr Eier denn je, heißt es, und man fragt sich unweigerlich: Wo gehen die alle hin? Sitzt irgendwo jemand in einer geheimen Küche und rührt seit Wochen pausenlos Rührei?

Die Antwort ist leider weniger kulinarisch als politisch-biologisch-logistisch. Die Niederlande treten auf die Eierbremse, Hühner werden krank, der Winter drückt auf die Legeleistung, und plötzlich ist das Ei keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern ein Gesprächsthema zwischen Brottheke und Kasse. „Hast du noch Eier bekommen?“ ist das neue „Hast du Klopapier?“, nur mit weniger Drama, aber ähnlicher Nervosität. Und während im Handel Kartons fehlen, stehen die Hühner offenbar frierend da und denken sich: Leute, es ist kalt, wir geben ja unser Bestes.

Rettung naht – zumindest für alle, die wissen, dass Eier nicht zwangsläufig unter grellem Neonlicht leben müssen. Hofläden, Eierhäuschen, Automaten mit Vertrauenskasse: Sie wirken plötzlich wie Relikte aus einer besseren, dotterreicheren Zeit. Da steht man dann nachts um halb elf am Automaten, zieht eine Schachtel Eier, fühlt sich ein bisschen rebellisch und sehr gut versorgt. Die Hühner auf den Höfen legen stoisch weiter, als hätten sie von Importproblemen nie gehört. Wer selbst produziert, ist fein raus – das ist die neue Eier-Weisheit.

Natürlich sind die Preise gestiegen. Futter ist teuer, Diesel auch, und Trecker fahren bekanntlich nicht mit Luft und Liebe, sondern mit allem, was gerade teuer ist. Trotzdem bleibt das Fazit tröstlich: Niemand muss hungern, niemand muss auf Pfannkuchen verzichten, und Ostern fällt nicht aus. Man muss nur wieder lernen, dem Ei mit Respekt zu begegnen. Vielleicht kauft man nicht gleich drei Schachteln, vielleicht sagt man innerlich „Danke“ beim Aufschlagen. Und vielleicht ist das Ganze am Ende sogar gut für uns – denn wer hätte gedacht, dass ausgerechnet das Ei uns daran erinnert, dass Lebensmittel keine Selbstläufer sind, sondern kleine Wunder mit Schale.

Freitag, 6. Februar 2026

6.2.2026: Parkplatz-Wut am See: Wenn der Spaziergang plötzlich 4 Euro kostet

Was haben Seeufer, Petitionen und Parkscheinautomaten gemeinsam? Richtig – sie bringen Menschen in Bewegung. Leider nicht immer nur zu Fuß. Am Unterbacher See rumort’s nämlich gewaltig: Zum Jahresbeginn hat der zuständige Zweckverband still und heimlich die Parkgebühren erhöht. Die Folge? Empörung, Online-Petitionen und eine sehr wortreiche Verwaltungserklärung. Denn wer hätte gedacht, dass man mit einem Preisschild auf einem Parkplatz solche Wellen schlagen kann?

Die Fakten: Erste Stunde parken kostenlos. Danach – zack – vier Euro fürs Tagesticket. Die Argumentation des Zweckverbands klingt wie aus dem Handbuch „Kommunikation für Fortgeschrittene“: *marktübliche Preisstruktur* und *notwendige Investitionen*. Man hätte auch sagen können: Alles wird teurer, auch der Parkscheinautomat.

Die Initiatorin der Petition – Düsseldorferin, See-Fan und offenbar keine Sprinterin – hält dagegen: Eine Stunde reicht nicht mal, um den See gemütlich zu umrunden, ohne wie ein gehetztes Eichhörnchen durch die Natur zu hetzen. Und wer es ruhiger angehen lässt, zahlt eben den vollen Preis – selbst bei Mini-Besuch. Unverhältnismäßig sei das, und vor allem sozial ungerecht.

Doch der Zweckverband bleibt cool wie das Wasser im Januar. Angeblich sei der Parkplatz trotz der neuen Gebühren noch genauso voll wie vorher – selbst bei typischem Winterwetter, also Regen in 50 Grautönen. Auch Gastronomie, Segelschule, Surfstation und Co. hätten bislang keine Besucherschwund-Meldung eingereicht. Man hört förmlich, wie die Verwaltung beim Schreiben genüsslich an einem Latte Macchiato schlürft.

Trotzdem: Rund 900 Menschen haben bereits unterschrieben – vermutlich einige davon mit kalten Füßen und Zorn im Herzen, weil sie fürs Parken mehr zahlen als für die heiße Schokolade danach. Die Petition ist also ein ernst gemeinter Aufruf an die Politik, den Preis nochmal zu überdenken. Denn Naherholung, so der Wunsch vieler, sollte nicht zur Fernbleibung führen – zumindest nicht wegen 240 Parkminuten für 4 Euro.

Ob der Appell am Ende etwas bewegt? Wer weiß. Vielleicht braucht es einfach mehr Bewegung – zu Fuß, mit dem Rad oder im Denken. Und bis dahin bleibt uns nur, zu hoffen, dass zumindest das Seeufer kostenlos bleibt. Sonst kommt bald die nächste Petition – diesmal gegen Eintrittsgebühren für Enten.

Donnerstag, 5. Februar 2026

5.2.2026: Staudamm statt Stauwasser: Hilden macht den Hoxbach dicht(er)

Man kennt das ja: Der Himmel öffnet die Schleusen, der Regen prasselt wie Karnevalskonfetti vom Himmel – und irgendwo in Hilden denkt sich der Hoxbach: „Och nö, nicht schon wieder alles auf einmal.“ Doch damit soll bald Schluss sein! Die Stadt Hilden greift zur Schaufel – im Dienste des Hochwasserschutzes und mit einem Plan, der so trocken ist wie das, was künftig *nicht mehr* durch die Kanalisation rauschen soll.

Südlich des Menzelsees und westlich des Nordfriedhofs wird das Regenrückhaltebecken ordentlich aufgepumpt – ganz ohne Muckibude, dafür mit Baggern und viel Motivation. Warum? Weil das Regenwasser aus dem Bereich Schalbruch bislang ungedrosselt – man könnte sagen: im Vollsprint – in den Hoxbach rauscht. Und wie jeder weiß: Wer ohne Bremse durch die Kurve geht, landet schnell im Graben. Oder eben: im Hochwasser.

Also wird nun das Becken erweitert. Mehr Platz für Regen, mehr Ruhe für den Bach – und ein kleiner Beitrag zum Weltfrieden, zumindest in Gummistiefel-Höhe. Bevor aber das große Buddeln beginnt, muss erst mal aufgeräumt werden. Das Tiefbau- und Grünflächenamt legt los mit dem Entfernen von Zäunen, Büschen und leider auch einigen Bäumen. Für letztere gibt’s später Ersatzpflanzungen, versprochen. Sträucher inklusive – es soll ja niemand sagen, in Hilden würde man nur abholzen und nie zurücklieben.

Die Bauarbeiten starten dann in der zweiten Hälfte 2026. Bis dahin wird’s gelegentlich ungemütlich auf den Wegen drumherum – Baustellenromantik inklusive. Und wer sich fragt, warum es doch länger dauert als gedacht: Mutter Natur macht den Bauzeitenplan. Witterungsbedingte Verzögerungen sind quasi eingeplant. Oder wie der Rheinländer sagt: „Et kütt wie et regnet.“

Am Ende steht ein Rückhaltebecken, das nicht nur Wasser sammelt, sondern auch Lob. Und der Hoxbach? Der fließt künftig entspannt dahin – gedrosselt, gefiltert, gepflegt. Ein echter Wellnessurlaub, für einen Bach, der schon viel zu lange auf der Überholspur war.

Mittwoch, 4. Februar 2026

4.2.2026:Alaaf im Ausschank: Kneipenkarneval in Hilden und Haan – Zwischen Glitzer, Polka und Resttickets

Früher war mehr Lametta – oder zumindest mehr Kneipenkarneval.  Heute gleicht die Suche nach jeckem Ausschank in Hilden und Haan eher einer Schnitzeljagd mit Konfetti. Doch keine Sorge, liebe Jecken: Wo der eine Wirt die Tür schließt und lieber selber schunkelt, öffnen andere ihre Pforten mit Pauken, Trompeten und DJ Frank.

Denn ja, es gibt sie noch, die letzten Aufrechten des Kneipenkarnevals. Die, die sich nicht scheuen, Schlager mit Polka zu kreuzen und dabei tapfer der nachbarschaftlichen Lärmbeschwerde trotzen – wie mittelalterliche Ritter, nur mit Glitzerperücke und Kölschglas. In *Mani’s Ponystall* zum Beispiel steppt ab Altweiber um 11.11 Uhr das (verkleidete) Pferd. Am Freitag dann sogar mit Live-Musik: „Rockabilly Country“, was vermutlich so klingt, als hätte Elvis die Funkenmariechen entdeckt.

Wem das zu sehr Country ist, der findet Zuflucht im *Blue Note*, wo DJ Frank am 7. Februar aus der musikalischen Bütt ruft. Schlager trifft auf Karneval – was ungefähr klingt wie: „Atemlos durch die fünfte Jahreszeit“. Restkarten gibt’s kaum noch, also schnell sein, bevor man mit der Pappnase draußen bleibt.

Wer lieber mit Haltung durchdreht, dem sei das *Roulez Rouge* in Haan empfohlen. Da wird es an Weiberfastnacht glamourös. Der Mindestverzehr beträgt 20 Euro – klingt viel, aber für ein bisschen „Tempera-mänt“ und Magie darf man sich ruhig mal selbst was gönnen. Immerhin: Eintritt frei, Seele baumelt.

Etwas bodenständiger geht’s im *black pub* zu. Dort wird am Freitag, den 13., sogar eine Party *für Nicht-Karnevalisten* gefeiert. Eine revolutionäre Idee: Kneipe ohne Karneval in der Karnevalszeit – was kommt als nächstes? Grünkohl an Heiligabend?

Das *Becherhus* lässt es krachen – zweimal sogar. DJ Patrix an Altweiber und DJ Chris Deluxe zur After-Zug-Party. Deluxe ist hier übrigens kein Werbegag, sondern musikalisches Versprechen. Tischreservierung? Fehlanzeige. Wer zuerst schunkelt, mahlt zuerst.

Und dann ist da noch das *Vicis*. Möhnen, Wikinger, Frühstück und Rathaussturm – das ist kein Kneipenabend, das ist eine Netflix-Serie in mehreren Staffeln. Wer um 10 Uhr morgens mit Frühstücksbuffet startet, hat sich seinen Kölschschwips um 11.11 Uhr redlich verdient.

Zu guter Letzt: *Magic Musikkneipe* – allein der Name ist Karneval pur. Motto: „Egal ob Groß, ob Klein, Karneval soll für alle sein!“ Und das ist doch der Geist der tollen Tage. Open End? Open Herz!

Fazit: Der Kneipenkarneval in Hilden und Haan lebt – nicht als Massenphänomen, sondern als feuchtfröhlicher Geheimtipp. Wer sucht, der findet... Polka. Und Schlager. Und vielleicht auch ein bisschen Magie – zumindest zwischen Bierdeckel und Bonbonregen. Alaaf!

Dienstag, 3. Februar 2026

3.2.2026: Kamelle, Kasernenstürmer und Karnevalskommando: Hilden ruft Alaaf!

Wenn in Hilden plötzlich Bürgermeister Claus Pommer mit einer Trillerpfeife bewaffnet die Rathauspfeifen zusammentrommelt, während drei Prinzenpaare mit Schunkelmusik im Ohr das Bürgerhaus stürmen – ja, dann ist’s wohl wieder so weit: Karneval steht vor der Tür. Und zwar nicht durch die Hintertür, sondern mit Pauken, Trompeten und einem rosa Einhorn auf einem Bollerwagen.

Ab dem 12. Februar 2026 verwandelt sich die sonst so zivilisierte Stadt in ein jeckes Tollhaus. Es beginnt, wie es sich gehört, mit einem klassischen Machtumsturz: Der Rathaussturm an Altweiber. Dabei versuchen Hildens närrische Adelige, die Stadtregierung in einer Art Konfetti-Coup zu übernehmen. Vor der Mittelstraße 40 versammelt sich die Karnevalsprominenz, während im Hintergrund DJ Schunkel-Sven auflegt und das Bürgerhaus sich zitternd auf seine Erstürmung vorbereitet. Die Verteidigung übernehmen – man glaubt es kaum – Soldaten der Waldkaserne. Wahrscheinlich bewaffnet mit Trillerpfeifen und schlechten Reimen.

Apropos Waldkaserne: Auch dort bleibt kein Stein auf dem anderen. Gegen 15:11 Uhr wird das Südtor gestürmt – vermutlich mit Pappsäbeln und musikalischer Unterstützung des Ausbildungsmusikkorps, das Klassiker wie "Polonäse Blankenese" in Moll zum Besten geben wird. Später wird in der Fahrzeughalle gefeiert, als gäbe es kein Morgen – obwohl die Feldjäger vermutlich heimlich schon Kamelle auf die Gäste werfen, statt sie aufzuhalten.

Wer nach dieser Revolutionstour immer noch Energie hat, kann sich direkt in die Stadthalle schleppen – zur Altweiberparty. Um 16 Uhr beginnt der karnevalistische Ausnahmezustand mit Eintrittskarten für 19 Euro, die günstiger sind als ein Döner in Neuss (kein Scherz, der kostet dort jetzt zehn Euro).

Der Freitag gehört ganz der Inklusion: Menschen mit und ohne Behinderung feiern zusammen eine jecke Sause, moderiert von Jan Simon und vertont von DJ Karsten. Eintritt? Geschenkt! Gute Laune? Pflicht!

Samstag ist dann wirklich alles los: Morgens wird in der Fußgängerzone getanzt, nachmittags der Seeräuberball gekapert – eine Veranstaltung mit dem romantischen Flair von Piraten, die ihre Biere nicht teilen wollen, aber ihre Liebe zum Karneval schon. Der Eintritt kostet wieder 19 Euro, also quasi ein „Döner Deluxe“, aber dafür für einen guten Zweck.

Sonntag? Da ist in Hilden ausnahmsweise mal nichts geplant – vermutlich zur Regeneration von Stimme, Kostüm und Leber. Wer dennoch feiern möchte, fährt nach Haan, wo der Familien-Karnevalszug durch die Straßen zieht, wahrscheinlich mit 17 Paw-Patrol-Wagen und mindestens einem Opa als Clown.

Und dann kommt er: der heilige Montag – Rosenmontag! Um 14:11 Uhr startet der große Umzug, Festwagen rollen, Fußgruppen hüpfen, und Claus Pommer regnet Kamelle vom Balkon wie ein närrischer Nikolaus. Die Zugstrecke ist lang, die Freude groß – und das Ordnungsamt streng: Wer sein Auto falsch parkt, wird gnadenlos abgeschleppt. Hilden ist an diesem Tag Kamelle-Zone – nicht Parkzone.

Und als wäre das alles nicht schon genug, folgt die After-Zoch-Party. Open Air, auf dem Alten Markt, ab 15 Uhr. Wer da nicht mehr tanzt, ist entweder aus Pappe oder hat sich am Samstag beim Seeräuberball die Hüfte verrenkt.

Fazit: Hilden beweist mal wieder, dass Karneval hier nicht einfach gefeiert, sondern zelebriert wird – mit Herz, Humor und vermutlich einem Kater, der sich bis Aschermittwoch hält. Alaaf!

Montag, 2. Februar 2026

2.2.2026: Chaos auf Rädern – Wenn der Bus nicht kommt und der Kaffee trotzdem kalt ist

Montagmorgen in Hilden. Die Sonne noch nicht aufgegangen, der Kaffee noch nicht durchgelaufen, und schon rollt die erste Nachricht über den Bildschirm: Warnstreik bei der Rheinbahn! Wer jetzt hofft, dass das ein verspäteter Karnevalsscherz ist – leider nein. Verdi ruft zum ganztägigen Streik auf, und mit „ganztägig“ ist nicht „bis zur Mittagspause“ gemeint, sondern 24 Stunden kollektives „Nö“.

Ab 3 Uhr früh wird gestreikt – pünktlicher als so mancher Bus an normalen Tagen. Betroffen: U-Bahnen, Straßenbahnen, Busse, das gesamte Netz der Rheinbahn. Nicht betroffen: Das Wetter, der Termindruck, das Bedürfnis, irgendwie zur Arbeit zu kommen. Einziger Lichtblick: Einige Buslinien sollen „wahrscheinlich“ fahren – ein Wort, das so viel Vertrauen ausstrahlt wie „vielleicht“ bei einem Heiratsantrag.

In Hilden dürfen sich Fahrgäste immerhin an den Linien 782 und 785 festklammern – den beiden letzten Mohikanern des Nahverkehrs, die tapfer zwischen Heinrich-Heine-Allee, Hilden Süd S und Solingen Hbf pendeln wollen. Wahrscheinlich. Vielleicht. Eventuell. Wahrscheinlich. Vertrauen ist gut, eine Backup-Mitfahrgelegenheit besser.

Stephanie Peifer von Verdi bringt es auf den Punkt: Die Beschäftigten arbeiten „am Limit“. Und wie wir alle wissen, ist das Limit nur ein anderes Wort für „jetzt ist aber wirklich Schluss hier“. Die Tarifverhandlungen mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband NRW waren – man könnte sagen – so erfolgreich wie ein Regenschirm im Orkan: keine Einigung, dafür ordentlich Gegenwind.

Die Rheinbahn bittet um Verständnis – ein schönes Wort, das in etwa so viel hilft wie eine Busfahrkarte ohne Bus. Immerhin: Infos gibt’s unter rheinbahn.de/streik, auf Facebook, Instagram und unter der „Schlauen Nummer“. Letztere könnte sich als Ironie des Schicksals herausstellen, wenn man dort landet, aber niemand abnimmt – wegen Streik.

Und so wanken die Hildener durch einen Tag voller Improvisation: mit dem Fahrrad durch den Regen, zu Fuß durch den Frost, oder im Auto – gemeinsam mit 347 anderen, die denselben Gedanken hatten. Ein Hoch auf den öffentlichen Nahverkehr. Oder besser gesagt: auf die Idee davon.

Montag, du warst noch nie so anstrengend.

Sonntag, 1. Februar 2026

1.2.2026: Wenn das Sparschwein weint – Hildens Haushalt zwischen Realität und Rest-Cent

Es war einmal ein kleines, rosafarbenes Sparschwein in Hilden. Jahrelang lebte es gemütlich auf dem Regal im Rathaus, wurde ab und zu mit einem symbolischen Hammerschlag bedacht – rein zeremoniell, versteht sich – und träumte von einer Zukunft, in der Stadtkassen ausgeglichen sind, Spielmobile fröhlich durch die Straßen rollen und das Waldschwimmbad nie schließen muss. Tja, das war einmal.

Denn jetzt ist es ernst. Richtig ernst. So ernst, dass der städtische Kämmerer Martin Wiedersprecher sich genötigt sah, das Wort „Haushaltssicherung“ in den Mund zu nehmen – ein Begriff, der ungefähr so viel Spaß macht wie „Steuerprüfung“ oder „Kaltmiete in Düsseldorf“. Bei 214 Millionen Euro Einnahmen stehen mal locker 242 Millionen Ausgaben gegenüber. Minus 30 Millionen. Und das ist nur der Auftakt – der große Schulden-Jackpot wird erst 2029 mit erwarteten 170 Millionen Euro erreicht. Herzlichen Glückwunsch, Hilden, du hast das Triple geschafft: Kein Geld, steigende Kosten, und Investitionen sind auch noch fällig.

Aber Hilden wäre nicht Hilden, wenn man nicht wenigstens versuchen würde, das Beste daraus zu machen. Und so lud man zum Bürgerhaushalt ins Bürgerhaus – ein Ort, an dem normalerweise Ratsmitglieder sitzen, aber an diesem Abend saßen da Bürger. Und Bürgermeister. Und Beigeordnete. Und ein Kämmerer mit einem sehr, sehr dicken Aktenordner voller schlechter Nachrichten.

Die Liste der Kostentreiber ist lang und fies: Kreisumlage rauf wegen Monheim, Sozialausgaben am Limit, Kitas mit Millionenlöchern, und selbst das Kinder-Mittagessen fährt Verlust ein – da hilft auch kein Nachschlag. Die Hundesteuer mit ihren 400.000 Euro Einnahmen wirkt da wie ein Witz mit Fußhupe.

Aber was macht der Hildener Bürger? Sitzt er still, senkt den Kopf, fängt an zu googeln, was ein „Kassenkredit“ ist? Nein. Er fragt! Und er denkt mit! Vorschläge fliegen durch den Bürgersaal: Ehrenamt stärken, Förderverein fürs Waldschwimmbad gründen, Digitalisierung nutzen – vielleicht kann man irgendwann die Schulden einfach ins Metaverse outsourcen?

Der Bürgermeister jedenfalls greift Ideen dankbar auf und lobt Engagement. Und während draußen der Regen auf die Stadt fällt wie die Zahlenkolonnen aufs Haushaltsblatt, gibt es doch einen Hoffnungsschimmer: Wenn alle mitmachen, wird vielleicht aus dem Defizit kein Drama, sondern eine gemeinsame Kraftanstrengung. Oder zumindest eine ordentliche Spendenquittung.

Das Sparschwein übrigens? Steht jetzt wieder auf dem Regal. Etwas ramponiert, aber lebendig. Mit einem Zettel auf dem Bauch: „Nicht schlachten – lieber Ideen reinwerfen.“

Freitag, 30. Januar 2026

30.1.2026: Schlaglöcher, Asphalt und Amphibien: Ein Drama am Schwarzen Weiher

Es gibt Orte, da tobt das Leben – und dann gibt es den Radweg „Am Schwarzen Weiher“ zwischen Langenfeld und Hilden. Eine Route, die bisher vor allem durch ihre charmante Mischung aus romantischem Schotter, überraschenden Schlaglöchern und einer Prise Nervenkitzel beim Ausweichen besticht. Doch damit ist bald Schluss: Die Schlaglöcher haben ausgehüpft, es wird asphaltiert!

Ja, richtig gelesen. Das 800 Meter lange Teilstück, das sich bisher anfühlte wie eine Teststrecke für Geländefahrräder oder die heimliche Lieblingsroute jedes Orthopäden, wird endlich saniert. Und zwar nicht irgendwie – sondern gleich mit vier Metern Breite in einem Guss. Die STRABAG kommt mit schwerem Gerät, und wer in dieser Zeit dort lang will, muss Umwege in Kauf nehmen: Über Wolfhagener Straße, Kaiserstraße und Hildener Straße – ein Radfahrertraum aus Asphalt, Abgas und Ampeln.

Doch bevor man in die Versuchung gerät, sich über Umleitungen zu beschweren, ein kurzer Blick auf die wahren Helden dieses Projekts: die Kreuzkröten und Zauneidechsen. Die dürfen nämlich bleiben. Extra Markierungen sollen sie darauf hinweisen, dass sie bitte nicht quer über den heißen Asphalt spazieren – oder womöglich Roller fahren. Artenschutz wird hier nämlich großgeschrieben, und so wird der Radweg zur ersten Kröten-kompatiblen Schnellstraße der Region. Verkehrsberuhigt für Reptilien, versteht sich.

Wer jetzt denkt: „Na super, endlich Schluss mit dem Zickzack-Fahren um Pfützen und Krater“, sollte sich den Kalender schnappen – Baubeginn ist in der ersten Februarwoche. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Es ist schließlich Winter, da geht vieles – aber nichts planmäßig.

Also: Noch einmal tief durchatmen, vielleicht ein letztes Mal die Zähne zusammenbeißen beim nächsten Schlagloch, und sich innerlich verabschieden vom Abenteuer „Radweg wie Schweizer Käse“. Bald wird alles besser. Glatter. Und kreuzkrötensicher.

Mittwoch, 28. Januar 2026

28.1.2026: Hilden hebt ab – oder: Wie die Grundsteuer dem Immobilienbesitzer das Konto leert, aber das Herz erwärmt (mit leichtem Sarkasmus)

Gerade noch die Gasrechnung mit einem Lächeln geöffnet, weil: Hurra, sie ist dieses Jahr nicht in astronomischen Höhen explodiert – und zack, da kommt aus dem Rathaus der Steuerhammer geschwungen wie ein Vorschlaghammer im Porzellanladen. Am 4. Februar entscheidet der Stadtrat in Hilden nämlich über eine saftige Erhöhung der Grundsteuer B. Spoiler: Die Entscheidung dürfte ungefähr so erfrischend werden wie ein Regenschauer bei der eigenen Grillparty.

Was ist passiert? Die Stadt Hilden hat sich 2024 mutig an eine Splittung der Steuersätze für Wohn- und Nichtwohngrundstücke gewagt. Ein bisschen wie beim Frühstück: Croissant hier, Rührei da – Hauptsache alles getrennt. Leider hat sich herausgestellt, dass dieses steuerliche Menü juristisch so haltbar ist wie ein Joghurt im Sommerurlaub: Mehrere Gerichte haben die Idee kassiert, und auch in Hilden stapeln sich jetzt die Klagen. Ergebnis: Die Verwaltung will zurückrudern. Und zwar kräftig.

Bisher zahlten Wohnimmobilien einen eher entspannten Satz von 650 Punkten. Gewerbe dagegen musste mit 1.300 Punkten tief in die Tasche greifen. Doch nun ist Schluss mit dem Steuer-Klassenunterschied. Zur Debatte stehen einheitliche Sätze von 800 oder 860 Punkten. Klingt erstmal nicht dramatisch – ist es aber. Denn während das Gewerbe künftig aufatmen kann (und sich vielleicht ein extra Brötchen beim Bäcker gönnt), dürfen Wohnungs- und Hausbesitzer tiefer in die Tasche greifen. Und Mieter dürfen sich freuen: Das Ganze wird natürlich liebevoll über die Nebenkosten weitergereicht. Inklusive Schleifchen.

Für die einen bedeutet das: 100 Euro mehr im Jahr für die Zweizimmerwohnung. Für die anderen: 130 Euro für die Drei-Zimmer-Variante. Und wer im Einfamilienhaus wohnt, darf sich jetzt ein bisschen wie ein VIP fühlen – mit Extra-Aufschlag natürlich. Vielleicht gibt’s demnächst auch Sammelpunkte dafür: „Zahlen Sie jetzt Ihre Grundsteuer und sichern Sie sich ein Gratis-Taschentuch zum Weinen!“

Aber keine Sorge: Schuld hat – wie immer – niemand. Die Stadt Hilden verweist auf das Land NRW, das die Möglichkeit zur Aufsplittung überhaupt erst angeboten hat. Wie beim Kind, das sagt: „Der Hund hat meine Hausaufgaben gefressen“ – nur mit mehr Paragrafen.

Und so rollt sie weiter, die Steuerwelle durch die beschaulichen Straßen von Hilden. Vielleicht wird’s ja irgendwann wieder günstiger – zum Beispiel, wenn Strom und Gas wieder teurer werden. Dann fühlt sich die neue Grundsteuer auch nicht mehr ganz so schlimm an. Alles eine Frage der Perspektive.

Bis dahin: Festhalten, durchatmen, Kontoauszug ignorieren – und nicht vergessen, rechtzeitig die Nebenkostenabrechnung wegzuschieben, bevor sie depressiv macht. Hilden – eine Stadt zum (ver)lieben. Vor allem, wenn man Immobilien besitzt.

Montag, 26. Januar 2026

26.1.2026: Jeckinnen an Deck – Wenn Hilden zur galaktischen Karnevalszentrale wird

Was passiert, wenn sich rund 1000 Damen in die Hildener Stadthalle beamen und dabei so viel Glitzer, Popcorn und galaktische Kostümideen mitbringen, dass selbst die Enterprise neidisch würde? Richtig: Es ist wieder Zeit für „Jeck om Deck“ – die legendäre Damensitzung der KG Kniebachschiffer, die jedes Jahr aufs Neue beweist, dass Karneval in Hilden keine Frage des Alters, sondern der Attitüde ist.

Sitzungspräsidentin Stephanie Pook steuerte das narrische Narrenschiff mit souveräner Hand – kein Wunder, als Ex-Hoppedine kennt sie die jecke See wie ihre eigene Handtasche. Während an Deck die Altstadtfunken aus Köln einmarschierten, kam unter Deck (also im Saal) niemand zu kurz: Es wurde geschunkelt, gesungen und so wild gefeiert, dass selbst der Techniker vermutlich die Sicherungen rhythmisch mitschwingen ließ.

Männer waren auf der Bühne gnädigerweise noch erlaubt – allerdings nur als Showeinlage oder in Nebenrollen wie Technik, Gastro oder Security. Man(n) weiß ja, wo die Grenzen liegen. Die „Gentlemen“ der Fauth Dance Company durften tanzen, Klaus und Willi durften witzeln, die Höhner durften Herzen brechen (und Gisela suchen, eine Dame mit vermutlich sehr stabilem Geburtsjahrgang).

Das wahre Highlight aber: die Kostüme der Jeckinnen. Zwischen Shrek und Sonnenblume, Cowgirl und Popcornkopf zeigte sich einmal mehr, dass Karneval auch eine heimliche Modenschau ist – nur eben mit mehr Federn, weniger Regeln und deutlich mehr blinkendem Bling-Bling. Eine sechsköpfige Weltraumcrew um „Avatar-Birgit“ zeigte: Kreativität kennt keine Schwerkraft. Und wenn doch, wurde sie einfach mit einem rot-gelb blinkenden Ring neutralisiert – Magic, sagt Lulu. Mehr verrät sie nicht. Wahrscheinlich Top Secret. NASA-Stufe.

Auch politisch wurde’s kurz, als Bernd Stelter sich in „Kanzler von Deutschland“ verwandelte – und dabei feststellte, dass er unter den Top-30-Streamingstars kaum noch jemanden kennt. Außer Taylor Swift. Die kennt er neunmal. Da fühlt man sich dann schon fast ein bisschen wie bei der Damensitzung: Bunt, laut, ein bisschen nostalgisch – aber mit ganz viel Herz und Humor.

Fazit: Wer noch nie bei „Jeck om Deck“ war, hat definitiv was verpasst. Hier wird gelacht, getanzt, gesungen – und wenn’s sein muss, auch mal spontan die Raum-Zeit-Kontinuität aufgehoben. Hauptsache, das Bier fließt, das Kostüm glitzert und der Kapellmeister hört auf Kommando. Alaaf, Hilden – das war wieder galaktisch gut!

Sonntag, 25. Januar 2026

25.1.2026: Hilden – was leuchtet später? Der Claim ist weg, der Ärger bleibt

Hilden – was liegt näher? Na ja, inzwischen wohl eher: Hilden – was lag da mal? Denn wer zuletzt durch die Mittelstraße geschlendert ist und hoffte, vom stadtbekannten Leuchtspruch begrüßt zu werden, wird enttäuscht weitergeschlendert sein. Die legendären Leuchtbuchstaben, einst stolzes Aushängeschild unserer Shopping-Oase, sind – Achtung Wortspiel – ausgeknipst und abgehängt worden. Der eine Schriftzug ging bereits 2023 in die ewigen Dunkelkammern ein, nun folgte ihm der letzte seiner Art. Hilden ohne Claim – das ist wie Düsseldorf ohne Altbier. Oder wie Solingen ohne Messer. Irgendwie… funktionslos.

Was ist passiert? Nun, die Geschichte beginnt mit einem Klassiker aus dem deutschen Behörden-Kabarett: Verantwortlichkeiten wurden verlagert, Budgets beschnitten, Zuständigkeiten verschwommen wie das Licht der letzten funktionierenden Glühbirne. Die Stadtmarketing GmbH wurde ins Citymanagement eingemeindet, und plötzlich waren die schönen Worte auf einmal nur noch... Worte. Dabei hatte der Stadtmarketing-Verein um Bastian Mey schon den Schraubenzieher in der Hand! Er wollte die Schriftzüge retten, reparieren, wieder aufhängen – aus eigener Tasche! Aber die Stadt? Zog die Notbremse, wahrscheinlich am Stromkabel. „Zu teuer“, hieß es, „nicht mehr zeitgemäß“. Vermutlich hätte man den Satz auch in Comic Sans auf einem iPad vorschlagen müssen, dann wäre es durchgewunken worden.

Man fragt sich: Was bitte ist nicht mehr zeitgemäß daran, als Stadt zu sagen „Hey, kommt vorbei, wir sind direkt um die Ecke und wir haben Schaufenster, die nicht nur online sind!“? Aber gut, Marketing in Zeiten von Haushaltskonsolidierung ist eben wie Werbung für Diät-Cola in der Wüste – man weiß, es braucht es, aber keiner will dafür zahlen.

Jetzt ruhen die einst leuchtenden Lettern im Keller von Bastian Mey, wahrscheinlich zwischen Weihnachtsdeko und alten Wahlplakaten. Dort warten sie auf ihre Auferstehung – oder wenigstens auf den 4. März 2026, wenn im Ausschuss für Wirtschaftsförderung vielleicht noch einmal jemand den Lichtschalter sucht.

Bis dahin bleibt uns nur, nostalgisch zurückzublicken und zu hoffen, dass „Hilden – was liegt näher“ nicht ersetzt wird durch „Hilden – war da mal was?“

Montag, 19. Januar 2026

19.1.2026: Leerstandslust statt Ladenfrust: Willkommen im Hildener Immobilien-Mikado

In Hilden weht ein frischer Wind – allerdings nicht durch geöffnete Ladentüren, sondern durch leerstehende Schaufenster. Wer dieser Tage durch die Mittelstraße schlendert, hat gute Chancen, sich auf einer Art Stadtführung der besonderen Art wiederzufinden: „Hier stand mal Deko. Da war mal Pasta. Und dort hinten, da konnte man für einen Euro das halbe Inventar eines Wohnzimmers kaufen.“ Manch ein Ladenlokal ist inzwischen so lange leer, dass selbst die Spinnenweben einen Gewerbeschein beantragt haben.

Früher war alles einfacher, sagen die Makler – und meinen damit nicht nur die Mieter. Da reichte ein bisschen Farbe an der Wand, ein Schaufensteraufsteller und der Zauber der Worte „in guter Lage“ – schwupps, war das Ding vermietet. Heute reicht selbst eine Schaufensterfront von acht Metern und ein Laden in 1a-Lage nicht mehr aus, um jemandem das Herz zu erwärmen. „Da ist noch gar kein Estrich drin“, wird zum Argument auf Augenhöhe mit „Die Energie der Immobilie fühlt sich nicht richtig an“ – was Makler Max Schäfer sicher in sein nächstes Exposé aufnimmt.

Der Hildener Einzelhandel steht vor der ultimativen Challenge: dem Casting für „Germany’s Next Top-Mieter“. Die Anforderungen sind dabei inzwischen strenger als bei der Auswahl fürs Dschungelcamp: nachhaltig soll er sein, solide, mit innerer Balance, am besten keine plötzlichen Döner-Gelüste oder Ambitionen Richtung Barber-Shop. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ein holländischer Fritten-Pionier an einer Stufe scheitert? Aber so ist das eben, wenn der Zugang zum Kunden wortwörtlich ins Stolpern gerät.

Derweil basteln Eigentümer, Makler und Stadtverwaltung an kreativen Lösungen – von Mietpreisverhandlungen bis hin zu Studien über „vitale Innenstädte“. (Spoiler: Vital ist gerade nur der Leerstand.) Die Wirtschaftsförderung bleibt tapfer und optimistisch. Man kann sich bildlich vorstellen, wie sie in einem leeren Ladenlokal sitzt, zwischen Kartons voller Hoffnung, und murmelt: „Das wird schon wieder.“

Immerhin: Es bewegt sich was. Zum Beispiel der Ein-Euro-Shop – raus aus dem Rathaus-Center. Wer glaubt, dass das niemand bemerkt hat, irrt. Eigentümer Manfred Kluth sieht sich mit einem neuen Bewerber-Spektrum konfrontiert, das irgendwo zwischen halbgar und völlig ungenießbar schwankt. Wer dachte, Dönerläden wären ein sicheres Investment, merkt schnell: in Hilden ist selbst der Fleischspieß ein schwieriger Verhandlungspartner.

Und dann wäre da noch die Preisfrage. 12 bis 40 Euro pro Quadratmeter, sagt der Mietspiegel. Realistisch? Nur, wenn man in Monopoly lebt. Viele Vermieter kalkulieren weiterhin mit Umsätzen aus dem Jahr 2015, während die Kundschaft inzwischen lieber spart, statt Deko-Krims zu shoppen. Wer die Innenausstattung selbst bestimmen darf, fragt sich inzwischen vor allem: „Was kostet ein Schild mit der Aufschrift ‚Zu vermieten‘ in Goldbuchstaben?“

Vielleicht ist es ja auch Zeit für neue Konzepte. Wie wäre es mit einem Pop-up-Museum für gescheiterte Geschäftsideen? Oder einer Erlebnisführung durch die „Lost Shops of Hilden“ – inklusive Taschenlampe und Gänsehaut-Atmosphäre? Die Stadt wird kreativ werden müssen, denn die Realität hat das Drehbuch schon längst geschrieben – nur leider kein Happy End... noch nicht.

Denn wenn Hilden eines hat, dann ist es Potenzial – und ziemlich viel freie Verkaufsfläche, um es irgendwann auch mal wieder zu zeigen. Bis dahin bleibt uns die Hoffnung, dass zumindest der nächste Burger-Laden etwas länger durchhält als eine Tiefkühlpizza im Backofen.

Sonntag, 18. Januar 2026

18.1.2026: Baustellen-Yoga auf der Hochdahler Straße: Der Stau als neues Achtsamkeitstraining

Es ist wieder so weit: Die Hochdahler Straße in Hilden geht in die nächste Bau-Runde – oder wie die Stadtwerke es nennen würden: der Abschnittstanz der Leitungsverlegung. Seit dem Jahr 2024 schleicht die Baustelle abschnittsweise durch das Stadtbild, als würde sie eine Schnitzeljagd gegen den Verkehrsfluss veranstalten. Aktuell liegt der Fokus auf dem Streckenabschnitt zwischen Beethovenstraße und „Am Jägersteig“ – eine Strecke, die Autofahrende mittlerweile vermutlich im Schlaf rückwärts fahren könnten.

Wer in den vergangenen Tagen in einem dieser eleganten Rückstauschlangen-Formationen gestanden hat, weiß: Das ist keine einfache Baustelle, das ist ein Geduldsepos. Die Baustellenampel – in mittlerweile vier Phasen gegliedert – zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn man die Ampelphasen nicht auf Verkehr, sondern auf die innere Reife des Fahrers abstimmt. Manche warten dort so lange, dass sie anfangen, Podcasts rückwärts zu hören oder meditativ auf das rhythmische Blinken des Baustellenlichts starren.

Die Stadtwerke geben sich indes betont entspannt. Alles im grünen Bereich, Rückstaulänge laut Baustellenbeauftragten „nicht unangemessen“. Klar, was sind schon drei Kilometer Stillstand gegen das große Ziel: neue Leitungen, Netzausbau, Fortschritt! Wahrscheinlich denkt man in Hilden längst über Baustellenführungen mit Audio-Guide nach. „Links sehen Sie den legendären Abschnitt von Januar 2026 – bekannt für seine besonders inspirierenden Rotphasen.“

Apropos Inspiration: Einige Anwohner beobachten mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Abenteuerlust, dass Autofahrer trotz der Sperrung weiterhin vom Jägersteig auf die Hochdahler Straße abbiegen – vermutlich im Glauben, das Baustellenchaos sei nur ein Paralleluniversum und nicht wirklich Teil ihrer Realität. Vielleicht ist das Ganze aber auch nur ein soziales Experiment. „Wie verhalten sich Menschen, wenn sie vier Wochen lang immer wieder denselben Bagger sehen?“ Die Antwort: Sie fahren trotzdem. Immer. Wieder.

Also liebe Hildenerinnen und Hildener: Nutzt die Zeit im Stau, atmet tief durch, lasst euch von der Baustelle in den Zen-Modus schaukeln. Wer braucht schon einen Wellnessurlaub, wenn man auf der Hochdahler Straße mit Baustellen-Ambiente, hupendem Verkehrschor und blinkenden Ampeln das volle Entspannungsprogramm hat? In vier Wochen ist alles vorbei. Vielleicht. Eventuell. Ganz sicher. Hoffentlich.

Samstag, 17. Januar 2026

17.1.2026: Wenn Schüler auf Shoppingtour gehen – Aldi Hilden wird zum Pausen-Abenteuerland

Hilden, einst eine beschauliche Stadt mit netten Reihenhäusern, Kreisverkehren und einer durchschnittlichen Dichte an Bäckereien – hat jetzt ihr eigenes Bermuda-Dreieck: den Aldi an der Gerresheimer Straße. Dort verschwinden regelmäßig Croissants, Gummibärchen und der letzte Rest Geduld von wartenden Rentnern. Der Grund: Schüler. Hunderte. Jeden Mittag. Ein Schwarm pubertierender Snack-Sammler auf der Jagd nach dem günstigsten Zuckerschock der Region.

Was wie eine harmlose Snack-Odyssee klingt, geriet zuletzt außer Kontrolle. Laut Schulleitern der benachbarten Schulen – der Wilhelmine-Fliedner-Gesamtschule und dem Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium (kurz: „Bonni“, für Freunde von Abkürzungen und Alliterationen) – kam es zu einem „Vorfall“. Nein, kein Überfall mit Einkaufswagen als Ramböcken, aber immerhin genug Durcheinander, um Eltern mit Rundbriefen zu beglücken – dem wahrscheinlich einzigen Papier, das Schüler NICHT freiwillig aus Aldi tragen.

Während man in Hilden munkelte, es sei zu einem Schüler-Aufstand mit Gummibärchen-Katapulten und Energydrink-Regen gekommen, gab sich Aldi-Süd tiefenentspannt. „Alles im Rahmen“, heißt es aus der Zentrale, vermutlich beim zweiten Kaffee des Tages. In der Unternehmenssprache klingt das ungefähr wie: „Ja, ein paar Chipstüten lagen quer, aber wir haben schon schlimmeres gesehen – zum Beispiel Rabatt-Tage bei Nutella.“

Die Schulen reagierten pflichtbewusst pädagogisch korrekt: Briefe, Gespräche, disziplinarische Maßnahmen im Wiederholungsfall – die volle Erziehungsdröhnung. Sozialstunden und Schulverweise schweben wie dunkle Wolken über den Aldi-Gängern der Klassenstufen 7 bis 13. Aber immerhin dürfen die Jugendlichen das Schulgelände in Pausen verlassen, solange sie sich draußen benehmen wie – na ja, wie Menschen, die nicht bei Aldi randalieren.

Ein Vater – vermutlich jemand, der morgens um 6 Uhr mit Thermoskanne pendelt – zeigte sich zwar überrascht vom Vorfall, aber nicht von der Tatsache, dass sein Kind lieber zu Aldi geht als zu den Schul-Automaten nebenan. Die nämlich sind teuer, energydrinkverseucht und haben ungefähr die kulinarische Bandbreite eines Parkplatz-Kiosks in der Sahara. „Aldi ist billiger“, sagt er. Und das dürfte in Teenager-Logik etwa gleichbedeutend sein mit „Aldi ist heiliger Boden“.

Dass andere Kunden das tägliche Schüler-Flashmob-Festival nicht ganz so charmant finden, ist nachvollziehbar. Da steht man nichtsahnend in der Kassenschlange mit einem Päckchen Kaffefilter und wird plötzlich von 73 Schülern mit Doppeldöner, Club Mate und einer offenen Bluetooth-Box umzingelt. Für einige ist das wie ein Live-Konzert mit Körperkontakt – nur ohne Ticket und mit sehr viel Axe-Deo in der Luft.

Aber seien wir ehrlich: Das ist nicht neu. Schon 2015 titelte die Lokalzeitung: „Wenn die Schüler den Discounter stürmen“. Es ist also eher eine lieb gewonnene Hildener Tradition. Andere Städte haben Denkmäler, Hilden hat den Pausen-Aldi.

Fazit: Die Kombination aus jugendlicher Energie, günstigen Preisen und einem Discounter in Schulnähe ist hochexplosiv – und offenbar wieder mal losgegangen. Aber keine Sorge: Die Schulen schreiben Briefe, Aldi bleibt cool, und die Schüler haben gelernt, dass es bei Chaos keine Treuepunkte gibt. Bis zum nächsten Snack-Ansturm.

Freitag, 16. Januar 2026

16.1.2026: Wenn Geduld eine Steuervergünstigung wäre – Hilden auf Platz 71

Wer in Hilden seine Steuererklärung abgibt, braucht vor allem eins: ein ruhiges Gemüt und einen Kalender, der nicht nur bis nächsten Dienstag reicht. Denn im Durchschnitt dauert es dort stolze 53,9 Tage, bis der heiß ersehnte Steuerbescheid ins Haus flattert – also fast zwei Monate. Das ist nicht ganz Schneckenpost, aber auch nicht gerade Express. Damit landet Hilden im großen NRW-Steuerranking immerhin auf Platz 71 von 104. Also im soliden Mittelfeld – oder wie man hier sagen würde: „Da kannste nix sagen, aber auch nicht viel erwarten.“

Dabei muss man dem Finanzamt Hilden zugutehalten: Es wird schneller! 2024 lag die Wartezeit noch bei 56,6 Tagen. Wer jetzt denkt: „Wow, drei Tage schneller!“, dem sei gesagt – ja, stimmt, aber immerhin! In einem System, in dem sich Fortschritt normalerweise in Gesetzesnovellen und Paragraphenreformen im Zeitlupentempo zeigt, ist das schon fast Formel 1.

Der Spitzenreiter in NRW ist übrigens Bottrop. Dort kriegt man seinen Bescheid schon nach 33,1 Tagen. Vielleicht hat man dort einfach mehr Koffein im System – oder mehr Mitarbeitende mit Steuer-Superkräften. Am anderen Ende der Steuerwarteschlangen-Skala: Bielefeld-Außenstadt, mit epischen 71,6 Tagen. Vielleicht versucht man dort auch einfach nur, das Steuerjahr vollständig zu verarbeiten, bevor man antwortet. Gründlich eben.

Aber zurück nach Hilden. Dort schraubt man offenbar auch an der Digitalisierung, so sagt jedenfalls der Geschäftsführer von Lohnsteuer-kompakt.de, der das alles ausgewertet hat. Automatisierung helfe, und die einfache Erklärung: Wenn die Computer die langweiligen Fälle übernehmen, können die Menschen sich den komplexen zuwenden – also zum Beispiel der Frage, ob der Dackel als beruflich bedingter Wachhund gelten kann.

Deutschlandweit ist übrigens Zwiesel in Bayern der absolute Steuerrennfahrer: 28,4 Tage bis zum Bescheid! Dort muss man kaum zweimal blinzeln, da ist der Steuerbescheid schon da – man fragt sich, ob der gleich mit dem Weißwurstfrühstück geliefert wird.

Fazit: Hilden ist nicht schnell, aber auf dem Weg der Besserung. Wer seine Steuererklärung dort einreicht, sollte den Timer eher in Wochen statt Tagen stellen – oder in Haan einen Kaffee trinken gehen und einfach später nochmal in den Briefkasten schauen. Und hey – immerhin dauert's nicht so lange wie in Berlin International. Dort wartet man über 90 Tage. Da ist die Steuererklärung schneller verjährt als bearbeitet.

Donnerstag, 15. Januar 2026

15.1.2026: Mehrwertsteuer runter, Stimmung hoch? – Ein kulinarischer Blick hinter die Gastro-Kulissen von Hilden und Haan

Die frohe Botschaft zum Jahreswechsel: Die Mehrwertsteuer auf Speisen wurde von 19 auf 7 Prozent gesenkt. Hurra! Ein Fest für die Kundschaft – dachte man. Doch die Realität in Hilden und Haan zeigt: So ein Geschenk packt jeder Gastronom anders aus. Manche werfen es wie Konfetti in die Luft, andere packen es lieber diskret in die betriebswirtschaftliche Schublade.

Beginnen wir mit dem „China Happy Day“. Dort ist der Name Programm – und zwar nicht nur wegen gebratener Nudeln in herzhaftem Glück, sondern auch, weil Inhaberin Yanqing Chen den Steuerbonus direkt in 20 Prozent Rabatt für Selbstabholer verwandelt hat. Fast schon eine kleine Steuerparty im Imbissformat. Die Devise: Wer läuft, spart! Und zwar nicht nur Kalorien, sondern auch bares Geld.

Im „Olive“ in Hilden hingegen bleibt der Geldbeutel so voll wie der Teller – zumindest aus Sicht der Gäste. Pächter Daniel Borgia sagt klipp und klar: „Runter mit der Steuer? Schön. Aber unsere Preise bleiben, wo sie sind.“ Gründe gibt’s reichlich: Inflation, Löhne, Sozialabgaben – das komplette Sorgenbuffet eben. Borgia möchte eine ehrliche Küche, und dazu gehören offenbar auch ehrliche Preise, die sich leider nicht nach Steuersätzen richten, sondern nach dem ganz realen Finanzschmerz eines Gastronomen.

Im „Markthaus“ wird’s ebenfalls keine Happy-Hour für den Geldbeutel geben. Inhaber Rene Beslic spart sich die Preiserhöhung von 2025 einfach auf und sieht die Steuersenkung als kleine Wiedergutmachung für all die gestiegenen Kosten. Auch hier lautet das Motto: Preisstabilität ist das neue Sparen.

Die „Königshöhe“ in Haan bleibt majestätisch gelassen. Statt mit Prozenten jongliert man dort lieber mit Schnitzeltagen. Die Karte bleibt gleich, die Thementage sind der Rabatt. Vielleicht nicht revolutionär, aber wenigstens planbar. Und: Man muss sich das Schnitzel nicht selbst abholen. Ein Hoch auf den Service!

Beim „Da Lilo“ wiederum sorgt nicht etwa die Steuer für Gesprächsstoff, sondern das Paprikadrama des Tages: 25 Euro für drei Kilo! Da hilft auch der gesenkte Steuersatz nur bedingt. Halil da Lilo bleibt realistisch – keine Preissenkung, keine Preiserhöhung, aber eine gewisse Paprikapolitik, die künftig vielleicht eher auf Zucchini setzt.

Unterm Strich bleibt festzuhalten: Die Mehrwertsteuer mag gefallen sein, die Preise aber eher nicht. Wer also gehofft hatte, dass er 2026 sein Lieblingsgericht zum Schnäppchenpreis bekommt, muss sich gedulden – oder ins „China Happy Day“ marschieren. Immerhin dort gibt’s Ersparnis mit Sojasoße. Und für den Rest gilt: Gut gekocht ist halb gespart – auch wenn’s keiner merkt.

Mittwoch, 14. Januar 2026

14.1.2026: Post vom Amt – oder: Wie Hilden versucht, den Humor in der Mülltonne zu versenken

Januar in Hilden. Draußen ist es grau, der Glühwein von Weihnachten noch halb verdaulich, und was findet man im Briefkasten? Einen lieben Gruß vom Amt für Finanzservice! Kein Gutscheinheft, keine Einladung zum Neujahrsempfang – nein, es sind die Gebührenbescheide. Für Abfall, für Straßenreinigung, für Winterdienst – quasi die große Drei der städtischen Servicefreuden. Wer sich auf einen kuscheligen Jahresstart ohne Papierkram gefreut hat, wird enttäuscht: Willkommen im Verwaltungstango mit Anschreiben, Gebührenverzeichnis und dem charmanten Hinweis, dass Müllmarken von 2024 auch 2026 noch was gelten. Nachhaltigkeit à la Hilden.

Doch nicht alles ist so klar geregelt wie die Frage, ob Bio- oder Restmülltonne (Spoiler: kommt drauf an, ob's riecht). Die Grundsteuerbescheide zum Beispiel bleiben dieses Jahr erstmal *in der Schublade*. Wegen „unklarer rechtlicher Lage“, wie es so schön heißt. Und während ganz Deutschland darüber diskutiert, ob die neue Grundsteuer überhaupt verfassungskonform ist, sagt Hilden: „Dann halt nicht.“ Wer schon fleißig vorausgezahlt hat, bekommt das Geld sogar zurück – was, seien wir ehrlich, bei städtischen Behörden etwa so oft passiert wie Schneefall im August.

Für echte Kommunikation mit dem Amt braucht man allerdings gutes Timing. Telefonisch erreichbar ist man dienstags von 14 bis 16 Uhr – also exakt während der Zeit, in der der Durchschnitts-Hildener entweder arbeitet oder in der Warteschlange beim Bäcker steht. Wer lieber hingeht, kann das dienstags vormittags oder donnerstags nachmittags tun. Also genau dann, wenn das Ordnungsamt garantiert das Auto abschleppt, weil man in der Eile auf dem Behindertenparkplatz stand. Und sollte man außerhalb dieser Öffnungszeiten ein Anliegen haben, wird das „so schnell wie möglich bearbeitet“. Also irgendwann zwischen Aschermittwoch und Sankt-Nimmerleins-Tag.

Besonders spannend wird es, wenn man seine Mülltonne tauschen will. Das geht nämlich nicht einfach so am Wertstoffhof – nein, dafür kommt jemand vom *Zentralen Bauhof* persönlich vorbei. Man stelle sich das romantische Bild vor: ein städtischer Mitarbeiter, der im Morgengrauen die neue Biotonne wie einen Schatz über den Gartenzaun hebt, während man im Bademantel anerkennend nickt.

Für alles Weitere gibt’s Formulare online. SEPA-Mandate, Tonnen-Anpassungen, das volle Programm. Nur faxen darf man auch noch. Ja, richtig gelesen. Fax. 2026. In einer Welt mit KI, Marsmissionen und Toastern, die sich mit dem WLAN verbinden, setzt Hilden weiterhin auf piepsende Papiermaschinen aus den 90ern. Irgendwo in einem Amtszimmer steht wahrscheinlich noch ein Nadeldrucker und druckt Gebührenerinnerungen auf Endlospapier mit diesen lustigen Lochrändern.

Kurzum: Das neue Jahr beginnt in Hilden so, wie es sich für eine Stadt mit gut organisierter Bürokratie gehört – mit Gebühren, Fragen, Faxnummern und einem Hauch Nostalgie. Nur die Grundsteuer? Die macht dieses Jahr blau. Wahrscheinlich wartet sie noch auf ihren eigenen Gebührenbescheid.

Dienstag, 13. Januar 2026

13.1.2026: Haushaltsheld*innen aufgepasst! Hilden bittet zur Kassenkontrolle

Stellen Sie sich vor, Sie stehen im Supermarkt und überlegen, ob Sie das Bio-Gemüse oder doch lieber die Tiefkühlpizza nehmen – und plötzlich kommt der Bürgermeister vorbei und fragt: „Und? Was meinen Sie, sollen wir für die Stadt auch eher auf Nachhaltigkeit oder auf Tiefkühlkost setzen?“ Genau so fühlt sich der Bürgerdialog zum Haushaltsplan 2026 in Hilden an – nur mit etwas mehr Kämmerer und etwas weniger Gemüse.

Am 29. Januar wird es also ernst – oder zumindest haushaltsmäßig interessant. Im vierten Stock des Bürgerhauses trifft sich die Crème de la Crème der Hildener Verwaltung, um über das große Ganze zu sprechen: Geld. Genauer gesagt, wofür man es 2026 ausgeben will – und woher man es überhaupt nehmen könnte. Denn wie wir alle wissen: Geld wächst nicht auf den Bäumen, sondern auf der Mittelstraße, manchmal auch in Fördertopfgewächshäusern.

Kämmerer Martin Wiedersprecher (kein Künstlername!) hat schon im Dezember den Haushaltsplanentwurf vorgestellt – jetzt sollen die Bürger*innen ran. Denn wer, wenn nicht Sie, weiß am besten, ob wir mehr Parkbänke, bessere WLAN-Spots oder doch einen städtischen Streichelzoo mit Stadtratshamstern brauchen? Bürgermeister Claus Pommer nickt zustimmend und sagt sinngemäß: „Wir hören zu!“ – und das ganz ohne Ironie. Die Beteiligung ist also nicht nur willkommen, sondern erwünscht. So wie Kuchen im Büro. Oder Regen nach dem Autowaschen.

Wer nun denkt, „Haushaltsplan klingt wie ein PDF mit 300 Seiten Langeweile“, der irrt – ein bisschen. Denn es geht ja um Ihre Stadt, Ihre Steuern und Ihre Vorschläge. Sie können live im Bürgersaal mitdiskutieren oder ganz bequem per E-Mail Ihre Meinung sagen. Sogar online anmelden darf man sich – fast wie bei einem exklusiven Event, nur ohne Dresscode, aber mit Excel-Tabellen.

Für alle, die schon mal vorfühlen wollen: Der Entwurf liegt jetzt schon auf [www.hilden.de/haushalt](http://www.hilden.de/haushalt) bereit. Und wer weiß – vielleicht entdecken Sie beim Durchscrollen den Posten „geheime Rutschbahn vom Rathauskeller ins Eiscafé“. Man wird ja wohl noch träumen dürfen.

Also, liebe Hildener*innen: Jetzt ist der Moment, in dem man nicht nur meckert, sondern mitredet. Oder zumindest mitliest. Und wer weiß – vielleicht fließt Ihre Idee bald in die großen Entscheidungen ein. Zum Beispiel: mehr WLAN. Oder weniger Rutschbahn.

Montag, 12. Januar 2026

12.1.2026: Wenn der Strom aus der Luft kommt – oder: Wie Hilden zum Actionfilm-Set wurde

Es gibt Dinge, die sieht man und denkt sofort: „Das kann nicht gut ausgehen.“ Zum Beispiel, wenn ein Hubschrauber in Schräglage nur wenige Meter an einer Hochspannungsleitung entlangschrammt. Und doch: Wer in den nächsten Wochen in Hilden oder Haan plötzlich einen Helikopter beim Seilestreicheln beobachtet, sollte nicht panisch die Feuerwehr rufen oder gleich das Drehbuch für „Mission Impossible: Niederrhein“ fertig schreiben. Alles in Ordnung – der fliegt da mit Absicht.

Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion hat nämlich Großes vor: Mit Hightech, Helikoptern und einer Prise Nervenkitzel kontrolliert er mal eben das komplette deutsche Hochspannungsnetz. Und weil das so viele Tausend Kilometer sind, kann es durchaus sein, dass der fliegende Kabeldetektiv plötzlich über dem eigenen Garten kreist. Für Laien sieht das aus wie ein riskantes Stunttraining. Für die Piloten ist es schlicht Montag.

Los geht’s ab dem 12. Januar – also rechtzeitig zur Jahreszeit, in der Menschen es sowieso schon unheimlich finden, wenn es irgendwo knistert. Geflogen wird mit 30 bis 40 km/h, was bei einem Helikopter ungefähr so wirkt, als würde ein Porsche im Schneckentempo durch die Waschanlage driften. Dabei kommen hochauflösende Infrarotkameras zum Einsatz, die thermische Auffälligkeiten aufspüren – sprich: die Leitungen werden auf Hitze-Hotspots untersucht, die man mit dem bloßen Auge genauso gut erkennen kann wie einen Pickel auf dem Rücken eines Hamsters.

Und was passiert, wenn so ein Isolator mal den Geist aufgibt? Dann wird sofort durchgefunkt, als ginge es um ein entlaufenes Einhorn. Zack, kommt die Truppe mit dem Schraubenschlüssel – wahrscheinlich auch per Luftpost – und macht das Ding wieder heil.

Wem das alles bekannt vorkommt: Ja, die fliegende Stromkontrolle ist nicht neu. Amprion macht das schon seit Jahren so. Aber trotzdem bleibt es jedes Mal ein kleines Spektakel. Schließlich ist es ein Unterschied, ob man mit einem Fernglas vom Boden aus nach verbogenen Maststreben schaut oder mit einem Helikopter in „ich-nehm-den-Mast-gleich-mit“-Nähe rumschwirrt. Da könnte man fast vergessen, dass es hier nicht um Hollywood, sondern um Hochspannung geht.

Also, liebe Hildener und Ha(a)ner: Wenn’s brummt am Himmel – keine Panik. Das ist keine Invasion, kein Dreh für „Alarm für Cobra 11“ und auch kein durchdrehender Tech-Milliardär auf Probeflug. Es ist einfach nur Amprion. Mit Kamera. Auf der Jagd nach heißen Drähten.

Sonntag, 11. Januar 2026

11.1.2026: Hackfleisch, Handarbeit und harte Wahrheiten – Das Ende von Vion in Hilden

Wenn man an Hilden denkt, denkt man vielleicht an gemütliche Altstadt, solides Handwerk oder an den einen REWE, der sonntags immer geöffnet hat. Was einem eher nicht sofort in den Sinn kommt: fein säuberlich von Hand zerlegtes Rindfleisch in industriellem Maßstab. Doch genau das war jahrzehntelang Realität in einem unscheinbaren Betrieb am Westring – bis jetzt.

Denn Vion, der fleischgewordene Großkonzern mit Sitz in den Niederlanden, hat beschlossen: Hilden ist durch. Nicht mehr zukunftsfähig. Oder wie man im Konzernsprech so schön sagt: "anhaltende strukturelle Veränderungen" haben den Standort zermürbt. Mit anderen Worten: Alles wird automatisiert, digitalisiert, globalisiert – außer vielleicht die Leberwurst im Kühlregal, aber selbst die kommt bald mit Blockchain-Etikett.

160 Mitarbeitende trifft die Nachricht wie ein Nackenkotelett. Noch vor Kurzem sah alles nach Rettung aus, man hatte Hoffnungen auf neue Investoren, sogar das Kartellamt wurde wach – am Ende reichte es aber nur noch für ein klassisches Betriebsversammlung-Desaster: „Danke fürs Kommen, das war’s dann auch schon.“ Natürlich läuft noch ein „Konsultationsverfahren“ – ein schönes deutsches Wort für „Wir reden nochmal drüber, aber ändern wird sich nix“.

Und das Schlimme: Die Leute, die da arbeiten, sind nicht etwa anonymer Schichtfleisch, das man beliebig in andere Werke stopfen kann. Nein, das sind eingewurzelte Hildener (oder immerhin Eingewanderte mit Wurzeln geschlagen), die teilweise seit Jahrzehnten die Steaks für unsere Grills in Form bringen. Handarbeit! Also das, was man sonst in jedem Bewerbungsgespräch als „verlorene Tugend“ lobpreist.

Aber genau diese Handarbeit wird dem Standort nun zum Verhängnis. Während andere Betriebe das Rind vermutlich schon mit KI-gesteuerten Lasern filettieren, wird in Hilden noch gesäbelt wie bei der Fleischer-Olympiade. Kein Zwischenlager, keine Automatisierung, kein Instagram-Account – so kann man heute kein Rind mehr in Szene setzen.

Der Gewerkschafter Thomas Bernhard bringt es auf den Punkt: „Die haben alle irgendwie ein Problem.“ Ein Satz, der sich nicht nur auf die Schlachthöfe beziehen lässt, sondern auch wunderbar auf Wirtschaft, Politik und die Metzgerei von nebenan anwendbar ist. Alles hat ein Problem – nur die Probleme selbst nicht, die wachsen wie von selbst.

Immerhin: Die Stadt will helfen. Bürgermeister Claus Pommer zeigt sich betroffen, Wirtschaftsförderer Schwenger bietet Perspektiven. Das klingt gut, ist aber auch so konkret wie ein Serviervorschlag auf einer Fertiglasagne. Ja, es gibt Arbeitsplätze. Nein, die kommen nicht automatisch mit einem Schnitzelzertifikat.

Was bleibt, ist eine Mischung aus Nostalgie und Betriebsratsfrust, gepaart mit der Hoffnung auf einen „sozial ausgewogenen Sozialplan“. Was das konkret heißt? Vielleicht ein Einkaufsgutschein bei Vion. Vielleicht ein Umzugsangebot nach Bayern. Vielleicht auch einfach nur ein feuchter Händedruck und der Wunsch, man möge sich „beruflich neu orientieren“.

Derweil rollt der Fleischmarkt weiter. Die nächste Eigenmarke steht schon bereit, die nächste Entlassungswelle vielleicht auch. Und irgendwo dazwischen: Hilden. Eine Stadt, in der jetzt nicht mehr zerlegt wird – aber dafür vielleicht bald wieder zusammengesetzt. Hoffentlich nicht nur metaphorisch.

Guten Appetit.

Samstag, 10. Januar 2026

10.1.2026: Hildanus & Hildania: Ein Prinzenpaar mit Herz, Pritsche und Instagram

Hilden steht Kopf – die närrische Session 2025/26 ist im vollen Gange und mittendrin: ein Prinzenpaar, das nicht nur Kamelle wirft, sondern Herzen gewinnt. Seine Tollität Prinz Hildanus Peter III. und ihre Lieblichkeit Prinzessin Hildania Silvia I. haben sich in ihren Samt-Ornaten nicht etwa in eine royale Komfortzone zurückgezogen – nein, sie regieren mit Pritsche, Tanz und sozialem Gewissen. Quasi Karneval mit Tiefgang, nur ohne Bedenkenträgerei.

Dabei hätten sich die beiden – eigenen Aussagen zufolge – auch einfach ein Auto kaufen können. Haben sie aber nicht. Stattdessen stecken sie Zeit, Energie und vermutlich einen Kleinwagenwert in ihre Amtszeit. Manch ein Außenseiter mag sich nun fragen: „Warum?“ Die Antwort ist simpel: Weil Karneval in Hilden mehr ist als Schunkeln und Schunkelmusik. Es ist gelebte Heimatliebe. Und manchmal auch ein kleiner Kraftakt.

Denn mit einer auf 80 Termine komprimierten Session bleibt kaum Zeit für Konfetti-Pausen. Das Paar tanzt sich durch Seniorenheime, Geburtstagsfeiern und Bühnenauftritte – mit einem eigens entwickelten Gemeinschaftstanz, der sogar von den Enkeln nachgetanzt wird. Silvia I. malt während Interviews Sonnenstrahlen auf Tische und verbreitet mehr Wärme als ein Heizlüfter in der Schützenhalle. Es ist, als wären die beiden nicht nur das Gesicht, sondern auch das Herz des Hildener Karnevals.

Prinz Peter, von Beruf Metallsägenverkäufer (ja, das gibt’s wirklich), hält eine Pritsche mit Stadtwappen und Sägeband in der Hand – vermutlich die erste symbolträchtige Karnevalswaffe mit Maschinenbau-Charme. Und Silvia? Die frischgebackene Rentnerin nutzt die Zeit nach dem Berufsleben nicht etwa für Kreuzfahrten oder Couch, sondern für Inklusion, Nachbarschaftshilfe und eine Extraportion Frohsinn. Während andere in ihrem Alter überlegen, ob sie die Kaffeemaschine auf „mittel“ oder „stark“ stellen, plant sie Instagram-Wettbewerbe und Gemeinschaftsaktionen.

Die Prinzenburg? Natürlich nicht irgendeine Besenkammer im Vereinsheim, sondern das Restaurant „Bella Storia im Fachwerk“, stilvoll, zentral, charmant. Von hier aus strahlt das Prinzenpaar in alle Richtungen – metaphorisch und organisatorisch. Damit auch der Nachwuchs bei der Stange bleibt, gibt’s Social-Media-Aktionen mit dem ultimativen Preis: einmal Prinzenwagen fahren an Rosenmontag. Mehr Hildener Adel geht nicht.

Und wer jetzt denkt: „Das ist doch alles nur bunte Show“, der war noch nie bei der Nachbarschaftshilfe-Tütchenpackaktion oder hat gesehen, wie die Kniebachschiffer dank des Engagements des Paares ihr Tanzcorps reaktivieren. Das ist kein Karneval für die Galerie – das ist gelebte Gemeinschaft im Glitzerkostüm.

Kurz gesagt: Hilden hat nicht nur ein Prinzenpaar. Es hat zwei Idealisten mit Faible für Stadtfarben, Gemeinschaftstanz und gute Laune. Wer braucht da noch ein Auto?

Freitag, 9. Januar 2026

9.1.2026: Hilden im Schneemodus: Wenn das Rheinland plötzlich Lappland spielt

Es gibt Tage, da wacht man in Hilden auf, schaut aus dem Fenster – und denkt kurz, man hätte aus Versehen den Netflix-Account auf „Nordic Noir“ umgestellt. Mittwochmittag jedenfalls hat der Winter im Kreis Mettmann wieder ordentlich nachgelegt: ergiebiger Schneefall, glitzernde Straßen, und überall dieses leise, aber deutliche „Uff“, das entsteht, wenn das Rheinland feststellt, dass Schnee nicht nur Deko ist, sondern auch Physik.

Auf den Straßen wurde aus „Ich fahr nur kurz“ schneller „Ich rutsche nur kurz“. Seit 13 Uhr gab’s ein verstärktes Geschehen, wie die Polizei so schön nüchtern sagt – 14 Unfälle in Hilden, vier in Haan, allesamt zum Glück nur mit Blech- und Zaunschaden. Wobei: Ein Gartenzaun, der plötzlich ein Auto als winterliches Accessoire trägt, hat sicher auch nicht mit seiner Woche gerechnet. Und während man sonst ins Parkhaus fährt, um dem Wetter zu entkommen, wurde das Parkhaus Am Kronengarten offenbar selbst zum Wetter: so rutschig, dass zwischen den Etagen „Fortkommen“ eher ein philosophisches Konzept war. Hausmeister alarmiert – das ist im Winter ungefähr die kommunale Version von „Avengers, assemble!“.

Die Region hat dabei ihre ganz eigene Schneekarte gezeichnet: In Mettmann lagen Lastwagen quer und machten aus „Durchfahrt frei“ kurzzeitig „Durchfahrt: nein“. In Velbert standen Linienbusse plötzlich so, als hätten sie beschlossen, aus Protest gegen die Straßenlage spontan Haltestelle zu spielen. Räumfahrzeuge waren zwar unterwegs, kamen aber gegen den Schneenachschub nicht sofort an – man kennt das: Du räumst, der Himmel so: „Süß.“

Die Feuerwehren in Hilden und Haan meldeten am Nachmittag noch keine witterungsbedingten Einsätze, aber die Bereitschaft war da. „Wir haben schon die Schneeketten aufgezogen“, hieß es sinngemäß. Das klingt ein bisschen, als würde man zum Elternabend gehen und sagen: „Ich hab schon die Argumente geladen.“ Man hofft, man braucht sie nicht – aber sicher ist sicher.

Und weil das Rheinland im Winter gerne sowohl romantisch als auch chaotisch ist, gab’s parallel diese Bilderbuchmomente: Innenstadt im kristallinen Weiß, die Mittelstraße plötzlich wie frisch gezuckert, die Reformationskirche geschniegelt im Schnee-Outfit, und irgendwo wird gerodelt, als hätte der Jaberg eine geheime Partnerschaft mit den Alpen. Spaziergänge mit Hund (gern mit Namen, die nach Chips klingen), Schnee-Engel, riesige Schneebälle auf zugefrorenen Teichen – inklusive dem wichtigen Hinweis: Zugefrorene Gewässer bitte nicht betreten, auch wenn sie so verlockend aussehen wie ein makelloser Kuchenboden. Und unter der Eisenbahnbrücke an der Itter hängen Eiszapfen, die schon mal üben, wie man in 150.000 Jahren eine Tropfsteinhöhle wird. Langfristige Karriereplanung kann der Winter.

Die offiziellen Ratschläge sind dabei so vernünftig, dass sie fast unrheinisch wirken: unnötige Fahrten vermeiden, Abstand halten, Tempo anpassen, vorausschauend und defensiv fahren – und, ganz wichtig, das Auto vom Schnee befreien. (Denn nichts sagt „Ich bin bereit für den Straßenverkehr“ wie ein Fahrzeug, das aussieht, als würde es gerade inkognito als Iglu durchgehen.) Auch die Rheinbahn warnt: Verspätungen und Ausfälle, vor allem bei den Buslinien – was im Winter bedeutet, dass „Ich bin gleich da“ zeitlich irgendwo zwischen „gleich“ und „Frühling“ liegen kann.

Und während wir über Glätte diskutieren, läuft im Hintergrund die große Logistik-Oper: Der Bauhof hat rund 630 Tonnen Streugut eingelagert, etwa 150 Tonnen sind schon raus – im Rheinland ist Streusalz gerade ungefähr so wertvoll wie früher Gold, nur dass man’s nicht in Tresoren lagert, sondern in Silos. Nachlieferungen sind unterwegs, und irgendwo sitzt bestimmt jemand im Rathaus und flüstert: „Haltet die Feuchtsalzreserven zusammen, Leute.“

Als Bonus gibt’s noch den Klassiker: Müllabfuhr und Weihnachtsbaum-Abholung können sich verzögern, weil der Winterdienst Personal bindet. Heißt praktisch: Wenn der Tannenbaum noch ein paar Tage länger am Gehweg liegt, ist das nicht Faulheit, sondern quasi ein letztes saisonales Statement. Wichtig nur: ohne Schmuck, sonst wird aus „Abholung“ schnell „Weihnachtsmarkt 2.0“.

Unterm Strich: Hilden und Haan haben wieder bewiesen, dass sie Schnee gleichzeitig wunderschön und unerquicklich können. Also: Genießen ja – aber bitte mit Abstand, mit Besen fürs Autodach und mit der Einsicht, dass „nur mal eben“ im Winter eine sehr optimistische Lebenshaltung ist. Bleibt vorsichtig da draußen – und wenn ihr unbedingt raus müsst: Fahrt, als wäre euer Gartenzaun schon vergeben.

Donnerstag, 8. Januar 2026

8.1.2026: Hildener Mietspiegel 2026: Jetzt wird zurückgerechnet!

Wer schon einmal versucht hat, die eigene Miete mit gesundem Menschenverstand einzuordnen, weiß: Das ist ungefähr so erfolgreich wie der Versuch, einem Goldfisch das Einmaleins beizubringen. Aber keine Sorge, die Stadt Hilden hat zum Jahresstart 2026 ein ganz besonderes Neujahrsgeschenk ausgepackt – einen brandneuen Mietspiegel! Und der kommt nicht etwa auf Papier oder mit Schleife im Briefkasten, sondern – wie es sich für die digitale Avantgarde von Rhein und Itter gehört – exklusiv online. Die gedruckte Broschüre? Gibt’s nicht. Dafür aber PDF. Und wenn das nicht nach amtlich geprüfter Wohnfreude klingt, dann wissen wir auch nicht weiter.

Der Mietspiegel wurde in liebevoller Dreiecksbeziehung zwischen dem Amt für Soziales und Wohnen, dem Haus- und Grundbesitzerverein Hilden sowie dem Mieterbund Rheinisch-Bergisches Land ausgebrütet. Gemeinsam haben sie Daten gesammelt, Vermieter befragt, Regressionsanalysen angewendet (kein Scherz!) und dabei vermutlich mehr Excel-Tabellen geöffnet, als ein durchschnittlicher Büroangestellter in seinem ganzen Leben zu Gesicht bekommt. Herausgekommen ist eine fein säuberlich gerechnete Übersicht über das, was man in Hilden *normalerweise* so für eine Wohnung bezahlt – je nach Baujahr, Ausstattung, Größe, Lage und wahrscheinlich auch Mondphase.

Für den unbedarften Hildener bedeutet das: Jetzt kann man sich mit ein paar Klicks schlau machen, ob die eigene Miete himmlisch fair oder doch eher galaktisch überteuert ist. Einfach den Mietspiegel-Rechner auf [www.hilden.de](http://www.hilden.de) anklicken, Wohnungsdaten eingeben und zack – Vergleichsmiete auf dem Bildschirm. Ob das dann beim nächsten Gespräch mit dem Vermieter hilft oder lediglich für erhöhten Puls sorgt, ist natürlich wie immer Typsache.

Die Stadt betont jedenfalls, dass der Mietspiegel ein sachliches Hilfsmittel zur Streitvermeidung ist. Und wer weiß – vielleicht bringt er tatsächlich ein bisschen Ruhe ins aufgeheizte Mietklima, bevor sich Nachbarn wieder mit dem Gartenzwerg bewerfen, weil einer 7,50 Euro zahlt und der andere 12,80. Transparenz ist schließlich Trumpf, vor allem wenn sie sich als PDF speichern lässt.

Und für alle, die sich jetzt schon auf das nächste große Zahlen-Update freuen: Ab 2030 soll ein „völlig überarbeiteter Mietspiegel“ erscheinen. Ob der dann holografisch projiziert wird oder direkt als Chatbot mit einem spricht, steht noch in den Sternen. Bis dahin bleibt uns der gute alte Rechner. Und das beruhigende Gefühl, wenigstens einmal im Leben statistisch korrekt gewohnt zu haben.